Costedt

Verkauf von Weserbogen-Freizeitanlage verzögert sich

Dirk Haunhorst

Eine von vielen Baustellen der Freizeitanlage: die großzügig bemessene Terrasse des Kiosks ist marode und deshalb gesperrt. - © Haunhorst
Eine von vielen Baustellen der Freizeitanlage: die großzügig bemessene Terrasse des Kiosks ist marode und deshalb gesperrt. (© Haunhorst)

Porta Westfalica-Costedt (mt). Die ungewöhnlichen Geschichten schreibt oft der Zufall. Da fragt der Berichterstatter eine Camperin nach ihrem Eindruck vom Großen Weserbogen und hört neben allerlei Schwärmereien („Paradies auf Erden“) von ihrer Idee für einen Imbissbetrieb. Joey-Chantal Meis möchte Campern und Tagestouristen Snacks und Getränke anbieten. „Das hat es früher auch gegeben, und das fehlt hier jetzt.“ Als Dieter Watermann, Geschäftsführer der gemeinnützigen Weserbogen-GmbH, wenige Minuten später von der Bistro-Idee hört, verabredet er sich für diesen Samstag mit der Camperin, um über Einzelheiten zu reden. „Da gibt es sicher noch viel abzustimmen, aber es ist ein erster Schritt“, sagt Watermann. Er hat sich bislang vergeblich darum bemüht, einen Imbissbetreiber zu finden. Dass sich unter „seinen“ Campern eine ernsthafte Interessentin befindet, ist für Watermann eine überraschende und gute Nachricht.

Allzu viele davon hat es in den vergangenen Monaten nicht gegeben. Die Freizeitanlage befindet sich in einer Übergangsphase und soll möglichst verkauft werden (MT vom 11. April). Allerdings ist das offizielle Interessenbekundungsverfahren immer noch nicht in Gang gekommen, weil die Gesellschafter – der Kreis Minden-Lübbecke und die Stadt Porta Westfalica – zunächst auf den selben Informationsstand gebracht werden müssen. Für kommende Woche seien Gremiensitzungen terminiert, teilt Bürgermeister Bernd Hedtmann als Vorsitzender von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Weserbogen gGmH mit. Er sprach gestern gegenüber dem MT von „vier Optionen“, ohne aber darauf einzugehen, was außer Verkauf und Verpachtung noch infrage kommt.

Camperin Joey-Chantal Meis möchte Snacks und Getränke anbieten. - © haunhorst
Camperin Joey-Chantal Meis möchte Snacks und Getränke anbieten. (© haunhorst)

Mit einer Verpachtung hat die kommunale Gesellschaft zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht. Das jüngste Vertragsverhältnis endete nach einem Rechtsstreit. Seit November kümmert sich die gGmbH selbst um die Aufrechterhaltung des Campingbetriebes. „Die Übernahme des Ist-Zustands war sehr problematisch. Die Anlage hatte viele Baustellen, der Pächter lebte offenbar von der Substanz“, blickt Watermann auf die Zeit des Wechsels. Seither ist durchaus einiges passiert: Der Sanitärbereich wurde ausgebessert, die Elektrik erneuert, der Kinderspielplatz verschwand aus Sicherheitsgründen, der Matschbereich wegen mangelnder Hygiene. Auch um die Grünpflege habe man sich intensiv gekümmert. Gesamtresultat sei eine aktuell gute ADAC-Bewertung, berichtet Watermann. Wobei die Übergangssituation berücksichtigt worden sei. Nach Ansicht der Jury habe die Anlage eine Menge Potenzial.

Findet kaum Personal: Geschäftsführer Dieter Watermann. - © haunhorst
Findet kaum Personal: Geschäftsführer Dieter Watermann. (© haunhorst)

Dieses soll möglichst mithilfe eines Käufers ausgeschöpft werden. Es gebe ungefähr ein Dutzend Interessenten, sagt der Geschäftsführer. Im Frühjahr ging er noch davon aus, dass der Verkauf eventuell Im September unter Dach und Fach ist, möglichst aber bis zum Jahresende, damit der neue Eigentümer mit Vorlauf die Saison planen kann. Nun hofft Watermann, dass zumindest bis April 2020 eine Entscheidung fällt. Ein Exposé, mit dem sich potenzielle Interessenten über das zehn Hektar große Areal aus Campingplatz, Badeplatz und Gebäuden informieren können, sei im Entwurf fertig. Aber auch hierüber müsse zunächst die Politik in Stadt und Kreis entscheiden.

