Porta Westfalica

Keine Informationen: Veranstaltung im Kraftwerk abgesagt

Dirk Haunhorst

Die Stadt möchte, dass weder Biogasanlage und Windrad noch eine Spedition auf dem Kraftwerksgelände angesiedelt werden. Die Eigentümerin des Geländes zeigt sich davon überrascht. Foto: Alex Lehn - © lehn
Die Stadt möchte, dass weder Biogasanlage und Windrad noch eine Spedition auf dem Kraftwerksgelände angesiedelt werden. Die Eigentümerin des Geländes zeigt sich davon überrascht. Foto: Alex Lehn (© lehn)

Porta Westfalica (mt). Kaum ist die öffentliche Informationsveranstaltung zur Zukunft des Kraftwerksareals angekündigt, da wird sie auch schon wieder abgesagt. Wer Genaueres über die Planungen für das stillgelegte Kraftwerksgelände erfahren möchte, muss sich wohl bis zum 7. Oktober gedulden. Dann beschäftigt sich der Planungsausschuss des Stadtrates mit den Ideen fürs Kraftwerksgelände.

Eigentlich wollte die Wählergemeinschaft Porta (WP) an diesem Donnerstag über die mögliche weitere Entwicklung am Kraftwerk informieren. Christoph Sattler, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim mbH, sollte Rede und Antwort stehen. Umso größer die Enttäuschung, dass das Unternehmen die Veranstaltung nun kurzfristig absagt. „Wir hatten in die Vorbereitung bereits viel Zeit investiert", sagte WP-Vorsitzender Dietmar Lehmann gestern.

Die Entwicklungsgesellschaft begründet die Absage der Info-Veranstaltung „mit der vollkommen neuen Situation, die dazu führt, dass wir uns erst einmal neu aufstellen müssen". Das Unternehmen bezieht sich damit auf eine Mitteilung des Planungsbüros Drees & Huesmann, wonach auf Wunsch der Stadt bestimmte Betriebe auf dem Kraftwerksareal ausgeschlossen werden sollen. Dies betrifft „Biogasanlagen, Windkraftanlagen, die nicht als Kleinwindkraftanlage gelten, sowie Logistikbetriebe, Speditionen und Großlager". Die Entwicklungsgesellschaft empfindet das als „erhebliche Einschränkung für den Besatz eines Industriegebietes an diesem Standort". Darüber hinaus verweist sie auf das laufende Verfahren, das Schweigepflicht gebiete, „die wir fairerweise einhalten werden". Die öffentliche Veranstaltung solle auf ein späteres Datum verschoben werden.

Wie die Entwicklungsgesellschaft schreibt, erhielt sie am vergangenen Freitag Kenntnis von den möglichen Restriktionen bei der Gestaltung des Industriegebiets. Die Wünsche der Stadt werden in den Vorentwurf des Bebauungsplanes eingearbeitet, den die Planer am 7. Oktober von 17 Uhr an im Rathaus präsentieren. Die Stadt habe im Vorfeld „in verschiedenen Ausschusssitzungen und Gesprächen mit dem Eigentümer deutlich gemacht, dass die zukünftigen Nutzungen gebiets- und umgebungsverträglich sein müssen", teilt die Verwaltung mit. So sollen offenbar verkehrsintensive Betriebe wie Speditionen nicht angesiedelt werden. Das Planungsbüro werde am 7. Oktober erste Überlegungen vorstellen. Damit beginne das einige Monate dauernde Verfahren samt Öffentlichkeitsbeteiligung, schreibt die Stadt.

Die Wählergemeinschaft bedauert die kurzfristige Absage. „Transparenz und Beteiligung sieht anders aus." Die WP fragt sich, warum die von der Verwaltung vorgeschlagenen neuen Festsetzungen fast zeitgleich mit der Bekanntgabe der Informationsveranstaltung der Entwicklungsgesellschaft zugestellt wurden. „Hat die Stadtverwaltung hier kurzfristig nachgebessert?"

Inhaltlich stimmt die WP den Wünschen der Stadtverwaltung zu: Damit werde deutlich, dass das Gelände „aufgrund der Verkehrsanbindungen nur bedingt als Gewerbe- und Industriestandort taugt".

Ausrede

Kommentar von Dirk Haunhorst
Es gibt plausible Gründe für die Absage von Veranstaltungen. Eine Erkrankung zählt dazu, eine angebliche Schweigepflicht im laufenden Verfahren jedoch nicht. Die Entwicklungsgellschaft als Eigentümerin des Kraftwerksareals unterliegt keiner Schweigepflicht. Und der Hinweis auf das laufende Verfahren klingt nach gängiger Ausrede, die zumeist Behörden bemühen, um sich vor Stellungnahmen zu drücken.
Die Kraftwerkseigentümerin ist frei, jederzeit über die Situation auf dem Gelände zu informieren. Sie könnte Fragen nach dem bisherigen und weiteren Verlauf des Rückbaus beantworten. Oder nach den Konsequenzen, die der Großbrand für den betroffenen Bereich und die weiteren Arbeiten hat. Sie könnte Ideen für künftige Unternehmensansiedlungen skizzieren. Kurzum: Die Eigentümerin könnte Vertrauen schaffen, indem sie abseits formeller Verfahren mit den Menschen spricht, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit den neuen Betrieben leben müssen.
Demnächst werden auf dem ehemaligen Kraftwerksareal die Bagger anrücken, um Platz für Neues zu schaffen. Vorerst bleibt dort die Öffentlichkeitsarbeit die größte Baustelle.

