Hausberge

Von grausamen Szenen vor der Haustür: Jugendliche zu Besuch im Stollen "Dachs I"

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20 Jugendliche nahmen an der Führung durch den Stollen teil. - © Foto: pr
20 Jugendliche nahmen an der Führung durch den Stollen teil. (© Foto: pr)

Porta Westfalica-Hausberge (mt/lies). Wer mit dem Auto die Hausberger Straße in Porta Westfalica entlangfährt, übersieht sie meist: eine kleine Metalltür, die in den Jakobsberg führt. Der dahinterliegende Stollen „Dachs 1“ist von 1944 bis 1945 von KZ-Häftlingen des Außenlagers Neuengamme ausgebaut worden.

Den haben sich nun Jugendliche aus dem Kreisgebiet angeschaut, unter der Führung von Historiker Thomas Lange. Der ist gleichzeitig Geschäftsführer des Portaner Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte und kennt sich in der Geschichte des Stollens bestens aus.

„Projekte zur Erinnerungskultur finden in der Regel weit entfernt vom Kreisgebiet statt. Auch hier im Mühlenkreis gibt es Erinnerungsorte, die aber weniger bekannt sind“, sagt Dörte Heger von der Kreis-Jugendförderung, die diese Führung organisiert hat.

Die Jugendlichen haben sich aus eigenem Interesse heraus angemeldet. Und das hat sich gelohnt. Denn so erfuhren die jungen Leute von den Arbeits- und Haftbedingungen in Lager und Stollen: Als „grausam und menschenunwürdig“ beschrieb Thomas Lange die Zwangsarbeit während der Führung. In den riesigen Stollenräumen zu stehen und sich vorzustellen, dass Menschen dort geschuftet haben, sei für die Jugendlichen nicht vorstellbar gewesen, sagt Franziska Homann von der Jugendförderung der Gemeinde Hüllhorst. Der Besuch eines Kriegsschauplatzes in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes habe erfahrbar gemacht, dass der Zweite Weltkrieg nicht weit entfernt stattgefunden hat, sondern auch hier vor Ort. „Eine Mutter rief am folgenden Tag an um mir zu sagen, dass der Ausflug bei ihren Kindern einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen habe und viel darüber erzählen würden.“

Die Kinder- und Jugendförderung im Kreis Minden-Lübbecke bietet zur Förderung und Entwicklung junger Menschen ein breites Programm an. Ziel der Jugendförderung ist dabei auch, jungen Menschen im Rahmen von politischer Bildungsarbeit die Auseinandersetzung mit dem Thema Erinnerungskultur zu ermöglichen.

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HausbergeVon grausamen Szenen vor der Haustür: Jugendliche zu Besuch im Stollen "Dachs I"Porta Westfalica-Hausberge (mt/lies). Wer mit dem Auto die Hausberger Straße in Porta Westfalica entlangfährt, übersieht sie meist: eine kleine Metalltür, die in den Jakobsberg führt. Der dahinterliegende Stollen „Dachs 1“ist von 1944 bis 1945 von KZ-Häftlingen des Außenlagers Neuengamme ausgebaut worden. Den haben sich nun Jugendliche aus dem Kreisgebiet angeschaut, unter der Führung von Historiker Thomas Lange. Der ist gleichzeitig Geschäftsführer des Portaner Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte und kennt sich in der Geschichte des Stollens bestens aus. „Projekte zur Erinnerungskultur finden in der Regel weit entfernt vom Kreisgebiet statt. Auch hier im Mühlenkreis gibt es Erinnerungsorte, die aber weniger bekannt sind“, sagt Dörte Heger von der Kreis-Jugendförderung, die diese Führung organisiert hat. Die Jugendlichen haben sich aus eigenem Interesse heraus angemeldet. Und das hat sich gelohnt. Denn so erfuhren die jungen Leute von den Arbeits- und Haftbedingungen in Lager und Stollen: Als „grausam und menschenunwürdig“ beschrieb Thomas Lange die Zwangsarbeit während der Führung. In den riesigen Stollenräumen zu stehen und sich vorzustellen, dass Menschen dort geschuftet haben, sei für die Jugendlichen nicht vorstellbar gewesen, sagt Franziska Homann von der Jugendförderung der Gemeinde Hüllhorst. Der Besuch eines Kriegsschauplatzes in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes habe erfahrbar gemacht, dass der Zweite Weltkrieg nicht weit entfernt stattgefunden hat, sondern auch hier vor Ort. „Eine Mutter rief am folgenden Tag an um mir zu sagen, dass der Ausflug bei ihren Kindern einen sehr bleibenden Eindruck hinterlassen habe und viel darüber erzählen würden.“ Die Kinder- und Jugendförderung im Kreis Minden-Lübbecke bietet zur Förderung und Entwicklung junger Menschen ein breites Programm an. Ziel der Jugendförderung ist dabei auch, jungen Menschen im Rahmen von politischer Bildungsarbeit die Auseinandersetzung mit dem Thema Erinnerungskultur zu ermöglichen.