Porta Westfalica

Rap-Projekt statt Porta-Bad: VHS-Ferienbetreuung enlastet die städtische Jugendpflege

Dirk Haunhorst

„Wer bist du denn?“ Bürgermeister Bernd Hedtmann begrüßte die Ferienspielkinder in der Sporthalle und musste sich erst einmal vorstellen. MT-Foto: Dirk Haunhorst - © haunhorst
„Wer bist du denn?“ Bürgermeister Bernd Hedtmann begrüßte die Ferienspielkinder in der Sporthalle und musste sich erst einmal vorstellen. MT-Foto: Dirk Haunhorst (© haunhorst)

Porta Westfalica (mt). Die Zahl spricht für sich: 130 Mädchen und Jungen – mehr als je zuvor – nutzen in der ersten Ferienwoche die Spielangebote der städtischen Jugendpflege und der Volkshochschule Minden-Bad Oeynhausen. Für die VHS ist ihr Sommerferien-Engagement in Porta eine Premiere. Grund: Das begehrte Angebot der Jugendpflege reicht längst nicht mehr aus, insbesondere die ersten Ferienwochen waren überbucht. Die Politik handelte im vorigen Jahr und beschloss die Ausweitung der Ferienbetreuung mithilfe der VHS, die bereits seit Jahren den offenen Ganztag an Portaner Grundschulen organisiert.

Die VHS kümmert sich in dieser Woche um 80 Kinder, 52 an der Grundschule Hausberge, 28 in Eisbergen. Auch in den Ferienwochen zwei (67 Anmeldungen) und drei (40 Anmeldungen) hält die VHS in Hausberge die Stellung. „Manches muss sich noch finden, wir befinden uns ja in einer Übergangsphase“, sagt Silvia Diederich, stellvertretende Leiterin des offenen Ganztags in Hausberge. Der Übergang ist auch dadurch charakterisiert, dass die neue Elternbeitragssatzung erst zum 1. August greift. Deshalb zahlen Eltern für die Sommerferienbetreuung pro Woche 50 Euro, das Mittagessen schlägt extra zu Buche. Von den Herbstferien an ist die Betreuung im Beitrag des offenen Ganztags inkludiert. Eltern zahlen dann je nach Einkommen zwischen acht und zwölf Euro mehr im Monat, und zwar unabhängig davon, ob ihre Kinder das VHS-Ferienangebot nutzen oder nicht. Für dieses umstrittene „Solidarmodell“, das die Stadt bezuschusst, hatte sich sich im vorigen Jahr die Ratsmehrheit ausgesprochen.

Die VHS beschäftigt für ihre Ferienbetreuung hauptamtliche Mitarbeiter, während die städtischen Ferienspiele ohne den Einsatz ehrenamtlicher Kräfte nicht möglich wäre. Der Einsatz jugendlicher Helfer erlaubt der Stadt einen großzügigen Betreuungsschlüssel von 1:5, das heißt: zehn Betreuer für 50 Kinder. Zum Vergleich: An der Grundschule Hausberge kümmern sich diese Woche sieben bis acht VHS-Kräfte um 52 Kinder. Teilnehmen können am VHS-Angebot ausschließlich Grundschüler, die das Ganztagsprogramm in der Schule nutzen, während die städtischen Ferienspiele allen offenstehen – sofern noch Plätze frei sind.

Auch im Programm gibt es Unterschiede: So werden die Kinder der städtischen Ferienspiele bei heißem Wetter regelmäßig das Porta-Bad besuchen, die „VHS-Kinder“ hingegen sich mit Wasserspielen auf dem Schulhof abkühlen müssen. Denn die Verantwortung, die mit einem Schwimmbad-Besuch verbunden sei, „können wir nicht übernehmen“, sagt Silvia Diederich. Zumindest noch nicht. Dafür gebe es aber eine andere Attraktion im VHS-Programm: das Rap-Projekt. Die Kinder texten im Laufe dieser Woche eigene Rap-Texte und produzieren eine CD mit selbstgestaltetem Cover.

