Hausberge

Engpass am Hohen Brink kostet zweite Elternhaltestelle

Dirk Haunhorst

Eine Elternhaltestelle liegt hinter der Buswendeschleife am Hohen Brink. Die Politiker fordern eine zweite Haltestelle für Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen. Doch eine Lösung ist nicht in Sicht.
Eine Elternhaltestelle liegt hinter der Buswendeschleife am Hohen Brink. Die Politiker fordern eine zweite Haltestelle für Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen oder abholen. Doch eine Lösung ist nicht in Sicht.

Porta Westfalica-Hausberge (mt). Mittagszeit am Hohen Brink: Eine Unterrichtsstunde im Schulzentrum nebenan endet, Eltern fahren frühzeitig vor, um ihre Kinder abzuholen. Einige Autos halten an der neuen Elternhaltestelle, andere mitten in der Buswendeschleife – im absoluten Halteverbot.Da meistens mehrere Minuten vergehen, bis die Kinder eintreffen, wird aus dem Halten ein Parken. Erlaubt ist weder das Eine noch das Andere.

„Hier stehe ich im Schatten“, sagt eine Frau und deutet auf den Säugling neben ihr im Maxi-Cosi. Im Wagen davor sitzt eine Frau, die sich ebenfalls der Ordnungswidrigkeit vollauf bewusst ist, aber kein schlechtes Gewissen hat. „Die Straße hier ist breit genug.“ Und außerdem reichten die Stellflächen an der neuen Elternhaltestelle nicht aus. „Und wo sollen wir dann hin, wenn wir die Kinder abholen?“

Beim Besuch am Donnerstag zeigt sich, dass die Parkprobleme am Hohen Brink nur scheinbar gelöst sind. Das sieht auch Reinhard Geffert (SPD) so. Der Bezirksausschussvorsitzende für Hausberge und Holzhausen und seine Politikerkollegen haben etliche Stunden über die Verkehrssituation an Gymnasium und Realschule diskutiert. Anwohner umliegender Straßen beschweren sich immer wieder über „Elterntaxis“, die hauptsächlich den Hohen Brink und Glockenbrink verstopfen oder aber bei freier Fahrt schneller sind als die erlaubten 30 Stundenkilometer. So wurden bei einer Pkw-Zählung im Februar am Hohen Brink 740 Fahrzeugbewegungen am Tag notiert. 15 Prozent der Autos waren schneller als 46 Stundenkilometer unterwegs. „Das ist schon eine ziemlich hohe Geschwindigkeit für einen Tempo-30-Bereich“, sagt Geffert.

Die Zufahrt zur Parkebene ist nach der Erweiterung der Bushaltestelle schmaler geworden – ein großes Handicap für die gewünschte zweite Elternhaltestelle.
Die Zufahrt zur Parkebene ist nach der Erweiterung der Bushaltestelle schmaler geworden – ein großes Handicap für die gewünschte zweite Elternhaltestelle.

Seine Zwischenbilanz nach zahlreichen Debatten und einigen baulichen Veränderungen am Hohen Brink fällt durchwachsen aus. Einerseits gefalle ihm der handicapgerechte Umbau der Bushaltestellen, die in Kürze überdacht werden, sowie die neue Position der Elternhaltestelle, die nicht mehr im Bereich der Wendeschleife liegt, sondern nach deren Durchfahrt erreicht wird. Andererseits vermisst Geffert die zweite Elternhaltestelle, die nach dem Wunsch des Bezirksausschusses auf der oberen Parkebene am Hohen Brink vorgesehen ist. Wo Lehrer parken, sollte eigentlich ein Dutzend Elternautos halten. „Das war ein Bestandteil des Kompromisses, der in vielen Diskussionen mit allen Beteiligten erreicht wurde“, sagt Geffert. Er beharrt auf Umsetzung des politischen Willens und möchte das Thema „Hoher Brink“ in der nächsten Sitzung des Ortsrates am 1. Juli besprechen. Wieder einmal.

