Rinteln/Porta Westfalica

66-jährige Portanerin schwer verletzt: Bahn schweigt zu Unfall an Bahnübergang

Hans Weimann

- © Foto: szlz
(© Foto: szlz)

Rinteln/Porta Westfalica (szlz). Vier Behörden sind inzwischen mit dem schweren Verkehrsunfall am 2. August auf dem Bahnübergang zwischen Engern und Westendorf (Kreis Schaumburg) befasst, bei dem eine 66-jährige Frau aus Porta Westfalica schwer verletzt worden ist: die Bundespolizeiinspektion Hannover, die Deutsche Bahn AG, die Deutsche Bahn Netz AG und die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bückeburg. Fragen will niemand beantworten. Nicht einmal, ob die Schranken zum Unfallzeitpunkt offen oder geschlossen waren.

Am 2. August, einem Freitag, hatte kurz vor 11 Uhr ein aus Hessisch Oldendorf kommender Zug den Opel der Frau erfasst, die gerade die Gleise querte. Der Opel wurde gegen einen Caddy und einen Transporter der Deutschen Bahn geschleudert, die neben dem Gleis abgestellt waren.

Obwohl es für diesen Unfall mehrere Zeugen gibt, Autofahrer auf beiden Seiten des Bahnübergangs, sogar Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG (was die Bundespolizei auf Anfrage bestätigte), ist nach unseren Recherchen noch nicht einmal geklärt, ob die Sicherungsanlage, also die Halbschranken plus Ampel, ordnungsgemäß funktioniert haben oder nicht. Es ist offensichtlich auch unklar, ob die Anlage zu diesem Zeitpunkt automatisch hätte funktionieren sollen oder von den anwesenden Technikern bedient worden ist. 3 Bilder

Normalerweise ist der Lokführer des nahenden Zuges informiert, ob eine Schranke offen oder geschlossen ist, damit er den Zug rechtzeitig stoppen kann. Das Gleiche gilt für das nächste Stellwerk. Auch auf die Frage, warum dieses Sicherungssystem nicht funktioniert hat, sollte die Schranke offen gewesen sein, gibt es keine Antwort.

Die Pressesprecher der Bundespolizei, Jörg Ristow und Martin Ackert, sprechen deshalb wohl von „komplexen technischen Ermittlungen“. Man habe bisher noch nicht einmal alle Zeugen vernommen. Unmittelbar nach dem Unfall hatte ein Hubschrauber der Bundespolizei die Unfallstelle überflogen. Auch die aufgenommenen Bilder würden noch ausgewertet.

Eigentlich hat die Bahn eine eigene Behörde, die sich mit Unfällen befasst, die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchungen (BEU). Pressesprecher Gerd Münnich schilderte auf Anfrage, die BEU werde nur tätig, wenn bei einer Zugkollision oder Zugentgleisung mindestens ein Todesopfer oder fünf Schwerverletzte zu beklagen seien.

Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig, Pressesprecher beim Landgericht Bückeburg, erklärte, dass die Akten zu diesem Fall beim Landgericht noch nicht vorlägen, deshalb könne er dazu auch nichts sagen.

Egbert Meyer-Lovis, zuständiger Pressesprecher und Leiter des Regionalbüros der Deutsche Bahn AG, bedauerte ebenfalls, keine Antworten geben zu können, ehe die Untersuchungen nicht abgeschlossen seien.

In der vergangenen Woche sind am Bahnübergang von einem Planungsbüro Messungen durchgeführt worden. Nach Informationen dieser Zeitung soll die komplette Anlage erneuert werden. Doch auch dazu gibt es keine Auskünfte.

Die Schranken- und Lichtsignalanlage ist vier Tage nach dem Unfall wieder in Betrieb genommen worden, nachdem der Verkehr zunächst mit Girlanden vor Zugdurchfahrten gestoppt worden war. Diese Anlage wird von Sicherungspersonal überwacht.

Wie ein Mitarbeiter des Sicherungsunternehmens vor Ort schilderte, kündige der Fahrdienstleiter die Züge an, er schließe die Schranken. Etwa zwei Züge überquerten pro Stunde den Bahnübergang. Nach seinen Informationen soll diese Regelung noch bis Ende Oktober beibehalten werden. Inzwischen sind für die Sicherungsposten Bauwagen und Toilette aufgestellt worden.

Ende Juli waren die Schranken am Bahnübergang in Westendorf sowie am Bahnübergang Steinbergen defekt. Ursache sei möglicherweise eine Überspannung während eines Gewitters gewesen, hatte damals ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt.

