Protest gegen Bauprojekt am Gänsemarkt hält an Dirk Haunhorst Porta Westfalica (mt). Christiane Paulmann glaubte eigentlich, einen akzeptablen Entwurf präsentiert zu haben. Die Ingenieurin vom ILB Planungsbüro Rinteln stellte dem Ortsrat am Montag die neuen Ideen fürs Wohnprojekt am Holzhauser Gänsemarkt vor. Wesentliche Änderung gegenüber dem ersten Entwurf: Statt eines massiv wirkendes Baukörpers sollen nun zwei Gebäude auf dem Grundstück der Kirchengemeinde entstehen. Die Eckdaten: Beide Baukörper messen jeweils 357 Quadratmeter, haben zwei Geschosse plus Staffelgeschoss sowie mehr Fensterflächen und damit mehr Lichteinfall. Unterm Strich sei der aktuelle Entwurf um 15 Prozent kleiner als der erste und würde damit „besser in die Gegend reinpassen“, sagte Paulmann. Doch genau darüber diskutierten Politiker und Anwohner im Bezirksausschuss Hausberge/Holzhausenausdauernd und leidenschaftlich. Deutlich wurde: Bauhausstil ist nicht jedermanns Sache. Den meisten Beifall aus den Zuschauerreihen erhielt Hellmut Hiese (SPD). „Solche Gebäudekörper halte ich an dieser Stelle für falsch.“ Käme hingegen das Staffelgeschoss weg und ein geneigtes Dach obendrauf, könnte Hiese damit wohl leben. Das wiederum stößt bei Planerin Paulmann auf wenig Gegenliebe. Die Penthouse-Ebenen sollten nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen bleiben, sagte sie auf MT-Nachfrage. Und wenn immer kleiner gebaut werde, wären es letztlich keine Mehrfamilienhäuser mehr, die ja gewünscht seien. „Die erste Planung war so gesehen sicher effektiver.“ Außerdem geriete ein Gebäude mit einem geneigten Dach höher. Aktuell bleibe es bei einer Gesamthöhe von 9,35 Meter. Das Fachwerkhaus nebenan sei mit gut elf Metern größer, liege aber in einer Senke und wirke dadurch kleiner. Der Planungsausschuss hatte im Februar mit dem Aufstellungsbeschluss das Verfahren für den Bebauungsplan „Wohnen am Gänsemarkt“ eingeleitet (MT vom 13. Februar) . Schon damals kritisierten Anwohner das Projekt – sehr zum Verdruss von Pfarrer Joachim Schierbaum. Er schilderte damals, dass die Kirchengemeinde dass Grundstück, auf dem zuvor „Bruchbuden“ gestanden hätten, vor zwei Jahren mit bester Absicht gekauft habe. Man wolle dem Wunsch vieler Menschen nachkommen und altersgerechten Wohnraum schaffen. Auch für jüngere Leute sei in dem Mehrfamilienhaus Platz, so Schierbaum seinerzeit. An der Bezirksausschuss-Sitzung nahm er jetzt nicht teil. Die überarbeiteten Pläne sehen 14 Zweizimmerwohnungen und sechs Dreizimmerwohnungen in einer Größe zwischen 49 und 79 Quadratmetern vor. Von 28 Parkplätzen liegen 20 in einer Tiefgarage und acht oberirdisch. Das wird nach der jüngst beschlossenen Stellplatzverordnung der Stadt nicht ausreichen, hier muss die Planerin nachbessern. Anderes scheint recht großzügig bemessen. So wunderte sich Rainer Traue (CDU) darüber, dass für Gebäude, die hauptsächlich von älteren Menschen bewohnt werden, 30 Fahrradstellplätze und ein Kinderspielplatz vorgesehen sind. Eine solche Planung verstehe er nicht, sagte Traue. Werner Hanke, der am Gänsemarkt wohnt, sorgt sich um das Verkehrsaufkommen in dem engen, verwinkelten Bereich. Unterstützung bekam er in der Sitzung von Heinz Hauenschild (parteilos), „Frankenring und Gänsemarkt sind schon heute brandgefährlich.“ Ungefähr 30 Menschen wohnten in diesem Abschnitt, die Zahl werde sich mit den neuen Häusern mehr als verdoppeln – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Pkw-Verkehr. Reinhard Geffert (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses, sagte zum weiteren Vorgehen, dass die Diskussion im Ortsrat dem Ausschuss für Planung und Umweltschutz nach der Sommerpause als Grundlage weiterer Beschlüsse diene. Angesichts der deutlichen Kritik an Art um Umfang des Bauprojektes erinnerte Geffert daran, dass die Politik grundsätzlich eine Innenstadtverdichtung wünsche. „Wir brauchen Häuser.“ Das sieht auch Jürgen Striet so. Der frühere Baudezernent des Kreises Minden-Lübbecke und heutige Pensionär wohnt am Gänsemarkt in Holzhausen und traf gestern zufällig auf den Berichterstatter, als dieser dort Fotos machte. Striet wirbt wegen des Ortskern-Charakters für eine „behutsame Entwicklung“ dieses Bereichs. Dass gebaut werden sollte, ist für ihn unstrittig. Schließlich hätten dort zuvor ebenfalls Häuser gestanden. „Und so kann es ja nicht bleiben“, sagte Striet und deutete dabei auf Bauzäune und Wildwuchs auf hügeliger Brachfläche. Der Autor ist erreichbarunter Telefon 0571 882 164oder Dirk.Haunhorst@MT.de

