Hausberge

Das Fellnasen-Suchkommando spürt entlaufene Tiere auf

Thomas Lieske

Mit Lebendfallen und per Facebook machen sich Sandra Eßler (rechts) und Tanja Oevermann zusammen mit Kati Wiedemann auf die Suche nach vermissten Haustieren. MT-Foto: Thomas Lieske - © Lieske
Mit Lebendfallen und per Facebook machen sich Sandra Eßler (rechts) und Tanja Oevermann zusammen mit Kati Wiedemann auf die Suche nach vermissten Haustieren. MT-Foto: Thomas Lieske (© Lieske)

Porta Westfalica-Hausberge (mt). Ihre Ausrüstung ist einige Tausend Euro wert, die ehrenamtlichen Einsatzstunden sind unzählbar und vor allem unbezahlbar. „Es gibt aber Momente, in denen wir wissen, wofür wir das alles tun. Man muss aber auch ein bisschen bekloppt sein“, erzählt Tanja Oevermann aus Minden und lacht. Sie, Sandra Eßler aus Hausberge und Kati Wiedemann aus Minden sind zur Stelle, wenn rund um Porta, Minden, Hille oder Petershagen ein Tier vermisst wird. Die drei Frauen sind quasi das Gesicht zu der Facebook-Gruppe „Hilfebedürftige Tiere in und um Minden“.

Das sei aber keine Arbeit, die nur am PC stattfinde, erklärt Sandra Eßler. Die Facebook-Gruppe mit derzeit knapp über 2.000 Mitgliedern sei die eine Seite. „Wir fahren aber auch raus, wenn Hunde eingefangen oder überhaupt erst einmal gesucht werden müssen“, ergänzt Oevermann.

Die Fälle nehmen zu. Kommt eine Meldung per Facebook, checken die Frauen, was zu tun ist: Reicht ein Post in der Gruppe? Oder taucht ein Hund stundenlang nicht mehr auf? Dann fahren sie raus, sprechen mit Besitzern, Nachbarn, richten Futterstellen ein, stellen Kameras auf, um die Tiere zu sichten. „Und wenn wir wissen, wo sich das Tier in etwa aufhält, stellen wir auch Lebendfallen auf“, erklärt Eßler.

Die Ausrüstung für ihre Einsätze kaufen die Frauen von ihrem privaten Geld. Allein eine Lebendfalle kann schnell einen vierstelligen Betrag kosten. Ein riesiger finanzieller und Arbeitsaufwand für fremde Tiere. Auf die Frage nach dem Warum haben die Frauen eine klare Antwort: „Tierliebe.“ Sie muss bedingungslos sein. Denn Sandra Eßler erzählt, dass sich ein Sucheinsatz unter Umständen über mehrere Wochen ziehen kann. „Der längste hat acht Wochen gedauert. Am Ende konnten wir das Tier nur über eine Distanznarkose fangen“, erinnert sich die Frau, die seit einiger Zeit auch Notdienste für das Mindener Tierheim macht. Auch bei Oevermann kommt das Engagement nicht von ungefähr: Sie hilft beim Tierschutz im Ausland.

Gibt es einen neuen Fall, versuchen sie sofort einzugreifen, manchmal unter widrigen Umständen. „Ein Einsatz zog sich über 14 Tage auf einer Müllkippe, bei über 30 Grad und mit vielen Ratten“, weiß Oevermann noch genau. An anderen Stellen werde ihnen die Arbeit erschwert, weil sich Tierbesitzer nicht kooperativ zeigten oder Grundstückseigentümer die Erlaubnis für Wildkameras verweigerten. Dafür gebe es aber auch eine Menge Erfolgserlebnisse. „Bei vermissten Auslandshunden liegt unsere Erfolgsquote bei fast 100 Prozent“, freut sich Eßler. Bleibt ein in Deutschland aufgewachsener Hund über längere Zeit weg und findet nicht wieder nach Hause, „dann ist oft etwas passiert. Das ist vom Verhalten her untypisch“, erklärt Oevermann. Entscheidend seien die ersten 24 Stunden nach dem Entlaufen, „um Futterstellen einzurichten und den Hund möglichst an einem Ort zu halten.“