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Rinteln/Porta Westfalica66-jährige Portanerin schwer verletzt: Bahn schweigt zu Unfall an BahnübergangHans WeimannRinteln/Porta Westfalica (szlz). Vier Behörden sind inzwischen mit dem schweren Verkehrsunfall am 2. August auf dem Bahnübergang zwischen Engern und Westendorf (Kreis Schaumburg) befasst, bei dem eine 66-jährige Frau aus Porta Westfalica schwer verletzt worden ist: die Bundespolizeiinspektion Hannover, die Deutsche Bahn AG, die Deutsche Bahn Netz AG und die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Bückeburg. Fragen will niemand beantworten. Nicht einmal, ob die Schranken zum Unfallzeitpunkt offen oder geschlossen waren. Am 2. August, einem Freitag, hatte kurz vor 11 Uhr ein aus Hessisch Oldendorf kommender Zug den Opel der Frau erfasst, die gerade die Gleise querte. Der Opel wurde gegen einen Caddy und einen Transporter der Deutschen Bahn geschleudert, die neben dem Gleis abgestellt waren. Obwohl es für diesen Unfall mehrere Zeugen gibt, Autofahrer auf beiden Seiten des Bahnübergangs, sogar Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG (was die Bundespolizei auf Anfrage bestätigte), ist nach unseren Recherchen noch nicht einmal geklärt, ob die Sicherungsanlage, also die Halbschranken plus Ampel, ordnungsgemäß funktioniert haben oder nicht. Es ist offensichtlich auch unklar, ob die Anlage zu diesem Zeitpunkt automatisch hätte funktionieren sollen oder von den anwesenden Technikern bedient worden ist. 3 Bilder Normalerweise ist der Lokführer des nahenden Zuges informiert, ob eine Schranke offen oder geschlossen ist, damit er den Zug rechtzeitig stoppen kann. Das Gleiche gilt für das nächste Stellwerk. Auch auf die Frage, warum dieses Sicherungssystem nicht funktioniert hat, sollte die Schranke offen gewesen sein, gibt es keine Antwort. Die Pressesprecher der Bundespolizei, Jörg Ristow und Martin Ackert, sprechen deshalb wohl von „komplexen technischen Ermittlungen“. Man habe bisher noch nicht einmal alle Zeugen vernommen. Unmittelbar nach dem Unfall hatte ein Hubschrauber der Bundespolizei die Unfallstelle überflogen. Auch die aufgenommenen Bilder würden noch ausgewertet. Eigentlich hat die Bahn eine eigene Behörde, die sich mit Unfällen befasst, die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchungen (BEU). Pressesprecher Gerd Münnich schilderte auf Anfrage, die BEU werde nur tätig, wenn bei einer Zugkollision oder Zugentgleisung mindestens ein Todesopfer oder fünf Schwerverletzte zu beklagen seien. Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig, Pressesprecher beim Landgericht Bückeburg, erklärte, dass die Akten zu diesem Fall beim Landgericht noch nicht vorlägen, deshalb könne er dazu auch nichts sagen. Egbert Meyer-Lovis, zuständiger Pressesprecher und Leiter des Regionalbüros der Deutsche Bahn AG, bedauerte ebenfalls, keine Antworten geben zu können, ehe die Untersuchungen nicht abgeschlossen seien. In der vergangenen Woche sind am Bahnübergang von einem Planungsbüro Messungen durchgeführt worden. Nach Informationen dieser Zeitung soll die komplette Anlage erneuert werden. Doch auch dazu gibt es keine Auskünfte. Die Schranken- und Lichtsignalanlage ist vier Tage nach dem Unfall wieder in Betrieb genommen worden, nachdem der Verkehr zunächst mit Girlanden vor Zugdurchfahrten gestoppt worden war. Diese Anlage wird von Sicherungspersonal überwacht. Wie ein Mitarbeiter des Sicherungsunternehmens vor Ort schilderte, kündige der Fahrdienstleiter die Züge an, er schließe die Schranken. Etwa zwei Züge überquerten pro Stunde den Bahnübergang. Nach seinen Informationen soll diese Regelung noch bis Ende Oktober beibehalten werden. Inzwischen sind für die Sicherungsposten Bauwagen und Toilette aufgestellt worden. Ende Juli waren die Schranken am Bahnübergang in Westendorf sowie am Bahnübergang Steinbergen defekt. Ursache sei möglicherweise eine Überspannung während eines Gewitters gewesen, hatte damals ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt.