Costedt

Ein ganzes Bienenvolk fällt aus dem Apfelbaum

Lydia Wania-Dreher

Imker Heinz Sturm aus Möllbergen fängt immer wieder Bienenschwärme ein. Dazu braucht er eine große Holzkiste, aber keine Handschuhe. Foto: Lydia Wania-Dreher - © Lydia Wania-Dreher
Imker Heinz Sturm aus Möllbergen fängt immer wieder Bienenschwärme ein. Dazu braucht er eine große Holzkiste, aber keine Handschuhe. Foto: Lydia Wania-Dreher (© Lydia Wania-Dreher)

Porta Westfalica-Costedt (Lyd). Plötzlich saßen 20.000 neue Haustiere im Garten der Familie Held. Die dreijährige Sara und der sechsjährige Amos staunten am Montag nicht schlecht, als sich ein ganzer Bienenschwarm vor ihren Augen in den Apfelbaum setzte. Und blieb.

Was macht man da? Ihre Mutter Ruth Held rief den Imker Heinz Sturm aus Möllbergen an. Der kennt das schon. Denn dieses Verhalten liegt in der Natur der Bienen, erklärt Heinz Sturm. Im Frühsommer, wenn das Volk am größten ist, legen die Arbeiterinnen sogenannte Weiselzellen an. Aus diesen schlüpft eine neue Königin. Die alte Chefin verlässt anschließend urplötzlich mit ungefähr der Hälfte der Bienen den Stock und sucht sich eine neue Bleibe. Sogenannte Spurbienen kundschaften dafür die Umgebung aus und zeigen dem Schwarm den besten Platz für das neue Zuhause.

Wie etwa den Apfelbaum im Garten der Familie Held. Doch bleiben kann die Schar da nicht. Ruth Held ist zwar ein Bienenfan und hat auch schon ein bisschen Erfahrung mit den Insekten, aber im Moment möchte sie kein eigenes Volk. Schließlich benötigt man dafür Zeit, die die siebenfache Mama gerade nicht hat.

Aber noch aus einem anderen Grund müssen die Bienen umziehen. „Sie würden den Winter ohne einen Imker nicht überleben“, erklärt Experte Heinz Sturm.

Daher sammelte er die Bienen im Garten der Familie Held ein. Geschützt mit einem Imkeranzug, aber ohne Handschuhe ging er ans Werk. Denn Bienenstiche machen ihm schon lange nichts mehr aus. „Ich bin immun dagegen“, sagt er lachend. Und so schüttelte Heinz Sturm mit bloßen Händen kräftig an dem Ast, an dem sich die Traube aus Bienen befand. Die Insekten fielen in eine große Holzkiste.

Am Dienstag hatte der Imker dabei leichtes Spiel, denn aufgrund des Regens waren die Insekten wenig flugfreudig. Nun hieß es Deckel drauf und warten. Denn nur wenn die Königin mit in der Holzkiste ist, bleiben die Bienen auch dort. Ansonsten beginnt das Spiel von vorne.

Später transportierte Imker Sturm die Bienen-Umzugskiste – verpackt in einem Plastiksack – in seinem Auto nach Hause. Wenn sich die Bienen nach einiger Zeit beruhigt haben, kann er auch nachsehen, ob die Königin eine Kennzeichnung trägt. Denn Imker markieren die Tiere mit verschiedenen Farben. Alle Königinnen aus dem vergangenen Jahr haben einen roten Punkt, erklärt Sturm. Die Königinnen aus 2019 tragen grün.

Nach einer kurzen Quarantänezeit möchte Heinz Sturm das Volk aus dem Garten der Familie Held an einen Jungimker weitergeben. Dieser sollte dann aufpassen, dass ihm nicht dasselbe passiert wie dem Vorbesitzer. Zwar ist es ein natürlicher Vorgang, dass sich ein Volk teilt und damit vermehrt, doch die meisten Imker versuchen das zu verhindern. Denn die Haupthonigernte fällt genau in diese sogenannte Schwärmzeit. Teilt sich das Volk, verliert der Imker nicht nur die Hälfte seiner Bienen, sondern auch einen erheblichen Honigertrag.

Daher unterdrücken viele Imker den Schwarmtrieb der Insekten, indem sie die Weiselzellen entfernen. Doch nicht jeder macht das und nicht immer klappt die Methode zuverlässig. Und so geht Imker Heinz Sturm die Arbeit als Bienen-Umzugshelfer so schnell nicht aus.

