Vennebeck

Porta Möbel kämpft mit Rückgang beim Nachwuchs für Küchenaufbau

Christine Riechmann

Küchen aufbauen scheint nicht sehr beliebt zu sein. Immer weniger Auszubildende entscheiden sich für den Beruf. Foto: pr - © SICHTBARfotografie2019
Küchen aufbauen scheint nicht sehr beliebt zu sein. Immer weniger Auszubildende entscheiden sich für den Beruf. Foto: pr (© SICHTBARfotografie2019)

Porta Westfalica-Vennebeck (mt). Ausgerechnet in der Königsdisziplin läuft es bei Porta Möbel mit dem Nachwuchs nicht rund: Die Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchenmontage befindet sich in einer Krise. Aktuell konnte das Unternehmen lediglich 13 neue Auszubildende in dem Berufsfeld einstellen, Kapazitäten hätte der Möbel-Gigant allerdings für etwa 40 junge Leute. Von Insgesamt 464 Auszubildenden in der gesamten Unternehmensgruppe sind 37 in der Lehre zum Möbel- und Küchenmonteur.

„Der Beruf hat ein schlechtes Image", vermutet Isabel Ortmann aus der Personalentwicklung. Viele würden ihn mit einem einfachen Möbelpacker verbinden und das sei wenig attraktiv. Dabei sei der Job extrem wichtig. „Das ist unsere letzte Visitenkarte, die wir beim Kunden hinterlassen", so die Personalentwicklerin. Die Mitarbeiter trügen nicht nur viel Verantwortung, sondern hätten auch viel mit Menschen zu tun und ein abwechslungsreiches Arbeitsfeld.

Der großen Masse sei der Job allerdings wohl zu anstrengend. Catrin Tieben, Leiterin der Personalentwicklung bei Porta Möbel, hat festgestellt, dass körperliche Arbeit viele junge Leute abschreckt. Bequem und schick solle der Beruf möglichst sein. So gehören auch in dem Möbel-Unternehmen Berufe wie Mediengestalter oder Gestalter für visuelles Marketing zu den Spitzenreitern unter den 13 verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung. „In dem Bereich haben wir mehr Bewerber, als wir unterbringen können."

Catrin Tieben bekommt immer öfter zu hören, dass der Beruf möglichst schick und bequem sein soll. - © SICHTBARfotografie2019
Catrin Tieben bekommt immer öfter zu hören, dass der Beruf möglichst schick und bequem sein soll. (© SICHTBARfotografie2019)

Um der Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchenmontage mehr Attraktivität zu verleihen, hat sich das Portaner Unternehmen einiges einfallen lassen. „Wir haben die Ausbildung angereichert", erklärt Isabel Ortmann eine Strategie. So setzt die Firma ein Ausbildungsfahrzeug ein, auf dem ein erfahrener Monteur gemeinsam mit zwei Auszubildenden zu den Kunden fährt und Aufträge ausführt. So werden die jungen Kollegen an die Hand genommen und gut betreut in ihr Aufgabengebiet eingeführt. Außerdem nehmen sie in ihrer ersten Woche im Betrieb am internen Ausbildungscenter teil. Dort erfahren sie von älteren Kollegen Tipps, Tricks und Kniffe rund um den Job und lassen auch die Fahrten mit dem Ausbildungsfahrzeug Revue passieren. „Das ist eine ganz engmaschige Betreuung", so Isabel Ortmann.

Isabel Ortmann glaubt, dass der Beruf des Küchenmonteurs ein schlechtes Image hat. - © SICHTBARfotografie2019
Isabel Ortmann glaubt, dass der Beruf des Küchenmonteurs ein schlechtes Image hat. (© SICHTBARfotografie2019)

Eine weitere Strategie ist, dass das Unternehmen die Vergütung exklusiv in der Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchenmontage angehoben hat. Die Lehrlinge starten dort nun mit 1000 Euro brutto im Monat und enden im dritten Lehrjahr mit 1200 Euro. Auszubildende, die so gut sind, dass sie bereits als zweiter Mann eingesetzt werden können, nehmen dann auch am Provisionsgeschäft teil.

Da der Blockunterricht für die betreffenden Lehrlinge an einer entfernt liegenden Berufsschule stattfindet, übernimmt Port Möbel die Übernachtungskosten im Hotel für die Dauer des Unterrichts.

Einbrüche gibt es auch bei der Zahl der Bewerber für die Ausbildung zum Einrichtungsfachberater. Viele junge Leute hätten mit den Arbeitszeiten als Verkäufer Probleme, vermutet Catrin Tieben. Die Freizeit würde einen immer größeren Stellenwert im Leben einnehmen.

Insgesamt sei das Unternehmen in Sachen Ausbildungs-Bewerber nach wie vor gut aufgestellt, resümieren die Personalentwicklerinnen. Trotzdem spürten sie in den vergangenen Jahren einen rückläufigen Trend. Zwar könnten sie ihre Bewerber immer noch auswählen, aber nicht mehr so wie in der Vergangenheit. „Früher sind uns die jungen Leute zugelaufen, heute müssen wir sie anwerben."

