Eisbergen

Tödliche Gefahr: Fremde werfen immer wieder weiches Brot auf Kristin Watermanns Pferdekoppel

Thomas Lieske

Mit solchen selbstgebastelten Schildern versucht Kristin Watermann, Fremde vom Füttern ihres Pferdes abzuhalten. Allerdings reißen Unbekannte diese Hinweisblätter immer wieder vom Zaun ab, beklagt die Frau aus Eisbergen. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Mit solchen selbstgebastelten Schildern versucht Kristin Watermann, Fremde vom Füttern ihres Pferdes abzuhalten. Allerdings reißen Unbekannte diese Hinweisblätter immer wieder vom Zaun ab, beklagt die Frau aus Eisbergen. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Eisbergen (mt). Kristin Watermann ist verzweifelt. Immer wieder füttern Fremde das Pferd der 31-Jährigen aus Eisbergen. Und das kann mitunter lebensbedrohlich für den Araber sein. Die junge Frau ist deswegen sogar schon vor Gericht gezogen, um eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Ihre Schilder mit der Aufschrift „Füttern verboten“ würden ständig abgerissen, beklagt sie. Watermann geht davon aus, dass zahlreiche Pferdehalter im Mühlenkreis das gleiche Problem haben.

„In den letzten drei Jahren ist das überhaupt erst zu einem Problem geworden“, schildert die Zugbegleiterin. Auf der Koppel lande vieles, das Pferde nicht fressen dürften: weiches Brot, Käsebrötchen. Neulich lag sogar ein Leberwurstbrot herum. „Einmal haben Leute auch Wasser in alten Farbeimern auf die Wiese gestellt“, erinnert sich Watermann. „Das würde doch niemand mit seinem eigenen Haustier machen.“

Problem Nummer eins: Quellendes Futter, etwa weiches Brot, kann zu Schlundverstopfungen führen. „Der Schlund ist einfach deutlich länger als beim Menschen. Wenn das Essen zu klebrig ist, bleibt es im Hals stecken. Dann droht Erstickungsgefahr“, erklärt die Pferdehalterin. So komme auch kein Futter mehr in den Magen. Ein qualvoller Tod für die Tiere. Auch das Füttern von geeigneten Lebensmitteln sollten Fremde unterlassen. „Ich weiß genau, welche Menge mein Pferd braucht. Wenn andere irgendwas zufüttern, kann ich das nicht mehr kontrollieren“, betont Watermann. Außerdem drohten bei bestimmten Lebensmitteln allergische Reaktionen. Erst vor wenigen Wochen ist ein Pferd in Deutschland an Fremdfütterung verstorben. Auch in Österreich hat es bereits zahlreiche Fälle gegeben, wie verschiedene Tageszeitungen dort berichten.

Problem Nummer zwei: Die Koppel ist von Watermanns Wohnung zwar nur wenige Schritte entfernt. Von ihren Fenstern aus kann sie die Wiese allerdings nicht einsehen. Der Hengst, der 16-jährige Mirokan, steht allein. Das ist im ersten Augenblick ungewöhnlich für Pferdehaltung. Auch ein Wasserbottich ist vom Zaun aus nicht zu sehen. Und von einer Futterstelle fehlt auch jede Spur – auf den ersten Blick. Offenbar erwecke das bei Fremden Mitleid für das Pferd. „Aber mein Hengst kann nur allein stehen. Die Wasserstelle ist weiter hinten auf der Koppel, dort füttere ich das Pferd auch“, erklärt Watermann.

Sie ist froh, dass sie wachsame Nachbarn an der Wiese hat. „Die passen auf und geben mir sofort bescheid oder räumen die Lebensmittel selbst von der Koppel.“ Außerdem meldet sich Watermann regelmäßig beim Veterinäramt des Landkreises, um Anrufern, die das Tierwohl in Gefahr sehen, vorzugreifen. „Die kennen mich schon auf dem Amt. Dann wissen sie Bescheid, dass es um mein Pferd geht, wenn die Anrufe kommen.“

Es bleibt die Verzweiflung. Vor einiger Zeit habe sie deshalb sogar vor Gericht gegen Personen vorgehen müssen, die trotz mehrfacher Belehrung immer wieder das Pferd gefüttert hätten, erinnert sich Watermann. Die Polizei habe ihr den Tipp gegeben, wegen Betreten fremden Eigentums gegen die Personen vorzugehen. Am Ende stand eine einstweilige Verfügung, die ihnen das Füttern des Tieres verbietet.

Bisher sei ihrem Pferd noch nichts Schlimmeres passiert. Dennoch sei es ein „blödes Gefühl“, wenn sie wisse, dass jederzeit wieder jemand weiches Brot über den Zaun schmeißen kann. „Ich arbeite als Zugbegleiterin im Schichtbetrieb und habe daher nicht immer ein Auge darauf“, erklärt die junge Frau. Wenn sie zu ihrem Pferd geht, sucht sie zuerst die gesamte Wiese ab. Das würde sich die junge Frau in Zukunft gern sparen.

