Eisbergen

Die "Kinderarche" ist Familiensache

Christine Riechmann

Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Mit der „Kinderarche“ gründen Helene Dück, Regina Gosticev und Julia Krieger ein kleines Familienunternehmen. Die drei Frauen aus Eisbergen sind Mutter und zwei Töchter – und bald auch Kolleginnen. Gemeinsam betreiben sie ab Anfang November eine Großtagespflege für Kinder unter drei Jahren. In Großtagespflegestellen schließen sich zwei oder drei ausgebildete Pflegepersonen zusammen und können bis zu neun Kinder betreuen. Die „Kinderarche“ ist eine von drei neuen Einrichtungen dieser Art in Porta Westfalica, mit denen die Stadt insbesondere dem Bedarf an U3-Plätzen gerecht werden will.

Bisher steht nur das Spielhaus im Garten. Die Räumlichkeiten der Großtagespflege von Julia Krieger (Foto) sowie ihrer Mutter und der Schwester sind derzeit noch im Umbau. MT- - © Foto: Christine Riechmann
Bisher steht nur das Spielhaus im Garten. Die Räumlichkeiten der Großtagespflege von Julia Krieger (Foto) sowie ihrer Mutter und der Schwester sind derzeit noch im Umbau. MT- (© Foto: Christine Riechmann)

Mutter Helene (57) und Schwester Regina (35) arbeiten schon länger in einer Großtagespflege, Julia (27) ist noch ziemlich neu im Beruf der Tagesmutter. Sie hat im Juni den ersten Teil der Ausbildung, die von der Stadt finanziert wird, abgeschlossen und macht nun tätigkeitsbegleitend den zweiten Teil. Für die gelernte Kauffrau im Einzelhandel, die im eher familienunfreundlichen Bereich Modeverkauf gearbeitet hat, ist die Tätigkeit als Tagesmutter eine ideale Möglichkeit, Beruf und Familie zu verbinden.

Ihr zweijähriges Kind, den jüngsten von zwei Söhnen, kann sie nämlich gleich mitbetreuen. Ebenso wie ihre ältere Schwester Regina, die auch ihr jüngstes von vier Kindern mit in die Kindergruppe bringt. So kümmern sich die drei Frauen um bis zu elf Kinder in der Großtagespflege. Sechs Plätze sind bereits mit fremden Kindern vergeben, für weitere drei Mädchen oder Jungen haben die Tagesmütter noch Kapazitäten frei.

Die Stadt hat in 16 Kindertagesstätten inklusive der neuen Waldgruppe insgesamt 1.128 Plätze zur Verfügung, 926 für Ü3-Kinder, 202 für Kinder unter drei Jahren. Wie Jugendamtsleiter Jens Kütenbrink berichtet, gibt es derzeit noch „ein gutes Dutzend freie Plätze“. Aber dies könne sich rasch ändern, weil einige Mädchen und Jungen erst im Laufe des Kindergartenjahres angemeldet würden. Insofern sind die 170 Tagespflegeplätze bei der Bedarfsabdeckung wichtig. 140 Plätze davon seien bislang belegt, so Kütenbrink.

„Die Nachfrage nach U3-Plätzen ist anhaltend groß“, sagt Ute Grieger, beim Jugendamt für die Abteilung Kindertagesbetreuung zuständig. Auch deshalb sei das Jugendamt bemüht, regelmäßig Tagesmüttern die Ausbildung bei einem freien Träger zu finanzieren.

Einen anderen Vorteil der Großtagespflegestellen sieht Grieger darin, Eltern in Sachen Kinderbetreuung ein breites Angebot bieten zu können. „Die Bedürfnisse und Vorstellungen der Familien sind da ganz unterschiedlich.“ Im Vergleich zu Kindertageseinrichtungen hätten die Großtagespflegestellen zum Beispiel oft einen familiäreren Charakter.

Der kommt in der „Kinderarche“ durch die familiäre Leitung zwangsläufig nicht zu kurz. Für Helene Dück, Julia Krieger und Regina Gosticev hat die Familie einen großen Stellenwert: Die beiden Schwestern haben noch fünf Brüder und Helene Dück hat mittlerweile 15 Enkelkinder. Alle drei Frauen lieben Kinder und verstehen sich untereinander sehr gut. Trotzdem ist ihnen bewusst, dass zu dem guten familiären Verhältnis nun eine professionelle berufliche Beziehung hinzukommt.

Als Standort dient der „Kinderarche“ das Elternhaus der zwei Schwestern. Mutter Helene und der Vater sind in die erste Etage gezogen, das gesamte Erdgeschoss wird zur Zeit mit den Fördermitteln von Bund und Land zum Kindergarten umgebaut. Ein großer Spielbereich, ein Raum zum Schlafen, eine Küche und ein Bad entstehen dort. „Und alles kleinkindgerecht ausgestattet“, berichtet Julia Krieger. Der große Garten dient als Außenspielfläche.