Mittlerweile haben die drei engagierten Frauen viele Erfahrungen gesammelt. Vor fünf Jahren begann die Arbeit mit dem ersten Fall. Seitdem sei es immer mehr geworden. „Es gibt einfach viel mehr Hunde als vor einigen Jahren. Viele werden aus dem Ausland hergeholt“, erzählt Tanja Oevermann. Das sei grundsätzlich erstmal kein Problem, wenn es nicht „so viele unseriöse Vereine geben würde, die Tiere vermitteln und den neuen Besitzer nicht aufklären, was zu beachten ist“. Genau das seien nämlich oftmals Angsthunde, die dann in einer brenzligen Situation in Deutschland entwischten und sich dann vom Menschen fernhielten. „So wie sie es auf der Straße gelernt haben“, ergänzt Sandra Eßler.

Ist das scheue Tier wieder beim Besitzer, leisten die drei Frauen viel Aufklärungsarbeit. Sie machen das, was eigentlich die Tierschutzvereine im Ausland leisten sollten. Dazu gebe es auch hier in der Region einiges an Elend zu sehen. „Man mag gar nicht glauben, wie viele Hunde herrenlos im Wiehengebirge herumlaufen“, erzählt Oevermann. Dazu gebe es Besitzer, die ihr vermisstes Tier plötzlich nicht mehr zurück haben wollten. Dann bleibe nur das Tierheim.

Die Gesamtzahl der Fälle sei mittlerweile nicht mehr zu beziffern. Nur die richtig schweren Fälle, die wochenlange Arbeit mit sich bringen: Rund 20 seien es bisher in den Jahren gewesen. Mit unzähligen Arbeitsstunden. Auch nachts. Dennoch: Einfach aufhören, das kommt für die Frauen nicht infrage. „Wir könnten nur weitere Unterstützung gebrauchen. Denn wir brauchen vor allem Manpower“, erklärt Tanja Oevermann. Damit verschwundene Tiere auch weiterhin den Weg nach Hause finden.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

