Barkhausen

Knackpunkt Supermarkt - Sanierungsplan für Kaiserhof sorgt für viel Zündstoff

Thomas Lieske

Bisher ist das Betreten des Baustellengeländes am Kaiserhof streng untersagt. Bauzäune schatten das Hauptgebäude und den Laubengang weiterhin ab. Wann kommt Bewegung in das Gelände? MT- - © Foto: Thomas Lieske
Bisher ist das Betreten des Baustellengeländes am Kaiserhof streng untersagt. Bauzäune schatten das Hauptgebäude und den Laubengang weiterhin ab. Wann kommt Bewegung in das Gelände? MT- (© Foto: Thomas Lieske)
Der historische Laubengang liegt derzeit brach. Für die Besitzer ist er nicht zu retten. Das sehen viele Barkhauser allerdings anders.
Der historische Laubengang liegt derzeit brach. Für die Besitzer ist er nicht zu retten. Das sehen viele Barkhauser allerdings anders.

Porta Westfalica-Barkhausen (mt). Wer den Kaiserhof in Porta sanieren will, kommt an den Barkhausern nicht vorbei. Das machen rund 80 teils aufgebrachte Portaner am Montag den Eigentümern, nämlich Architekt Jörg Albersmeier und Geschäftsmann Günter Schiffers, unmissverständlich klar. CDU und FDP haben zur öffentlichen Diskussion ins Businesscenter eingeladen. Die Plätze reichen nicht. Das Interesse ist groß.

Es wird laut. Es wird emotional. Denn einen Supermarkt, wie die Eigentümer ihn sich als Ankermieter vorstellen könnten, den wollen viele Barkhauser partout nicht haben. In der Entwurfsplanung weicht der unter Denkmalschutz stehende Laubengang einem Markt. Für Albersmeier ist klar: „Ohne Amputation des Laubengangs ist der Kaiserhof wohl nicht zu retten.“ Ein Zuhörer spricht aus, was die scheinbare Mehrheit des Publikums denkt: „Es gibt landesweit überhaupt nur zwei solcher Laubengänge. Dieses Baudenkmal dem Erdboden gleichzumachen, halte ich für Frevel.“ Großer Applaus.

Der Plan

Gut 80 Leute schauten sich die Entwürfe für die Sanierung des Kaiserhofs genau an. So soll das Hauptgebäude einmal aussehen.
Gut 80 Leute schauten sich die Entwürfe für die Sanierung des Kaiserhofs genau an. So soll das Hauptgebäude einmal aussehen.

Ein Entwurf der Eigentümer sieht vor, das Hauptgebäude in seinem Erscheinungsbild zu erhalten. Das offene Fachwerk soll mit Glas eingehüllt werden. Die Bestandsgebäude hinter dem eigentlichen Kaiserhof wollen Albersmeier und Schiffers sanieren und in das Gesamtkonzept einbinden. Einziehen könnte etwa ein Weinhändler, der auch Essen anbietet. Womöglich ließen sich Wohnungen für Kurzzeitmieter realisieren, ebenso ein Mehrzweckraum für Vereine wie die Freilichtbühne. Aber auch ausdrücklich andere Initiativen. Im Hauptgebäude könnten Büros entstehen – der Architekt würde gern selbst dort einziehen –, die Gauben auf dem Dach sollen größer werden. Das habe auch Brandschutzgründe. Der Plan für das Hauptgebäude kommt gut an. Knackpunkt ist allein der Supermarkt.

Der Laubengang

Der Entwurf sieht vor, dass anstelle des historischen Laubengangs, der aus der Zeit stammt, als der Kaiserhof noch Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme war, ein Supermarkt entsteht. Konkretere Gespräche gebe es bereits mit dem Discounter Lidl. „Den würde man nur zu zwei Dritteln sehen, weil wir in den Hang hineinbauen würden“, erklärt Schiffers. Es würde kein stinknormaler Supermarkt, sondern einer, der sich dem Ensemble im Erscheinungsbild anpassen würde. Auf MT-Nachfrage betont Albersmeier, dass das neueste Gutachten dem Laubengang einen desolaten Zustand attestiere. Aus seiner Sicht ist er nicht zu retten. Das sehen viele im Publikum anders. Für die einen kommt nur eine Gedenkstätte an dieser Stelle in Frage. Eine, die der historischen Bedeutung gerecht werde. Andere fragen, warum kein Geld in den Erhalt des Denkmals gesteckt worden sei. „Weil wir keine Perspektive für den Laubengang sehen“, betont Albersmeier. Ein anderer bietet ehrenamtliche Hilfe und schweres Gerät, um den Laubengang zu sichern.

