Porta Westfalica/Minden

Wie zwei kuschelweiche Lernhelfer aus Veltheim den Unterricht verändern

Benjamin Piel

Meike Keilani kommt mit ihren Hunden Freddy (links) und Meilo schon seit Jahren in Einrichtungen wie den Evangelischen Kindergarten in Dankersen. Tiergestützte Pädagogik gehört für einige Kitas inzwischen zum Alltag. MT-Foto: Benjamin Piel - © piel
Meike Keilani kommt mit ihren Hunden Freddy (links) und Meilo schon seit Jahren in Einrichtungen wie den Evangelischen Kindergarten in Dankersen. Tiergestützte Pädagogik gehört für einige Kitas inzwischen zum Alltag. MT-Foto: Benjamin Piel (© piel)

Porta Westfalica/Minden (mt). Als die fünf Kinder den Raum betreten, heben die Hunde nicht mal den Kopf. Die Ohren gehen ein bisschen nach oben – aber das war es dann auch schon. Aufspringen? Losrasen? An den Kindern hochspringen? Ihnen durchs Gesicht schlecken? Das tun Freddy und Meilo nicht.

Die Hunde von Meike Keilani arbeiten regelmäßig mit Kindern zusammen und wissen, was sie zu tun haben. Ruhig liegen bleiben, nicht hektisch werden, Verlässlichkeit ausstrahlen. Sie machen ihren Job gut.

Die Kinder setzen sich auf den Boden des Turnraums im Kindergarten Biberburg in Minden-Dankersen. „Wisst ihr noch die Regel, die wir uns überlegt haben?“, fragt Keilani. Die Vorschulkinder können sich erinnern: nicht festhalten, nicht am Schwanz und am Halsband ziehen, nicht ärgern, auf dem Rücken streicheln. „Ok“, sagt die 44-Jährige, schon springen die Hunde auf und laufen zu den Kindern. Die streichen den Hunden vorsichtig übers Fell. „Wie fühlen die sich an?“, fragt die Veltheimerin. „Sehr weich“, antwortet Jule. Sie darf Freddy mit einer Bürste das Fell kämmen.

Tiergestützte Pädagogik, so heißt das Angebot, das Keilani seit zehn Jahren in Kindergärten, Schulen, in einer Rehaklinik für erkrankte Kinder und Altenheimen anbietet. Der Hund motiviere die Kinder zum einen für motorische und sprachliche Übungen, außerdem schule er das Akzeptieren von Regeln und die Rücksichtnahme. „Der Hund baut die Brücke“, formuliert Keilani und erlebt, dass sie dadurch keine lange Aufwärmzeit braucht, sondern gleich mitten in den Themen ist. Und dann passieren manchmal erstaunliche Dinge, erzählt sie: „Kinder, die sprachlich nicht so gut drauf sind, erzählen plötzlich dem Hund etwas - und der sagt nicht richtig oder falsch, sondern gibt Selbstvertrauen.“ Die ausgebildeten Therapie-Begleithunde, ein Australien Shepherd und ein Sheeplander, lassen die Kinder herunterfahren, das erlebt die Erzieherin immer wieder. Für alte Menschen sei vor allem die Berührung wichtig.

Im Turnraum in Dankersen gibt es jetzt ein Spiel. Der Hund würfelt mit der Schnauze eine Farbe, die Kinder balancieren mit einem Leckerli auf dem Löffel über eine Bank und legen das Leckerli in einen Behälter der gewürfelten Farbe. Motorik, Merkfähigkeit, Farbverständnis - alles in einem Spiel mit dem Tier. Alle machen mit, alle wirken motiviert.

Als Keilani vor zehn Jahren anfing, ihr Programm anzubieten, war die tiergestützte Pädagogik in Minden und Umgebung noch recht unbekannt. „Viele Kindergärten waren aber gleich ganz offen und sind inzwischen schon seit vielen Jahren dabei“, sagt Keilani. Die Einrichtungen schätzen, dass die Frau mit einer Zusatzausbildung in tiergestützter Pädagogik zu ihnen kommt. Der Aufwand für die Einrichtungen ist also überschaubar. „Eine Reittherapie wäre beispielsweise eine Alternative, aber weniger praktisch“, sagt Keilani. Und in einen Turnraum passt ein Pferd nun mal auch nicht.

