Barkhausen

Wurstwasser-Tango auf der Freilichtbühne

Rolf Graff

Mit viel Humor, Bewegung und bei effektvollem Licht präsentieren Maybebop ihr Programm. Foto: Rolf Graff - © graff
Mit viel Humor, Bewegung und bei effektvollem Licht präsentieren Maybebop ihr Programm. Foto: Rolf Graff (© graff)

Porta Westfalica-Barkhausen (rgr). Die vier Herren der A-cappella-Formation sind Wiederholungstäter der positiven Art. Auch viele der Zuschauer sitzen nicht zum ersten Mal bei einem der Maybebop-Konzerte auf den Bänken der Freilichtbühne Porta, um sich den Angriff auf die Trommelfelle gern gefallen zu lassen.

Das Quartett hat viel Neues im Programm, das bereits das zehnte ist und unter der Überschrift „Ziel:los!“ steht. Wie seit fast 18 Jahren gewohnt, umrahmen die Künstler ihre Songs mit einer ansehnlichen Choreografie und fein dosiertem Humor. Sie beginnen philosophisch mit dem Titelsong „Der Weg ist das Ziel“. „Das Beste fürs Kind“ nimmt die Helikopter-Eltern auf die Schippe und „Algorhythmus“ zeigt, wie Tänzer bei Computermusik zu Robotern mutieren.

Maybebop stehen seit Jahren für die besten Arrangements der A-cappella-Szene, präsentiert mit ausgezeichneter Klangtechnik von Countertenor Jan Bürger, Tenor und Beatboxer Lukas Teske, Bariton Oliver Gies und Bass Christoph Hiller, der seit einiger Zeit den pausierenden Sebastian Schröder vertritt. Alle bewegen sich problemlos auch in benachbarten Tonlagen und glänzen mit exakter Intonierung, Artikulation und feiner Phrasierung glänzen. Zu einigen Songs laufen im Hintergrund animierte Grafiken und auch die Lichtgestaltung ist stimmungsvoll.

Die Programmfolge setzt Kontraste. So folgt auf den Nonsens-Titel von der sich nach der Strähne sehnenden Sehne mit „Gegen die Natur“ ein Titel gegen Rassismus und Intoleranz, an den sich „Verinnerung“ anschließt, ein trauriger Song, der das Erleben eines Demenzkranken beschreibt.

Die Sänger rufen aus dem Publikum Daniela auf die Bühne, die über Facebook gebeten hatte, „99 Luftballons“ mit ihnen zu singen, was sie nun mit Bravour tut. Im Barbershop-Stil macht die Formation aus Hannover sich in „Bhaarbershop“ über die Namen lustig, die Frisöre ihren Läden geben, ohne die Chöre zu vergessen, die das auch können. Sie singen auf Berlinerisch vom „Sejeln jehn“ und drehen in „Die Kreation“ die Schöpfungsgeschichte um, worauf ein wunderschönes „Ave Maria“ folgt.

Ein krasser Bruch folgt dann mit „Schallala“, einer Persiflage auf Schunkellieder mit abschließender Polonaise, der mit „Ich stehe in deiner Tür“ ein sentimentales Lied eines Vaters an sein kleines Kind und mit „Klavierlehrerin“ ein 20er-Jahre-Schlager im Stil der Comedian Harmonists folgen.

Inhalt und Stil des nächsten Titels darf das Publikum bestimmen. Es wählt einen Tango in dem die Wörter Heizdecke, Wurstwasser, Brennholzverleih und Gonorrhoe vorkommen sollen, was zum Vergnügen der Zuschauer gut gelingt. Mit „#lautsein“ fordert die Band auf, gegenüber Rechts Stellung zu beziehen. In der Zugabe folgen mit dem Sachsen-Rap „Nu“, der „Bohemian Rhapsodie“ und einer aktualisierten Fassung von „Kein schöner Land“ noch drei weitere Meisterstücke.

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BarkhausenWurstwasser-Tango auf der FreilichtbühneRolf GraffPorta Westfalica-Barkhausen (rgr). Die vier Herren der A-cappella-Formation sind Wiederholungstäter der positiven Art. Auch viele der Zuschauer sitzen nicht zum ersten Mal bei einem der Maybebop-Konzerte auf den Bänken der Freilichtbühne Porta, um sich den Angriff auf die Trommelfelle gern gefallen zu lassen. Das Quartett hat viel Neues im Programm, das bereits das zehnte ist und unter der Überschrift „Ziel:los!“ steht. Wie seit fast 18 Jahren gewohnt, umrahmen die Künstler ihre Songs mit einer ansehnlichen Choreografie und fein dosiertem Humor. Sie beginnen philosophisch mit dem Titelsong „Der Weg ist das Ziel“. „Das Beste fürs Kind“ nimmt die Helikopter-Eltern auf die Schippe und „Algorhythmus“ zeigt, wie Tänzer bei Computermusik zu Robotern mutieren. Maybebop stehen seit Jahren für die besten Arrangements der A-cappella-Szene, präsentiert mit ausgezeichneter Klangtechnik von Countertenor Jan Bürger, Tenor und Beatboxer Lukas Teske, Bariton Oliver Gies und Bass Christoph Hiller, der seit einiger Zeit den pausierenden Sebastian Schröder vertritt. Alle bewegen sich problemlos auch in benachbarten Tonlagen und glänzen mit exakter Intonierung, Artikulation und feiner Phrasierung glänzen. Zu einigen Songs laufen im Hintergrund animierte Grafiken und auch die Lichtgestaltung ist stimmungsvoll. Die Programmfolge setzt Kontraste. So folgt auf den Nonsens-Titel von der sich nach der Strähne sehnenden Sehne mit „Gegen die Natur“ ein Titel gegen Rassismus und Intoleranz, an den sich „Verinnerung“ anschließt, ein trauriger Song, der das Erleben eines Demenzkranken beschreibt. Die Sänger rufen aus dem Publikum Daniela auf die Bühne, die über Facebook gebeten hatte, „99 Luftballons“ mit ihnen zu singen, was sie nun mit Bravour tut. Im Barbershop-Stil macht die Formation aus Hannover sich in „Bhaarbershop“ über die Namen lustig, die Frisöre ihren Läden geben, ohne die Chöre zu vergessen, die das auch können. Sie singen auf Berlinerisch vom „Sejeln jehn“ und drehen in „Die Kreation“ die Schöpfungsgeschichte um, worauf ein wunderschönes „Ave Maria“ folgt. Ein krasser Bruch folgt dann mit „Schallala“, einer Persiflage auf Schunkellieder mit abschließender Polonaise, der mit „Ich stehe in deiner Tür“ ein sentimentales Lied eines Vaters an sein kleines Kind und mit „Klavierlehrerin“ ein 20er-Jahre-Schlager im Stil der Comedian Harmonists folgen. Inhalt und Stil des nächsten Titels darf das Publikum bestimmen. Es wählt einen Tango in dem die Wörter Heizdecke, Wurstwasser, Brennholzverleih und Gonorrhoe vorkommen sollen, was zum Vergnügen der Zuschauer gut gelingt. Mit „#lautsein“ fordert die Band auf, gegenüber Rechts Stellung zu beziehen. In der Zugabe folgen mit dem Sachsen-Rap „Nu“, der „Bohemian Rhapsodie“ und einer aktualisierten Fassung von „Kein schöner Land“ noch drei weitere Meisterstücke.