Neben den fünf wichtigen Säulen „Liebe“, „Achtung“, „Kooperation“, „Struktur“ und „Förderung“ geht es den drei Tagesmüttern besonders um eine individuelle Betreuung und gezielte Sprachförderung. Und um gesunde Ernährung. „Wir kochen jeden Tag frisch“, sagt Julia Krieger. Familie eben.

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EisbergenDie "Kinderarche" ist FamiliensacheChristine RiechmannPorta Westfalica-Eisbergen (mt). Mit der „Kinderarche“ gründen Helene Dück, Regina Gosticev und Julia Krieger ein kleines Familienunternehmen. Die drei Frauen aus Eisbergen sind Mutter und zwei Töchter – und bald auch Kolleginnen. Gemeinsam betreiben sie ab Anfang November eine Großtagespflege für Kinder unter drei Jahren. In Großtagespflegestellen schließen sich zwei oder drei ausgebildete Pflegepersonen zusammen und können bis zu neun Kinder betreuen. Die „Kinderarche“ ist eine von drei neuen Einrichtungen dieser Art in Porta Westfalica, mit denen die Stadt insbesondere dem Bedarf an U3-Plätzen gerecht werden will. Mutter Helene (57) und Schwester Regina (35) arbeiten schon länger in einer Großtagespflege, Julia (27) ist noch ziemlich neu im Beruf der Tagesmutter. Sie hat im Juni den ersten Teil der Ausbildung, die von der Stadt finanziert wird, abgeschlossen und macht nun tätigkeitsbegleitend den zweiten Teil. Für die gelernte Kauffrau im Einzelhandel, die im eher familienunfreundlichen Bereich Modeverkauf gearbeitet hat, ist die Tätigkeit als Tagesmutter eine ideale Möglichkeit, Beruf und Familie zu verbinden. Ihr zweijähriges Kind, den jüngsten von zwei Söhnen, kann sie nämlich gleich mitbetreuen. Ebenso wie ihre ältere Schwester Regina, die auch ihr jüngstes von vier Kindern mit in die Kindergruppe bringt. So kümmern sich die drei Frauen um bis zu elf Kinder in der Großtagespflege. Sechs Plätze sind bereits mit fremden Kindern vergeben, für weitere drei Mädchen oder Jungen haben die Tagesmütter noch Kapazitäten frei. Die Stadt hat in 16 Kindertagesstätten inklusive der neuen Waldgruppe insgesamt 1.128 Plätze zur Verfügung, 926 für Ü3-Kinder, 202 für Kinder unter drei Jahren. Wie Jugendamtsleiter Jens Kütenbrink berichtet, gibt es derzeit noch „ein gutes Dutzend freie Plätze“. Aber dies könne sich rasch ändern, weil einige Mädchen und Jungen erst im Laufe des Kindergartenjahres angemeldet würden. Insofern sind die 170 Tagespflegeplätze bei der Bedarfsabdeckung wichtig. 140 Plätze davon seien bislang belegt, so Kütenbrink. „Die Nachfrage nach U3-Plätzen ist anhaltend groß“, sagt Ute Grieger, beim Jugendamt für die Abteilung Kindertagesbetreuung zuständig. Auch deshalb sei das Jugendamt bemüht, regelmäßig Tagesmüttern die Ausbildung bei einem freien Träger zu finanzieren. Einen anderen Vorteil der Großtagespflegestellen sieht Grieger darin, Eltern in Sachen Kinderbetreuung ein breites Angebot bieten zu können. „Die Bedürfnisse und Vorstellungen der Familien sind da ganz unterschiedlich.“ Im Vergleich zu Kindertageseinrichtungen hätten die Großtagespflegestellen zum Beispiel oft einen familiäreren Charakter. Der kommt in der „Kinderarche“ durch die familiäre Leitung zwangsläufig nicht zu kurz. Für Helene Dück, Julia Krieger und Regina Gosticev hat die Familie einen großen Stellenwert: Die beiden Schwestern haben noch fünf Brüder und Helene Dück hat mittlerweile 15 Enkelkinder. Alle drei Frauen lieben Kinder und verstehen sich untereinander sehr gut. Trotzdem ist ihnen bewusst, dass zu dem guten familiären Verhältnis nun eine professionelle berufliche Beziehung hinzukommt. Als Standort dient der „Kinderarche“ das Elternhaus der zwei Schwestern. Mutter Helene und der Vater sind in die erste Etage gezogen, das gesamte Erdgeschoss wird zur Zeit mit den Fördermitteln von Bund und Land zum Kindergarten umgebaut. Ein großer Spielbereich, ein Raum zum Schlafen, eine Küche und ein Bad entstehen dort. „Und alles kleinkindgerecht ausgestattet“, berichtet Julia Krieger. Der große Garten dient als Außenspielfläche. Neben den fünf wichtigen Säulen „Liebe“, „Achtung“, „Kooperation“, „Struktur“ und „Förderung“ geht es den drei Tagesmüttern besonders um eine individuelle Betreuung und gezielte Sprachförderung. Und um gesunde Ernährung. „Wir kochen jeden Tag frisch“, sagt Julia Krieger. Familie eben.