MT-Serie A2: Comeback der Natur Thomas Lieske Porta Westfalica (mt). Nur ein kleines Fenster im Buschwerk lässt einen Blick zu. Eine überwucherte Sitzgruppe, halb auseinandergefallen. Ein bisschen Teer – das war's. Mehr ist von dem ehemaligen Rastplatz „Am Rotenbrink" an der A2 in Höhe Eisbergen in Fahrtrichtung Dortmund nicht mehr zu erkennen. Pflanzen und Tiere holen sich Stück für Stück das zurück, was man ihnen einst nahm. Es ist ein Comeback der Natur. Vor gut 20 Jahren sei der Parkplatz bereits geschlossen worden, erklärt Betriebsdienstleiter Stefan Meyer der zuständigen Autobahnmeisterei Herford im MT-Gespräch. „Im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus" sei er dicht gemacht worden. Seitdem werde die Anlage, die nach Aussagen von Alteingesessenen früher gern mal als illegale Abfahrt nach Eisbergen und Lohfeld genommen wurde, nicht mehr bewirtschaftet. Seitdem wachsen Bäume und Sträucher ungehindert. Nur schemenhaft ist der Teerbelag noch von außen zu sehen. Wer die Autobahn entlang fährt, sieht den ehemaligen Parkplatz nur bei genauem Hinsehen. Verbotsschilder für die Durchfahrt weisen auf den alten Rastplatz hin. Befahrbar ist er aus Richtung Hannover allerdings nicht mehr: Leitplanken versperren den Weg. Trotzdem erregte „Am Rotenbrink" erst vor Kurzem wieder die Gemüter. Als Anfang Mai die gesamte Region in Aufruhr war, weil mutmaßliche Pferdediebe ihr Unwesen trieben (MT berichtete), vermuteten einige, dass der stillgelegte Rastplatz als Umschlagplatz für die Diebe dienen könnte. Der Parkplatz ist über einen Feldweg von außen erreichbar. Autos, die mit einem waghalsigen Abbiegemanöver von der Autobahn aus auf den Parkplatz gelangen, könnten bequem Richtung Dortmund herunter fahren. Denn dort steht keine Leitplanke. Andere berichten gegenüber dem MT von einem oft genutzten Umschlagplatz für Drogen. Verlässliche Quellen dazu gibt es aber nicht. Nachgefragt bei der Autobahnpolizei: Hat sie diesen Parkplatz verstärkt im Blick? „Die Autobahnpolizei nutzt den stillgelegten Parkplatz für die Verkehrsüberwachung und Geschwindigkeitsmessungen", erklärt Polizeisprecherin Sonja Rehmert. Einsätze etwa wegen Drogenhandels hatte die Polizei dort nach ihren Aussagen noch nicht. Generell schätzt sie das Potenzial für krumme Geschäfte auf dieser Anlage eher gering ein. Durch die Polizeiarbeit sei der Parkplatz „häufig frequentiert". Zudem sei er nicht ohne Weiteres ansteuerbar. Und wer weiß: vielleicht in einigen Jahren auch gar nicht mehr befahrbar, wenn der Wildwuchs weiter voranschreitet. Dass sich die Natur durch eine Autobahn nicht aufhalten lässt, zeigt nicht nur der alte Parkplatz „Bruchwiese", sondern auch das Naturschutzgebiet „Schwatten Paul" in Lohfeld. Obwohl die A2 quer durch das Schutzgebiet verläuft, sind dort eine ganze Reihe von seltenen Tieren und Pflanzen heimisch. Allerdings: Rote-Liste-Arten kommen dort nicht vor Seit 1991 existiert das Gebiet als Schutzgebiet. Gut 32 Hektar umfasst die Fläche, auf der in kleinen Wiesen-, Wald- und Wasserflächen Pflanzen wie die Gelbe Schwertlilie, der Knick-Fuchsschwanz und das Rote Straussgras wachsen. Die Vogelarten Dorngrasmücke und Neuntöter fühlen sich dort ebenfalls wohl. Während nördlich der Autobahn eher Baumbestände vorkommen, prägen den südlichen Teil des Naturschutzgebietes Feuchtwiesen. Der Schutzstatus soll verhindern, dass zu viel Düngemittel durch Landwirtschaft in den Boden gerät, das die Biotope gefährden könnte. Oftmals geben Naturschutzgebiete im Zusammenhang mit Autobahnen Anlass für Proteste von Umweltschützern. Im Fall von „Schwatten Paul" bei Lohfeld war die Autobahn allerdings zuerst da. Hier gibt es die weiteren Serienteile

MT-Serie A2: Comeback der Natur

Die Autobahn 2 durchschneidet bei Lohfeld das Naturschutzgebiet „Schwatten Paul“. Davon lässt sich die Natur offenbar nicht beirren. ?MT-Fotos: Thomas Lieske

Porta Westfalica (mt). Nur ein kleines Fenster im Buschwerk lässt einen Blick zu. Eine überwucherte Sitzgruppe, halb auseinandergefallen. Ein bisschen Teer – das war's. Mehr ist von dem ehemaligen Rastplatz „Am Rotenbrink" an der A2 in Höhe Eisbergen in Fahrtrichtung Dortmund nicht mehr zu erkennen. Pflanzen und Tiere holen sich Stück für Stück das zurück, was man ihnen einst nahm. Es ist ein Comeback der Natur.