Protest gegen Bauprojekt am Gänsemarkt hält an

Im Umfeld des Baugrundstücks im Zentrum Holzhausens stehen Häuser mit Satteldächern. Die beiden neuen Gebäude im modernen Bauhausstil sollen jeweils zwei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss erhalten. MT-Foto: Haunhorst © Haunhorst

Porta Westfalica (mt). Christiane Paulmann glaubte eigentlich, einen akzeptablen Entwurf präsentiert zu haben. Die Ingenieurin vom ILB Planungsbüro Rinteln stellte dem Ortsrat am Montag die neuen Ideen fürs Wohnprojekt am Holzhauser Gänsemarkt vor. Wesentliche Änderung gegenüber dem ersten Entwurf: Statt eines massiv wirkendes Baukörpers sollen nun zwei Gebäude auf dem Grundstück der Kirchengemeinde entstehen. Die Eckdaten: Beide Baukörper messen jeweils 357 Quadratmeter, haben zwei Geschosse plus Staffelgeschoss sowie mehr Fensterflächen und damit mehr Lichteinfall. Unterm Strich sei der aktuelle Entwurf um 15 Prozent kleiner als der erste und würde damit „besser in die Gegend reinpassen“, sagte Paulmann.

Doch genau darüber diskutierten Politiker und Anwohner im Bezirksausschuss Hausberge/Holzhausenausdauernd und leidenschaftlich. Deutlich wurde: Bauhausstil ist nicht jedermanns Sache. Den meisten Beifall aus den Zuschauerreihen erhielt Hellmut Hiese (SPD). „Solche Gebäudekörper halte ich an dieser Stelle für falsch.“ Käme hingegen das Staffelgeschoss weg und ein geneigtes Dach obendrauf, könnte Hiese damit wohl leben.

Das wiederum stößt bei Planerin Paulmann auf wenig Gegenliebe. Die Penthouse-Ebenen sollten nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen bleiben, sagte sie auf MT-Nachfrage. Und wenn immer kleiner gebaut werde, wären es letztlich keine Mehrfamilienhäuser mehr, die ja gewünscht seien. „Die erste Planung war so gesehen sicher effektiver.“ Außerdem geriete ein Gebäude mit einem geneigten Dach höher. Aktuell bleibe es bei einer Gesamthöhe von 9,35 Meter. Das Fachwerkhaus nebenan sei mit gut elf Metern größer, liege aber in einer Senke und wirke dadurch kleiner.

Der Planungsausschuss hatte im Februar mit dem Aufstellungsbeschluss das Verfahren für den Bebauungsplan „Wohnen am Gänsemarkt“ eingeleitet (MT vom 13. Februar) . Schon damals kritisierten Anwohner das Projekt – sehr zum Verdruss von Pfarrer Joachim Schierbaum. Er schilderte damals, dass die Kirchengemeinde dass Grundstück, auf dem zuvor „Bruchbuden“ gestanden hätten, vor zwei Jahren mit bester Absicht gekauft habe. Man wolle dem Wunsch vieler Menschen nachkommen und altersgerechten Wohnraum schaffen. Auch für jüngere Leute sei in dem Mehrfamilienhaus Platz, so Schierbaum seinerzeit. An der Bezirksausschuss-Sitzung nahm er jetzt nicht teil.

Die überarbeiteten Pläne sehen 14 Zweizimmerwohnungen und sechs Dreizimmerwohnungen in einer Größe zwischen 49 und 79 Quadratmetern vor. Von 28 Parkplätzen liegen 20 in einer Tiefgarage und acht oberirdisch. Das wird nach der jüngst beschlossenen Stellplatzverordnung der Stadt nicht ausreichen, hier muss die Planerin nachbessern. Anderes scheint recht großzügig bemessen. So wunderte sich Rainer Traue (CDU) darüber, dass für Gebäude, die hauptsächlich von älteren Menschen bewohnt werden, 30 Fahrradstellplätze und ein Kinderspielplatz vorgesehen sind. Eine solche Planung verstehe er nicht, sagte Traue.

Werner Hanke, der am Gänsemarkt wohnt, sorgt sich um das Verkehrsaufkommen in dem engen, verwinkelten Bereich. Unterstützung bekam er in der Sitzung von Heinz Hauenschild (parteilos), „Frankenring und Gänsemarkt sind schon heute brandgefährlich.“ Ungefähr 30 Menschen wohnten in diesem Abschnitt, die Zahl werde sich mit den neuen Häusern mehr als verdoppeln – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Pkw-Verkehr.

Reinhard Geffert (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses, sagte zum weiteren Vorgehen, dass die Diskussion im Ortsrat dem Ausschuss für Planung und Umweltschutz nach der Sommerpause als Grundlage weiterer Beschlüsse diene. Angesichts der deutlichen Kritik an Art um Umfang des Bauprojektes erinnerte Geffert daran, dass die Politik grundsätzlich eine Innenstadtverdichtung wünsche. „Wir brauchen Häuser.“

Das sieht auch Jürgen Striet so. Der frühere Baudezernent des Kreises Minden-Lübbecke und heutige Pensionär wohnt am Gänsemarkt in Holzhausen und traf gestern zufällig auf den Berichterstatter, als dieser dort Fotos machte. Striet wirbt wegen des Ortskern-Charakters für eine „behutsame Entwicklung“ dieses Bereichs. Dass gebaut werden sollte, ist für ihn unstrittig. Schließlich hätten dort zuvor ebenfalls Häuser gestanden. „Und so kann es ja nicht bleiben“, sagte Striet und deutete dabei auf Bauzäune und Wildwuchs auf hügeliger Brachfläche.

Der Autor ist erreichbarunter Telefon 0571 882 164oder Dirk.Haunhorst@MT.de

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