Das überdimensionierte Restaurant steht seit fast fünf Jahren leer. Die kommunale Weserbogen-Gesellschaft wollte hier kein Geld reinstecken. - © haunhorst
Das überdimensionierte Restaurant steht seit fast fünf Jahren leer. Die kommunale Weserbogen-Gesellschaft wollte hier kein Geld reinstecken. (© haunhorst)

Immerhin: Der Campingbetrieb scheint zu laufen: „Wir hatten allein zwischen dem 1. und 19. Juni 1.517 Übernachtungen und 549 Ankünfte.“ Vergleichszahlen aus den Vorjahren lägen allerdings nicht vor. Manche Camper wünschten sich eine Rezeption, die rund um die Uhr besetzt ist, andere einen Kiosk, an dem es Brötchen und Zeitungen gebe. „Aber dafür bekomme ich wegen der Übergangssituation und den damit verbundenen Befristungen kein Personal“, sagt Watermann. Er sei froh, die Rezeption wenigstens vormittags und nachmittags einige Stunden besetzen zu können.

Noch schwieriger ist offenbar, Aufsichtspersonal für den Badesee zu bekommen. Deshalb ist öffentlicher Badebetrieb nur an den Wochenenden möglich. Für diese Zeit hat Watermann zwei Kräfte eingestellt, zusätzlich hilft ein DLRG-Mitarbeiter.

Groß ist dann die Enttäuschung bei Badegästen, die wie gestern in der Sommerhitze aus Herford und Bielefeld anreisen und unversehens wieder kehrt machen müssen. „Das ist sehr schade“, sagt eine Bielefelderin und blickt zum Badesee, in dem sich ein paar Camper abkühlen – auf eigene Gefahr. Sie haben Zutritt zu dem Gelände, für die Öffentlichkeit ist der See wochentags gesperrt. Den Hinweis auf der Weserbogen-Homepage, die über den ausschließlichen Wochenendbetrieb informiert, haben die Gäste aus Bielefeld und Herford offenbar übersehen.

Das Restaurant steht bereits seit fast fünf Jahren leer. Gastronomiekonzepte von Pizzabäcker bis hin zu gehobenen Angeboten hätten nicht funktioniert, sagt Watermann. Das Raumangebot sei überdimensioniert. Innen- und Außenbereich mit dem benachbarten Kiosk lägen zu weit auseinander und seien entsprechend personalintensiv. Und im Winter werde ein Restaurant in dieser Lage ohnehin nicht angenommen.

Überdies sind einige Bereiche wie die große Kioskterrasse in die Jahre gekommen und längst marode. Die Weserbogen-Gesellschaft war schon vor Jahren zum Verdruss des letzten Pächters nicht bereit, einen hohen sechsstelligen Eurobetrag in die Gastronomie zu investieren. Ein möglicher Käufer dürfte vermutlich den Abrissbagger anrücken lassen.

Doch zuvor präsentiert vielleicht Joey-Chantal Meis kreative Imbissideen – sozusagen für den Übergang. „Ich möchte schon ganz gerne etwas für diesen Ort tun“, sagt sie. Seit vier Jahren besucht sie mit ihrem Mann Max den Weserbogen-Campingplatz. „Wir haben immer Platz 298 mit Seeblick, eine Traumaussicht.“

Ein Imbissbetrieb könnte sich durchaus lohnen, denn die Badesaison läuft bis Ende September. Und Camper sind ohnehin da.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882 164 oder Dirk.Haunhorst@MT.de