Vor gut 20 Jahren sei der Parkplatz bereits geschlossen worden, erklärt Betriebsdienstleiter Stefan Meyer der zuständigen Autobahnmeisterei Herford im MT-Gespräch. „Im Zuge des sechsstreifigen Ausbaus" sei er dicht gemacht worden. Seitdem werde die Anlage, die nach Aussagen von Alteingesessenen früher gern mal als illegale Abfahrt nach Eisbergen und Lohfeld genommen wurde, nicht mehr bewirtschaftet. Seitdem wachsen Bäume und Sträucher ungehindert. Nur schemenhaft ist der Teerbelag noch von außen zu sehen. Wer die Autobahn entlang fährt, sieht den ehemaligen Parkplatz nur bei genauem Hinsehen. Verbotsschilder für die Durchfahrt weisen auf den alten Rastplatz hin. Befahrbar ist er aus Richtung Hannover allerdings nicht mehr: Leitplanken versperren den Weg.

Trotzdem erregte „Am Rotenbrink" erst vor Kurzem wieder die Gemüter. Als Anfang Mai die gesamte Region in Aufruhr war, weil mutmaßliche Pferdediebe ihr Unwesen trieben (MT berichtete), vermuteten einige, dass der stillgelegte Rastplatz als Umschlagplatz für die Diebe dienen könnte. Der Parkplatz ist über einen Feldweg von außen erreichbar. Autos, die mit einem waghalsigen Abbiegemanöver von der Autobahn aus auf den Parkplatz gelangen, könnten bequem Richtung Dortmund herunter fahren. Denn dort steht keine Leitplanke. Andere berichten gegenüber dem MT von einem oft genutzten Umschlagplatz für Drogen. Verlässliche Quellen dazu gibt es aber nicht.

Nachgefragt bei der Autobahnpolizei: Hat sie diesen Parkplatz verstärkt im Blick? „Die Autobahnpolizei nutzt den stillgelegten Parkplatz für die Verkehrsüberwachung und Geschwindigkeitsmessungen", erklärt Polizeisprecherin Sonja Rehmert. Einsätze etwa wegen Drogenhandels hatte die Polizei dort nach ihren Aussagen noch nicht. Generell schätzt sie das Potenzial für krumme Geschäfte auf dieser Anlage eher gering ein. Durch die Polizeiarbeit sei der Parkplatz „häufig frequentiert". Zudem sei er nicht ohne Weiteres ansteuerbar. Und wer weiß: vielleicht in einigen Jahren auch gar nicht mehr befahrbar, wenn der Wildwuchs weiter voranschreitet.

Diese Sitzgruppe hat ihre besten Tage hinter sich. Sie erinnert an den ehemaligen Parkplatz, der vor gut 20 Jahren geschlossen wurde.
Diese Sitzgruppe hat ihre besten Tage hinter sich. Sie erinnert an den ehemaligen Parkplatz, der vor gut 20 Jahren geschlossen wurde.

Dass sich die Natur durch eine Autobahn nicht aufhalten lässt, zeigt nicht nur der alte Parkplatz „Bruchwiese", sondern auch das Naturschutzgebiet „Schwatten Paul" in Lohfeld. Obwohl die A2 quer durch das Schutzgebiet verläuft, sind dort eine ganze Reihe von seltenen Tieren und Pflanzen heimisch. Allerdings: Rote-Liste-Arten kommen dort nicht vor Seit 1991 existiert das Gebiet als Schutzgebiet. Gut 32 Hektar umfasst die Fläche, auf der in kleinen Wiesen-, Wald- und Wasserflächen Pflanzen wie die Gelbe Schwertlilie, der Knick-Fuchsschwanz und das Rote Straussgras wachsen. Die Vogelarten Dorngrasmücke und Neuntöter fühlen sich dort ebenfalls wohl. Während nördlich der Autobahn eher Baumbestände vorkommen, prägen den südlichen Teil des Naturschutzgebietes Feuchtwiesen. Der Schutzstatus soll verhindern, dass zu viel Düngemittel durch Landwirtschaft in den Boden gerät, das die Biotope gefährden könnte.

Oftmals geben Naturschutzgebiete im Zusammenhang mit Autobahnen Anlass für Proteste von Umweltschützern. Im Fall von „Schwatten Paul" bei Lohfeld war die Autobahn allerdings zuerst da.

Hier gibt es die weiteren Serienteile

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