Porta Westfalica

Löwenburg und Fuchsgrund: Stationen für Durchreisende auf der A2

Lisa Julika Bergermann

Auf Französisch (Hors service) klingt die schlechte Nachricht weniger schlimm. Wegen eines defekten Sensors funktioniert die Spülung der Damentoilette nicht. Die Reparatur soll Anfang Juni folgen. - © Foto: Lisa Julika Bergermann
Auf Französisch (Hors service) klingt die schlechte Nachricht weniger schlimm. Wegen eines defekten Sensors funktioniert die Spülung der Damentoilette nicht. Die Reparatur soll Anfang Juni folgen. (© Foto: Lisa Julika Bergermann)
Die Mülleimer, die zweimal pro Woche geleert werden, quillen über, der Abfall weht in die Landschaft. - © Foto: Lisa Julika Bergermann
Die Mülleimer, die zweimal pro Woche geleert werden, quillen über, der Abfall weht in die Landschaft. (© Foto: Lisa Julika Bergermann)

Porta Westfalica (jube). Es gibt zwei Orte im Kreisgebiet, die Durchreisende besser kennen dürften als gebürtige Mindener oder Portaner. Sie tragen die wohlklingenden Namen „Fuchsgrund“ und „Löwenburg“. Die Rede ist von den zwei Rastplätzen an der A2 in Porta Westfalica. Für manche sind sie der einzige Stopp auf dem Weg durch die Region – und für viele ein Grund, schnell weiterzufahren.

Beim Besuch an einem Montagnachmittag geht es in „Fuchsgrund“ und „Löwenburg“ international zu. Niederländische Künstler machen Dehnübungen, eine Gruppe junger Ungarn empört sich über den holländischen Fahrstil und zwei polnische Lkw-Fahrer genießen ein spätes Mittagessen in der Sonne. „Das ist ein guter Platz“, finden die Kraftfahrer. „Wir machen hier regelmäßig Pause.“ Damit sind die beiden jedoch so gut wie allein. Während sie entspannt am Picknicktisch plaudern, herrscht rundherum zügiges Kommen und Gehen. Überquellende Mülltonnen, einige Sitzgelegenheiten direkt neben den Parkplätzen und ein Toilettenhäuschen – das ist die Ausstattung der beiden Rastplätze.

„Ich bin froh, wenn ich schnell wieder von der A2 runterkomme.“

Jörg Kochwasser ist kein Fan der Autobahn. - © Foto: Lisa Julika Bergermann
„Ich bin froh, wenn ich schnell wieder von der A2 runterkomme.“
Jörg Kochwasser ist kein Fan der Autobahn. (© Foto: Lisa Julika Bergermann)

„Wirklich schön ist es hier nicht,“ meinen die drei Künstler aus den Niederlanden. Allerdings musste dringend eine Pause her – nach einem anstrengenden Kunstfestival in Berlin geht es nun im Auto zurück nach Amsterdam. „Vor allem die Mülleimer könnten mal wieder geleert werden“, sagt Künstlerin Natasja Alers auf Englisch. „Da liegt schon so viel daneben. Und das wird doch alles in die Natur geweht.“ Sie deutet auf die blühenden Hecken, die den Rastplatz Löwenburg einrahmen.

Auch eine polnische Künstlerin ist an diesem Tag unterwegs und enttäuscht über die Gestaltung des Rasthofs Fuchsgrund: „Hier findet man überhaupt keine Erholung. Hinter den Zäunen und Hügeln muss doch ein wunderschöner Ausblick liegen. Schade, dass man den hier nicht zu Gesicht kriegt Wir reisen viel, und besonders in Frankreich gibt es immer ein wenig Kunst auf den Rastplätzen – eine kleine Statue oder ein paar Bilder.“

