Veltheim

Feuerwehrmann Michael Horst: „Da stehst du mit Frust davor“

Dirk Haunhorst

Großes Medieninteresse: Feuerwehr-Pressesprecher Michael Horst (2.v.r.) stellt sich am tag nach dem Brand vor dem früheren Verwaltungsgebäude des Kraftwerks den Reporterfragen. MT-Fotos. Dirk Haunhorst - © haunhorst
Großes Medieninteresse: Feuerwehr-Pressesprecher Michael Horst (2.v.r.) stellt sich am tag nach dem Brand vor dem früheren Verwaltungsgebäude des Kraftwerks den Reporterfragen. MT-Fotos. Dirk Haunhorst (© haunhorst)

Porta Westfalica-Veltheim (mt). Der Mann vom Sicherheitsdienst steht vor dem Verwaltungsgebäude des Kraftwerks und wirkt nervös. „Die Geschäftsleitung ist in einer Besprechung und hat keine Zeit. Es gibt hier keine Informationen", sagt er und signalisiert, dass der Besucher am besten gleich wieder verschwinde.

Der Haupttrakt der Rauchgasentschwefelungsanlage steht noch, ist aber eisnutzgefährdet. Vor ihm steigt Rauch aus dem riesigen Trümmerhaufen des eingestürzten Teils. - © haunhorst
Der Haupttrakt der Rauchgasentschwefelungsanlage steht noch, ist aber eisnutzgefährdet. Vor ihm steigt Rauch aus dem riesigen Trümmerhaufen des eingestürzten Teils. (© haunhorst)

Nebenan auf dem Parkplatz steht Michael Horst und strahlt eine Bärenruhe aus. Er hat nur wenige Stunden Schlaf gehabt. Kurz nach vier Uhr schickte er den Medien seinen Bericht zu. Jetzt ist es 10.45 Uhr und Horst schildert in gesetzten Worten einem RTL-Reporter das Drama vom Mittwochabend, als die Rauchgasentschwefelungsanlage bei Rückbauarbeiten in Brand geriet und ein Teil des Gebäudes später einstürzte.

Kraftwerk in Veltheim brennt

Der Feuerwehr blieb wegen der akuten Gefährdung für Leib und Leben nur übrig, das Unvermeidliche geschehen zu lassen. Mehr als hundert Einsatzkräfte rückten am Mittwochabend aus, gut gerüstet mit schwerem Gerät und konnte doch nichts machen. „Da stehst du mit Frust davor", sagt Horst. Es brennt, die Feuerwehr kommt und kann nicht löschen. Das hat der langjährige Pressesprecher so noch nicht erlebt.

Die Trümmerteile rauchen tags darauf immer. Daneben ragt die verbrannte Turmruine empor. Der Haupttrakt der Rauchgasentschwefelung gilt als einsturzgefährdet, das verbietet Nachlöscharbeiten etwa mithilfe der Drehleiter, die wegen des riesigen Schutthaufen auch gar nicht genug Platz hätte.

Aus großer Entfernung sind mehrere Menschen in gelben Warnwesten zu sehen, die den Brandort inspizieren. Auch Statiker sollen dabei sein, die die Standsicherheit des Gebäudekörpers einschätzen.

Die Sicherheitskräfte haben das Kraftwerk weiträumig abgesperrt, auch die Straße Herrenwiesen ist davon betroffen. Dort liegt das Umspannwerk Veltheim. Ein Mitarbeiter schaut zur Brandruine herüber, inzwischen ist sein Blick etwas entspannter. Gestern Abend habe er noch befürchtet, dass es eine Kettenreaktion geben könnte: Der brennende Gebäudekörper fällt auf einen Schornstein und der kippt auf die Hochspannungsleitung. Diese sei deshalb vorsichtshalber freigeschaltet worden.

Am Mittwochabend spekulierten einige Beobachter munter drauflos, ob der dem Brandherd nächstgelegene Schornstein gefährdet sei. „Die Perspektive hat hier viele getäuscht", meint Horst, Der Schornstein sei weit genug entfernt.

Über die Brandursache und die rasche Ausbreitung der Flammen kann auch der Feuerwehrmann vorerst nur spekulieren. Ein große Rolle spiele dabei möglicherweise der „aggressive Kleber", mit dem eine Gummischicht im Innern des Turms befestigt werde. Bereits früher sei bei Revisionsarbeiten in der Rauchgasentschwefelungsanlage wegen der Feuergefahr immer besondere Vorsicht geboten gewesen.

Wie gefährlich dieser Bereich ist, zeigt ein schlimmer Unfall im Jahr 1995: Am 23. Februar kam es in der Rauchgasentschwefelungsanlage zu einer Verpuffung. Ein 45-jähriger Mann aus Hameln kam dabei ums Leben, zwei weitere Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. Sie gehörten nicht zur Stammbelegschaft, sondern waren für eine Fremdfirma in Niedersachsen tätig.

