Wie sich die Jugendarbeit und die Klientel im "Jugi 71" in Lerbeck verändert haben Michael Grundmeier Porta Westfalica-Lerbeck (mig). Auf dem Gelände des Jugendzentrums „Jugi 71“ in Lerbeck ist an diesem Nachmittag richtig was los. Es gibt eine Wurfbude, die Kinder können sich schminken lassen. Hier, das ist deutlich zu sehen, fühlen sie sich wohl. Hier sind sie zu Hause. Viele von denen, die gekommen sind, sind auch an anderen Tagen im „Jugi“ zu finden. Denis beispielsweise, der so oft wie möglich vorbeikommt, um am Tagesprogramm teilzunehmen. Das ist seit zehn Jahren am Standort in Lerbeck möglich. Denn so lange gibt es das „Jugi 71“ dort bereits. Von Computer und Virtual Reality bis hin zu Tonaufnahmen und Tanzen ist vieles möglich. „Ich mag alles, was mit Sport zu tun hat“, sagt Denis. Und Computerspiele, die mag er auch. Im „Jugi“, meint er, seien alle sehr nett und wenn es einmal Probleme gebe, könne man mit den Betreuern reden. Ein jüngerer Mann neben Denis gibt ihm recht. „Ich war früher selbst im Jugi, vor acht Jahren, und kann nur sagen, dass mich das geprägt hat.“ Im „Jugi“ habe es viele Möglichkeiten gegeben – „wenn wir eine Idee hatten, haben uns die Mitarbeiter darin unterstützt“. Das Jugendzentrum sei ein Ort gewesen, an dem man sich kreativ habe betätigen können. „Oder man hat sich hierher geflüchtet, wenn es mal eine schlechte Note gab und konnte sich hier ein bisschen zurückziehen.“ Das „Jugi“ sei immer ein Ort der Kinder gewesen, nicht der Erwachsenen. Ähnlich sieht das an diesem Tag auch der Jugendpfleger der Stadt Porta Westfalica, Olaf Böhne. Den Umzug aus dem alten Jugendhaus an den jetzigen Standort neben der ehemaligen Porta-Schule hat Böhne leibhaftig miterlebt – heute ist im alten Jugendhaus die Feuerwache beheimatet. „Wir sind genau an dem Tag umgezogen, als wir das 20. Jubiläum hatten – also mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Böhne erinnert sich an die Anfänge im neuen „Jugi 71“. Man habe viel renovieren müssen, unter anderem sei immer wieder Wasser in das Gebäude eingedrungen. Immerhin: Das Problem ist jetzt geklärt. Vor einigen Tagen hat der Bauhof neue Rohre eingezogen – Olaf Böhne ist begeistert. „Wir sind ganz im Glück, wie toll das geworden ist. Der Bauhof hat das toll gemacht.“ Gleiches gilt für den Anstrich im „Jugi“ selbst. Der Teil des Gebäudes habe jetzt mehr „Bistro-Charakter“, findet Böhne. „Es ist richtig gemütlich.“ Einen Dank richtet Böhne auch an die Politik. Von dort spüre er eine „starke Rückendeckung“ für das „Jugi“. Ein großes Lob hielt Böhne für die Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen bereit, „ohne die all diese Arbeit nicht zu leisten wäre“. Böhne ist im Grunde ein Urgestein der Jugendpflege in Porta Westfalica. Vor 27 Jahren hat er als Hauptamtlicher in Hausberge angefangen, inzwischen ist er „nicht mehr operativ tätig“, wie er sagt. Die Arbeit macht ihm bis heute viel Freude , wie er sagt. „Ich fahre jeden Tag gerne hierher – das war und ist mein Wunsch-Beruf.“ Schon früh machte Böhne einen Begleiterschein für Freizeiten. Als 14-Jähriger wusste er, dass er Sozialarbeit studieren wollte. Er habe „alle Facetten von Jugendarbeit“ erlebt, sich die Nächte um die Ohren geschlagen. „Wenn andere ins Bett gehen, hat man Feierabend“, meint Böhne schmunzelnd. Das habe ihm aber nie etwas ausgemacht. Mindestens genauso anpassungsfähig wie die Mitarbeiter muss die Programmgestaltung im Jugendzentrum sein. „Stillstand ist Rückschritt“, führt Böhne aus. „Wir müssen unser Programm immer wieder neu auf die Jugendlichen einstellen.“ Dass das nicht einfach ist, dürfte klar sein. „Unsere Klientel hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert“, sagt Böhne. Und erklärt: „Wer sich heute mit anderen Leuten treffen will, kann das auch über den Computer tun – diese Möglichkeit gab es früher nicht.“ Heute sind es die Jüngeren, die das Jugendzentrum aufsuchen. Hier können sie sich „ausprobieren“, wie Böhne sagt. „Wir bieten den Jugendlichen einen Freiraum.“ Die Angebote sind vielfältig, die Möglichkeiten auch. Es gibt ein kleines Tonstudio, eine Küche, einen Computer. „Wir sind für jeden Vorschlag offen“, betont der Jugendpfleger. Eine Mädchengruppe und eine Jungengruppe sind ebenfalls am Start. „Ich denke, wir können ganz zufrieden sein.“ Das finden die Gäste auch, die an diesem Tag zur Feier gekommen sind. Lerbeck ohne „Jugi“? Unvorstellbar.

