Kleinenbremen

Der Kabarettist und sein erster Köpper vom Dreier

Stefan Lyrath

Das passt: Als früherer Zimmermann fühlt sich Bernd Gieseking in Hartings Mühle wie zuhause. Foto: Stefan Lyrath - © lyrath
Das passt: Als früherer Zimmermann fühlt sich Bernd Gieseking in Hartings Mühle wie zuhause. Foto: Stefan Lyrath (© lyrath)

Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Man muss die Ostwestfalen einfach mögen. Bernd Gieseking, Kabarettist und Autor, ist einer von ihnen. „Uns Ostwestfalen sagt man nach, dass wir knorrig und schweigsam sind, aber auch geradeaus", nennt er einige der wichtigsten Eigenschaften.

Ein Beispiel: Bei Ostwestfalen kann man sich nicht bedanken. Der Dank, so Gieseking, werde abgelehnt mit dem Satz: „Dafür nicht." Einmal hat der gebürtige Kutenhauser versucht, sich bei seiner Mutter zu bedanken. Deren Antwort: „Ich glaube, es geht los." Unnötig gelobt wird erst recht nicht. „In Ostwestfalen sagt man: Nicht gemeckert ist genug gelobt." Trotzdem hatte Bernd Gieseking eine schöne Jugend. Er ist allerdings ohne Kiwis aufgewachsen. Und ohne Zucchini, denn: „Wir hatten Gurken."

Wenn Gieseking erzählt, wie er im Stemmer Freibad als Junge den ersten „Köpper vom Dreier" gemacht hat, fühlen sich ebenfalls viele Zuhörer an die eigene Jugend erinnert. Nach diesem Köpper war alles anders: „Ich war ein Mann."

Zwischen all den hölzernen Konstruktionen in Hartings Mühle, für die Lesung zur Verfügung gestellt und vorbereitet vom Heimatverein Kleinenbremen, fühlt sich der ausgebildete Zimmermann wie zuhause. Und das ist kein Witz. Was ist Heimat?

Jedenfalls nicht Köln, denn die Kölner werden „besoffen vom kleinsten Bier der Welt", dem Kölsch. Aus dem Kölner Karneval ist Gieseking „immer ungeküsst rausgegangen, denn bei uns in Ostwestfalen ist ein Kuss immer auch ein Heiratsversprechen". Es werde nicht immer gehalten – aber erst einmal gegeben.

„Ich lebe jetzt wieder hier", teilt Gieseking dem Publikum in der Mühle mit, wo er an diesem Abend aus seinen Büchern liest und Geschichten erzählt. Das verspricht viele neue Geschichten über knorrige Ostwestfalen von nebenan.

In Kleinenbremen darf er gern wieder auftreten. „Wir stehen allem positiv gegenüber", sagt Helga Wenzel vom Vorstand des Heimatvereins. „Wenn man an uns herantritt, prüfen wir das und machen es, wenn’s geht." Das gelte auch für Konzerte, aus Platzgründen jedoch eher für Solisten, weniger für Musikgruppen. Die Zahl der Sitzplätze ist auf etwa 70 begrenzt.

Für Lesungen ist Hartings Mühle geradezu ideal. Demnächst ist auf dem Gelände eine Krimi-Lesung geplant. Gieseking ist in der Reihe „Kultur an der Mühlenstraße" aufgetreten, ein Angebot des Kreises Minden-Lübbecke.

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KleinenbremenDer Kabarettist und sein erster Köpper vom DreierStefan LyrathPorta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Man muss die Ostwestfalen einfach mögen. Bernd Gieseking, Kabarettist und Autor, ist einer von ihnen. „Uns Ostwestfalen sagt man nach, dass wir knorrig und schweigsam sind, aber auch geradeaus", nennt er einige der wichtigsten Eigenschaften. Ein Beispiel: Bei Ostwestfalen kann man sich nicht bedanken. Der Dank, so Gieseking, werde abgelehnt mit dem Satz: „Dafür nicht." Einmal hat der gebürtige Kutenhauser versucht, sich bei seiner Mutter zu bedanken. Deren Antwort: „Ich glaube, es geht los." Unnötig gelobt wird erst recht nicht. „In Ostwestfalen sagt man: Nicht gemeckert ist genug gelobt." Trotzdem hatte Bernd Gieseking eine schöne Jugend. Er ist allerdings ohne Kiwis aufgewachsen. Und ohne Zucchini, denn: „Wir hatten Gurken." Wenn Gieseking erzählt, wie er im Stemmer Freibad als Junge den ersten „Köpper vom Dreier" gemacht hat, fühlen sich ebenfalls viele Zuhörer an die eigene Jugend erinnert. Nach diesem Köpper war alles anders: „Ich war ein Mann." Zwischen all den hölzernen Konstruktionen in Hartings Mühle, für die Lesung zur Verfügung gestellt und vorbereitet vom Heimatverein Kleinenbremen, fühlt sich der ausgebildete Zimmermann wie zuhause. Und das ist kein Witz. Was ist Heimat? Jedenfalls nicht Köln, denn die Kölner werden „besoffen vom kleinsten Bier der Welt", dem Kölsch. Aus dem Kölner Karneval ist Gieseking „immer ungeküsst rausgegangen, denn bei uns in Ostwestfalen ist ein Kuss immer auch ein Heiratsversprechen". Es werde nicht immer gehalten – aber erst einmal gegeben. „Ich lebe jetzt wieder hier", teilt Gieseking dem Publikum in der Mühle mit, wo er an diesem Abend aus seinen Büchern liest und Geschichten erzählt. Das verspricht viele neue Geschichten über knorrige Ostwestfalen von nebenan. In Kleinenbremen darf er gern wieder auftreten. „Wir stehen allem positiv gegenüber", sagt Helga Wenzel vom Vorstand des Heimatvereins. „Wenn man an uns herantritt, prüfen wir das und machen es, wenn’s geht." Das gelte auch für Konzerte, aus Platzgründen jedoch eher für Solisten, weniger für Musikgruppen. Die Zahl der Sitzplätze ist auf etwa 70 begrenzt. Für Lesungen ist Hartings Mühle geradezu ideal. Demnächst ist auf dem Gelände eine Krimi-Lesung geplant. Gieseking ist in der Reihe „Kultur an der Mühlenstraße" aufgetreten, ein Angebot des Kreises Minden-Lübbecke.