Porta Westfalica/Hille

Ehemaliger Kraftwerksmeister berichtet - Turm von innen mit Gummi beschichtet

Benjamin Piel

MT-Foto:Carsten Korfesmeyer
MT-Foto:Carsten Korfesmeyer

Porta Westfalica/Hille (mt). Ralf Deistler hat 24 Jahre lang als Kraftwerksmeister in dem Steinkohlekraftwerk gearbeitet. Er war einer der 30 Männer der letzten Stunde. Den Block 3 nun brennen zu sehen sei „schon ein echter Hammer". Der Hiller kennt das Gelände und die Gebäude wie seine Westentasche. Das abgebrannte Gebäude sei die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA). In der Anlage wurden mit dem Verfahren der Nassentkalkung früher Schwefelverbindungen aus den Abgasen entfernt, die beim Verbrennen der Kohle entstanden. Der Turm sei um die 40 Meter hoch – ein Stahlbehälter, von innen mit Gummi beschichtet. Die REA stehe ein Stück von den anderen Gebäuden entfernt, sodass ein Übergreifen der Flammen auf den Gesamtkomplex eher unwahrscheinlich gewesen sein dürfte.

Der 57-Jährige war bis zuletzt dabei, auch noch, als 2015 die Rückbauarbeiten begannen. „Das war ein sehr komisches Gefühl damals, die eigene Arbeitsstätte außer Betrieb zu nehmen", erinnert Deistler sich. Inzwischen hat er zum Netzmeister Gas umgeschult, arbeitet für die Stadtwerke und hat einigen Abstand zum Kraftwerk aufgebaut, sodass ihm das Feuer nun zwar nahe geht, ihn aber nicht gerade aus der Bahn wirft. Auf dem Gelände haben zu Spitzenzeiten übrigens an die 400 Menschen gearbeitet.

Bis heute laufen Abbau, Verkauf und Verwertung des Materials und der Anlagen. Diese Arbeiten hat die Firma „Christoph Sattler Industrieversteigerungen und Verwertungen" übernommen. Das Unternehmen mit Sitz im münsterländischen Senden-Bösensell hat 25 Jahre Erfahrung. Es versteigert und verkauft auf seiner Internetseite unter anderem auch Anlagen und Komponenten aus dem stillgelegten Kraftwerk in Veltheim. Ob das Feuer bei Arbeiten dieser Firma entstanden ist, ist unklar. Sie war am Abend für das MT nicht mehr zu erreichen.

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Porta Westfalica/HilleEhemaliger Kraftwerksmeister berichtet - Turm von innen mit Gummi beschichtetBenjamin PielPorta Westfalica/Hille (mt). Ralf Deistler hat 24 Jahre lang als Kraftwerksmeister in dem Steinkohlekraftwerk gearbeitet. Er war einer der 30 Männer der letzten Stunde. Den Block 3 nun brennen zu sehen sei „schon ein echter Hammer". Der Hiller kennt das Gelände und die Gebäude wie seine Westentasche. Das abgebrannte Gebäude sei die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA). In der Anlage wurden mit dem Verfahren der Nassentkalkung früher Schwefelverbindungen aus den Abgasen entfernt, die beim Verbrennen der Kohle entstanden. Der Turm sei um die 40 Meter hoch – ein Stahlbehälter, von innen mit Gummi beschichtet. Die REA stehe ein Stück von den anderen Gebäuden entfernt, sodass ein Übergreifen der Flammen auf den Gesamtkomplex eher unwahrscheinlich gewesen sein dürfte. Der 57-Jährige war bis zuletzt dabei, auch noch, als 2015 die Rückbauarbeiten begannen. „Das war ein sehr komisches Gefühl damals, die eigene Arbeitsstätte außer Betrieb zu nehmen", erinnert Deistler sich. Inzwischen hat er zum Netzmeister Gas umgeschult, arbeitet für die Stadtwerke und hat einigen Abstand zum Kraftwerk aufgebaut, sodass ihm das Feuer nun zwar nahe geht, ihn aber nicht gerade aus der Bahn wirft. Auf dem Gelände haben zu Spitzenzeiten übrigens an die 400 Menschen gearbeitet. Bis heute laufen Abbau, Verkauf und Verwertung des Materials und der Anlagen. Diese Arbeiten hat die Firma „Christoph Sattler Industrieversteigerungen und Verwertungen" übernommen. Das Unternehmen mit Sitz im münsterländischen Senden-Bösensell hat 25 Jahre Erfahrung. Es versteigert und verkauft auf seiner Internetseite unter anderem auch Anlagen und Komponenten aus dem stillgelegten Kraftwerk in Veltheim. Ob das Feuer bei Arbeiten dieser Firma entstanden ist, ist unklar. Sie war am Abend für das MT nicht mehr zu erreichen. Alle Berichte zum Thema finden Sie hier.