Wie sich die Jugendarbeit und die Klientel im "Jugi 71" in Lerbeck verändert haben

Die Torte zum zehnten Geburtstag am jetzigen Standort in Lerbeck war heiß begehrt und schnell vergriffen. Viele Kinder, die zur Feier kamen, sind auch sonst im Jugendtreff anzutreffen. © Foto: Michael Grundmeier

Porta Westfalica-Lerbeck (mig). Auf dem Gelände des Jugendzentrums „Jugi 71“ in Lerbeck ist an diesem Nachmittag richtig was los. Es gibt eine Wurfbude, die Kinder können sich schminken lassen. Hier, das ist deutlich zu sehen, fühlen sie sich wohl. Hier sind sie zu Hause. Viele von denen, die gekommen sind, sind auch an anderen Tagen im „Jugi“ zu finden. Denis beispielsweise, der so oft wie möglich vorbeikommt, um am Tagesprogramm teilzunehmen. Das ist seit zehn Jahren am Standort in Lerbeck möglich. Denn so lange gibt es das „Jugi 71“ dort bereits.

Von Computer und Virtual Reality bis hin zu Tonaufnahmen und Tanzen ist vieles möglich. „Ich mag alles, was mit Sport zu tun hat“, sagt Denis. Und Computerspiele, die mag er auch. Im „Jugi“, meint er, seien alle sehr nett und wenn es einmal Probleme gebe, könne man mit den Betreuern reden. Ein jüngerer Mann neben Denis gibt ihm recht. „Ich war früher selbst im Jugi, vor acht Jahren, und kann nur sagen, dass mich das geprägt hat.“ Im „Jugi“ habe es viele Möglichkeiten gegeben – „wenn wir eine Idee hatten, haben uns die Mitarbeiter darin unterstützt“. Das Jugendzentrum sei ein Ort gewesen, an dem man sich kreativ habe betätigen können. „Oder man hat sich hierher geflüchtet, wenn es mal eine schlechte Note gab und konnte sich hier ein bisschen zurückziehen.“ Das „Jugi“ sei immer ein Ort der Kinder gewesen, nicht der Erwachsenen.

Ähnlich sieht das an diesem Tag auch der Jugendpfleger der Stadt Porta Westfalica, Olaf Böhne. Den Umzug aus dem alten Jugendhaus an den jetzigen Standort neben der ehemaligen Porta-Schule hat Böhne leibhaftig miterlebt – heute ist im alten Jugendhaus die Feuerwache beheimatet. „Wir sind genau an dem Tag umgezogen, als wir das 20. Jubiläum hatten – also mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Böhne erinnert sich an die Anfänge im neuen „Jugi 71“. Man habe viel renovieren müssen, unter anderem sei immer wieder Wasser in das Gebäude eingedrungen. Immerhin: Das Problem ist jetzt geklärt. Vor einigen Tagen hat der Bauhof neue Rohre eingezogen – Olaf Böhne ist begeistert. „Wir sind ganz im Glück, wie toll das geworden ist. Der Bauhof hat das toll gemacht.“ Gleiches gilt für den Anstrich im „Jugi“ selbst. Der Teil des Gebäudes habe jetzt mehr „Bistro-Charakter“, findet Böhne. „Es ist richtig gemütlich.“ Einen Dank richtet Böhne auch an die Politik. Von dort spüre er eine „starke Rückendeckung“ für das „Jugi“. Ein großes Lob hielt Böhne für die Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen bereit, „ohne die all diese Arbeit nicht zu leisten wäre“.

Böhne ist im Grunde ein Urgestein der Jugendpflege in Porta Westfalica. Vor 27 Jahren hat er als Hauptamtlicher in Hausberge angefangen, inzwischen ist er „nicht mehr operativ tätig“, wie er sagt. Die Arbeit macht ihm bis heute viel Freude , wie er sagt. „Ich fahre jeden Tag gerne hierher – das war und ist mein Wunsch-Beruf.“ Schon früh machte Böhne einen Begleiterschein für Freizeiten. Als 14-Jähriger wusste er, dass er Sozialarbeit studieren wollte. Er habe „alle Facetten von Jugendarbeit“ erlebt, sich die Nächte um die Ohren geschlagen. „Wenn andere ins Bett gehen, hat man Feierabend“, meint Böhne schmunzelnd. Das habe ihm aber nie etwas ausgemacht.

Mindestens genauso anpassungsfähig wie die Mitarbeiter muss die Programmgestaltung im Jugendzentrum sein. „Stillstand ist Rückschritt“, führt Böhne aus. „Wir müssen unser Programm immer wieder neu auf die Jugendlichen einstellen.“ Dass das nicht einfach ist, dürfte klar sein. „Unsere Klientel hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert“, sagt Böhne. Und erklärt: „Wer sich heute mit anderen Leuten treffen will, kann das auch über den Computer tun – diese Möglichkeit gab es früher nicht.“

Heute sind es die Jüngeren, die das Jugendzentrum aufsuchen. Hier können sie sich „ausprobieren“, wie Böhne sagt. „Wir bieten den Jugendlichen einen Freiraum.“ Die Angebote sind vielfältig, die Möglichkeiten auch. Es gibt ein kleines Tonstudio, eine Küche, einen Computer. „Wir sind für jeden Vorschlag offen“, betont der Jugendpfleger. Eine Mädchengruppe und eine Jungengruppe sind ebenfalls am Start. „Ich denke, wir können ganz zufrieden sein.“

Das finden die Gäste auch, die an diesem Tag zur Feier gekommen sind. Lerbeck ohne „Jugi“? Unvorstellbar.

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