Ideen der Zuhörer

Wie wäre es denn, anstatt eines Supermarktes ein Ayurvedazentrum als Ankermieter zu holen, fragt eine Zuhörerin. Der Vorsitzende der heimischen Jungen Union, Jan Herrendörfer, wünscht sich Angebote für junge Leute: Kletterhalle, Bowlingbahn, da sei einiges möglich. Ein Hotel vielleicht? Der alte Hotelbetrieb jedenfalls endete in der Insolvenz. Albersmeier und Schiffers versprechen, die Ideen mitzunehmen.

Die Wirtschaftlichkeit

Um den Kaiserhof in der Dimension zu sanieren, müssten sie als Investoren einen wirtschaftlich rentablen Plan bei der Bank vorlegen, um an Gelder zu kommen, betonen Schiffers uns Albersmeier. „Bisher ist die Idee mit dem Supermarkt die einzig belastbare, um einen Finanzplan aufzustellen“, sagen beide. Gegenwind aus dem Publikum: „Eigentum verpflichtet. Sie müssen das Denkmal sowieso erhalten“, ruft ein Mann. Großer Applaus. Und dann ist da die Angst, dass der Markt irgendwann gebaut werde, „und der Kaiserhof sich plötzlich doch nicht finanziell darstellen lässt“, fürchtet ein anderer.

Die Perspektive

Wie geht es weiter? Was hat der Abend voller Vorwürfe den Investoren gebracht? „Aufgeben kommt für uns nicht in Frage“, betont Albersmeier immer wieder gegenüber dem MT. „Die Eindrücke sind sehr frisch, die müssen wir erst einmal verdauen.“ Er ist davon überzeugt, dass die Gäste am Montag „nicht repräsentativ für das Stimmungsbild zum Supermarkt sind“. Ihn hätten im Nachgang Leute angesprochen, die die Idee positiv sehen. Deshalb sei die Supermarkt-Idee „noch nicht vom Tisch – auf keinen Fall“.

Besichtigungen

Jörg Albersmeier bietet zwei Termine für eine öffentliche Besichtigung des Kaiserhofs an. Sie finden statt an den Dienstagen, 21. und 28. Mai, jeweils um 17.30 Uhr. Aus Sicherheitsgründen dürfen laut Albersmeier nur zehn Leute gleichzeitig aufs Gelände. Deswegen ist unbedingt eine vorherige Anmeldung nötig. Das geht per Mail unter info@albersmeier.net. Die Teilnehmerliste wird nach Eingangszeit der Mails erstellt. Zutritt erfolgt nach Ausweiskontrolle. Zudem wird es eine Warteliste für weitere Termine geben.

