Hausberge

Wochenmarkt Hausberge: Gespräche zwischen Geflügel und Gestecken

Michael Grundmeier

„Ein vorbildlicher Händler“: Marktleiter Wolfgang Przyborowski (rechts) lobt Dennis Bornschein. - © Picasa
„Ein vorbildlicher Händler“: Marktleiter Wolfgang Przyborowski (rechts) lobt Dennis Bornschein. (© Picasa)

Porta Westfalica-Hausberge (mig). Klein, aber fein: So präsentiert sich der Wochenmarkt in Hausberge. „Wir sind hier eine kleine Familie“, meint Dennis Bornschein von der „Fischräucherei Otto“ aus Rehburg-Loccum.

Jeder Wochenmarkt hat einen eigenen Geruch. Nach Fisch oder Käse, Blumen oder Brot. Alles frisch, alles lecker. So auch in Hausberge, wo am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr sechs Stände auf Kunden warten. Der kleine Markt macht Lust aufs Essen und auf gute Zutaten. Adelheid Conradi, eine Stammkundin, sieht das genauso: „Ich finde es großartig, dass man hier Geflügel bekommt, das nicht aus der Massentierhaltung ist“, sagt sie. Dafür gebe sie gerne ein bisschen mehr aus. Auch zeitlich sei der Hausberger Markt eine tolle Alternative zum Einkaufszentrum. „Gerade Berufstätige haben so die Möglichkeit, nach der Arbeit auf dem Markt einzukaufen.“ Würde der Markt vormittags stattfinden, wäre das schwieriger. Für die Zukunft wünscht sich Conradi, dass der Markt noch lange weiter besteht: „Und vielleicht bekommen wir ja auch wieder einen Gemüsestand.“

Übersichtlich: Nach dem Neustart des Marktes Mitte 2016 boten zwischenzeitlich zwölf Händler ihre Waren an. Seit dem Vorjahr ist die Zahl um die Hälfte geschrumpft. Fotos: Michael Grundmeier - © Picasa
Übersichtlich: Nach dem Neustart des Marktes Mitte 2016 boten zwischenzeitlich zwölf Händler ihre Waren an. Seit dem Vorjahr ist die Zahl um die Hälfte geschrumpft. Fotos: Michael Grundmeier (© Picasa)

Nach einem neuen Anbieter sucht Marktleiter Wolfgang Przyborowski bereits seit einiger Zeit. „Ich halte Augen und Ohren offen, um bald wieder Gemüse nach Hausberge zu holen.“ Leider sei der Markt in Hausberge nicht so attraktiv, dass die Geschäfte weite Wege auf sich nehmen könnten. Der letzte Gemüsehändler habe eine Anfahrt von 100 Kilometern gehabt und für diesen Aufwand zu wenig eingenommen. „Der ist dann irgendwann weg geblieben“. Przyborowski hofft, Ersatz zu finden. Denn es gebe durchaus Argumente, die für den Markt in Hausberge sprechen. Zu einem, dass er nachmittags stattfindet – „manche Händler gehen morgens beispielsweise auf den Markt nach Minden und kommen dann nachmittags hierher. Für die ist das eine Art Zubrot“. Darüber hinaus gebe es Stammkunden, die immer wieder kommen. „Die haben gemerkt, dass die Produkte hier sehr gut und von hoher Qualität sind. Auf dem Wochenmarkt bekommt man Produkte aus der Region, zu denen man sonst manchmal gar nicht so den Zugang hätte.“

„Es ist ja immer Luft nach oben.“ Silke Arndt-Neubert, hier mit Tochter, verkauft Gestecke.
„Es ist ja immer Luft nach oben.“ Silke Arndt-Neubert, hier mit Tochter, verkauft Gestecke.

Das hat auch Silke Arndt-Neubert beobachtet, die hier seit Jahren Blumengestecke verkauft. Arndt-Neubert hat schon auf dem „alten Wochenmarkt“ gestanden –- im nächsten Jahr feiert sie ihr zehntes Händler-Jubiläum. Sie sei zufrieden, klar, der Umsatz könnte besser sein, „aber es ist ja immer Luft nach oben, das ist schon in Ordnung“.