HausbergeDas Fellnasen-Suchkommando spürt entlaufene Tiere aufThomas LieskePorta Westfalica-Hausberge (mt). Ihre Ausrüstung ist einige Tausend Euro wert, die ehrenamtlichen Einsatzstunden sind unzählbar und vor allem unbezahlbar. „Es gibt aber Momente, in denen wir wissen, wofür wir das alles tun. Man muss aber auch ein bisschen bekloppt sein“, erzählt Tanja Oevermann aus Minden und lacht. Sie, Sandra Eßler aus Hausberge und Kati Wiedemann aus Minden sind zur Stelle, wenn rund um Porta, Minden, Hille oder Petershagen ein Tier vermisst wird. Die drei Frauen sind quasi das Gesicht zu der Facebook-Gruppe „Hilfebedürftige Tiere in und um Minden“. Das sei aber keine Arbeit, die nur am PC stattfinde, erklärt Sandra Eßler. Die Facebook-Gruppe mit derzeit knapp über 2.000 Mitgliedern sei die eine Seite. „Wir fahren aber auch raus, wenn Hunde eingefangen oder überhaupt erst einmal gesucht werden müssen“, ergänzt Oevermann. Die Fälle nehmen zu. Kommt eine Meldung per Facebook, checken die Frauen, was zu tun ist: Reicht ein Post in der Gruppe? Oder taucht ein Hund stundenlang nicht mehr auf? Dann fahren sie raus, sprechen mit Besitzern, Nachbarn, richten Futterstellen ein, stellen Kameras auf, um die Tiere zu sichten. „Und wenn wir wissen, wo sich das Tier in etwa aufhält, stellen wir auch Lebendfallen auf“, erklärt Eßler. Die Ausrüstung für ihre Einsätze kaufen die Frauen von ihrem privaten Geld. Allein eine Lebendfalle kann schnell einen vierstelligen Betrag kosten. Ein riesiger finanzieller und Arbeitsaufwand für fremde Tiere. Auf die Frage nach dem Warum haben die Frauen eine klare Antwort: „Tierliebe.“ Sie muss bedingungslos sein. Denn Sandra Eßler erzählt, dass sich ein Sucheinsatz unter Umständen über mehrere Wochen ziehen kann. „Der längste hat acht Wochen gedauert. Am Ende konnten wir das Tier nur über eine Distanznarkose fangen“, erinnert sich die Frau, die seit einiger Zeit auch Notdienste für das Mindener Tierheim macht. Auch bei Oevermann kommt das Engagement nicht von ungefähr: Sie hilft beim Tierschutz im Ausland. Gibt es einen neuen Fall, versuchen sie sofort einzugreifen, manchmal unter widrigen Umständen. „Ein Einsatz zog sich über 14 Tage auf einer Müllkippe, bei über 30 Grad und mit vielen Ratten“, weiß Oevermann noch genau. An anderen Stellen werde ihnen die Arbeit erschwert, weil sich Tierbesitzer nicht kooperativ zeigten oder Grundstückseigentümer die Erlaubnis für Wildkameras verweigerten. Dafür gebe es aber auch eine Menge Erfolgserlebnisse. „Bei vermissten Auslandshunden liegt unsere Erfolgsquote bei fast 100 Prozent“, freut sich Eßler. Bleibt ein in Deutschland aufgewachsener Hund über längere Zeit weg und findet nicht wieder nach Hause, „dann ist oft etwas passiert. Das ist vom Verhalten her untypisch“, erklärt Oevermann. Entscheidend seien die ersten 24 Stunden nach dem Entlaufen, „um Futterstellen einzurichten und den Hund möglichst an einem Ort zu halten.“ Mittlerweile haben die drei engagierten Frauen viele Erfahrungen gesammelt. Vor fünf Jahren begann die Arbeit mit dem ersten Fall. Seitdem sei es immer mehr geworden. „Es gibt einfach viel mehr Hunde als vor einigen Jahren. Viele werden aus dem Ausland hergeholt“, erzählt Tanja Oevermann. Das sei grundsätzlich erstmal kein Problem, wenn es nicht „so viele unseriöse Vereine geben würde, die Tiere vermitteln und den neuen Besitzer nicht aufklären, was zu beachten ist“. Genau das seien nämlich oftmals Angsthunde, die dann in einer brenzligen Situation in Deutschland entwischten und sich dann vom Menschen fernhielten. „So wie sie es auf der Straße gelernt haben“, ergänzt Sandra Eßler. Ist das scheue Tier wieder beim Besitzer, leisten die drei Frauen viel Aufklärungsarbeit. Sie machen das, was eigentlich die Tierschutzvereine im Ausland leisten sollten. Dazu gebe es auch hier in der Region einiges an Elend zu sehen. „Man mag gar nicht glauben, wie viele Hunde herrenlos im Wiehengebirge herumlaufen“, erzählt Oevermann. Dazu gebe es Besitzer, die ihr vermisstes Tier plötzlich nicht mehr zurück haben wollten. Dann bleibe nur das Tierheim. Die Gesamtzahl der Fälle sei mittlerweile nicht mehr zu beziffern. Nur die richtig schweren Fälle, die wochenlange Arbeit mit sich bringen: Rund 20 seien es bisher in den Jahren gewesen. Mit unzähligen Arbeitsstunden. Auch nachts. Dennoch: Einfach aufhören, das kommt für die Frauen nicht infrage. „Wir könnten nur weitere Unterstützung gebrauchen. Denn wir brauchen vor allem Manpower“, erklärt Tanja Oevermann. Damit verschwundene Tiere auch weiterhin den Weg nach Hause finden.