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Porta WestfalicaKeine Informationen: Veranstaltung im Kraftwerk abgesagtDirk HaunhorstPorta Westfalica (mt). Kaum ist die öffentliche Informationsveranstaltung zur Zukunft des Kraftwerksareals angekündigt, da wird sie auch schon wieder abgesagt. Wer Genaueres über die Planungen für das stillgelegte Kraftwerksgelände erfahren möchte, muss sich wohl bis zum 7. Oktober gedulden. Dann beschäftigt sich der Planungsausschuss des Stadtrates mit den Ideen fürs Kraftwerksgelände. Eigentlich wollte die Wählergemeinschaft Porta (WP) an diesem Donnerstag über die mögliche weitere Entwicklung am Kraftwerk informieren. Christoph Sattler, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim mbH, sollte Rede und Antwort stehen. Umso größer die Enttäuschung, dass das Unternehmen die Veranstaltung nun kurzfristig absagt. „Wir hatten in die Vorbereitung bereits viel Zeit investiert", sagte WP-Vorsitzender Dietmar Lehmann gestern. Die Entwicklungsgesellschaft begründet die Absage der Info-Veranstaltung „mit der vollkommen neuen Situation, die dazu führt, dass wir uns erst einmal neu aufstellen müssen". Das Unternehmen bezieht sich damit auf eine Mitteilung des Planungsbüros Drees & Huesmann, wonach auf Wunsch der Stadt bestimmte Betriebe auf dem Kraftwerksareal ausgeschlossen werden sollen. Dies betrifft „Biogasanlagen, Windkraftanlagen, die nicht als Kleinwindkraftanlage gelten, sowie Logistikbetriebe, Speditionen und Großlager". Die Entwicklungsgesellschaft empfindet das als „erhebliche Einschränkung für den Besatz eines Industriegebietes an diesem Standort". Darüber hinaus verweist sie auf das laufende Verfahren, das Schweigepflicht gebiete, „die wir fairerweise einhalten werden". Die öffentliche Veranstaltung solle auf ein späteres Datum verschoben werden. Wie die Entwicklungsgesellschaft schreibt, erhielt sie am vergangenen Freitag Kenntnis von den möglichen Restriktionen bei der Gestaltung des Industriegebiets. Die Wünsche der Stadt werden in den Vorentwurf des Bebauungsplanes eingearbeitet, den die Planer am 7. Oktober von 17 Uhr an im Rathaus präsentieren. Die Stadt habe im Vorfeld „in verschiedenen Ausschusssitzungen und Gesprächen mit dem Eigentümer deutlich gemacht, dass die zukünftigen Nutzungen gebiets- und umgebungsverträglich sein müssen", teilt die Verwaltung mit. So sollen offenbar verkehrsintensive Betriebe wie Speditionen nicht angesiedelt werden. Das Planungsbüro werde am 7. Oktober erste Überlegungen vorstellen. Damit beginne das einige Monate dauernde Verfahren samt Öffentlichkeitsbeteiligung, schreibt die Stadt. Die Wählergemeinschaft bedauert die kurzfristige Absage. „Transparenz und Beteiligung sieht anders aus." Die WP fragt sich, warum die von der Verwaltung vorgeschlagenen neuen Festsetzungen fast zeitgleich mit der Bekanntgabe der Informationsveranstaltung der Entwicklungsgesellschaft zugestellt wurden. „Hat die Stadtverwaltung hier kurzfristig nachgebessert?" Inhaltlich stimmt die WP den Wünschen der Stadtverwaltung zu: Damit werde deutlich, dass das Gelände „aufgrund der Verkehrsanbindungen nur bedingt als Gewerbe- und Industriestandort taugt". AusredeKommentar von Dirk HaunhorstEs gibt plausible Gründe für die Absage von Veranstaltungen. Eine Erkrankung zählt dazu, eine angebliche Schweigepflicht im laufenden Verfahren jedoch nicht. Die Entwicklungsgellschaft als Eigentümerin des Kraftwerksareals unterliegt keiner Schweigepflicht. Und der Hinweis auf das laufende Verfahren klingt nach gängiger Ausrede, die zumeist Behörden bemühen, um sich vor Stellungnahmen zu drücken.Die Kraftwerkseigentümerin ist frei, jederzeit über die Situation auf dem Gelände zu informieren. Sie könnte Fragen nach dem bisherigen und weiteren Verlauf des Rückbaus beantworten. Oder nach den Konsequenzen, die der Großbrand für den betroffenen Bereich und die weiteren Arbeiten hat. Sie könnte Ideen für künftige Unternehmensansiedlungen skizzieren. Kurzum: Die Eigentümerin könnte Vertrauen schaffen, indem sie abseits formeller Verfahren mit den Menschen spricht, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit den neuen Betrieben leben müssen. Demnächst werden auf dem ehemaligen Kraftwerksareal die Bagger anrücken, um Platz für Neues zu schaffen. Vorerst bleibt dort die Öffentlichkeitsarbeit die größte Baustelle.