Veltheim

Großbrand am Kraftwerk Veltheim - Feuer bei Abbrucharbeiten entfacht

veröffentlicht

Porta Westfalica-Veltheim (mt/nik). Ein Großbrand im Kraftwerk in Veltheim hat gestern auf dem Gelände ganze Gebäudeteile einstürzen lassen. Die so genannte Rauchgasentschwefelung, ein Wäscher für Rauchgase, brannte komplett ab. Aufgrund von zahlreichen Schaulustigen – ganze Familien kamen, um sich das Feuer anzusehen – war ein Sicherheitsdienst im Einsatz.

- © Foto: MT
(© Foto: MT)

Der Brand wurde gegen 18 Uhr bei Abbrucharbeiten am Kraftwerk entfacht. Wie Detlef Brand, Leiter des Ordnungsamts Porta, mitteilte, waren zu diesem Zeitpunkt rund 20 Arbeiter auf dem Gelände damit beschäftigt, die dortigen Anlagen nach und nach abzureißen. Plötzlich habe es vier bis fünf Explosionen gegeben, verletzt wurde jedoch niemand. Das Feuer breitete sich schnell aus, die Arbeiter versuchten es erst zu löschen. Die hunderte Meter hohe, tiefschwarze Rauchwolke war noch bis Petershagen zu sehen.

Kraftwerk in Veltheim brennt

Mit mehr als 120 Einsatzkräften rückte die Feuerwehr zum Kraftwerk aus. Zahlreiche Leser meldeten sich mit Videos und Fotos beim MT und fragten aktuelle Informationen bei der Redaktion nach.

Gegen 19 Uhr stürzte ein brennendes Gebäudeteil ein und wirbelte massenweise Staub und Geröll auf. Laut Auskunft von Lutz Altenhöner, Sprecher der Portaner Feuerwehr, war der Brand aber ab etwa 20 Uhr unter Kontrolle, dennoch verteilte sich weiter dicker Rauch über der Region. Die Rauchgasentschwefelung sei innen dick gummiert, was die Gase verursache, so Altenhöner. Der brennende Teil des Kraftwerks könne nicht mehr gerettet werden, sondern müsse kontrolliert abbrennen. Ein Helikopter der Polizei beobachtete das Geschehen aus der Luft und hielt die Einsatzkräfte am Boden auf dem Laufenden.

MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Die Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe forderte Anwohner unterdessen auf, Fenster und Türen aufgrund der Geruchsbelästigung geschlossen zu halten. Lüftungs- und Klimaanlagen sollten umgehend abgeschaltet werden, hieß es in der Meldung des Bundesamtes.

Gegen 21 Uhr war die Einsturzgefahr rund um das Kraftwerk dann so hoch, dass das umliegende Gebiet gesperrt werden musste. Schaulustige wurden von der Polizei und vom Sicherheitsdienst zum Gehen aufgefordert. Das THW rückte unterdessen mit schwerem Gerät an, darunter auch einem Bulldozer. Die Feuerwehr hatte sich bereits auf eine lange Nacht eingestellt. „Das dauert hier mindestens bis Mitternacht", so Altenhöners Einschätzung am späten Abend.

Video

Das ehemalige Steinkohlekraftwerk ist seit 2018 im Besitz der Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim, die große Teile der Anlagen bis 2021 abreißen wollte.

Ob das Umsonst & Draußen-Festival, was vom 2. bis 4. August auf dem Gelände des Kraftwerks traditionell stattfinden, wie geplant laufen wird, ist derzeit noch völlig unklar. "Wir hoffen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind und dass das keine Auswirkungen auf unser Festival hat", heißt es auf der Facebook-Seite des Festivals.

Weitere Berichte zum Thema finden Sie hier.

