Veltheim

Ausflug zur schwarzen Wolke - Großbrand im Kraftwerk Veltheim zieht Schaulustige an

Ilja Regier

Von der Rauchgas-Anlage blieben nach dem Brand nur noch Teile über. Die Feuerwehr ließ das Gebäude komplett abbrennen. Es steht in einigem Abstand zu den restlichen Komplexen.
Von der Rauchgas-Anlage blieben nach dem Brand nur noch Teile über. Die Feuerwehr ließ das Gebäude komplett abbrennen. Es steht in einigem Abstand zu den restlichen Komplexen.

Porta Westfalica-Veltheim (mt). Etwa hundert Meter vor dem brennenden Kraftwerk in Veltheim stehen Scharen von Menschen und halten mit ihren Handys Bilder des tiefschwarzen Qualms fest. Eltern versammeln sich mit ihren Kindern samt Hunden nicht weit vom Zaun – alle fühlen sich bestens unterhalten. Ein Mann erinnert sich, wie er in dem inzwischen stillgelegten Kraftwerk gearbeitet hat. Jemand fragt: „Was passiert wohl, wenn das Ding explodiert?" Die Antwortet lautet: „Dann rennen wir, Mama!" Andere öffnen ein Bier beim Anblick des Großbrands und lassen den Abend mit einem Getränk in der Hand ganz locker ausklingen.

Obwohl das in Flammen stehende Gebäudeteil mit etwas Fantasie an Tschernobyl oder Fukushima erinnert, besteht für die Zuschauer fast keine Gefahr – eine Katastrophe ist ausgeschlossen. Auch die Feuerwehr reagiert nicht panisch. Viele der insgesamt 125 Einsatzkräfte lehnen an den Autos und unterhalten sich. Ohnehin kann die Feuerwehr wenig ausrichten, weil kein Mensch für Löscharbeiten ins Gebäude muss. Es herrscht von Anfang an Einsturzgefahr, auch die Treppen sind defekt. „Deswegen haben wir uns entschieden, dass keiner dort rein soll", sagt Michael Horst. Der Pressesprecher der Feuerwehr Porta lässt auch eine Drohne steigen, um von oben das Geschehen zu analysieren.

Kraftwerk in Veltheim brennt

Während des Einsatzes kommt niemand zu Schaden. „Bei einer Bauruine vermeiden wir jedes Risiko", erklärt Horst. Deswegen kontrolliert die Feuerwehr den Brand von außen. Sie bezieht das Wasser aus der Weser und den Hydranten. Die Bahnstrecke nebenan sperrt die Feuerwehr nicht, weil sie das Wasser über einen Tunnel bezieht. Ein weiterer Vorteil für die Rettungskräfte: Das ist nicht der erste Einsatz am Kraftwerk. Als in einem Teil des Gebäudes Flüchtlinge untergebracht wurden, gab es einen Kabelbrand. Horst erinnert sich, dass die Feuerwehr alle paar Jahre zum Kraftwerk ausrückte. Mit dem Gelände sei man vertraut.

Irgendwann erscheint ein aufgebrachter Sicherheitsmann und versucht, die Schaulustigen zu vertreiben. Aggressiv und in einem fordernden Ton spricht er allen Zuschauern ein Platzverbot aus – auch den Medienvertretern. Wenige reagieren, stattdessen machen sie sich über den Mann lustig. Gegen 21 Uhr bestimmt die Polizei, dass Einsturzgefahr herrscht und die Menschen die Wege für die Feuerwehr freimachen müssen. Erst dann löst sich der Pulk auf. Die Feuerwehr hat kein Problem mit den Beobachtern hinter den Zäunen. Michael Horst ärgert sich nur, dass manche nicht weichen, sobald ein Fahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht auf sie zu kommt. Auch das wilde Parken kritisiert er. Nach und nach rückt die Feuerwehr ab, weil soweit alles unter Kontrolle ist. Das Feuer kann nicht mehr auf andere Gebäudeteile überspringen. Die Einsatzkräfte richten eine Brandwache ein. „Das alles wird noch lange bis in die Nacht hinein dauern", sagt Horst.