Beim spektakulären Großbrand am Mittwoch waren zum Glück keine Opfer zu beklagen. Auch die dicke Rauchwolke, die anfangs gen Süden zog und später östlich in Richtung Veltheim und Eisbergen, sah offenbar gefährlicher aus, als sie tatsächlich war. Luftmessungen in den Orten hätten keine erhöhten Schadstoffwerte ergeben, berichtet Michael Horst.

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VeltheimFeuerwehrmann Michael Horst: „Da stehst du mit Frust davor“Dirk HaunhorstPorta Westfalica-Veltheim (mt). Der Mann vom Sicherheitsdienst steht vor dem Verwaltungsgebäude des Kraftwerks und wirkt nervös. „Die Geschäftsleitung ist in einer Besprechung und hat keine Zeit. Es gibt hier keine Informationen", sagt er und signalisiert, dass der Besucher am besten gleich wieder verschwinde. Nebenan auf dem Parkplatz steht Michael Horst und strahlt eine Bärenruhe aus. Er hat nur wenige Stunden Schlaf gehabt. Kurz nach vier Uhr schickte er den Medien seinen Bericht zu. Jetzt ist es 10.45 Uhr und Horst schildert in gesetzten Worten einem RTL-Reporter das Drama vom Mittwochabend, als die Rauchgasentschwefelungsanlage bei Rückbauarbeiten in Brand geriet und ein Teil des Gebäudes später einstürzte. Der Feuerwehr blieb wegen der akuten Gefährdung für Leib und Leben nur übrig, das Unvermeidliche geschehen zu lassen. Mehr als hundert Einsatzkräfte rückten am Mittwochabend aus, gut gerüstet mit schwerem Gerät und konnte doch nichts machen. „Da stehst du mit Frust davor", sagt Horst. Es brennt, die Feuerwehr kommt und kann nicht löschen. Das hat der langjährige Pressesprecher so noch nicht erlebt. Die Trümmerteile rauchen tags darauf immer. Daneben ragt die verbrannte Turmruine empor. Der Haupttrakt der Rauchgasentschwefelung gilt als einsturzgefährdet, das verbietet Nachlöscharbeiten etwa mithilfe der Drehleiter, die wegen des riesigen Schutthaufen auch gar nicht genug Platz hätte. Aus großer Entfernung sind mehrere Menschen in gelben Warnwesten zu sehen, die den Brandort inspizieren. Auch Statiker sollen dabei sein, die die Standsicherheit des Gebäudekörpers einschätzen. Die Sicherheitskräfte haben das Kraftwerk weiträumig abgesperrt, auch die Straße Herrenwiesen ist davon betroffen. Dort liegt das Umspannwerk Veltheim. Ein Mitarbeiter schaut zur Brandruine herüber, inzwischen ist sein Blick etwas entspannter. Gestern Abend habe er noch befürchtet, dass es eine Kettenreaktion geben könnte: Der brennende Gebäudekörper fällt auf einen Schornstein und der kippt auf die Hochspannungsleitung. Diese sei deshalb vorsichtshalber freigeschaltet worden. Am Mittwochabend spekulierten einige Beobachter munter drauflos, ob der dem Brandherd nächstgelegene Schornstein gefährdet sei. „Die Perspektive hat hier viele getäuscht", meint Horst, Der Schornstein sei weit genug entfernt. Über die Brandursache und die rasche Ausbreitung der Flammen kann auch der Feuerwehrmann vorerst nur spekulieren. Ein große Rolle spiele dabei möglicherweise der „aggressive Kleber", mit dem eine Gummischicht im Innern des Turms befestigt werde. Bereits früher sei bei Revisionsarbeiten in der Rauchgasentschwefelungsanlage wegen der Feuergefahr immer besondere Vorsicht geboten gewesen. Wie gefährlich dieser Bereich ist, zeigt ein schlimmer Unfall im Jahr 1995: Am 23. Februar kam es in der Rauchgasentschwefelungsanlage zu einer Verpuffung. Ein 45-jähriger Mann aus Hameln kam dabei ums Leben, zwei weitere Arbeiter erlitten schwere Verletzungen. Sie gehörten nicht zur Stammbelegschaft, sondern waren für eine Fremdfirma in Niedersachsen tätig. Beim spektakulären Großbrand am Mittwoch waren zum Glück keine Opfer zu beklagen. Auch die dicke Rauchwolke, die anfangs gen Süden zog und später östlich in Richtung Veltheim und Eisbergen, sah offenbar gefährlicher aus, als sie tatsächlich war. Luftmessungen in den Orten hätten keine erhöhten Schadstoffwerte ergeben, berichtet Michael Horst.