- © Leserfoto: Daniel Kapteina
(© Leserfoto: Daniel Kapteina)

Hintergrund

Das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim war bis 2015 in Betrieb und verfügte über vier Blöcke. Die Anlage auf der rechten Weserseite produzierte Strom durch das Verfeuern von Steinkohle, Erdgas, Petrolkoks und Heizöl. Gründer des Kraftwerks waren 1959 die Gesellschafter der Stadtwerke Bielefeld, der Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg und des Elektrizitätswerks Wesertal. Ans Netz ging die Anlage 1962. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort 465 Menschen.

- © Leserfoto: Leon Jost
(© Leserfoto: Leon Jost)

Im Jahr 2003 übernahm der Energieriese Eon die Mehrheit am Kraftwerk. Wegen der „dauerhaften Unwirtschaftlichkeit" entschieden sich die Eigentümer Ende 2013 zur Stilllegung. Das Kraftwerk erzeugte letztmals am 27. März 2015 Strom.

Eine überraschende Renaissance erlebt das insgesamt 20 Hektar große Gelände 2015 – damals diente es für rund ein Jahr als Notunterkunft für Flüchtlinge.

Im Februar vergangenen Jahres wurde die Anlage an die HoKo Verwaltungs-GmbH in Soest verkauft. Daneben stieg laut einem MT-Bericht Christoph Sattler in das Projekt ein. Er ist Inhaber einer namensgleichen Firma in Senden, die sich mit der Verwertung von Industrieanlagen beschäftigt und von Beginn an auch am Rückbau des Kraftwerks Veltheim beteiligt ist. Laut Handelsregister-Bekanntmachung wurde die Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim mbH neu gegründet. Deren Ziel ist neben dem Abbau einschließlich der Verwertung der vorhandenen Metalle, Baustoffe und Anlagen auch die Verwertung des Geländes im Hinblick auf Gewerbe- und Industriebetrieben. Dafür gibt es offenbar zahlreiche Interessenten, unter anderem Recyclingfirmen. Laut der Entwicklungsgesellschaft soll im Frühjahr 2021 der „sichtbare Rückbau der Schornsteine" beginnen.

- © Leserfoto: Linda Kru
(© Leserfoto: Linda Kru)

Zahlreiche Leser meldeten sich beim MT und schickten Fotos in die Redaktion. Diese Video vom Brand verbreitet sich derzeit blitzschnell auf WhatsApp:

Weitere Informationen folgen.

