Vennebeck

Wirtschaftliche Krise: Betriebsrat von Invacare kritisiert Verhalten der Geschäftsführung

Thomas Lieske

Der Vennebecker Standort von Invacare soll erhalten bleiben. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Der Vennebecker Standort von Invacare soll erhalten bleiben. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Vennebeck (mt). Das Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat beim Rollstuhlhersteller Invacare in Vennebeck ist offenbar stark angespannt. Blickte die Geschäftsführung nach der Veröffentlichung schlechter Geschäftszahlen vor Kurzem recht optimistisch in die Zukunft, äußert sich der Betriebsrat nun in eine andere Richtung. Es geht um die Zukunft des Standortes in Vennebeck, wo derzeit rund 275 Mitarbeiter beschäftigt sind. Ein halbes Dutzend hatte bereits von sich aus gekündigt.

Die schlechten Geschäftszahlen – das Geschäftsjahr 2018 war laut Geschäftsführer Hansjörg Reiner „hochgradig negativ“ – seien für den Betriebsrat „sehr überraschend“ gewesen. Wie das Gremium um ihren Vorsitzenden Christian Scholz erklärt, habe der Betriebsrat mehrfach um Aufklärung gebeten – „leider vergebens“. Aus Sicht des Gremiums sei wenig Konkretes zur aktuellen angespannten wirtschaftlichen Situation des Rollstuhlherstellers gesagt worden.

Ein weiterer Hinweis auf ein angespanntes Verhältnis: Der Betriebsrat versucht nach eigenen Aussagen, für die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber zur Zukunft des Standortes, juristischen Beistand heranzuholen. Die Kosten dafür müsste der Arbeitgeber zahlen. „Aktuell wird der Start der Verhandlungen dazu leider verzögert, weil der Arbeitgeber bis zum heutigen Tage noch keine Kostenzusage zur juristischen Beratung gewährt hat“, heißt es vom Betriebsrat dazu. Dennoch habe man dem Arbeitgeber bereits am 23. Mai eine Rahmenvereinbarung vorgeschlagen. Sie soll wichtige Verhandlungspunkte festhalten. Dazu gehört unter anderem das Bestreben, möglichem Arbeitsplatzabbau entgegenzuwirken. Außerdem möchte das Gremium gern Investitionen zur Modernisierung des Standortes auf der Verhandlungsliste sehen.

„Wir wollen Veränderung mit Sicherheit“, sagt Vorsitzender Scholz. „Nur wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicheren Boden unter den Füßen haben, werden wir als Belegschaft die Veränderungen aktiv mittragen können“, betont Scholz weiter.

Die Fronten zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung bleiben damit wohl vorerst verhärtet. Dennoch: Die Geschäftsleitung verkündete bereits öffentlich: Oberstes Ziel sei der Standorterhalt. Zu welchen Bedingungen, das wird nun Gegenstand der Verhandlungen sein. Wenn sie denn erst einmal anlaufen.

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VennebeckWirtschaftliche Krise: Betriebsrat von Invacare kritisiert Verhalten der GeschäftsführungThomas LieskePorta Westfalica-Vennebeck (mt). Das Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat beim Rollstuhlhersteller Invacare in Vennebeck ist offenbar stark angespannt. Blickte die Geschäftsführung nach der Veröffentlichung schlechter Geschäftszahlen vor Kurzem recht optimistisch in die Zukunft, äußert sich der Betriebsrat nun in eine andere Richtung. Es geht um die Zukunft des Standortes in Vennebeck, wo derzeit rund 275 Mitarbeiter beschäftigt sind. Ein halbes Dutzend hatte bereits von sich aus gekündigt. Die schlechten Geschäftszahlen – das Geschäftsjahr 2018 war laut Geschäftsführer Hansjörg Reiner „hochgradig negativ“ – seien für den Betriebsrat „sehr überraschend“ gewesen. Wie das Gremium um ihren Vorsitzenden Christian Scholz erklärt, habe der Betriebsrat mehrfach um Aufklärung gebeten – „leider vergebens“. Aus Sicht des Gremiums sei wenig Konkretes zur aktuellen angespannten wirtschaftlichen Situation des Rollstuhlherstellers gesagt worden. Ein weiterer Hinweis auf ein angespanntes Verhältnis: Der Betriebsrat versucht nach eigenen Aussagen, für die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber zur Zukunft des Standortes, juristischen Beistand heranzuholen. Die Kosten dafür müsste der Arbeitgeber zahlen. „Aktuell wird der Start der Verhandlungen dazu leider verzögert, weil der Arbeitgeber bis zum heutigen Tage noch keine Kostenzusage zur juristischen Beratung gewährt hat“, heißt es vom Betriebsrat dazu. Dennoch habe man dem Arbeitgeber bereits am 23. Mai eine Rahmenvereinbarung vorgeschlagen. Sie soll wichtige Verhandlungspunkte festhalten. Dazu gehört unter anderem das Bestreben, möglichem Arbeitsplatzabbau entgegenzuwirken. Außerdem möchte das Gremium gern Investitionen zur Modernisierung des Standortes auf der Verhandlungsliste sehen. „Wir wollen Veränderung mit Sicherheit“, sagt Vorsitzender Scholz. „Nur wenn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicheren Boden unter den Füßen haben, werden wir als Belegschaft die Veränderungen aktiv mittragen können“, betont Scholz weiter. Die Fronten zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung bleiben damit wohl vorerst verhärtet. Dennoch: Die Geschäftsleitung verkündete bereits öffentlich: Oberstes Ziel sei der Standorterhalt. Zu welchen Bedingungen, das wird nun Gegenstand der Verhandlungen sein. Wenn sie denn erst einmal anlaufen.