Der Markt hatte schon deutlich mehr Beschicker, aber die jetzige Größe sei die, die sich Hausberge ausgesucht habe, meint Arndt-Neubert, „Das ist anscheinend im Großen und Ganzen das, was hier gebraucht wird.“ Die Arbeit auf dem Markt macht ihr viel Spaß. „Ich sehe die anderen Händler als meine Arbeitskollegen, wir verstehen uns hier alle sehr gut und helfen uns gegenseitig, wenn Not am Mann ist.“

Am Stand gegenüber nickt Manfred Kügler („Bäckerei Stein“) bestätigend. Es gebe viel Kollegialität hier, die Arbeitsatmosphäre sei sehr gut. Nur: „Ich würde mir wünschen, dass von der Marktgilde ein bisschen mehr Schwung reingebracht wird, vielleicht ein bisschen Musik oder dass der Markt bei Hitze zeitlich nach hinten verlagert wird.“

Während Kügler sein Brot anpreist, bereitet Sebastian Hanf (Geflügel Schmitz) sein Abendessen vor. „Ich schäle gerade die Karotten für eine Suppe“, sagt er schmunzelnd. Hier in Hausberge gebe es eben nicht ganz so viel zu tun wie auf anderen, größeren Märkten. Ein Beispiel? „Der Markt in Hameln ist überragend, aber auch die Märkte in Hannover oder Lemförde sind sehr gut.“ Hausberge sei eher „ein Hobby“, die Kundenfrequenz einfach zu niedrig. „Mein Vater sagt mir immer: Du bist bekloppt, wenn du da hinfährst. Aber ich bin gerne hier und bevor ich zuhause bleibe und Fernsehen gucke, fahre ich lieber hierhin.“

Der Wochenmarkt in Hausberge sei etwas für Liebhaber – auf Kunden- und auf Händlerseite. Richtig ärgerlich findet Hanf die vielen EU-Auflagen, die in Deutschland, anders als im EU-Ausland, auch angewendet würden. „Ich würde gerne viel mehr Sachen machen, Live-Cooking beispielsweise, aber da sind die Auflagen so hoch, dass es sich nicht lohnt.“

Stadt- und Ortsheimatpfleger Herbert Wiese, der sich um die Steigerung der Attraktivität Hausberges kümmert, hat einen anderen Blick auf den Wochenmarkt. Viele Händler seien durchaus zufrieden, der Umsatz habe sich stabilisiert. Der Markt bringe Leben in die Innenstadt. „Man trifft sich, kommt miteinander ins Gespräch.“

Ohnehin sei der Kontakt zu den Kunden ein wichtiger Teil des Geschäfts, findet Dennis Bornschein („Fischräucherei Otto“). „Man spricht miteinander, fragt nach dem Befinden – ich denke, es ist auch der persönliche Kontakt, warum die Leute auf dem Wochenmarkt kommen“. . Mit 16 Jahren hat Bornschein auf dem Markt angefangen – jetzt ist er 32. „Ich bin quasi damit aufgewachsen“. Auch wenn es im Winter ziemlich kalt werden kann - „ich mache die Arbeit sehr gerne. Das ist genau das, was ich machen will.“

