Lerbeck

Für Rockballaden alle Register gezogen

Michael Grundmeier

Überhaupt nicht angestaubt: Patrick Gläser brachte die Lerbecker Orgel zum Rocken. Foto: Grundmeier - © Picasa
Überhaupt nicht angestaubt: Patrick Gläser brachte die Lerbecker Orgel zum Rocken. Foto: Grundmeier (© Picasa)

Porta Westfalica-Lerbeck (mig). Orgel und Rock? Wie soll das denn zusammengehen? Gut geht's – das hat Patrick Gläser jetzt in der Kirche Lerbeck unter Beweis gestellt.

Die Orgel ein angestaubtes, altes Instrument? „Von wegen“, sagt Patrick Gläser, „was den Klang angeht, hat die Orgel unglaubliche musikalische Möglichkeiten“. Nur einpacken könne man sie eben nicht, vielleicht ihre größte „Schwäche“. Und weil das so ist, kommt Gläser zu den Menschen, diesmal in der Kirche Lerbeck. „Ich möchte zeigen, dass die Orgel ein zeitloses Instrument ist, ich möchte den Jugendlichen Lust aufs Orgelspielen machen“, erklärt er seine Motivation im Gespräch. Die Orgel sei „keine aussterbende Spezies“, macht der Kirchenmusiker deutlich.

Sein Programm „Orgel rockt – Tour 5 Best of“ soll die Menschen da abholen, „wo sie gerade stehen“, sie berühren und sie „zur Ruhe kommen lassen“.

Das „Crossover“ habe ihn schon immer gereizt, gesteht Gläser. „Der erste Anstoß kam durch eine CD eines Symphonie-Orchesters, das zusammen mit einer Rockgruppe aufgetreten war.“ Wenn Rock- oder Popsongs auf einem klassischen Kircheninstrument wie der Orgel gespielt werden, sei das ganz ähnlich, findet Gläser. „Das hat eine ganz besondere Kraft, man erlebt das Stück viel intensiver.“

Wie stark diese Kraft sein kann, erfuhr der Organist während eines Konfirmationsgottesdienstes vor einigen Jahren. Damals stimmte er ein Lied der Gruppe „Metallica“ an, „Nothing else matters“, eine langsame Ballade. „Ich hatte den Eindruck, das passt jetzt zum Moment und zu der Predigt des Pfarrers“, erinnert sich Gläser. Die Jugendlichen hätten ihm später gesagt, dass sie sein Spiel sehr berührt habe. „Die hatten richtig Gänsehaut“, sagt Gläser. Dieses besondere Erlebnis habe ihn auf seinem Weg als Rock-Organist bestätigt.

Aber wie gelingt es ihm, die modernen Songs auf die Orgel zu bringen? Gläser erklärt das mit den zahlreichen Registern, die alle eine andere Klangfarbe haben – sogar von Trompeten und vieles mehr. Im Grunde enthalte die Orgel eine Vielzahl von Instrumenten, sagt der Musiker.

Was sie nicht kann? Gläser überlegt einen Moment und antwortet dann schmunzelnd: „Sie kann nicht rappen.“ Was sein Repertoire angeht, ist Gläser ein Liebhaber: alles, was ihm gefällt und was sich umsetzen lässt. „Ich möchte den Zuhörern zeigen, dass Rock und Pop nicht oberflächlich, sondern teilweise sehr komplex sind.“

Unterm Strich ist Gläser dieser Beweis mehr als gelungen. Dank der großartigen Auswahl von zeitlosen Werken, aber auch dank des begnadeten Spiels des Organisten. Sowohl „Conquest of Paradise“, „All You need is Love“ oder „Bohemian Rhapsodie“ gewinnen durch den Wechsel des Instruments. Die Struktur wird klarer und durchsichtiger – was sicher nicht jedem Song gut tun würde. Bei „Sommer of 69“ gibt es Klang satt – die Orgel brummt und dröhnt. Auch schön. Ganz leise wird es bei „Mary did you now“, bei dem Gläser auch singt. Ein, ganz stiller, berührender Moment. Kurzum: Mission accomplished.

