Minden

Experte wirbt für globale Lösung der Klimakrise

Henning Wandel

Franz Josef Radermacher zeigte sich bei seinem Vortrag im Theater im Park bestens aufgelegt. Für die Lösung der Klimakrise müssten die reichen Staaten und zugunsten der ärmeren Länder zurückstecken. MT-Foto: Henning Wandel - © Henning Wandel
Franz Josef Radermacher zeigte sich bei seinem Vortrag im Theater im Park bestens aufgelegt. Für die Lösung der Klimakrise müssten die reichen Staaten und zugunsten der ärmeren Länder zurückstecken. MT-Foto: Henning Wandel (© Henning Wandel)

Minden (mt). Die Menschheit hat schon oft den falschen Weg eingeschlagen. Im 30-jährigen Krieg zum Beispiel, vor allem aber in den Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts. Aber selbst diese Katastrophen waren nicht das Ende, sagt Franz Josef Radermacher im Bad Oeynhausener Theater im Park. Der Informatik-Professor und dreifache Doktor war auf Einladung der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica in die Kurstadt gekommen, um über gesellschaftliche Entwicklungen und Globalisierung zu sprechen. Es geht um eine Ausblick auf dei Welt im Jahr 2050 und die große Frage: Sind wir noch zu retten?

Radermacher nutzt die Stunde am Pult auf der Theaterbühne, um einen großen Bogen zu spannen: Von einem Erklärungsversuch für das Erstarken von US-Präsident Donald Trump und der AfD über die Chancen der künstlichen Intelligenz, Klimarettung Elektroautos und einem Verzicht auf Plastiktüten bsi hin zu einem weltumspannenden Lösungsansatz mit dem Ziel annähernd gleichwertiger Lebensverhältnisse für zehn Milliarden Menschen.

Radermacher gilt als einer der führenden Experten rund um die Globalisierung. In Bad Oeynhausen bestätigt er auch seinen Ruf, selbst in den kontroversesten Debatten klar Position zu beziehen. So führt er die Erfolge der AfD darauf zurück, dass die Partei geschickt das „Verlierer-Thema“ spiele. Gemeint sind Hartz-IV-Empfänger, die von den Erfolgen der Globalisierung nicht profitieren, sich plötzlich in Konkurrenz zu Migranten sehen und dann auch noch das Gefühl haben, ihre Ängste nicht aussprechen zu dürfen, weil sie sonst als rechts dastehen. Die Verantwortung gibt Radermachen den etablierten Parteien, die hauptsächlich mit der Absicherung der eigenen Position beschäftigt seien.

Radermacher spitzt seinen Vortrag zielstrebig auf seine Kernbotschaft zu: die Welt, wie wir sie kennen, ist nur mit einem global Ansatz zu retten. Aus deutscher Sicht bedeutet das, unseren Wohlstand zu teilen. „Wir sind der Exportweltmeister, aber das Geld geben wir nur bei uns aus“, sagt er und wirbt damit für massive Investitionen zum Beispiel in Brasilien, um den Regenwald zu retten. Oder in riesige Photovoltaik-Anlagen in Afrika. Der dort erzeugte Strom könne dann in Wasserstoff umgewandelt werden und auch in Deutschland Autos antreiben oder Häuser heizen – als synthetisches, klimaneutrales Heizöl. „Aber der Deutsche will das Klimaproblem lieber in Deutschland lösen“, so Radermacher. Der Gedanke sei absurd.

Die Rechnung des Mathematikers klingt bestechend einfach: Mit steigendem Wohlstand in der sogenannten dritten Welt werde sich auch das rasante Bevölkerungswachstum verlangsamen und sich bis 2050 bei etwa zehn Milliarden Menschen zu stabilisieren. Und für die wäre von allem genug da. Vor allem auch „die Freiheit, Blödsinn zu machen“. Ohne diese Freiheit lebten wir irgendwann vielleicht in einem hocheffizienten Staat, aber ohne Glück und Zufriedenheit.

Seine Kritik richtet sich dabei auch an die die Fridays-for-Future-Bewegung und die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die er zuweilen regelrecht abkanzelt. Deren Reise mit dem Segelboot nach New York habe den großen Vorteil, dass sie so für längere Zeit von der Bildfläche verschwunden sei. Die Schuldzuweisung an die ältere Generation sei falsch, schließlich wolle sicher niemand auf die Errungenschaften der Moderne verzichten. „Spätestens wenn sie Zahnschmerzen haben, ist die Diskussion zu Ende. Dann will jeder nur noch heute leben.“

Ob die Erde zu retten sei hänge jetzt davon ab, ob die Staaten bereits sind, die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Und wenn das nicht funktioniert? „Dann ist das nicht das Ende“, so Radermacher – „aber dann wird es hässlich.“ Wie immer, wenn die Menschheit den falschen Weg einschlägt.

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