Nammen

Fichtensterben auf Nammer Klippe: Der Borkenkäfer wütet auch im Naturschutzgebiet

Stefan Lyrath

Von diesen Bäumen an der Nammer Klippe steht im Herbst 2020 voraussichtlich keiner mehr.?Fotos: Stefan Lyrath
Von diesen Bäumen an der Nammer Klippe steht im Herbst 2020 voraussichtlich keiner mehr.?Fotos: Stefan Lyrath

Porta Westfalica-Nammen (Ly). Kahlschlag im Naturschutzgebiet Nammer Klippe: Auf einer sechs Hektar großen Fläche steht Ende 2020 wahrscheinlich keine einzige Fichte mehr. Davon geht Revierförster Achim Büscher aus. „Weil großflächig Fichtenbestände absterben, wird sich das Waldbild massiv verändern“, kündigt er an. „Die Fichte wird sich verabschieden.“ Der Grund ist massenhafter Befall durch Borkenkäfer.

Am kommenden Montag wird in Nammen ein Harvester erwartet, eine riesige Maschine zur Holzernte. „Ich habe erst einmal 550 Stämme angezeichnet, die jetzt entnommen werden“, berichtet Achim Büscher. Diese Fichten sollen innerhalb einer Woche gefällt und abtransportiert werden. Dazu wird der Eggeweg zwischen dem Kreuzplatz und der Kreuzung Stöhnebrink, wo die Schutzhütte steht, von Montag an gesperrt.

Der Harvester muss danach wohl noch einige Male kommen, bevor voraussichtlich im Herbst 2020 die Wiederaufforstung der Fläche beginnen kann. Gefragt ist ein klimastabiler Mischwald, die Anpassung des Waldes an den Klimawandel. Das Forstamt Hochstift setzt dabei im Staatswald auf Laubbäume: Elsbeeren, Traubeneichen, Vogelkirschen, Sommerlinden, Bergahorn sowie Buchen, die bereits in den vergangenen Jahren gepflanzt worden sind und deren Bestand jetzt ergänzt wird.

Typisch für den Buchdrucker-Borkenkäfer ist das Fraßbild, das an eine Buchseite erinnert. - © lyrath
Typisch für den Buchdrucker-Borkenkäfer ist das Fraßbild, das an eine Buchseite erinnert. (© lyrath)

„Wir treffen Entscheidungen für 100 Jahre und mehr“, erklärt Achim Büscher. Bäume müssen Hitze, Trockenheit und Erderwärmung vertragen. Bei Fichten, die durch zwei trockene Sommer mit teils großer Hitze und das Orkantief „Friederike“ im Januar 2018 bereits geschwächt sind, haben Borkenkäfer leichtes Spiel.

Ein gesunder Baum wehrt sich selbst gegen Schädlinge. Wasser und Harz sorgen dafür, dass die Käfer sich nicht festsetzen können. Bäume, die zu wenig Wasser bekommen haben, schaffen das nicht mehr. Hinzu kommt, dass nach dem Sturm viele gebrochene oder entwurzelte Fichten zurückgeblieben sind, in denen die Schädlinge brüten, um später auf andere Bäume überzuspringen.

Borkenkäfer sind klein (nur wenige Millimeter), können aber riesige Schäden anrichten. „Pro Baum und Jahr entstehen rund 1,5 Milliarden neuer Käfer, wenn man von drei Generationen ausgeht“, rechnet Revierförster Büscher vor, während er ein Stück Rinde untersucht, auf dem das Fraßbild von Borkenkäfern deutlich zu erkennen ist. Typisch sind Rammelkammern und Larvengänge, die bei einer Art wie geöffnete Buchseiten aussehen. Auf dem Boden rund um die befallene Fichte liegen haufenweise Nadeln. Dies ist ebenfalls ein sicheres Zeichen, dass es sie erwischt hat.

Bei Borkenkäfern unterscheidet man zwischen Kupferstechern, die es auf das obere Drittel der Kronen abgesehen haben, und den weitaus gefährlicheren Buchdrucker, der Altbäume zum Absterben bringen kann. Ein einziges Weibchen erzeugt pro Jahr etwa 250.000 Nachkommen. Dummerweise kommen im Nammer Wald fast nur Buchdrucker vor. Stark befallene Fichten müssen möglichst schnell gefällt und beseitigt werden, bevor die Parasiten auf andere Bestände übergreifen.

Die Nammer Klippe liegt an der zurzeit extrem trockenen Südseite des Berges. Am Nordhang oberhalb von Nammen ist es nur eine Frage der Zeit, bis dort ebenfalls großflächig Bestände absterben. In der Holzhauser Mark oder im Jakobsberg unweit des Fernsehturms sieht es ähnlich aus. In Büschers Revier macht die Fichte etwa 15 Prozent aus. Der Förster hofft nun auf einen feuchten Herbst und Winter, damit Bruten verpilzen und die Massenvermehrung gestoppt wird. Kälte allein würde nichts bringen. Die steckt der Borkenkäfer locker weg.