Reportertausch

Der Reportertausch ist eine Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Eine Woche lang tauschen Medienhäuser vom 20. bis 26. Mai ihre Reporterinnen und Reporter. An der Aktion nehmen 60 Redakteurinnen und Redakteure von 30 Zeitungen teil. Die Journalisten lernen Region sowie Medium kennen und geben Einblicke in den Redaktionsalltag. Beim Mindener Tageblatt ist Lydia Wania-Dreher vom Zollern-Alb-Kurier in Balingen (Baden-Württemberg) zu Gast. MT-Redakteurin Nadine Schwan wechselt für eine Woche zur Dithmarschen Landeszeitung nach Heide (Schleswig-Holstein).“

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CostedtEin ganzes Bienenvolk fällt aus dem ApfelbaumLydia Wania-DreherPorta Westfalica-Costedt (Lyd). Plötzlich saßen 20.000 neue Haustiere im Garten der Familie Held. Die dreijährige Sara und der sechsjährige Amos staunten am Montag nicht schlecht, als sich ein ganzer Bienenschwarm vor ihren Augen in den Apfelbaum setzte. Und blieb. Was macht man da? Ihre Mutter Ruth Held rief den Imker Heinz Sturm aus Möllbergen an. Der kennt das schon. Denn dieses Verhalten liegt in der Natur der Bienen, erklärt Heinz Sturm. Im Frühsommer, wenn das Volk am größten ist, legen die Arbeiterinnen sogenannte Weiselzellen an. Aus diesen schlüpft eine neue Königin. Die alte Chefin verlässt anschließend urplötzlich mit ungefähr der Hälfte der Bienen den Stock und sucht sich eine neue Bleibe. Sogenannte Spurbienen kundschaften dafür die Umgebung aus und zeigen dem Schwarm den besten Platz für das neue Zuhause. Wie etwa den Apfelbaum im Garten der Familie Held. Doch bleiben kann die Schar da nicht. Ruth Held ist zwar ein Bienenfan und hat auch schon ein bisschen Erfahrung mit den Insekten, aber im Moment möchte sie kein eigenes Volk. Schließlich benötigt man dafür Zeit, die die siebenfache Mama gerade nicht hat. Aber noch aus einem anderen Grund müssen die Bienen umziehen. „Sie würden den Winter ohne einen Imker nicht überleben“, erklärt Experte Heinz Sturm. Daher sammelte er die Bienen im Garten der Familie Held ein. Geschützt mit einem Imkeranzug, aber ohne Handschuhe ging er ans Werk. Denn Bienenstiche machen ihm schon lange nichts mehr aus. „Ich bin immun dagegen“, sagt er lachend. Und so schüttelte Heinz Sturm mit bloßen Händen kräftig an dem Ast, an dem sich die Traube aus Bienen befand. Die Insekten fielen in eine große Holzkiste. Am Dienstag hatte der Imker dabei leichtes Spiel, denn aufgrund des Regens waren die Insekten wenig flugfreudig. Nun hieß es Deckel drauf und warten. Denn nur wenn die Königin mit in der Holzkiste ist, bleiben die Bienen auch dort. Ansonsten beginnt das Spiel von vorne. Später transportierte Imker Sturm die Bienen-Umzugskiste – verpackt in einem Plastiksack – in seinem Auto nach Hause. Wenn sich die Bienen nach einiger Zeit beruhigt haben, kann er auch nachsehen, ob die Königin eine Kennzeichnung trägt. Denn Imker markieren die Tiere mit verschiedenen Farben. Alle Königinnen aus dem vergangenen Jahr haben einen roten Punkt, erklärt Sturm. Die Königinnen aus 2019 tragen grün. Nach einer kurzen Quarantänezeit möchte Heinz Sturm das Volk aus dem Garten der Familie Held an einen Jungimker weitergeben. Dieser sollte dann aufpassen, dass ihm nicht dasselbe passiert wie dem Vorbesitzer. Zwar ist es ein natürlicher Vorgang, dass sich ein Volk teilt und damit vermehrt, doch die meisten Imker versuchen das zu verhindern. Denn die Haupthonigernte fällt genau in diese sogenannte Schwärmzeit. Teilt sich das Volk, verliert der Imker nicht nur die Hälfte seiner Bienen, sondern auch einen erheblichen Honigertrag. Daher unterdrücken viele Imker den Schwarmtrieb der Insekten, indem sie die Weiselzellen entfernen. Doch nicht jeder macht das und nicht immer klappt die Methode zuverlässig. Und so geht Imker Heinz Sturm die Arbeit als Bienen-Umzugshelfer so schnell nicht aus. Reportertausch Der Reportertausch ist eine Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Eine Woche lang tauschen Medienhäuser vom 20. bis 26. Mai ihre Reporterinnen und Reporter. An der Aktion nehmen 60 Redakteurinnen und Redakteure von 30 Zeitungen teil. Die Journalisten lernen Region sowie Medium kennen und geben Einblicke in den Redaktionsalltag. Beim Mindener Tageblatt ist Lydia Wania-Dreher vom Zollern-Alb-Kurier in Balingen (Baden-Württemberg) zu Gast. MT-Redakteurin Nadine Schwan wechselt für eine Woche zur Dithmarschen Landeszeitung nach Heide (Schleswig-Holstein).“