Fremdfütterung kann teuer werden

Wer fremde Tiere, etwa Pferde, unerlaubt füttert und das Tier dadurch schädigt, muss mit hohen Folgekosten rechnen. In einem Prozess um Folgeschäden für fremdgefütterte Pferde verurteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe bereits 2008 einen Beklagten zu einer Summe von rund 8.000 Euro plus Übernahme der Tierarztkosten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Richtersprüche zum gleichen Sachverhalt.

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EisbergenTödliche Gefahr: Fremde werfen immer wieder weiches Brot auf Kristin Watermanns PferdekoppelThomas LieskePorta Westfalica-Eisbergen (mt). Kristin Watermann ist verzweifelt. Immer wieder füttern Fremde das Pferd der 31-Jährigen aus Eisbergen. Und das kann mitunter lebensbedrohlich für den Araber sein. Die junge Frau ist deswegen sogar schon vor Gericht gezogen, um eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Ihre Schilder mit der Aufschrift „Füttern verboten“ würden ständig abgerissen, beklagt sie. Watermann geht davon aus, dass zahlreiche Pferdehalter im Mühlenkreis das gleiche Problem haben. „In den letzten drei Jahren ist das überhaupt erst zu einem Problem geworden“, schildert die Zugbegleiterin. Auf der Koppel lande vieles, das Pferde nicht fressen dürften: weiches Brot, Käsebrötchen. Neulich lag sogar ein Leberwurstbrot herum. „Einmal haben Leute auch Wasser in alten Farbeimern auf die Wiese gestellt“, erinnert sich Watermann. „Das würde doch niemand mit seinem eigenen Haustier machen.“ Problem Nummer eins: Quellendes Futter, etwa weiches Brot, kann zu Schlundverstopfungen führen. „Der Schlund ist einfach deutlich länger als beim Menschen. Wenn das Essen zu klebrig ist, bleibt es im Hals stecken. Dann droht Erstickungsgefahr“, erklärt die Pferdehalterin. So komme auch kein Futter mehr in den Magen. Ein qualvoller Tod für die Tiere. Auch das Füttern von geeigneten Lebensmitteln sollten Fremde unterlassen. „Ich weiß genau, welche Menge mein Pferd braucht. Wenn andere irgendwas zufüttern, kann ich das nicht mehr kontrollieren“, betont Watermann. Außerdem drohten bei bestimmten Lebensmitteln allergische Reaktionen. Erst vor wenigen Wochen ist ein Pferd in Deutschland an Fremdfütterung verstorben. Auch in Österreich hat es bereits zahlreiche Fälle gegeben, wie verschiedene Tageszeitungen dort berichten. Problem Nummer zwei: Die Koppel ist von Watermanns Wohnung zwar nur wenige Schritte entfernt. Von ihren Fenstern aus kann sie die Wiese allerdings nicht einsehen. Der Hengst, der 16-jährige Mirokan, steht allein. Das ist im ersten Augenblick ungewöhnlich für Pferdehaltung. Auch ein Wasserbottich ist vom Zaun aus nicht zu sehen. Und von einer Futterstelle fehlt auch jede Spur – auf den ersten Blick. Offenbar erwecke das bei Fremden Mitleid für das Pferd. „Aber mein Hengst kann nur allein stehen. Die Wasserstelle ist weiter hinten auf der Koppel, dort füttere ich das Pferd auch“, erklärt Watermann. Sie ist froh, dass sie wachsame Nachbarn an der Wiese hat. „Die passen auf und geben mir sofort bescheid oder räumen die Lebensmittel selbst von der Koppel.“ Außerdem meldet sich Watermann regelmäßig beim Veterinäramt des Landkreises, um Anrufern, die das Tierwohl in Gefahr sehen, vorzugreifen. „Die kennen mich schon auf dem Amt. Dann wissen sie Bescheid, dass es um mein Pferd geht, wenn die Anrufe kommen.“ Es bleibt die Verzweiflung. Vor einiger Zeit habe sie deshalb sogar vor Gericht gegen Personen vorgehen müssen, die trotz mehrfacher Belehrung immer wieder das Pferd gefüttert hätten, erinnert sich Watermann. Die Polizei habe ihr den Tipp gegeben, wegen Betreten fremden Eigentums gegen die Personen vorzugehen. Am Ende stand eine einstweilige Verfügung, die ihnen das Füttern des Tieres verbietet. Bisher sei ihrem Pferd noch nichts Schlimmeres passiert. Dennoch sei es ein „blödes Gefühl“, wenn sie wisse, dass jederzeit wieder jemand weiches Brot über den Zaun schmeißen kann. „Ich arbeite als Zugbegleiterin im Schichtbetrieb und habe daher nicht immer ein Auge darauf“, erklärt die junge Frau. Wenn sie zu ihrem Pferd geht, sucht sie zuerst die gesamte Wiese ab. Das würde sich die junge Frau in Zukunft gern sparen. Fremdfütterung kann teuer werden Wer fremde Tiere, etwa Pferde, unerlaubt füttert und das Tier dadurch schädigt, muss mit hohen Folgekosten rechnen. In einem Prozess um Folgeschäden für fremdgefütterte Pferde verurteilte das Oberlandesgericht Karlsruhe bereits 2008 einen Beklagten zu einer Summe von rund 8.000 Euro plus Übernahme der Tierarztkosten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Richtersprüche zum gleichen Sachverhalt.