Hausberge

Kippa und Mekka - kleine Glaubenreise im Kindergarten

Gisela Schwarze

Porta Westfalica-Hausberge (G.S.). Wissen baut Vorurteile ab und persönliche Begegnungen fördern die Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das gilt auch für Glaubensfragen. Deshalb sind frühzeitige Kenntnisse über die verschiedenen Religionen ein wichtiger Bildungsbaustein. Die evangelischen Kindertagesstätten in Hausberge und Holtrup veranstalteten bereits zum dritten Mal gemeinsam das überkonfessionelle Kindergartenprojekt „Was glaubst du?“

Schnappschuss aus der Moschee: Diese Aufnahme entstand beim Besuch vor zwei Jahren. Foto: pr - © pr
Schnappschuss aus der Moschee: Diese Aufnahme entstand beim Besuch vor zwei Jahren. Foto: pr (© pr)

31 Vier- bis Sechsjährige besuchten mit ihren Erzieherinnen die Synagoge in Minden, die Moschee in Löhne und die katholische Kirche St. Walburga in Hausberge. Eltern und Großeltern waren mit von der Partie.„Die vergangenen Wochen haben uns wieder einmal drastisch vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass wir als Angehörige verschiedener Religionen mehr voneinander wissen und miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Birgit Wasmus-Weber, Leiterin der Kita „Kunterbunt“ und des Familienzentrums an der Hackfeldstraße 9a . Vorurteile und Ängste überwinden sowie friedlich miteinander leben könne man nur durch Kenntnisse anderer religiöser Bräuche und durch Wissen um Eigenheiten der Bekenntnisse, fügte die Kita-Leiterin hinzu.

Jedem Besuch in dem jeweiligen Glaubenshaus ging in den beiden Kitas eine eingehende thematische Vorbereitung voraus, damit die jungen Gäste gezielt fragen konnten. Die Erzieherinnen Mareen Freitag und Johanna Klos (Kita Hackfeldstraße) und Tatjana Karstens aus der Kita Holtrup an der Twellsiekstraße unternahmen mit der Projektgruppe zwei Omnibusreisen nach Löhne und nach Minden. Die nahe katholische Kirche an der Hauptstraße erreichten zumindest die Hausberger Mädchen und Jungen zu Fuß. „Eine evangelische Kirche besuchten wir nicht, denn in der sind wir ja hier in Hausberge und Holtrup häufig und die ist uns bekannt“, erklärte Erzieherin Mareen Freitag. „Jüdische Kinder haben wir zurzeit nicht, muslimische Mädchen und Jungen sind in fast allen Gruppen.“ sie.

Freitag ist begeistert, wie viel Wissen ihre kleinen Schützlinge während des Projekts erwarben. Lukas (5) hatte in der Moschee die Gebetskette tief beeindruckt und auch, dass er zunächst einmal die Schuhe ausziehen musste, bevor er den Gebetsteppich betreten durfte. „Der Imam oder Hodscha auf dem Teppich hat auf Arabisch gesprochen, hat aus dem Koran gelesen. Wir haben richtig seine Bewegungen mitgemacht und mitgebetet“, denkt er an den Moscheebesuch zurück.

Außer den Minaretten, den äußeren Erkennungszeichen einer Moschee, hatten Max (6) die Teppiche und die Gebetsnischen beeindruckt. „Die zeigen alle nach Osten, nach Mekka. Jeder Moslem sollte einmal im Leben in Mekka gebetet haben. Deshalb ist da auch immer so viel los.“ Richtig gut fand Max, dass er und alle Kindergartenkinder nach der Besichtigung mit einem kleinen Süßigkeiten-Präsent verabschiedet wurden.

Beim Ausflug zur Mindener Synagoge hatte Kim (5) als ersten Eindruck den Davidstern auf der Dachspitze bemerkt. Kim erzählte von der Tora, einem von drei Teilen aus der jüdischen Bibel, und dem Heiligen Brot. „Das Gebetsbuch ist in Deutsch und Hebräisch geschrieben“, weiß sie nach ihrem Synagogenbesuch. Total praktisch fand sie, dass es vor den Sitzen kleine Fächer gibt, in denen unter anderem der Gebetsschal und die jüdische Kopfbedeckung Kippa einzuschließen sind.

Im dritten besuchten Glaubenshaus, der katholischen Kirche St. Walburga, hatte Gemeindereferent Ulrich Geschwinder ein mehrteiliges Bilderrätsel vorbereitet. Für die Mädchen und Jungen galt es, das Gotteshaus und seine sakralen Gegenstände mit Spürsinn zu erkunden. Anhand der verteilten Bilder fanden die kleinen Gäste die entsprechenden Originale in der Kirche. Die Bedeutung etwa der Weihwasserbecken oder der Behältnisse für Hostien erklärte Ulrich Geschwinder.