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BarkhausenKnackpunkt Supermarkt - Sanierungsplan für Kaiserhof sorgt für viel ZündstoffThomas LieskePorta Westfalica-Barkhausen (mt). Wer den Kaiserhof in Porta sanieren will, kommt an den Barkhausern nicht vorbei. Das machen rund 80 teils aufgebrachte Portaner am Montag den Eigentümern, nämlich Architekt Jörg Albersmeier und Geschäftsmann Günter Schiffers, unmissverständlich klar. CDU und FDP haben zur öffentlichen Diskussion ins Businesscenter eingeladen. Die Plätze reichen nicht. Das Interesse ist groß. Es wird laut. Es wird emotional. Denn einen Supermarkt, wie die Eigentümer ihn sich als Ankermieter vorstellen könnten, den wollen viele Barkhauser partout nicht haben. In der Entwurfsplanung weicht der unter Denkmalschutz stehende Laubengang einem Markt. Für Albersmeier ist klar: „Ohne Amputation des Laubengangs ist der Kaiserhof wohl nicht zu retten.“ Ein Zuhörer spricht aus, was die scheinbare Mehrheit des Publikums denkt: „Es gibt landesweit überhaupt nur zwei solcher Laubengänge. Dieses Baudenkmal dem Erdboden gleichzumachen, halte ich für Frevel.“ Großer Applaus. Der Plan Ein Entwurf der Eigentümer sieht vor, das Hauptgebäude in seinem Erscheinungsbild zu erhalten. Das offene Fachwerk soll mit Glas eingehüllt werden. Die Bestandsgebäude hinter dem eigentlichen Kaiserhof wollen Albersmeier und Schiffers sanieren und in das Gesamtkonzept einbinden. Einziehen könnte etwa ein Weinhändler, der auch Essen anbietet. Womöglich ließen sich Wohnungen für Kurzzeitmieter realisieren, ebenso ein Mehrzweckraum für Vereine wie die Freilichtbühne. Aber auch ausdrücklich andere Initiativen. Im Hauptgebäude könnten Büros entstehen – der Architekt würde gern selbst dort einziehen –, die Gauben auf dem Dach sollen größer werden. Das habe auch Brandschutzgründe. Der Plan für das Hauptgebäude kommt gut an. Knackpunkt ist allein der Supermarkt. Der Laubengang Der Entwurf sieht vor, dass anstelle des historischen Laubengangs, der aus der Zeit stammt, als der Kaiserhof noch Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme war, ein Supermarkt entsteht. Konkretere Gespräche gebe es bereits mit dem Discounter Lidl. „Den würde man nur zu zwei Dritteln sehen, weil wir in den Hang hineinbauen würden“, erklärt Schiffers. Es würde kein stinknormaler Supermarkt, sondern einer, der sich dem Ensemble im Erscheinungsbild anpassen würde. Auf MT-Nachfrage betont Albersmeier, dass das neueste Gutachten dem Laubengang einen desolaten Zustand attestiere. Aus seiner Sicht ist er nicht zu retten. Das sehen viele im Publikum anders. Für die einen kommt nur eine Gedenkstätte an dieser Stelle in Frage. Eine, die der historischen Bedeutung gerecht werde. Andere fragen, warum kein Geld in den Erhalt des Denkmals gesteckt worden sei. „Weil wir keine Perspektive für den Laubengang sehen“, betont Albersmeier. Ein anderer bietet ehrenamtliche Hilfe und schweres Gerät, um den Laubengang zu sichern. Ideen der Zuhörer Wie wäre es denn, anstatt eines Supermarktes ein Ayurvedazentrum als Ankermieter zu holen, fragt eine Zuhörerin. Der Vorsitzende der heimischen Jungen Union, Jan Herrendörfer, wünscht sich Angebote für junge Leute: Kletterhalle, Bowlingbahn, da sei einiges möglich. Ein Hotel vielleicht? Der alte Hotelbetrieb jedenfalls endete in der Insolvenz. Albersmeier und Schiffers versprechen, die Ideen mitzunehmen. Die Wirtschaftlichkeit Um den Kaiserhof in der Dimension zu sanieren, müssten sie als Investoren einen wirtschaftlich rentablen Plan bei der Bank vorlegen, um an Gelder zu kommen, betonen Schiffers uns Albersmeier. „Bisher ist die Idee mit dem Supermarkt die einzig belastbare, um einen Finanzplan aufzustellen“, sagen beide. Gegenwind aus dem Publikum: „Eigentum verpflichtet. Sie müssen das Denkmal sowieso erhalten“, ruft ein Mann. Großer Applaus. Und dann ist da die Angst, dass der Markt irgendwann gebaut werde, „und der Kaiserhof sich plötzlich doch nicht finanziell darstellen lässt“, fürchtet ein anderer. Die Perspektive Wie geht es weiter? Was hat der Abend voller Vorwürfe den Investoren gebracht? „Aufgeben kommt für uns nicht in Frage“, betont Albersmeier immer wieder gegenüber dem MT. „Die Eindrücke sind sehr frisch, die müssen wir erst einmal verdauen.“ Er ist davon überzeugt, dass die Gäste am Montag „nicht repräsentativ für das Stimmungsbild zum Supermarkt sind“. Ihn hätten im Nachgang Leute angesprochen, die die Idee positiv sehen. Deshalb sei die Supermarkt-Idee „noch nicht vom Tisch – auf keinen Fall“. Besichtigungen Jörg Albersmeier bietet zwei Termine für eine öffentliche Besichtigung des Kaiserhofs an. Sie finden statt an den Dienstagen, 21. und 28. Mai, jeweils um 17.30 Uhr. Aus Sicherheitsgründen dürfen laut Albersmeier nur zehn Leute gleichzeitig aufs Gelände. Deswegen ist unbedingt eine vorherige Anmeldung nötig. Das geht per Mail unter info@albersmeier.net. Die Teilnehmerliste wird nach Eingangszeit der Mails erstellt. Zutritt erfolgt nach Ausweiskontrolle. Zudem wird es eine Warteliste für weitere Termine geben.