Neesen

In Neesen sind die letzten Meter Fußweg zur Grundschule offenbar besonders gefährlich

Michael Grundmeier

Gefragte Geschenke für die Kinder der Grundschule Neesen: Reflektoren und ein Übungsheft sollen sie fit für den gefährlichen Straßenverkehr auf dem Weg zur Schule machen. Foto: Michael Grundmeier - © Picasa
Gefragte Geschenke für die Kinder der Grundschule Neesen: Reflektoren und ein Übungsheft sollen sie fit für den gefährlichen Straßenverkehr auf dem Weg zur Schule machen. Foto: Michael Grundmeier (© Picasa)

Porta Westfalica-Neesen (mig). Autofahrer sollten in diesen Tagen besonders aufmerksam sein. Denn nach der Einschulung von 2.900 Schulanfängern im Kreis Minden-Lübbecke sind viele, noch unerfahrene Verkehrsteilnehmer auf den Straßen. Die kreisweite Aktion „Der schlaue Fußgänger“, die unter anderem am Grundschulstandort Neesen stattfindet, soll die Kraftfahrer sensibilisieren.

Die Kinder am Hauptstandort Neesen des Grundschulverbundes Neesen-Kleinenbremen sind an diesem Morgen besonders aufgeregt. Eine große Delegation hat sich angekündigt – neben Landrat Dr. Ralf Niermann auch Günther Becker von der Verkehrswacht Minden-Lübbecke, Michael Langer, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Minden-Lübbecke, Uwe Koch vom Bezirksdienst und Michaela Kirchner vom Straßenverkehrsamt. Ebenfalls mit dabei sind Inna Braun, die Leiterin der Schulleiterin, Konrektorin Katja Brauer und Claudia Thielking, die Beauftrage für Verkehrserziehung. Sie alle wollen die Schüler auf die Gefahren aufmerksam machen, die auf dem Weg zur Schule lauern. Landrat Niermann verteilt ein Übungbuch und einen reflektierenden Frosch. Das am Tornister angebrachte Stofftier soll die Autofahrer warnen, hier besonders aufzupassen. „Die Reflektoren wirken besonders gut“, hat Michaela Kirchner beobachtet.

Aber auch ohne die Aktion des Kreises wird in Neesen schon viel für Verkehrserziehung getan: Im Unterricht ist es sogar verpflichtend. „Wir können beispielsweise im Sach- oder im Sportunterricht Themen behandeln, die für die Verkehrserziehung wichtig sind“, erläutert die Schulleiterin. Unter anderem werde hier der Gleichgewichtssinn gefördert – „das hängt ja alles miteinander zusammen“. Bei Kindern in diesem Alter sei vieles noch nicht vollständig entwickelt, „die denken, ich sehe das Auto, also sieht der Autofahrer mich auch“, weiß Braun zu berichten.

Diesem Trugschluss will die Schule mit vielen Aktionen entgegenwirken. Ein weiteres Problem sieht Braun darin, dass gerade Schulanfänger im Rückspiegel winzig wirken. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Kinder reflektierende Kleidung tragen“, sagt Braun. Michaela Kirchner macht darauf aufmerksam, dass helle Kleidung alleine nicht ausreiche. „Das macht leider keinen so großen Unterschied. Wir empfehlen deshalb Reflektoren entweder an der Kleidung und am Tornister.“

Die letzten 200 Meter vor der Schule seien in Neesen besonders gefährlich, betont Braun. Hier sei die Fahrzeugdichte groß „und wir müssen auch bedenken, dass gerade junge Kinder Gefahren noch nicht richtig einschätzen können“.

Das Heft „Der schlaue Fußgänger“ soll die Verkehrserziehung unterstützen. Die Kinder lernen die „richtige Kleidung“, den „Blickkontakt am Zebrastreifen“, „das Überqueren der Straße an einer Ampel“ oder das „Verhalten an der Bushaltestelle und im Bus“ kennen. Anhand verschiedener Fotos lernen sie, was richtig und was falsch ist.

Ganz besonders lobt Braun die enge Kooperation mit Kreis, Polizei und Verkehrswacht. Die sei im Kreis besonders gut, es gebe zahlreiche Aktionen („Sicher durch den Mühlenkreis“) und die Polizei begleite Kinder auf dem Schulweg und mache sie auf Gefahrenstellen aufmerksam.

Michaela Kirchner wirbt dafür, die Kinder, wo möglich, den Schulweg zu Fuß zurücklegen zu lassen. Das sei gesundheitsfördernd und stärke die Kompetenzen für eine verantwortliche Teilnahme am Straßenverkehr. Kinder, die selbstständig den Schulweg bewältigten, lernten schneller sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen.

Ralf Niermann vertritt eine ähnliche Meinung. „Es geht darum, die Selbstständigkeit des Kindes zu fördern – dabei ist jede Erfahrung als aktiver Verkehrsteilnehmer wertvoll“, sagte der Landrat. Eltern sollten gemeinsam mit dem Kind den Weg zur Schule erkunden und diese auf Gefahrenstellen aufmerksam machen, findet er.

Interessant auch die Zahlen aus der kreisweiten Unfallstatistik, die Niermann mitgebracht hatte. Hier hat sich die Zahl von Schulwegeunfällen im ersten Halbjahr 2019 von 24 auf zwölf (im Vorjahreshalbjahr) reduziert. Bei diesen Unfällen waren 13 Kinder beteiligt, davon elf Radfahrer und zwei Fußgänger. Drei verletzten sich schwer (Vorjahreshalbjahr: 3), acht leicht (15). Vor dem Hintergrund dieser Zahlen wolle er sich weiter dafür einsetzen, dass Aktionen wie „Der schlaue Fußgänger“ auch weiterhin stattfinden, um Kinder für den Straßenverkehr fit zu machen.