Lesen Sie auch zum Schwerpunktthema Ausbildung:Missverhältnis zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzen im MühlenkreisEin Tischler braucht auch soziale Kompetenz

Schwerpunktthema Ausbildung

  • Diese Recherche ist Teil einer Kooperation des Mindener Tageblatts mit Correctiv.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalpartnern umsetzt.
  • Correctiv.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr unter correctiv.org.
  • In Zusammenarbeit mit Correctiv veröffentlicht das MT Geschichten zum Thema Ausbildung aus Minden, Petershagen, Hille und Porta Westfalica

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

VennebeckPorta Möbel kämpft mit Rückgang beim Nachwuchs für KüchenaufbauChristine RiechmannPorta Westfalica-Vennebeck (mt). Ausgerechnet in der Königsdisziplin läuft es bei Porta Möbel mit dem Nachwuchs nicht rund: Die Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchenmontage befindet sich in einer Krise. Aktuell konnte das Unternehmen lediglich 13 neue Auszubildende in dem Berufsfeld einstellen, Kapazitäten hätte der Möbel-Gigant allerdings für etwa 40 junge Leute. Von Insgesamt 464 Auszubildenden in der gesamten Unternehmensgruppe sind 37 in der Lehre zum Möbel- und Küchenmonteur. „Der Beruf hat ein schlechtes Image", vermutet Isabel Ortmann aus der Personalentwicklung. Viele würden ihn mit einem einfachen Möbelpacker verbinden und das sei wenig attraktiv. Dabei sei der Job extrem wichtig. „Das ist unsere letzte Visitenkarte, die wir beim Kunden hinterlassen", so die Personalentwicklerin. Die Mitarbeiter trügen nicht nur viel Verantwortung, sondern hätten auch viel mit Menschen zu tun und ein abwechslungsreiches Arbeitsfeld. Der großen Masse sei der Job allerdings wohl zu anstrengend. Catrin Tieben, Leiterin der Personalentwicklung bei Porta Möbel, hat festgestellt, dass körperliche Arbeit viele junge Leute abschreckt. Bequem und schick solle der Beruf möglichst sein. So gehören auch in dem Möbel-Unternehmen Berufe wie Mediengestalter oder Gestalter für visuelles Marketing zu den Spitzenreitern unter den 13 verschiedenen Möglichkeiten der Ausbildung. „In dem Bereich haben wir mehr Bewerber, als wir unterbringen können." Um der Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchenmontage mehr Attraktivität zu verleihen, hat sich das Portaner Unternehmen einiges einfallen lassen. „Wir haben die Ausbildung angereichert", erklärt Isabel Ortmann eine Strategie. So setzt die Firma ein Ausbildungsfahrzeug ein, auf dem ein erfahrener Monteur gemeinsam mit zwei Auszubildenden zu den Kunden fährt und Aufträge ausführt. So werden die jungen Kollegen an die Hand genommen und gut betreut in ihr Aufgabengebiet eingeführt. Außerdem nehmen sie in ihrer ersten Woche im Betrieb am internen Ausbildungscenter teil. Dort erfahren sie von älteren Kollegen Tipps, Tricks und Kniffe rund um den Job und lassen auch die Fahrten mit dem Ausbildungsfahrzeug Revue passieren. „Das ist eine ganz engmaschige Betreuung", so Isabel Ortmann. Eine weitere Strategie ist, dass das Unternehmen die Vergütung exklusiv in der Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchenmontage angehoben hat. Die Lehrlinge starten dort nun mit 1000 Euro brutto im Monat und enden im dritten Lehrjahr mit 1200 Euro. Auszubildende, die so gut sind, dass sie bereits als zweiter Mann eingesetzt werden können, nehmen dann auch am Provisionsgeschäft teil. Da der Blockunterricht für die betreffenden Lehrlinge an einer entfernt liegenden Berufsschule stattfindet, übernimmt Port Möbel die Übernachtungskosten im Hotel für die Dauer des Unterrichts. Einbrüche gibt es auch bei der Zahl der Bewerber für die Ausbildung zum Einrichtungsfachberater. Viele junge Leute hätten mit den Arbeitszeiten als Verkäufer Probleme, vermutet Catrin Tieben. Die Freizeit würde einen immer größeren Stellenwert im Leben einnehmen. Insgesamt sei das Unternehmen in Sachen Ausbildungs-Bewerber nach wie vor gut aufgestellt, resümieren die Personalentwicklerinnen. Trotzdem spürten sie in den vergangenen Jahren einen rückläufigen Trend. Zwar könnten sie ihre Bewerber immer noch auswählen, aber nicht mehr so wie in der Vergangenheit. „Früher sind uns die jungen Leute zugelaufen, heute müssen wir sie anwerben." Lesen Sie auch zum Schwerpunktthema Ausbildung:Missverhältnis zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzen im MühlenkreisEin Tischler braucht auch soziale Kompetenz Schwerpunktthema Ausbildung Diese Recherche ist Teil einer Kooperation des Mindener Tageblatts mit Correctiv.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalpartnern umsetzt. Correctiv.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr unter correctiv.org. In Zusammenarbeit mit Correctiv veröffentlicht das MT Geschichten zum Thema Ausbildung aus Minden, Petershagen, Hille und Porta Westfalica