Statt Kunst und Ausblick bleibt den Besuchern nur eines im Gedächtnis: schmutzige Sanitäranlagen. Sofern diese überhaupt in Betrieb sind, denn die Damentoilette auf dem Rastplatz Fuchsgrund bleibt an diesem Tag geschlossen. Die anderen Waschräume beglücken ihren Besuch mit blinden Spiegeln und undefinierbaren Pfützen. Man würde lieber bezahlen, als den derzeitigen Zustand kostenlos in Kauf zu nehmen, schimpfen Reisende. „Wenn man da mal die Toilette besichtigt, muss man Gummistiefel anziehen“, klagt Mark Graubohm aus Walsrode. Aus beruflichen Gründen fahre er die Strecke regelmäßig, und wenn er mal gezwungen sei, zu halten, sei es immer dasselbe: „Dieser Rastplatz ist scheiße, immer dreckig.“ Die Verantwortung dafür sieht er allerdings bei den Reisenden selbst. „Da muss sich jeder mal an die eigene Nase fassen.“

Eine Firma leere die Müllereimer zweimal pro Woche und mache auch das Umfeld sauber, berichtet Thomas Miglietti. Sprecher der Straßen-NRW-Niederlassung Hamm. Um die Sanitäranlage kümmerten sich täglich Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Herford.. Aber bei 3.000 bis 3.500 Menschen, die jeden Tag die beiden Portaner Rastanlagen ansteuerten, komme man mit dem Scheuerlappen nicht mehr hinterher, so Miglietti. Die Frauentoilette am Fuchsgrund sei gesperrt, weil der Sensor für die Spülung nicht funktioniere. Die Reparatur soll in der ersten Juniwoche erfolgen.

Immerhin fließt an diesem Tag der Verkehr. „Als wir vor einer Woche in den Urlaub fuhren, herrschte auf der Gegenfahrbahn totaler Stau. Gott sei Dank kommen wir heute so gut durch“, freut sich ein junges Paar mit Säugling auf dem Arm. Aber auch ihm verdirbt die Rast die Laune. „Wir begreifen nicht, warum manche Lkw hier mit laufendem Motor stehen. Dieser Lärm, und dann auch noch die ganzen Abgase.“ Besorgt betrachtet das Paar sein Baby.

Auch Teppichleger Jörg Kochwasser legt eine Pause in Porta ein. Er ist kein Autobahn-Fan und immer erleichtert, wenn er die Strecke hinter sich hat. „Ich bin froh, wenn ich schnell wieder von der A2 runterkomme.“ Nur die ungarische Fahrgemeinschaft sieht das Ganze gelassen. „In Deutschland ist das Fahren schon okay“, sagt Balazs Fekete. „Aber in Holland ist es richtiger Mist.“Hier gibt es alle Teile der MT-Serie "A2 - hautnah"

A2 – hautnah

Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 auch den Raum Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht.