Die tiefschwarze Rauchwolke war noch kilometerweit zu sehen. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Die tiefschwarze Rauchwolke war noch kilometerweit zu sehen. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

In den Himmel steigt der schwarze Qualm nicht mehr bedrohlich und nimmt ab. Die Brandwolke verkleinert sich. Auf vielen Handys der Zuschauer bleibt sie als Andenken erhalten. Einen solchen Ausflug zum Kraftwerk erleben die Veltheimer nur einmal.

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VeltheimAusflug zur schwarzen Wolke - Großbrand im Kraftwerk Veltheim zieht Schaulustige anIlja RegierPorta Westfalica-Veltheim (mt). Etwa hundert Meter vor dem brennenden Kraftwerk in Veltheim stehen Scharen von Menschen und halten mit ihren Handys Bilder des tiefschwarzen Qualms fest. Eltern versammeln sich mit ihren Kindern samt Hunden nicht weit vom Zaun – alle fühlen sich bestens unterhalten. Ein Mann erinnert sich, wie er in dem inzwischen stillgelegten Kraftwerk gearbeitet hat. Jemand fragt: „Was passiert wohl, wenn das Ding explodiert?" Die Antwortet lautet: „Dann rennen wir, Mama!" Andere öffnen ein Bier beim Anblick des Großbrands und lassen den Abend mit einem Getränk in der Hand ganz locker ausklingen. Obwohl das in Flammen stehende Gebäudeteil mit etwas Fantasie an Tschernobyl oder Fukushima erinnert, besteht für die Zuschauer fast keine Gefahr – eine Katastrophe ist ausgeschlossen. Auch die Feuerwehr reagiert nicht panisch. Viele der insgesamt 125 Einsatzkräfte lehnen an den Autos und unterhalten sich. Ohnehin kann die Feuerwehr wenig ausrichten, weil kein Mensch für Löscharbeiten ins Gebäude muss. Es herrscht von Anfang an Einsturzgefahr, auch die Treppen sind defekt. „Deswegen haben wir uns entschieden, dass keiner dort rein soll", sagt Michael Horst. Der Pressesprecher der Feuerwehr Porta lässt auch eine Drohne steigen, um von oben das Geschehen zu analysieren. Während des Einsatzes kommt niemand zu Schaden. „Bei einer Bauruine vermeiden wir jedes Risiko", erklärt Horst. Deswegen kontrolliert die Feuerwehr den Brand von außen. Sie bezieht das Wasser aus der Weser und den Hydranten. Die Bahnstrecke nebenan sperrt die Feuerwehr nicht, weil sie das Wasser über einen Tunnel bezieht. Ein weiterer Vorteil für die Rettungskräfte: Das ist nicht der erste Einsatz am Kraftwerk. Als in einem Teil des Gebäudes Flüchtlinge untergebracht wurden, gab es einen Kabelbrand. Horst erinnert sich, dass die Feuerwehr alle paar Jahre zum Kraftwerk ausrückte. Mit dem Gelände sei man vertraut. Irgendwann erscheint ein aufgebrachter Sicherheitsmann und versucht, die Schaulustigen zu vertreiben. Aggressiv und in einem fordernden Ton spricht er allen Zuschauern ein Platzverbot aus – auch den Medienvertretern. Wenige reagieren, stattdessen machen sie sich über den Mann lustig. Gegen 21 Uhr bestimmt die Polizei, dass Einsturzgefahr herrscht und die Menschen die Wege für die Feuerwehr freimachen müssen. Erst dann löst sich der Pulk auf. Die Feuerwehr hat kein Problem mit den Beobachtern hinter den Zäunen. Michael Horst ärgert sich nur, dass manche nicht weichen, sobald ein Fahrzeug mit eingeschaltetem Blaulicht auf sie zu kommt. Auch das wilde Parken kritisiert er. Nach und nach rückt die Feuerwehr ab, weil soweit alles unter Kontrolle ist. Das Feuer kann nicht mehr auf andere Gebäudeteile überspringen. Die Einsatzkräfte richten eine Brandwache ein. „Das alles wird noch lange bis in die Nacht hinein dauern", sagt Horst. In den Himmel steigt der schwarze Qualm nicht mehr bedrohlich und nimmt ab. Die Brandwolke verkleinert sich. Auf vielen Handys der Zuschauer bleibt sie als Andenken erhalten. Einen solchen Ausflug zum Kraftwerk erleben die Veltheimer nur einmal. Alle Berichte zum Thema finden Sie hier.