Porta Westfalica

Die Bahn muss weitere Millionen in den Lärmschutz investieren

Thomas Lieske

Vier Millionen Euro nimmt die Bahn 2020 in die Hand, um in Neesen, Hausberge und Costedt weitere Schall- und Lärmschutzwände zu installieren. Auch beim passiven Lärmschutz will der Konzern nachlegen. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Vier Millionen Euro nimmt die Bahn 2020 in die Hand, um in Neesen, Hausberge und Costedt weitere Schall- und Lärmschutzwände zu installieren. Auch beim passiven Lärmschutz will der Konzern nachlegen. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica (mt). Schon von Weitem ist der Lärm zu hören. Er kommt dichter, dann ist er fast nicht mehr auszuhalten: Ein Güterzug mit unzähligen Waggongs rauscht durch Porta Westfalica – geladen hat er Neuwagen und Container. Lärmschutzwände gibt es zwar bereits einige – und viele Hundert Meter davon sind ziemlich neu. Doch wer sich an vielen der Wohnhäuser entlang der Bahnlinie mit seinem Nachbarn unterhalten will, muss entweder ziemlich laut schreien oder warten, bis der hunderte Meter lange Zug durchgefahren ist. Und dann schnell die Pause nutzen, bis der nächste Güterzug durchrauscht.

Eines ist klar: Die Bahn muss in Sachen Lärmschutz in Porta Westfalica nachlegen. Und sie will nachrüsten, wie ein Bahnsprecher nun gegenüber dem MT bekräftigt: Satte vier Millionen Euro will der Konzern im kommenden Jahr in Lärm- und Schallschutzwände in den Ortsteilen Neesen, Hausberge und Costedt investieren. Eine Viertelmillion Euro sollen zudem in sogenannten passiven Lärmschutz fließen. Dafür lässt die Bahn allein auf Portaner Stadtgebiet rund 700 Wohnungen begutachten, erklärt der Sprecher.

Passiver Lärmschutz, der kommt zum Einsatz, wenn Lärmschutz- oder Schallschutzwände direkt an der Bahntrasse nicht ausreichend Lärm filtern. Entweder, weil das Landschaftsbild oder andere Bauten den Bau solcher Wände verhindern. Oder weil Häuser höher liegen als die Obergrenze der Schallschutzwände. Dann gibt es auf Antrag von Anwohnern verschiedene Möglichkeiten, Wohnhäuser an Bahnstrecken auf andere Weise umzurüsten.

Schallschutzfenster und -türen filtern zusätzlichen Lärm von Güter- und anderen Zügen. Dann geht es vor allem um zulässige Grenzwerte von Lärm in Wohn- und Schlafräumen des Hauses.

Schallgedämmte Lüfter kommen in Schlafräumen eines Wohnhauses zum Einsatz. Wer nachts gern bei offenem Fenster schläft, aber direkt an einer hochfrequentierten Bahnstrecke wie in Porta Westfalica lebt, hat kaum eine Chance auf ruhigen Schlaf. Die Lüfter sorgen für Frischluft und filtern den Lärm. Fenster müssen dann nicht mehr geöffnet werden.

Die Dämmung der Fassade und des Daches kommt laut Deutscher Bahn nur in Einzelfällen zum Einsatz. Manchmal sei sie aber notwendig, um die zugelassenen Grenzwerte nicht zu überschreiten.

Wer passiven Lärmschutz benötigt, muss die Kosten dafür nicht komplett selbst tragen. Die Bahn steuert immerhin 75 Prozent der Gesamtkosten dazu. Für den Hausbesitzer bleibt ein Viertel der Rechnung. Allerdings bedeutet auch das oft mindestens einen vierstelligen Betrag. Denn Schallschutzfenster kosten als Sonderanfertigung eine Menge Geld. Besonders dort, wo täglich und auch bei Nacht viele Züge durchrollen, setzt die Deutsche Bahn Schallmesszüge ein. Sie kontrollieren in regelmäßigen Abschnitten die Gleisoberfläche, die sich mit zunehmender Nutzung verändert. Durch Beulen entsteht zusätzlicher Lärm. Solch ein Schallzug erkennt diese Stellen, die Arbeiter anschließend ausbessern können.