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Porta Westfalica/MindenWie zwei kuschelweiche Lernhelfer aus Veltheim den Unterricht verändernBenjamin PielPorta Westfalica/Minden (mt). Als die fünf Kinder den Raum betreten, heben die Hunde nicht mal den Kopf. Die Ohren gehen ein bisschen nach oben – aber das war es dann auch schon. Aufspringen? Losrasen? An den Kindern hochspringen? Ihnen durchs Gesicht schlecken? Das tun Freddy und Meilo nicht. Die Hunde von Meike Keilani arbeiten regelmäßig mit Kindern zusammen und wissen, was sie zu tun haben. Ruhig liegen bleiben, nicht hektisch werden, Verlässlichkeit ausstrahlen. Sie machen ihren Job gut. Die Kinder setzen sich auf den Boden des Turnraums im Kindergarten Biberburg in Minden-Dankersen. „Wisst ihr noch die Regel, die wir uns überlegt haben?“, fragt Keilani. Die Vorschulkinder können sich erinnern: nicht festhalten, nicht am Schwanz und am Halsband ziehen, nicht ärgern, auf dem Rücken streicheln. „Ok“, sagt die 44-Jährige, schon springen die Hunde auf und laufen zu den Kindern. Die streichen den Hunden vorsichtig übers Fell. „Wie fühlen die sich an?“, fragt die Veltheimerin. „Sehr weich“, antwortet Jule. Sie darf Freddy mit einer Bürste das Fell kämmen. Tiergestützte Pädagogik, so heißt das Angebot, das Keilani seit zehn Jahren in Kindergärten, Schulen, in einer Rehaklinik für erkrankte Kinder und Altenheimen anbietet. Der Hund motiviere die Kinder zum einen für motorische und sprachliche Übungen, außerdem schule er das Akzeptieren von Regeln und die Rücksichtnahme. „Der Hund baut die Brücke“, formuliert Keilani und erlebt, dass sie dadurch keine lange Aufwärmzeit braucht, sondern gleich mitten in den Themen ist. Und dann passieren manchmal erstaunliche Dinge, erzählt sie: „Kinder, die sprachlich nicht so gut drauf sind, erzählen plötzlich dem Hund etwas - und der sagt nicht richtig oder falsch, sondern gibt Selbstvertrauen.“ Die ausgebildeten Therapie-Begleithunde, ein Australien Shepherd und ein Sheeplander, lassen die Kinder herunterfahren, das erlebt die Erzieherin immer wieder. Für alte Menschen sei vor allem die Berührung wichtig. Im Turnraum in Dankersen gibt es jetzt ein Spiel. Der Hund würfelt mit der Schnauze eine Farbe, die Kinder balancieren mit einem Leckerli auf dem Löffel über eine Bank und legen das Leckerli in einen Behälter der gewürfelten Farbe. Motorik, Merkfähigkeit, Farbverständnis - alles in einem Spiel mit dem Tier. Alle machen mit, alle wirken motiviert. Als Keilani vor zehn Jahren anfing, ihr Programm anzubieten, war die tiergestützte Pädagogik in Minden und Umgebung noch recht unbekannt. „Viele Kindergärten waren aber gleich ganz offen und sind inzwischen schon seit vielen Jahren dabei“, sagt Keilani. Die Einrichtungen schätzen, dass die Frau mit einer Zusatzausbildung in tiergestützter Pädagogik zu ihnen kommt. Der Aufwand für die Einrichtungen ist also überschaubar. „Eine Reittherapie wäre beispielsweise eine Alternative, aber weniger praktisch“, sagt Keilani. Und in einen Turnraum passt ein Pferd nun mal auch nicht.