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NeesenIn Neesen sind die letzten Meter Fußweg zur Grundschule offenbar besonders gefährlichMichael GrundmeierPorta Westfalica-Neesen (mig). Autofahrer sollten in diesen Tagen besonders aufmerksam sein. Denn nach der Einschulung von 2.900 Schulanfängern im Kreis Minden-Lübbecke sind viele, noch unerfahrene Verkehrsteilnehmer auf den Straßen. Die kreisweite Aktion „Der schlaue Fußgänger“, die unter anderem am Grundschulstandort Neesen stattfindet, soll die Kraftfahrer sensibilisieren. Die Kinder am Hauptstandort Neesen des Grundschulverbundes Neesen-Kleinenbremen sind an diesem Morgen besonders aufgeregt. Eine große Delegation hat sich angekündigt – neben Landrat Dr. Ralf Niermann auch Günther Becker von der Verkehrswacht Minden-Lübbecke, Michael Langer, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Minden-Lübbecke, Uwe Koch vom Bezirksdienst und Michaela Kirchner vom Straßenverkehrsamt. Ebenfalls mit dabei sind Inna Braun, die Leiterin der Schulleiterin, Konrektorin Katja Brauer und Claudia Thielking, die Beauftrage für Verkehrserziehung. Sie alle wollen die Schüler auf die Gefahren aufmerksam machen, die auf dem Weg zur Schule lauern. Landrat Niermann verteilt ein Übungbuch und einen reflektierenden Frosch. Das am Tornister angebrachte Stofftier soll die Autofahrer warnen, hier besonders aufzupassen. „Die Reflektoren wirken besonders gut“, hat Michaela Kirchner beobachtet. Aber auch ohne die Aktion des Kreises wird in Neesen schon viel für Verkehrserziehung getan: Im Unterricht ist es sogar verpflichtend. „Wir können beispielsweise im Sach- oder im Sportunterricht Themen behandeln, die für die Verkehrserziehung wichtig sind“, erläutert die Schulleiterin. Unter anderem werde hier der Gleichgewichtssinn gefördert – „das hängt ja alles miteinander zusammen“. Bei Kindern in diesem Alter sei vieles noch nicht vollständig entwickelt, „die denken, ich sehe das Auto, also sieht der Autofahrer mich auch“, weiß Braun zu berichten. Diesem Trugschluss will die Schule mit vielen Aktionen entgegenwirken. Ein weiteres Problem sieht Braun darin, dass gerade Schulanfänger im Rückspiegel winzig wirken. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Kinder reflektierende Kleidung tragen“, sagt Braun. Michaela Kirchner macht darauf aufmerksam, dass helle Kleidung alleine nicht ausreiche. „Das macht leider keinen so großen Unterschied. Wir empfehlen deshalb Reflektoren entweder an der Kleidung und am Tornister.“ Die letzten 200 Meter vor der Schule seien in Neesen besonders gefährlich, betont Braun. Hier sei die Fahrzeugdichte groß „und wir müssen auch bedenken, dass gerade junge Kinder Gefahren noch nicht richtig einschätzen können“. Das Heft „Der schlaue Fußgänger“ soll die Verkehrserziehung unterstützen. Die Kinder lernen die „richtige Kleidung“, den „Blickkontakt am Zebrastreifen“, „das Überqueren der Straße an einer Ampel“ oder das „Verhalten an der Bushaltestelle und im Bus“ kennen. Anhand verschiedener Fotos lernen sie, was richtig und was falsch ist. Ganz besonders lobt Braun die enge Kooperation mit Kreis, Polizei und Verkehrswacht. Die sei im Kreis besonders gut, es gebe zahlreiche Aktionen („Sicher durch den Mühlenkreis“) und die Polizei begleite Kinder auf dem Schulweg und mache sie auf Gefahrenstellen aufmerksam. Michaela Kirchner wirbt dafür, die Kinder, wo möglich, den Schulweg zu Fuß zurücklegen zu lassen. Das sei gesundheitsfördernd und stärke die Kompetenzen für eine verantwortliche Teilnahme am Straßenverkehr. Kinder, die selbstständig den Schulweg bewältigten, lernten schneller sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Ralf Niermann vertritt eine ähnliche Meinung. „Es geht darum, die Selbstständigkeit des Kindes zu fördern – dabei ist jede Erfahrung als aktiver Verkehrsteilnehmer wertvoll“, sagte der Landrat. Eltern sollten gemeinsam mit dem Kind den Weg zur Schule erkunden und diese auf Gefahrenstellen aufmerksam machen, findet er. Interessant auch die Zahlen aus der kreisweiten Unfallstatistik, die Niermann mitgebracht hatte. Hier hat sich die Zahl von Schulwegeunfällen im ersten Halbjahr 2019 von 24 auf zwölf (im Vorjahreshalbjahr) reduziert. Bei diesen Unfällen waren 13 Kinder beteiligt, davon elf Radfahrer und zwei Fußgänger. Drei verletzten sich schwer (Vorjahreshalbjahr: 3), acht leicht (15). Vor dem Hintergrund dieser Zahlen wolle er sich weiter dafür einsetzen, dass Aktionen wie „Der schlaue Fußgänger“ auch weiterhin stattfinden, um Kinder für den Straßenverkehr fit zu machen.