Porta Westfalica

Porta will grüne Flachdächer vorschreiben und Steingärten verbieten

Thomas Lieske

Begrünte Dächer wie dieses in Berlin gibt es schon länger – bisher allerdings eher auf freiwilliger Basis. In Porta Westfalica soll das allerdings bei Flachdachbauten zur Pflicht werden. Foto: Stephanie Pilick/dpa - © Stephanie Pilick
Begrünte Dächer wie dieses in Berlin gibt es schon länger – bisher allerdings eher auf freiwilliger Basis. In Porta Westfalica soll das allerdings bei Flachdachbauten zur Pflicht werden. Foto: Stephanie Pilick/dpa (© Stephanie Pilick)

Porta Westfalica (mt). Wenn schon Klimanotstand, dann auch bitte in allen Einzelheiten: Dieser Gedanke könnte in Porta Westfalica schon bald in Form von begrünten Flachdächern bei neu gebauten Häusern sichtbar werden. Mit großer Mehrheit bei sechs Gegenstimmen aus den Reihen von CDU und FDP hat sich der Ausschuss für Planung und Umweltschutz für solch eine Regelung ausgesprochen. Zudem sollen Steingärten endgültig verboten werden.

So viel wie möglich soll die Stadt nach Willen der politischen Mehrheit für den Klimaschutz tun. Vor allem für SPD und Grüne bedeutet das künftig auch, dass Bauherren, die ihre Häuser mit Flachdächern bis zu einem Neigungswinkel von 15 Prozent ausstatten, diese auch begrünen. Mit Grassorten, Kräutern, vielleicht sogar dem einen oder anderen Busch. Gleiches soll für Anbauten wie Garagen und Nebengebäuden mit flachen Dächern gelten. Für Dirk Neitmann (FDP) ist das eine Idee, die nach seiner Meinung für Bauherren „richtig teuer werden kann“. Deshalb lehnt er vor allem die Begrünung von Anbauten ab. Aus Kostengründen.

Tatsächlich können die Kosten nach MT-Informationen stark variieren. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass je nach Art der Pflanzen Kosten von 25 bis 100 Euro pro Quadratmetern anfallen. Bei einem Standard-Neubau von rund 120 Quadratmetern würden sich bei flacherem Bewuchs Kosten zwischen 3.000 und 6.000 Euro pro Dach ergeben. Bei größeren Pflanzen wie Sträuchern sprechen Landschaftsarchitekten von bis zu 12.000 Euro pro Dach bei einer solchen Größe – inklusive Arbeitseinsatz durch Fachkräfte.

Reinhard Fromme glaubt nicht, „dass diese Zusatzkosten irgendeinen Neubau stoppen würden“. Vor allem in Zeiten, in denen neu gebaute Häuser „üppiger denn je“, entstünden.

Zudem soll die Stadt nach Meinung der Mehrheit des Ausschusses künftig Steingärten bei Neubauten verbieten. Klingt nach einer klaren Sache. Doch vor allem für Die CDU-Vertreter sind das noch zu viele Unbekannte. „Was ist eigentlich ein Steingarten, wie definiert die Verwaltung den?“, will Peter Klenke wissen. Er hält die Ideen für Neubaugebiete für eine „totale Überregulierung. Das ist für mich ein Eingriff in das Eigentumsrecht eines Hausbauers“, kritisiert Klenke. Fraktionskollege Klaus-Heinrich Schmeding fordert eine konkrete Vorgabe der Verwaltung, ab wann man von einem Steingarten sprechen würde. „Es muss eine Regelung geben, die der Bürger nachvollziehen und an der er sich orientieren kann.“ Die Verwaltung, verspricht der Technische Beigeordnete Stefan Mohme, werde Modellbeispiele erstellen und berechnen.

Klimaschutz koste, betont hingegen Dirk Rahnenführer (SPD). „Wir müssen den Klimanotstand schon ernst nehmen. Und ja, zu der Wahrheit gehört auch, dass Bauen dadurch künftig teurer wird, und die Mieten sicherlich auch.“

Übrigens: Demnächst wird auch der Steingarten vor dem Rathaus in Hausberge verschwinden, erklärt Stefan Mohme. Die Verwaltung wolle mit gutem Beispiel vorangehen und werde die Flächen demnächst in Zusammenarbeit mit Teilen der Politik umgestalten. „Die Pflanzen sind bereits bestellt“, sagt er. In wenigen Wochen werde das bereits sichtbar sein.