Reinhard Geffert ist mit dem Umbau der Bushaltestellen am Schulzentrum zufrieden. Der Vorsitzende des Ortsrates vermisst aber eine zusätzliche Elternhaltetelle, die nach dem Wunsch der Politiker auf der oberen Parkebene (dem Standort des Fotografen) entstehen soll. Ihr fielen allerdings Lehrerparkplätze zum Opfer. MT-Fotos: Dirk Haunhorst
Reinhard Geffert ist mit dem Umbau der Bushaltestellen am Schulzentrum zufrieden. Der Vorsitzende des Ortsrates vermisst aber eine zusätzliche Elternhaltetelle, die nach dem Wunsch der Politiker auf der oberen Parkebene (dem Standort des Fotografen) entstehen soll. Ihr fielen allerdings Lehrerparkplätze zum Opfer. MT-Fotos: Dirk Haunhorst

Die Chancen auf eine zweite Elternhaltestelle stehen indes schlecht. Der Ausbau des Bürgersteigs an der neuen Bushaltestelle hat Platz gekostet und geht zu Lasten der Parkplatzzufahrt. Die ist deutlich enger geworden und nur noch knapp vier Meter breit. Begegnungsverkehr ist nicht möglich, wer zu den Parkebenen hoch möchte, muss erst Fahrzeuge passieren lassen, die runterfahren wollen. „Der Verkehr dort müsste eigentlich minimiert werden“, sagt Detlef Brand, im Rathaus zuständig für Sicherheit und Ordnung. Eine Elternhaltestelle brächte zusätzliches Hin und Her und damit Gefahrenpotenzial. Brand meint, dass Eltern auch andernorts ihre Kinder abholen könnten. Beispielsweise stünden am Sportplatz zahlreiche Stellflächen zur Verfügung.

Gleichwohl scheint sich die Verwaltung ernsthafte Gedanken darüber zu machen, ob ihr die Zufahrt zur Parkebene nicht eine Spur zu eng geraten ist. „Wir überlegen zurzeit, den Gehweg abzusenken“, teilt Ute Schröder von der zuständigen Straßenbauabteilung mit. Dann könnten Autos zumindest den Randbereich, der dann zur „Mischfläche“ würde, mitbenutzen. Doch weil das Geld kostet und der Nutzen wegen des Fragezeichens hinter der zweiten Elternhaltestelle zweifelhaft ist, soll zuvor ein Gespräch mit den Beteiligten von Behörden, Politik und Schulen erfolgen, kündigt Schröder an. Termin: voraussichtlich nächste Woche.

Zu den Beteiligten zählt auch Dr. Stefan Braun, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums. Er wendet sich gegen Behauptungen, wonach das Kollegium grundsätzlich gegen eine weitere Elternhaltestelle am Hohen Brink sei, weil das einen Teil der Lehrerparkplätze koste. „Das kann man so nicht sagen.“ Braun stellt aber die Frage, ob unterschiedliches Nutzungsverhalten (länger parkende Lehrer und nur kurz haltende Eltern) in Einklang zu bringen seien. Überdies blieben bei einer Elternhaltestelle auf der Parkebene jene Plätze über Stunden ungenutzt, die Lehrer gut gebrauchen könnten. Eine kurzzeitig geltende Parkscheibenpflicht als Kompromiss sei für die Lehrer nicht praktikabel (das entsprechende Schild wurde inzwischen abgebaut). Außerdem, so Braun, sei im Umfeld des Schulzentrums mithilfe mehrerer Elternhaltestellen spürbare Entlastung geschaffen worden. Eine umfassende Lösung der Verkehrsprobleme sei wegen der topografisch bedingten Enge nahezu unmöglich. „Deshalb sind wir auch ständig miteinander im Gespräch.“