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VeltheimGroßbrand am Kraftwerk Veltheim - Feuer bei Abbrucharbeiten entfachtPorta Westfalica-Veltheim (mt/nik). Ein Großbrand im Kraftwerk in Veltheim hat gestern auf dem Gelände ganze Gebäudeteile einstürzen lassen. Die so genannte Rauchgasentschwefelung, ein Wäscher für Rauchgase, brannte komplett ab. Aufgrund von zahlreichen Schaulustigen – ganze Familien kamen, um sich das Feuer anzusehen – war ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Der Brand wurde gegen 18 Uhr bei Abbrucharbeiten am Kraftwerk entfacht. Wie Detlef Brand, Leiter des Ordnungsamts Porta, mitteilte, waren zu diesem Zeitpunkt rund 20 Arbeiter auf dem Gelände damit beschäftigt, die dortigen Anlagen nach und nach abzureißen. Plötzlich habe es vier bis fünf Explosionen gegeben, verletzt wurde jedoch niemand. Das Feuer breitete sich schnell aus, die Arbeiter versuchten es erst zu löschen. Die hunderte Meter hohe, tiefschwarze Rauchwolke war noch bis Petershagen zu sehen. Mit mehr als 120 Einsatzkräften rückte die Feuerwehr zum Kraftwerk aus. Zahlreiche Leser meldeten sich mit Videos und Fotos beim MT und fragten aktuelle Informationen bei der Redaktion nach. Gegen 19 Uhr stürzte ein brennendes Gebäudeteil ein und wirbelte massenweise Staub und Geröll auf. Laut Auskunft von Lutz Altenhöner, Sprecher der Portaner Feuerwehr, war der Brand aber ab etwa 20 Uhr unter Kontrolle, dennoch verteilte sich weiter dicker Rauch über der Region. Die Rauchgasentschwefelung sei innen dick gummiert, was die Gase verursache, so Altenhöner. Der brennende Teil des Kraftwerks könne nicht mehr gerettet werden, sondern müsse kontrolliert abbrennen. Ein Helikopter der Polizei beobachtete das Geschehen aus der Luft und hielt die Einsatzkräfte am Boden auf dem Laufenden. Die Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe forderte Anwohner unterdessen auf, Fenster und Türen aufgrund der Geruchsbelästigung geschlossen zu halten. Lüftungs- und Klimaanlagen sollten umgehend abgeschaltet werden, hieß es in der Meldung des Bundesamtes. Gegen 21 Uhr war die Einsturzgefahr rund um das Kraftwerk dann so hoch, dass das umliegende Gebiet gesperrt werden musste. Schaulustige wurden von der Polizei und vom Sicherheitsdienst zum Gehen aufgefordert. Das THW rückte unterdessen mit schwerem Gerät an, darunter auch einem Bulldozer. Die Feuerwehr hatte sich bereits auf eine lange Nacht eingestellt. „Das dauert hier mindestens bis Mitternacht", so Altenhöners Einschätzung am späten Abend. Das ehemalige Steinkohlekraftwerk ist seit 2018 im Besitz der Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim, die große Teile der Anlagen bis 2021 abreißen wollte. Ob das Umsonst & Draußen-Festival, was vom 2. bis 4. August auf dem Gelände des Kraftwerks traditionell stattfinden, wie geplant laufen wird, ist derzeit noch völlig unklar. "Wir hoffen, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind und dass das keine Auswirkungen auf unser Festival hat", heißt es auf der Facebook-Seite des Festivals. Weitere Berichte zum Thema finden Sie hier. Hintergrund Das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim war bis 2015 in Betrieb und verfügte über vier Blöcke. Die Anlage auf der rechten Weserseite produzierte Strom durch das Verfeuern von Steinkohle, Erdgas, Petrolkoks und Heizöl. Gründer des Kraftwerks waren 1959 die Gesellschafter der Stadtwerke Bielefeld, der Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg und des Elektrizitätswerks Wesertal. Ans Netz ging die Anlage 1962. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort 465 Menschen. Im Jahr 2003 übernahm der Energieriese Eon die Mehrheit am Kraftwerk. Wegen der „dauerhaften Unwirtschaftlichkeit" entschieden sich die Eigentümer Ende 2013 zur Stilllegung. Das Kraftwerk erzeugte letztmals am 27. März 2015 Strom. Eine überraschende Renaissance erlebt das insgesamt 20 Hektar große Gelände 2015 – damals diente es für rund ein Jahr als Notunterkunft für Flüchtlinge. Im Februar vergangenen Jahres wurde die Anlage an die HoKo Verwaltungs-GmbH in Soest verkauft. Daneben stieg laut einem MT-Bericht Christoph Sattler in das Projekt ein. Er ist Inhaber einer namensgleichen Firma in Senden, die sich mit der Verwertung von Industrieanlagen beschäftigt und von Beginn an auch am Rückbau des Kraftwerks Veltheim beteiligt ist. Laut Handelsregister-Bekanntmachung wurde die Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim mbH neu gegründet. Deren Ziel ist neben dem Abbau einschließlich der Verwertung der vorhandenen Metalle, Baustoffe und Anlagen auch die Verwertung des Geländes im Hinblick auf Gewerbe- und Industriebetrieben. Dafür gibt es offenbar zahlreiche Interessenten, unter anderem Recyclingfirmen. Laut der Entwicklungsgesellschaft soll im Frühjahr 2021 der „sichtbare Rückbau der Schornsteine" beginnen. Zahlreiche Leser meldeten sich beim MT und schickten Fotos in die Redaktion. Diese Video vom Brand verbreitet sich derzeit blitzschnell auf WhatsApp: Weitere Informationen folgen.