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CostedtVerkauf von Weserbogen-Freizeitanlage verzögert sichDirk HaunhorstPorta Westfalica-Costedt (mt). Die ungewöhnlichen Geschichten schreibt oft der Zufall. Da fragt der Berichterstatter eine Camperin nach ihrem Eindruck vom Großen Weserbogen und hört neben allerlei Schwärmereien („Paradies auf Erden“) von ihrer Idee für einen Imbissbetrieb. Joey-Chantal Meis möchte Campern und Tagestouristen Snacks und Getränke anbieten. „Das hat es früher auch gegeben, und das fehlt hier jetzt.“ Als Dieter Watermann, Geschäftsführer der gemeinnützigen Weserbogen-GmbH, wenige Minuten später von der Bistro-Idee hört, verabredet er sich für diesen Samstag mit der Camperin, um über Einzelheiten zu reden. „Da gibt es sicher noch viel abzustimmen, aber es ist ein erster Schritt“, sagt Watermann. Er hat sich bislang vergeblich darum bemüht, einen Imbissbetreiber zu finden. Dass sich unter „seinen“ Campern eine ernsthafte Interessentin befindet, ist für Watermann eine überraschende und gute Nachricht. Allzu viele davon hat es in den vergangenen Monaten nicht gegeben. Die Freizeitanlage befindet sich in einer Übergangsphase und soll möglichst verkauft werden (MT vom 11. April). Allerdings ist das offizielle Interessenbekundungsverfahren immer noch nicht in Gang gekommen, weil die Gesellschafter – der Kreis Minden-Lübbecke und die Stadt Porta Westfalica – zunächst auf den selben Informationsstand gebracht werden müssen. Für kommende Woche seien Gremiensitzungen terminiert, teilt Bürgermeister Bernd Hedtmann als Vorsitzender von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Weserbogen gGmH mit. Er sprach gestern gegenüber dem MT von „vier Optionen“, ohne aber darauf einzugehen, was außer Verkauf und Verpachtung noch infrage kommt. Mit einer Verpachtung hat die kommunale Gesellschaft zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht. Das jüngste Vertragsverhältnis endete nach einem Rechtsstreit. Seit November kümmert sich die gGmbH selbst um die Aufrechterhaltung des Campingbetriebes. „Die Übernahme des Ist-Zustands war sehr problematisch. Die Anlage hatte viele Baustellen, der Pächter lebte offenbar von der Substanz“, blickt Watermann auf die Zeit des Wechsels. Seither ist durchaus einiges passiert: Der Sanitärbereich wurde ausgebessert, die Elektrik erneuert, der Kinderspielplatz verschwand aus Sicherheitsgründen, der Matschbereich wegen mangelnder Hygiene. Auch um die Grünpflege habe man sich intensiv gekümmert. Gesamtresultat sei eine aktuell gute ADAC-Bewertung, berichtet Watermann. Wobei die Übergangssituation berücksichtigt worden sei. Nach Ansicht der Jury habe die Anlage eine Menge Potenzial. Dieses soll möglichst mithilfe eines Käufers ausgeschöpft werden. Es gebe ungefähr ein Dutzend Interessenten, sagt der Geschäftsführer. Im Frühjahr ging er noch davon aus, dass der Verkauf eventuell Im September unter Dach und Fach ist, möglichst aber bis zum Jahresende, damit der neue Eigentümer mit Vorlauf die Saison planen kann. Nun hofft Watermann, dass zumindest bis April 2020 eine Entscheidung fällt. Ein Exposé, mit dem sich potenzielle Interessenten über das zehn Hektar große Areal aus Campingplatz, Badeplatz und Gebäuden informieren können, sei im Entwurf fertig. Aber auch hierüber müsse zunächst die Politik in Stadt und Kreis entscheiden. Immerhin: Der Campingbetrieb scheint zu laufen: „Wir hatten allein zwischen dem 1. und 19. Juni 1.517 Übernachtungen und 549 Ankünfte.“ Vergleichszahlen aus den Vorjahren lägen allerdings nicht vor. Manche Camper wünschten sich eine Rezeption, die rund um die Uhr besetzt ist, andere einen Kiosk, an dem es Brötchen und Zeitungen gebe. „Aber dafür bekomme ich wegen der Übergangssituation und den damit verbundenen Befristungen kein Personal“, sagt Watermann. Er sei froh, die Rezeption wenigstens vormittags und nachmittags einige Stunden besetzen zu können. Noch schwieriger ist offenbar, Aufsichtspersonal für den Badesee zu bekommen. Deshalb ist öffentlicher Badebetrieb nur an den Wochenenden möglich. Für diese Zeit hat Watermann zwei Kräfte eingestellt, zusätzlich hilft ein DLRG-Mitarbeiter. Groß ist dann die Enttäuschung bei Badegästen, die wie gestern in der Sommerhitze aus Herford und Bielefeld anreisen und unversehens wieder kehrt machen müssen. „Das ist sehr schade“, sagt eine Bielefelderin und blickt zum Badesee, in dem sich ein paar Camper abkühlen – auf eigene Gefahr. Sie haben Zutritt zu dem Gelände, für die Öffentlichkeit ist der See wochentags gesperrt. Den Hinweis auf der Weserbogen-Homepage, die über den ausschließlichen Wochenendbetrieb informiert, haben die Gäste aus Bielefeld und Herford offenbar übersehen. Das Restaurant steht bereits seit fast fünf Jahren leer. Gastronomiekonzepte von Pizzabäcker bis hin zu gehobenen Angeboten hätten nicht funktioniert, sagt Watermann. Das Raumangebot sei überdimensioniert. Innen- und Außenbereich mit dem benachbarten Kiosk lägen zu weit auseinander und seien entsprechend personalintensiv. Und im Winter werde ein Restaurant in dieser Lage ohnehin nicht angenommen. Überdies sind einige Bereiche wie die große Kioskterrasse in die Jahre gekommen und längst marode. Die Weserbogen-Gesellschaft war schon vor Jahren zum Verdruss des letzten Pächters nicht bereit, einen hohen sechsstelligen Eurobetrag in die Gastronomie zu investieren. Ein möglicher Käufer dürfte vermutlich den Abrissbagger anrücken lassen. Doch zuvor präsentiert vielleicht Joey-Chantal Meis kreative Imbissideen – sozusagen für den Übergang. „Ich möchte schon ganz gerne etwas für diesen Ort tun“, sagt sie. Seit vier Jahren besucht sie mit ihrem Mann Max den Weserbogen-Campingplatz. „Wir haben immer Platz 298 mit Seeblick, eine Traumaussicht.“ Ein Imbissbetrieb könnte sich durchaus lohnen, denn die Badesaison läuft bis Ende September. Und Camper sind ohnehin da. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (0571) 882 164 oder Dirk.Haunhorst@MT.de