Wenn am heutigen Freitag die Eltern ihre Kinder abholen, werden wohl wieder einige Autos trotz des Verbotes in der Buswendeschleife parken. Verwaltungsmitarbeiterin Ute Schröder widerspricht dem Eindruck einiger Eltern, dass dort genügend Platz wäre für Autos und Busse. „Gelenkbusse brauchen viel Raum, da sind in der Schleife keine 20 Zentimeter übrig.“

Politik und Verwaltung liegen in Sachen Hoher Brink oft überkreuz, beim Thema Falschparker jedoch auf einer Linie. Schließlich gehe es um die Sicherheit der Schüler, sagt Reinhard Geffert. „Bei den Veränderungen am Hohen Brink spielt die Trennung von Bus- und Autoverkehr eine große Rolle.“

Der Autor ist erreichbar unterTelefon (0571) 882 164oder Dirk.Haunhorst@MT.de

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HausbergeEngpass am Hohen Brink kostet zweite ElternhaltestelleDirk HaunhorstPorta Westfalica-Hausberge (mt). Mittagszeit am Hohen Brink: Eine Unterrichtsstunde im Schulzentrum nebenan endet, Eltern fahren frühzeitig vor, um ihre Kinder abzuholen. Einige Autos halten an der neuen Elternhaltestelle, andere mitten in der Buswendeschleife – im absoluten Halteverbot.Da meistens mehrere Minuten vergehen, bis die Kinder eintreffen, wird aus dem Halten ein Parken. Erlaubt ist weder das Eine noch das Andere. „Hier stehe ich im Schatten“, sagt eine Frau und deutet auf den Säugling neben ihr im Maxi-Cosi. Im Wagen davor sitzt eine Frau, die sich ebenfalls der Ordnungswidrigkeit vollauf bewusst ist, aber kein schlechtes Gewissen hat. „Die Straße hier ist breit genug.“ Und außerdem reichten die Stellflächen an der neuen Elternhaltestelle nicht aus. „Und wo sollen wir dann hin, wenn wir die Kinder abholen?“ Beim Besuch am Donnerstag zeigt sich, dass die Parkprobleme am Hohen Brink nur scheinbar gelöst sind. Das sieht auch Reinhard Geffert (SPD) so. Der Bezirksausschussvorsitzende für Hausberge und Holzhausen und seine Politikerkollegen haben etliche Stunden über die Verkehrssituation an Gymnasium und Realschule diskutiert. Anwohner umliegender Straßen beschweren sich immer wieder über „Elterntaxis“, die hauptsächlich den Hohen Brink und Glockenbrink verstopfen oder aber bei freier Fahrt schneller sind als die erlaubten 30 Stundenkilometer. So wurden bei einer Pkw-Zählung im Februar am Hohen Brink 740 Fahrzeugbewegungen am Tag notiert. 15 Prozent der Autos waren schneller als 46 Stundenkilometer unterwegs. „Das ist schon eine ziemlich hohe Geschwindigkeit für einen Tempo-30-Bereich“, sagt Geffert. Seine Zwischenbilanz nach zahlreichen Debatten und einigen baulichen Veränderungen am Hohen Brink fällt durchwachsen aus. Einerseits gefalle ihm der handicapgerechte Umbau der Bushaltestellen, die in Kürze überdacht werden, sowie die neue Position der Elternhaltestelle, die nicht mehr im Bereich der Wendeschleife liegt, sondern nach deren Durchfahrt erreicht wird. Andererseits vermisst Geffert die zweite Elternhaltestelle, die nach dem Wunsch des Bezirksausschusses auf der oberen Parkebene am Hohen Brink vorgesehen ist. Wo Lehrer parken, sollte eigentlich ein Dutzend Elternautos halten. „Das war ein Bestandteil des Kompromisses, der in vielen Diskussionen mit allen Beteiligten erreicht wurde“, sagt Geffert. Er beharrt auf Umsetzung des politischen