Die städtischen Ferienspiele hatten früher an der Grundschule Hausberge ihr Domizil und sind inzwischen für die erste Ferienhälfte zur Realschule gewechselt. „Unser Motto lautet diesmal Bewegung“, sagt Jugendpfleger Robert Krumschmidt. Am Montagvormittag vergnügen sich die Kinder mit Ballspielen in der Sporthalle. Zur offiziellen Begrüßung bringt Bürgermeister Bernd Hedtmann (parteilos) eine tragbare Musikanlage mit, weil Bewegung zum richtigen Rhythmus noch mehr Spaß macht. Zunächst aber muss Hedtmann sich vorstellen, als ein Kind von ihm wissen will. „Wer bist du denn?“

Nachdem das geklärt ist, toben die Sechs- bis Zwölfjährigen weiter durch die Turnhalle. Später ist noch Zeit für Spiele in der Realschule. „Wir haben einen 7,5-Tonner mit Material abgeladen“, sagt Jugendpfleger Olaf Böhne. Wer nach dem Spielen müde ist, kann im Forum der Realschule die Chillout-Area nutzen und entspannen. Spielt das Wetter mit, steht am Donnerstag ein Freibadbesuch auf dem Programm.

Die Stadt hat mehr als 300 Anmeldungen für ihre Ferienangebote registriert. Es gibt auch noch Ferienspiele in Lerbeck, ein Zeltlager am Helenensee, die Schwimmoffensive im Porta-Bad und einen Ausflug ins Rastiland.

Diesmal hat die Jugendpflege in der ersten Ferienwoche sogar noch einen freien Platz. „Ein Zeichen dafür, dass das zusätzliche VHS-Angebot Druck von den städtischen Ferienspielen genommen hat“, sagt Jugendamtsleiter Jens Kütenbrink. In den vergangenen Jahren erhielten zahlreiche Eltern und Kinder wegen der Überbuchungen noch Absagen, worüber sich viele ärgerten.

Die Eltern zahlen pro Woche 50 Euro mit Frühbetreuung, 40 Euro ohne. Das Mittagessen ist im Preis enthalten. Die Jugendpflege lässt die Mahlzeiten von der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in Minden liefern. Die Portaner „Koch-Omis“, die sich in den vergangenen Jahren um die Zubereitung des Mittagessen kümmerten, haben auf eigenen Wunsch ihren langjährigen Einsatz beendet.