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HausbergeWochenmarkt Hausberge: Gespräche zwischen Geflügel und GesteckenMichael GrundmeierPorta Westfalica-Hausberge (mig). Klein, aber fein: So präsentiert sich der Wochenmarkt in Hausberge. „Wir sind hier eine kleine Familie“, meint Dennis Bornschein von der „Fischräucherei Otto“ aus Rehburg-Loccum. Jeder Wochenmarkt hat einen eigenen Geruch. Nach Fisch oder Käse, Blumen oder Brot. Alles frisch, alles lecker. So auch in Hausberge, wo am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr sechs Stände auf Kunden warten. Der kleine Markt macht Lust aufs Essen und auf gute Zutaten. Adelheid Conradi, eine Stammkundin, sieht das genauso: „Ich finde es großartig, dass man hier Geflügel bekommt, das nicht aus der Massentierhaltung ist“, sagt sie. Dafür gebe sie gerne ein bisschen mehr aus. Auch zeitlich sei der Hausberger Markt eine tolle Alternative zum Einkaufszentrum. „Gerade Berufstätige haben so die Möglichkeit, nach der Arbeit auf dem Markt einzukaufen.“ Würde der Markt vormittags stattfinden, wäre das schwieriger. Für die Zukunft wünscht sich Conradi, dass der Markt noch lange weiter besteht: „Und vielleicht bekommen wir ja auch wieder einen Gemüsestand.“ Nach einem neuen Anbieter sucht Marktleiter Wolfgang Przyborowski bereits seit einiger Zeit. „Ich halte Augen und Ohren offen, um bald wieder Gemüse nach Hausberge zu holen.“ Leider sei der Markt in Hausberge nicht so attraktiv, dass die Geschäfte weite Wege auf sich nehmen könnten. Der letzte Gemüsehändler habe eine Anfahrt von 100 Kilometern gehabt und für diesen Aufwand zu wenig eingenommen. „Der ist dann irgendwann weg geblieben“. Przyborowski hofft, Ersatz zu finden. Denn es gebe durchaus Argumente, die für den Markt in Hausberge sprechen. Zu einem, dass er nachmittags stattfindet – „manche Händler gehen morgens beispielsweise auf den Markt nach Minden und kommen dann nachmittags hierher. Für die ist das eine Art Zubrot“. Darüber hinaus gebe es Stammkunden, die immer wieder kommen. „Die haben gemerkt, dass die Produkte hier sehr gut und von hoher Qualität sind. Auf dem Wochenmarkt bekommt man Produkte aus der Region, zu denen man sonst manchmal gar nicht so den Zugang hätte.“ Das hat auch Silke Arndt-Neubert beobachtet, die hier seit Jahren Blumengestecke verkauft. Arndt-Neubert hat schon auf dem „alten Wochenmarkt“ gestanden –- im nächsten Jahr feiert sie ihr zehntes Händler-Jubiläum. Sie sei zufrieden, klar, der Umsatz könnte besser sein, „aber es ist ja immer Luft nach oben, das ist schon in Ordnung“. Der Markt hatte schon deutlich mehr Beschicker, aber die jetzige Größe sei die, die sich Hausberge ausgesucht habe, meint Arndt-Neubert, „Das ist anscheinend im Großen und Ganzen das, was hier gebraucht wird.“ Die Arbeit auf dem Markt macht ihr viel Spaß. „Ich sehe die anderen Händler als meine Arbeitskollegen, wir verstehen uns hier alle sehr gut und helfen uns gegenseitig, wenn Not am Mann ist.“ Am Stand gegenüber nickt Manfred Kügler („Bäckerei Stein“) bestätigend. Es gebe viel Kollegialität hier, die Arbeitsatmosphäre sei sehr gut. Nur: „Ich würde mir wünschen, dass von der Marktgilde ein bisschen mehr Schwung reingebracht wird, vielleicht ein bisschen Musik oder dass der Markt bei Hitze zeitlich nach hinten verlagert wird.“ Während Kügler sein Brot anpreist, bereitet Sebastian Hanf (Geflügel Schmitz) sein Abendessen vor. „Ich schäle gerade die Karotten für eine Suppe“, sagt er schmunzelnd. Hier in Hausberge gebe es eben nicht ganz so viel zu tun wie auf anderen, größeren Märkten. Ein Beispiel? „Der Markt in Hameln ist überragend, aber auch die Märkte in Hannover oder Lemförde sind sehr gut.“ Hausberge sei eher „ein Hobby“, die Kundenfrequenz einfach zu niedrig. „Mein Vater sagt mir immer: Du bist bekloppt, wenn du da hinfährst. Aber ich bin gerne hier und bevor ich zuhause bleibe und Fernsehen gucke, fahre ich lieber hierhin.“ Der Wochenmarkt in Hausberge sei etwas für Liebhaber – auf Kunden- und auf Händlerseite. Richtig ärgerlich findet Hanf die vielen EU-Auflagen, die in Deutschland, anders als im EU-Ausland, auch angewendet würden. „Ich würde gerne viel mehr Sachen machen, Live-Cooking beispielsweise, aber da sind die Auflagen so hoch, dass es sich nicht lohnt.“ Stadt- und Ortsheimatpfleger Herbert Wiese, der sich um die Steigerung der Attraktivität Hausberges kümmert, hat einen anderen Blick auf den Wochenmarkt. Viele Händler seien durchaus zufrieden, der Umsatz habe sich stabilisiert. Der Markt bringe Leben in die Innenstadt. „Man trifft sich, kommt miteinander ins Gespräch.“ Ohnehin sei der Kontakt zu den Kunden ein wichtiger Teil des Geschäfts, findet Dennis Bornschein („Fischräucherei Otto“). „Man spricht miteinander, fragt nach dem Befinden – ich denke, es ist auch der persönliche Kontakt, warum die Leute auf dem Wochenmarkt kommen“. . Mit 16 Jahren hat Bornschein auf dem Markt angefangen – jetzt ist er 32. „Ich bin quasi damit aufgewachsen“. Auch wenn es im Winter ziemlich kalt werden kann - „ich mache die Arbeit sehr gerne. Das ist genau das, was ich machen will.“