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Porta WestfalicaLöwenburg und Fuchsgrund: Stationen für Durchreisende auf der A2Lisa Julika BergermannPorta Westfalica (jube). Es gibt zwei Orte im Kreisgebiet, die Durchreisende besser kennen dürften als gebürtige Mindener oder Portaner. Sie tragen die wohlklingenden Namen „Fuchsgrund“ und „Löwenburg“. Die Rede ist von den zwei Rastplätzen an der A2 in Porta Westfalica. Für manche sind sie der einzige Stopp auf dem Weg durch die Region – und für viele ein Grund, schnell weiterzufahren. Beim Besuch an einem Montagnachmittag geht es in „Fuchsgrund“ und „Löwenburg“ international zu. Niederländische Künstler machen Dehnübungen, eine Gruppe junger Ungarn empört sich über den holländischen Fahrstil und zwei polnische Lkw-Fahrer genießen ein spätes Mittagessen in der Sonne. „Das ist ein guter Platz“, finden die Kraftfahrer. „Wir machen hier regelmäßig Pause.“ Damit sind die beiden jedoch so gut wie allein. Während sie entspannt am Picknicktisch plaudern, herrscht rundherum zügiges Kommen und Gehen. Überquellende Mülltonnen, einige Sitzgelegenheiten direkt neben den Parkplätzen und ein Toilettenhäuschen – das ist die Ausstattung der beiden Rastplätze. „Wirklich schön ist es hier nicht,“ meinen die drei Künstler aus den Niederlanden. Allerdings musste dringend eine Pause her – nach einem anstrengenden Kunstfestival in Berlin geht es nun im Auto zurück nach Amsterdam. „Vor allem die Mülleimer könnten mal wieder geleert werden“, sagt Künstlerin Natasja Alers auf Englisch. „Da liegt schon so viel daneben. Und das wird doch alles in die Natur geweht.“ Sie deutet auf die blühenden Hecken, die den Rastplatz Löwenburg einrahmen. Auch eine polnische Künstlerin ist an diesem Tag unterwegs und enttäuscht über die Gestaltung des Rasthofs Fuchsgrund: „Hier findet man überhaupt keine Erholung. Hinter den Zäunen und Hügeln muss doch ein wunderschöner Ausblick liegen. Schade, dass man den hier nicht zu Gesicht kriegt Wir reisen viel, und besonders in Frankreich gibt es immer ein wenig Kunst auf den Rastplätzen – eine kleine Statue oder ein paar Bilder.“ Statt Kunst und Ausblick bleibt den Besuchern nur eines im Gedächtnis: schmutzige Sanitäranlagen. Sofern diese überhaupt in Betrieb sind, denn die Damentoilette auf dem Rastplatz Fuchsgrund bleibt an diesem Tag geschlossen. Die anderen Waschräume beglücken ihren Besuch mit blinden Spiegeln und undefinierbaren Pfützen. Man würde lieber bezahlen, als den derzeitigen Zustand kostenlos in Kauf zu nehmen, schimpfen Reisende. „Wenn man da mal die Toilette besichtigt, muss man Gummistiefel anziehen“, klagt Mark Graubohm aus Walsrode. Aus beruflichen Gründen fahre er die Strecke regelmäßig, und wenn er mal gezwungen sei, zu halten, sei es immer dasselbe: „Dieser Rastplatz ist scheiße, immer dreckig.“ Die Verantwortung dafür sieht er allerdings bei den Reisenden selbst. „Da muss sich jeder mal an die eigene Nase fassen.“ Eine Firma leere die Müllereimer zweimal pro Woche und mache auch das Umfeld sauber, berichtet Thomas Miglietti. Sprecher der Straßen-NRW-Niederlassung Hamm. Um die Sanitäranlage kümmerten sich täglich Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Herford.. Aber bei 3.000 bis 3.500 Menschen, die jeden Tag die beiden Portaner Rastanlagen ansteuerten, komme man mit dem Scheuerlappen nicht mehr hinterher, so Miglietti. Die Frauentoilette am Fuchsgrund sei gesperrt, weil der Sensor für die Spülung nicht funktioniere. Die Reparatur soll in der ersten Juniwoche erfolgen. Immerhin fließt an diesem Tag der Verkehr. „Als wir vor einer Woche in den Urlaub fuhren, herrschte auf der Gegenfahrbahn totaler Stau. Gott sei Dank kommen wir heute so gut durch“, freut sich ein junges Paar mit Säugling auf dem Arm. Aber auch ihm verdirbt die Rast die Laune. „Wir begreifen nicht, warum manche Lkw hier mit laufendem Motor stehen. Dieser Lärm, und dann auch noch die ganzen Abgase.“ Besorgt betrachtet das Paar sein Baby. Auch Teppichleger Jörg Kochwasser legt eine Pause in Porta ein. Er ist kein Autobahn-Fan und immer erleichtert, wenn er die Strecke hinter sich hat. „Ich bin froh, wenn ich schnell wieder von der A2 runterkomme.“ Nur die ungarische Fahrgemeinschaft sieht das Ganze gelassen. „In Deutschland ist das Fahren schon okay“, sagt Balazs Fekete. „Aber in Holland ist es richtiger Mist.“Hier gibt es alle Teile der MT-Serie "A2 - hautnah" A2 – hautnah Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 auch den Raum Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun an der Autobahn steht.