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- Naturschützer fordern Verbot von Steingärten in Porta

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Porta WestfalicaPorta will grüne Flachdächer vorschreiben und Steingärten verbietenThomas LieskePorta Westfalica (mt). Wenn schon Klimanotstand, dann auch bitte in allen Einzelheiten: Dieser Gedanke könnte in Porta Westfalica schon bald in Form von begrünten Flachdächern bei neu gebauten Häusern sichtbar werden. Mit großer Mehrheit bei sechs Gegenstimmen aus den Reihen von CDU und FDP hat sich der Ausschuss für Planung und Umweltschutz für solch eine Regelung ausgesprochen. Zudem sollen Steingärten endgültig verboten werden. So viel wie möglich soll die Stadt nach Willen der politischen Mehrheit für den Klimaschutz tun. Vor allem für SPD und Grüne bedeutet das künftig auch, dass Bauherren, die ihre Häuser mit Flachdächern bis zu einem Neigungswinkel von 15 Prozent ausstatten, diese auch begrünen. Mit Grassorten, Kräutern, vielleicht sogar dem einen oder anderen Busch. Gleiches soll für Anbauten wie Garagen und Nebengebäuden mit flachen Dächern gelten. Für Dirk Neitmann (FDP) ist das eine Idee, die nach seiner Meinung für Bauherren „richtig teuer werden kann“. Deshalb lehnt er vor allem die Begrünung von Anbauten ab. Aus Kostengründen. Tatsächlich können die Kosten nach MT-Informationen stark variieren. Expertenschätzungen gehen davon aus, dass je nach Art der Pflanzen Kosten von 25 bis 100 Euro pro Quadratmetern anfallen. Bei einem Standard-Neubau von rund 120 Quadratmetern würden sich bei flacherem Bewuchs Kosten zwischen 3.000 und 6.000 Euro pro Dach ergeben. Bei größeren Pflanzen wie Sträuchern sprechen Landschaftsarchitekten von bis zu 12.000 Euro pro Dach bei einer solchen Größe – inklusive Arbeitseinsatz durch Fachkräfte. Reinhard Fromme glaubt nicht, „dass diese Zusatzkosten irgendeinen Neubau stoppen würden“. Vor allem in Zeiten, in denen neu gebaute Häuser „üppiger denn je“, entstünden. Zudem soll die Stadt nach Meinung der Mehrheit des Ausschusses künftig Steingärten bei Neubauten verbieten. Klingt nach einer klaren Sache. Doch vor allem für Die CDU-Vertreter sind das noch zu viele Unbekannte. „Was ist eigentlich ein Steingarten, wie definiert die Verwaltung den?“, will Peter Klenke wissen. Er hält die Ideen für Neubaugebiete für eine „totale Überregulierung. Das ist für mich ein Eingriff in das Eigentumsrecht eines Hausbauers“, kritisiert Klenke. Fraktionskollege Klaus-Heinrich Schmeding fordert eine konkrete Vorgabe der Verwaltung, ab wann man von einem Steingarten sprechen würde. „Es muss eine Regelung geben, die der Bürger nachvollziehen und an der er sich orientieren kann.“ Die Verwaltung, verspricht der Technische Beigeordnete Stefan Mohme, werde Modellbeispiele erstellen und berechnen. Klimaschutz koste, betont hingegen Dirk Rahnenführer (SPD). „Wir müssen den Klimanotstand schon ernst nehmen. Und ja, zu der Wahrheit gehört auch, dass Bauen dadurch künftig teurer wird, und die Mieten sicherlich auch.“ Übrigens: Demnächst wird auch der Steingarten vor dem Rathaus in Hausberge verschwinden, erklärt Stefan Mohme. Die Verwaltung wolle mit gutem Beispiel vorangehen und werde die Flächen demnächst in Zusammenarbeit mit Teilen der Politik umgestalten. „Die Pflanzen sind bereits bestellt“, sagt er. In wenigen Wochen werde das bereits sichtbar sein. Lesen Sie dazu auch: - Naturschützer fordern Verbot von Steingärten in Porta - Blumen statt Beton: Deutliche Kritik an Schottergärten auch in Minden