Die Kinder schilderten vergangenen Freitag ihre Eindrücke in einer Abschlussveranstaltung im Holtruper Gemeindehaus. Auch die Familien der Mädchen und Jungen waren beeindruckt.

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HausbergeKippa und Mekka - kleine Glaubenreise im KindergartenGisela SchwarzePorta Westfalica-Hausberge (G.S.). Wissen baut Vorurteile ab und persönliche Begegnungen fördern die Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das gilt auch für Glaubensfragen. Deshalb sind frühzeitige Kenntnisse über die verschiedenen Religionen ein wichtiger Bildungsbaustein. Die evangelischen Kindertagesstätten in Hausberge und Holtrup veranstalteten bereits zum dritten Mal gemeinsam das überkonfessionelle Kindergartenprojekt „Was glaubst du?“ 31 Vier- bis Sechsjährige besuchten mit ihren Erzieherinnen die Synagoge in Minden, die Moschee in Löhne und die katholische Kirche St. Walburga in Hausberge. Eltern und Großeltern waren mit von der Partie.„Die vergangenen Wochen haben uns wieder einmal drastisch vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass wir als Angehörige verschiedener Religionen mehr voneinander wissen und miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Birgit Wasmus-Weber, Leiterin der Kita „Kunterbunt“ und des Familienzentrums an der Hackfeldstraße 9a . Vorurteile und Ängste überwinden sowie friedlich miteinander leben könne man nur durch Kenntnisse anderer religiöser Bräuche und durch Wissen um Eigenheiten der Bekenntnisse, fügte die Kita-Leiterin hinzu. Jedem Besuch in dem jeweiligen Glaubenshaus ging in den beiden Kitas eine eingehende thematische Vorbereitung voraus, damit die jungen Gäste gezielt fragen konnten. Die Erzieherinnen Mareen Freitag und Johanna Klos (Kita Hackfeldstraße) und Tatjana Karstens aus der Kita Holtrup an der Twellsiekstraße unternahmen mit der Projektgruppe zwei Omnibusreisen nach Löhne und nach Minden. Die nahe katholische Kirche an der Hauptstraße erreichten zumindest die Hausberger Mädchen und Jungen zu Fuß. „Eine evangelische Kirche besuchten wir nicht, denn in der sind wir ja hier in Hausberge und Holtrup häufig und die ist uns bekannt“, erklärte Erzieherin Mareen Freitag. „Jüdische Kinder haben wir zurzeit nicht, muslimische Mädchen und Jungen sind in fast allen Gruppen.“ sie. Freitag ist begeistert, wie viel Wissen ihre kleinen Schützlinge während des Projekts erwarben. Lukas (5) hatte in der Moschee die Gebetskette tief beeindruckt und auch, dass er zunächst einmal die Schuhe ausziehen musste, bevor er den Gebetsteppich betreten durfte. „Der Imam oder Hodscha auf dem Teppich hat auf Arabisch gesprochen, hat aus dem Koran gelesen. Wir haben richtig seine Bewegungen mitgemacht und mitgebetet“, denkt er an den Moscheebesuch zurück. Außer den Minaretten, den äußeren Erkennungszeichen einer Moschee, hatten Max (6) die Teppiche und die Gebetsnischen beeindruckt. „Die zeigen alle nach Osten, nach Mekka. Jeder Moslem sollte einmal im Leben in Mekka gebetet haben. Deshalb ist da auch immer so viel los.“ Richtig gut fand Max, dass er und alle Kindergartenkinder nach der Besichtigung mit einem kleinen Süßigkeiten-Präsent verabschiedet wurden. Beim Ausflug zur Mindener Synagoge hatte Kim (5) als ersten Eindruck den Davidstern auf der Dachspitze bemerkt. Kim erzählte von der Tora, einem von drei Teilen aus der jüdischen Bibel, und dem Heiligen Brot. „Das Gebetsbuch ist in Deutsch und Hebräisch geschrieben“, weiß sie nach ihrem Synagogenbesuch. Total praktisch fand sie, dass es vor den Sitzen kleine Fächer gibt, in denen unter anderem der Gebetsschal und die jüdische Kopfbedeckung Kippa einzuschließen sind. Im dritten besuchten Glaubenshaus, der katholischen Kirche St. Walburga, hatte Gemeindereferent Ulrich Geschwinder ein mehrteiliges Bilderrätsel vorbereitet. Für die Mädchen und Jungen galt es, das Gotteshaus und seine sakralen Gegenstände mit Spürsinn zu erkunden. Anhand der verteilten Bilder fanden die kleinen Gäste die entsprechenden Originale in der Kirche. Die Bedeutung etwa der Weihwasserbecken oder der Behältnisse für Hostien erklärte Ulrich Geschwinder. Die Kinder schilderten vergangenen Freitag ihre Eindrücke in einer Abschlussveranstaltung im Holtruper Gemeindehaus. Auch die Familien der Mädchen und Jungen waren beeindruckt.