Bei allen Unterschieden zwischen der „neuen“ VHS-Ferienbetreuung und den „traditionellen“ städtischen Ferienspielen, fiel gestern auch eine Gemeinsamkeit auf: Sowohl an der Grundschule in Hausberge als auch an der Realschule gab es einen Mittagsimbiss, den (fast) alle Kinder mögen: Spaghetti.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Porta WestfalicaRap-Projekt statt Porta-Bad: VHS-Ferienbetreuung enlastet die städtische JugendpflegeDirk HaunhorstPorta Westfalica (mt). Die Zahl spricht für sich: 130 Mädchen und Jungen – mehr als je zuvor – nutzen in der ersten Ferienwoche die Spielangebote der städtischen Jugendpflege und der Volkshochschule Minden-Bad Oeynhausen. Für die VHS ist ihr Sommerferien-Engagement in Porta eine Premiere. Grund: Das begehrte Angebot der Jugendpflege reicht längst nicht mehr aus, insbesondere die ersten Ferienwochen waren überbucht. Die Politik handelte im vorigen Jahr und beschloss die Ausweitung der Ferienbetreuung mithilfe der VHS, die bereits seit Jahren den offenen Ganztag an Portaner Grundschulen organisiert. Die VHS kümmert sich in dieser Woche um 80 Kinder, 52 an der Grundschule Hausberge, 28 in Eisbergen. Auch in den Ferienwochen zwei (67 Anmeldungen) und drei (40 Anmeldungen) hält die VHS in Hausberge die Stellung. „Manches muss sich noch finden, wir befinden uns ja in einer Übergangsphase“, sagt Silvia Diederich, stellvertretende Leiterin des offenen Ganztags in Hausberge. Der Übergang ist auch dadurch charakterisiert, dass die neue Elternbeitragssatzung erst zum 1. August greift. Deshalb zahlen Eltern für die Sommerferienbetreuung pro Woche 50 Euro, das Mittagessen schlägt extra zu Buche. Von den Herbstferien an ist die Betreuung im Beitrag des offenen Ganztags inkludiert. Eltern zahlen dann je nach Einkommen zwischen acht und zwölf Euro mehr im Monat, und zwar unabhängig davon, ob ihre Kinder das VHS-Ferienangebot nutzen oder nicht. Für dieses umstrittene „Solidarmodell“, das die Stadt bezuschusst, hatte sich sich im vorigen Jahr die Ratsmehrheit ausgesprochen. Die VHS beschäftigt für ihre Ferienbetreuung hauptamtliche Mitarbeiter, während die städtischen Ferienspiele ohne den Einsatz ehrenamtlicher Kräfte nicht möglich wäre. Der Einsatz jugendlicher Helfer erlaubt der Stadt einen großzügigen Betreuungsschlüssel von 1:5, das heißt: zehn Betreuer für 50 Kinder. Zum Vergleich: An der Grundschule Hausberge kümmern sich diese Woche sieben bis acht VHS-Kräfte um 52 Kinder. Teilnehmen können am VHS-Angebot ausschließlich Grundschüler, die das Ganztagsprogramm in der Schule nutzen, während die städtischen Ferienspiele allen offenstehen – sofern noch Plätze frei sind. Auch im Programm gibt es Unterschiede: So werden die Kinder der städtischen Ferienspiele bei heißem Wetter regelmäßig das Porta-Bad besuchen, die „VHS-Kinder“ hingegen sich mit Wasserspielen auf dem Schulhof abkühlen müssen. Denn die Verantwortung, die mit einem Schwimmbad-Besuch verbunden sei, „können wir nicht übernehmen“, sagt Silvia Diederich. Zumindest noch nicht. Dafür gebe es aber eine andere Attraktion im VHS-Programm: das Rap-Projekt. Die Kinder texten im Laufe dieser Woche eigene Rap-Texte und produzieren eine CD mit selbstgestaltetem Cover. Die städtischen Ferienspiele hatten früher an der Grundschule Hausberge ihr Domizil und sind inzwischen für die erste Ferienhälfte zur Realschule gewechselt. „Unser Motto lautet diesmal Bewegung“, sagt Jugendpfleger Robert Krumschmidt. Am Montagvormittag vergnügen sich die Kinder mit Ballspielen in der Sporthalle. Zur offiziellen Begrüßung bringt Bürgermeister Bernd Hedtmann (parteilos) eine tragbare Musikanlage mit, weil Bewegung zum richtigen Rhythmus noch mehr Spaß macht. Zunächst aber muss Hedtmann sich vorstellen, als ein Kind von ihm wissen will. „Wer bist du denn?“ Nachdem das geklärt ist, toben die Sechs- bis Zwölfjährigen weiter durch die Turnhalle. Später ist noch Zeit für Spiele in der Realschule. „Wir haben einen 7,5-Tonner mit Material abgeladen“, sagt Jugendpfleger Olaf Böhne. Wer nach dem Spielen müde ist, kann im Forum der Realschule die Chillout-Area nutzen und entspannen. Spielt das Wetter mit, steht am Donnerstag ein Freibadbesuch auf dem Programm. Die Stadt hat mehr als 300 Anmeldungen für ihre Ferienangebote registriert. Es gibt auch noch Ferienspiele in Lerbeck, ein Zeltlager am Helenensee, die Schwimmoffensive im Porta-Bad und einen Ausflug ins Rastiland. Diesmal hat die Jugendpflege in der ersten Ferienwoche sogar noch einen freien Platz. „Ein Zeichen dafür, dass das zusätzliche VHS-Angebot Druck von den städtischen Ferienspielen genommen hat“, sagt Jugendamtsleiter Jens Kütenbrink. In den vergangenen Jahren erhielten zahlreiche Eltern und Kinder wegen der Überbuchungen noch Absagen, worüber sich viele ärgerten. Die Eltern zahlen pro Woche 50 Euro mit Frühbetreuung, 40 Euro ohne. Das Mittagessen ist im Preis enthalten. Die Jugendpflege lässt die Mahlzeiten von der Mensa der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule in Minden liefern. Die Portaner „Koch-Omis“, die sich in den vergangenen Jahren um die Zubereitung des Mittagessen kümmerten, haben auf eigenen Wunsch ihren langjährigen Einsatz beendet. Bei allen Unterschieden zwischen der „neuen“ VHS-Ferienbetreuung und den „traditionellen“ städtischen Ferienspielen, fiel gestern auch eine Gemeinsamkeit auf: Sowohl an der Grundschule in Hausberge als auch an der Realschule gab es einen Mittagsimbiss, den (fast) alle Kinder mögen: Spaghetti.