Bisher hat die Bahn in Porta Westfalica rund sieben Millionen Euro in Schallschutzmaßnahmen an der Bahntrasse investiert. Ob nach 2020 weiteres Geld nach Porta fließt, blieb aber offen. Die schweren Züge rollen jedenfalls weiter durch die Stadt. Und verursachen reichlich Lärm.

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Porta WestfalicaDie Bahn muss weitere Millionen in den Lärmschutz investierenThomas LieskePorta Westfalica (mt). Schon von Weitem ist der Lärm zu hören. Er kommt dichter, dann ist er fast nicht mehr auszuhalten: Ein Güterzug mit unzähligen Waggongs rauscht durch Porta Westfalica – geladen hat er Neuwagen und Container. Lärmschutzwände gibt es zwar bereits einige – und viele Hundert Meter davon sind ziemlich neu. Doch wer sich an vielen der Wohnhäuser entlang der Bahnlinie mit seinem Nachbarn unterhalten will, muss entweder ziemlich laut schreien oder warten, bis der hunderte Meter lange Zug durchgefahren ist. Und dann schnell die Pause nutzen, bis der nächste Güterzug durchrauscht. Eines ist klar: Die Bahn muss in Sachen Lärmschutz in Porta Westfalica nachlegen. Und sie will nachrüsten, wie ein Bahnsprecher nun gegenüber dem MT bekräftigt: Satte vier Millionen Euro will der Konzern im kommenden Jahr in Lärm- und Schallschutzwände in den Ortsteilen Neesen, Hausberge und Costedt investieren. Eine Viertelmillion Euro sollen zudem in sogenannten passiven Lärmschutz fließen. Dafür lässt die Bahn allein auf Portaner Stadtgebiet rund 700 Wohnungen begutachten, erklärt der Sprecher. Passiver Lärmschutz, der kommt zum Einsatz, wenn Lärmschutz- oder Schallschutzwände direkt an der Bahntrasse nicht ausreichend Lärm filtern. Entweder, weil das Landschaftsbild oder andere Bauten den Bau solcher Wände verhindern. Oder weil Häuser höher liegen als die Obergrenze der Schallschutzwände. Dann gibt es auf Antrag von Anwohnern verschiedene Möglichkeiten, Wohnhäuser an Bahnstrecken auf andere Weise umzurüsten. Schallschutzfenster und -türen filtern zusätzlichen Lärm von Güter- und anderen Zügen. Dann geht es vor allem um zulässige Grenzwerte von Lärm in Wohn- und Schlafräumen des Hauses. Schallgedämmte Lüfter kommen in Schlafräumen eines Wohnhauses zum Einsatz. Wer nachts gern bei offenem Fenster schläft, aber direkt an einer hochfrequentierten Bahnstrecke wie in Porta Westfalica lebt, hat kaum eine Chance auf ruhigen Schlaf. Die Lüfter sorgen für Frischluft und filtern den Lärm. Fenster müssen dann nicht mehr geöffnet werden. Die Dämmung der Fassade und des Daches kommt laut Deutscher Bahn nur in Einzelfällen zum Einsatz. Manchmal sei sie aber notwendig, um die zugelassenen Grenzwerte nicht zu überschreiten. Wer passiven Lärmschutz benötigt, muss die Kosten dafür nicht komplett selbst tragen. Die Bahn steuert immerhin 75 Prozent der Gesamtkosten dazu. Für den Hausbesitzer bleibt ein Viertel der Rechnung. Allerdings bedeutet auch das oft mindestens einen vierstelligen Betrag. Denn Schallschutzfenster kosten als Sonderanfertigung eine Menge Geld. Besonders dort, wo täglich und auch bei Nacht viele Züge durchrollen, setzt die Deutsche Bahn Schallmesszüge ein. Sie kontrollieren in regelmäßigen Abschnitten die Gleisoberfläche, die sich mit zunehmender Nutzung verändert. Durch Beulen entsteht zusätzlicher Lärm. Solch ein Schallzug erkennt diese Stellen, die Arbeiter anschließend ausbessern können. Bisher hat die Bahn in Porta Westfalica rund sieben Millionen Euro in Schallschutzmaßnahmen an der Bahntrasse investiert. Ob nach 2020 weiteres Geld nach Porta fließt, blieb aber offen. Die schweren Züge rollen jedenfalls weiter durch die Stadt. Und verursachen reichlich Lärm.