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LerbeckFür Rockballaden alle Register gezogenMichael GrundmeierPorta Westfalica-Lerbeck (mig). Orgel und Rock? Wie soll das denn zusammengehen? Gut geht's – das hat Patrick Gläser jetzt in der Kirche Lerbeck unter Beweis gestellt. Die Orgel ein angestaubtes, altes Instrument? „Von wegen“, sagt Patrick Gläser, „was den Klang angeht, hat die Orgel unglaubliche musikalische Möglichkeiten“. Nur einpacken könne man sie eben nicht, vielleicht ihre größte „Schwäche“. Und weil das so ist, kommt Gläser zu den Menschen, diesmal in der Kirche Lerbeck. „Ich möchte zeigen, dass die Orgel ein zeitloses Instrument ist, ich möchte den Jugendlichen Lust aufs Orgelspielen machen“, erklärt er seine Motivation im Gespräch. Die Orgel sei „keine aussterbende Spezies“, macht der Kirchenmusiker deutlich. Sein Programm „Orgel rockt – Tour 5 Best of“ soll die Menschen da abholen, „wo sie gerade stehen“, sie berühren und sie „zur Ruhe kommen lassen“. Das „Crossover“ habe ihn schon immer gereizt, gesteht Gläser. „Der erste Anstoß kam durch eine CD eines Symphonie-Orchesters, das zusammen mit einer Rockgruppe aufgetreten war.“ Wenn Rock- oder Popsongs auf einem klassischen Kircheninstrument wie der Orgel gespielt werden, sei das ganz ähnlich, findet Gläser. „Das hat eine ganz besondere Kraft, man erlebt das Stück viel intensiver.“ Wie stark diese Kraft sein kann, erfuhr der Organist während eines Konfirmationsgottesdienstes vor einigen Jahren. Damals stimmte er ein Lied der Gruppe „Metallica“ an, „Nothing else matters“, eine langsame Ballade. „Ich hatte den Eindruck, das passt jetzt zum Moment und zu der Predigt des Pfarrers“, erinnert sich Gläser. Die Jugendlichen hätten ihm später gesagt, dass sie sein Spiel sehr berührt habe. „Die hatten richtig Gänsehaut“, sagt Gläser. Dieses besondere Erlebnis habe ihn auf seinem Weg als Rock-Organist bestätigt. Aber wie gelingt es ihm, die modernen Songs auf die Orgel zu bringen? Gläser erklärt das mit den zahlreichen Registern, die alle eine andere Klangfarbe haben – sogar von Trompeten und vieles mehr. Im Grunde enthalte die Orgel eine Vielzahl von Instrumenten, sagt der Musiker. Was sie nicht kann? Gläser überlegt einen Moment und antwortet dann schmunzelnd: „Sie kann nicht rappen.“ Was sein Repertoire angeht, ist Gläser ein Liebhaber: alles, was ihm gefällt und was sich umsetzen lässt. „Ich möchte den Zuhörern zeigen, dass Rock und Pop nicht oberflächlich, sondern teilweise sehr komplex sind.“ Unterm Strich ist Gläser dieser Beweis mehr als gelungen. Dank der großartigen Auswahl von zeitlosen Werken, aber auch dank des begnadeten Spiels des Organisten. Sowohl „Conquest of Paradise“, „All You need is Love“ oder „Bohemian Rhapsodie“ gewinnen durch den Wechsel des Instruments. Die Struktur wird klarer und durchsichtiger – was sicher nicht jedem Song gut tun würde. Bei „Sommer of 69“ gibt es Klang satt – die Orgel brummt und dröhnt. Auch schön. Ganz leise wird es bei „Mary did you now“, bei dem Gläser auch singt. Ein, ganz stiller, berührender Moment. Kurzum: Mission accomplished.