Willens und möchte das Thema „Hoher Brink“ in der nächsten Sitzung des Ortsrates am 1. Juli besprechen. Wieder einmal. Die Chancen auf eine zweite Elternhaltestelle stehen indes schlecht. Der Ausbau des Bürgersteigs an der neuen Bushaltestelle hat Platz gekostet und geht zu Lasten der Parkplatzzufahrt. Die ist deutlich enger geworden und nur noch knapp vier Meter breit. Begegnungsverkehr ist nicht möglich, wer zu den Parkebenen hoch möchte, muss erst Fahrzeuge passieren lassen, die runterfahren wollen. „Der Verkehr dort müsste eigentlich minimiert werden“, sagt Detlef Brand, im Rathaus zuständig für Sicherheit und Ordnung. Eine Elternhaltestelle brächte zusätzliches Hin und Her und damit Gefahrenpotenzial. Brand meint, dass Eltern auch andernorts ihre Kinder abholen könnten. Beispielsweise stünden am Sportplatz zahlreiche Stellflächen zur Verfügung. Gleichwohl scheint sich die Verwaltung ernsthafte Gedanken darüber zu machen, ob ihr die Zufahrt zur Parkebene nicht eine Spur zu eng geraten ist. „Wir überlegen zurzeit, den Gehweg abzusenken“, teilt Ute Schröder von der zuständigen Straßenbauabteilung mit. Dann könnten Autos zumindest den Randbereich, der dann zur „Mischfläche“ würde, mitbenutzen. Doch weil das Geld kostet und der Nutzen wegen des Fragezeichens hinter der zweiten Elternhaltestelle zweifelhaft ist, soll zuvor ein Gespräch mit den Beteiligten von Behörden, Politik und Schulen erfolgen, kündigt Schröder an. Termin: voraussichtlich nächste Woche. Zu den Beteiligten zählt auch Dr. Stefan Braun, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums. Er wendet sich gegen Behauptungen, wonach das Kollegium grundsätzlich gegen eine weitere Elternhaltestelle am Hohen Brink sei, weil das einen Teil der Lehrerparkplätze koste. „Das kann man so nicht sagen.“ Braun stellt aber die Frage, ob unterschiedliches Nutzungsverhalten (länger parkende Lehrer und nur kurz haltende Eltern) in Einklang zu bringen seien. Überdies blieben bei einer Elternhaltestelle auf der Parkebene jene Plätze über Stunden ungenutzt, die Lehrer gut gebrauchen könnten. Eine kurzzeitig geltende Parkscheibenpflicht als Kompromiss sei für die Lehrer nicht praktikabel (das entsprechende Schild wurde inzwischen abgebaut). Außerdem, so Braun, sei im Umfeld des Schulzentrums mithilfe mehrerer Elternhaltestellen spürbare Entlastung geschaffen worden. Eine umfassende Lösung der Verkehrsprobleme sei wegen der topografisch bedingten Enge nahezu unmöglich. „Deshalb sind wir auch ständig miteinander im Gespräch.“ Wenn am heutigen Freitag die Eltern ihre Kinder abholen, werden wohl wieder einige Autos trotz des Verbotes in der Buswendeschleife parken. Verwaltungsmitarbeiterin Ute Schröder widerspricht dem Eindruck einiger Eltern, dass dort genügend Platz wäre für Autos und Busse. „Gelenkbusse brauchen viel Raum, da sind in der Schleife keine 20 Zentimeter übrig.“ Politik und Verwaltung liegen in Sachen Hoher Brink oft überkreuz, beim Thema Falschparker jedoch auf einer Linie. Schließlich gehe es um die Sicherheit der Schüler, sagt Reinhard Geffert. „Bei den Veränderungen am Hohen Brink spielt die Trennung von Bus- und Autoverkehr eine große Rolle.“ Der Autor ist erreichbar unterTelefon (0571) 882 164oder Dirk.Haunhorst@MT.de