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NammenFichtensterben auf Nammer Klippe: Der Borkenkäfer wütet auch im NaturschutzgebietStefan LyrathPorta Westfalica-Nammen (Ly). Kahlschlag im Naturschutzgebiet Nammer Klippe: Auf einer sechs Hektar großen Fläche steht Ende 2020 wahrscheinlich keine einzige Fichte mehr. Davon geht Revierförster Achim Büscher aus. „Weil großflächig Fichtenbestände absterben, wird sich das Waldbild massiv verändern“, kündigt er an. „Die Fichte wird sich verabschieden.“ Der Grund ist massenhafter Befall durch Borkenkäfer. Am kommenden Montag wird in Nammen ein Harvester erwartet, eine riesige Maschine zur Holzernte. „Ich habe erst einmal 550 Stämme angezeichnet, die jetzt entnommen werden“, berichtet Achim Büscher. Diese Fichten sollen innerhalb einer Woche gefällt und abtransportiert werden. Dazu wird der Eggeweg zwischen dem Kreuzplatz und der Kreuzung Stöhnebrink, wo die Schutzhütte steht, von Montag an gesperrt. Der Harvester muss danach wohl noch einige Male kommen, bevor voraussichtlich im Herbst 2020 die Wiederaufforstung der Fläche beginnen kann. Gefragt ist ein klimastabiler Mischwald, die Anpassung des Waldes an den Klimawandel. Das Forstamt Hochstift setzt dabei im Staatswald auf Laubbäume: Elsbeeren, Traubeneichen, Vogelkirschen, Sommerlinden, Bergahorn sowie Buchen, die bereits in den vergangenen Jahren gepflanzt worden sind und deren Bestand jetzt ergänzt wird. „Wir treffen Entscheidungen für 100 Jahre und mehr“, erklärt Achim Büscher. Bäume müssen Hitze, Trockenheit und Erderwärmung vertragen. Bei Fichten, die durch zwei trockene Sommer mit teils großer Hitze und das Orkantief „Friederike“ im Januar 2018 bereits geschwächt sind, haben Borkenkäfer leichtes Spiel. Ein gesunder Baum wehrt sich selbst gegen Schädlinge. Wasser und Harz sorgen dafür, dass die Käfer sich nicht festsetzen können. Bäume, die zu wenig Wasser bekommen haben, schaffen das nicht mehr. Hinzu kommt, dass nach dem Sturm viele gebrochene oder entwurzelte Fichten zurückgeblieben sind, in denen die Schädlinge brüten, um später auf andere Bäume überzuspringen. Borkenkäfer sind klein (nur wenige Millimeter), können aber riesige Schäden anrichten. „Pro Baum und Jahr entstehen rund 1,5 Milliarden neuer Käfer, wenn man von drei Generationen ausgeht“, rechnet Revierförster Büscher vor, während er ein Stück Rinde untersucht, auf dem das Fraßbild von Borkenkäfern deutlich zu erkennen ist. Typisch sind Rammelkammern und Larvengänge, die bei einer Art wie geöffnete Buchseiten aussehen. Auf dem Boden rund um die befallene Fichte liegen haufenweise Nadeln. Dies ist ebenfalls ein sicheres Zeichen, dass es sie erwischt hat. Bei Borkenkäfern unterscheidet man zwischen Kupferstechern, die es auf das obere Drittel der Kronen abgesehen haben, und den weitaus gefährlicheren Buchdrucker, der Altbäume zum Absterben bringen kann. Ein einziges Weibchen erzeugt pro Jahr etwa 250.000 Nachkommen. Dummerweise kommen im Nammer Wald fast nur Buchdrucker vor. Stark befallene Fichten müssen möglichst schnell gefällt und beseitigt werden, bevor die Parasiten auf andere Bestände übergreifen. Die Nammer Klippe liegt an der zurzeit extrem trockenen Südseite des Berges. Am Nordhang oberhalb von Nammen ist es nur eine Frage der Zeit, bis dort ebenfalls großflächig Bestände absterben. In der Holzhauser Mark oder im Jakobsberg unweit des Fernsehturms sieht es ähnlich aus. In Büschers Revier macht die Fichte etwa 15 Prozent aus. Der Förster hofft nun auf einen feuchten Herbst und Winter, damit Bruten verpilzen und die Massenvermehrung gestoppt wird. Kälte allein würde nichts bringen. Die steckt der Borkenkäfer locker weg.