Dieser Damhirsch grast seit Monaten seelenruhig neben der A2 Thomas Lieske Porta Westfalica-Veltheim (mt). Ob er weiß, dass er in Veltheim mittlerweile Promi-Status erreicht hat? Vermutlich ist es dem Damhirsch egal. Genauso egal, wie ihm ganz offenbar die vorbeirauschenden Autos und Lkw sind, wenn er mal wieder an der Auffahrt zur Autobahn 2 bei Veltheim gemütlich grast. Und das nahezu jeden Morgen und Abend. Direkt neben der Straße, vielleicht ein oder zwei Meter vom Verkehrstrubel entfernt. Natürlich – ganz nach Vorschrift – hinter der Leitplanke. Nur die Warnweste fehlt. Zwei, die ihn beinahe täglich dort sehen, sind Lisa Edler und ihr Freund Paul Rupp. „Der lässt sich von den Autos überhaupt nicht stören“, staunt Lisa Edler. Sie hat schon eine Menge Fotos gemacht. Sowieso kursieren in sozialen Netzwerken mittlerweile etliche Fotos vom Veltheimer Promi-Damhirsch. Und alle staunen, wie gelassen er neben der Fahrbahn steht und Gras frisst. „Nur manchmal schaut er Autos hinterher“, hat Paul Rupp schon beobachtet. „Dann dreht er den Kopf zur Seite.“ Seit Ende Februar oder Anfang März, ganz genau wissen die beiden das nicht mehr, steht der Damhirsch dort. „Manchmal hat er einen Partner dabei. Das ist ein weißes Tier“, sagt Edler. Der Damhirsch ist den beiden mittlerweile, wie vielen anderen, die dort vorbeikommen auch, ans Herz gewachsen. Steht er mal nicht hinter der Leitplanke, „ist das schon ein komisches Gefühl“, sagt Lisa Edler. „Dass er dort steht, gehört einfach dazu“, ergänzt ihr Freund. Einen Namen haben die beiden dem Tier, das sie in diesem Jahr zum ersten Mal an dieser Stelle beobachten konnten, noch nicht gegeben. „In der Familie ist der Damhirsch aber oft Gesprächsthema“, erzählt Lisa Edler lachend. Warum das Wildtier aber oft so dicht an der Straße steht, können sie sich auch nicht erklären. Eine Frage für den Landesjagdverband: Ist es normal, dass ein Damhirsch so dicht an einer Autobahn gemütlich grast, ohne sich von den Autos stören zu lassen? „Grundsätzlich ist das Verhalten des Damhirsches nicht abnormal“, betont Pressesprecher Andreas Schneider. Das Damwild gehöre zu den Wildtierarten, die zwar nicht die höchste Verkehrsunfallquote aufweisen. „Aber die Quote an Unfällen, in die ein Damwild verwickelt ist, ist immer noch recht beachtlich“, erklärt Schneider. An der Verkehrsunfallquote lasse sich recht gut ablesen, wie scheu ein Wildtier ist. Das Reh etwa sei am meisten an Wildunfällen auf deutschen Straßen beteiligt. Derzeit sei besonders viel Wild an den Straßen unterwegs. „In dieser Jahreszeit haben die Wildtiere besonders viel Hunger. Auf der Suche nach Futter queren sie viele Straßen“, warnt Schneider. Deshalb gebe es in dieser Jahreszeit auch die meisten Verkehrsunfälle mit Wild. Daher rät der Jagd-Experte dazu, die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. „Besonders in den Morgen- und Abendstunden sind die Tiere unterwegs. Das fällt leider oft mit dem Berufsverkehr zusammen“, weiß Schneider. Viele Wildunfälle lassen sich aus seiner Sicht vermeiden oder zumindest die Unfallschäden minimieren, glaubt er. „Und man darf nicht vergessen, dass es deutschlandweit jährlich mindestens 30 Verkehrsunfälle mit Wild gibt, bei denen ein Autofahrer stirbt.“ Besonders gefährlich seien die Unfälle dann auf Autobahnen wie der A2. Da sind die Geschwindigkeiten anders als auf einer Landstraße. Dass der Damhirsch in diesem Fall so lange an dieser Stelle ausharrt, könnte schon ungewöhnlich sein. „Der Jagdverband Nordrhein-Westfalen nimmt das sehr ernst und hat Projekte ins Leben gerufen, um das Wild von der Straße wegzulocken“, erklärt der Jagdexperte. Dazu zählen Wildwiesen fernab von vielbefahrenen Straßen, auf denen die Tiere Futter finden. Verharrt ein Tier zu lange und zu dicht an einer vielbefahrenen Straße wie der A2, rät Schneider dazu, die Polizei oder andere Ordnungsbehörden zu alarmieren. „Dann geht es auch um Unfallvorbeugung“, sagt er. Polizisten, Jäger oder andere Befugte könnten die Tiere dann von der Straße vertreiben. Das rät Andreas Schneider auch für das Tier in Veltheim. Doch bisher ist im Fall des Veltheimer Damhirsches offenbar alles gut gegangen. Er schert sich eben nicht um den Verkehr, der vor seiner Nase vorbeirauscht. Gelassen bleibt er hinter der Leitplanke. Er grast weiter hautnah an der A2. MT-Serie: A2 - hautnah Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen in Deutschland: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 den Raum Porta. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen der Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen (und heute Tieren), in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun direkt an der Autobahn steht. Heute: der Promi-Damhirsch von Veltheim. Hier gibt es die weiteren Serienteile

Dieser Damhirsch grast seit Monaten seelenruhig neben der A2

Porta Westfalica-Veltheim (mt). Ob er weiß, dass er in Veltheim mittlerweile Promi-Status erreicht hat? Vermutlich ist es dem Damhirsch egal. Genauso egal, wie ihm ganz offenbar die vorbeirauschenden Autos und Lkw sind, wenn er mal wieder an der Auffahrt zur Autobahn 2 bei Veltheim gemütlich grast. Und das nahezu jeden Morgen und Abend. Direkt neben der Straße, vielleicht ein oder zwei Meter vom Verkehrstrubel entfernt. Natürlich – ganz nach Vorschrift – hinter der Leitplanke. Nur die Warnweste fehlt.

Dieser Damhirsch ist seit mehr als zwei Monaten fast jeden Morgen und Abend an der Autobahnauffahrt Veltheim zu sehen. - © Lisa Edler/pr
Dieser Damhirsch ist seit mehr als zwei Monaten fast jeden Morgen und Abend an der Autobahnauffahrt Veltheim zu sehen. - © Lisa Edler/pr

Zwei, die ihn beinahe täglich dort sehen, sind Lisa Edler und ihr Freund Paul Rupp. „Der lässt sich von den Autos überhaupt nicht stören“, staunt Lisa Edler. Sie hat schon eine Menge Fotos gemacht. Sowieso kursieren in sozialen Netzwerken mittlerweile etliche Fotos vom Veltheimer Promi-Damhirsch. Und alle staunen, wie gelassen er neben der Fahrbahn steht und Gras frisst. „Nur manchmal schaut er Autos hinterher“, hat Paul Rupp schon beobachtet. „Dann dreht er den Kopf zur Seite.“

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Seit Ende Februar oder Anfang März, ganz genau wissen die beiden das nicht mehr, steht der Damhirsch dort. „Manchmal hat er einen Partner dabei. Das ist ein weißes Tier“, sagt Edler. Der Damhirsch ist den beiden mittlerweile, wie vielen anderen, die dort vorbeikommen auch, ans Herz gewachsen. Steht er mal nicht hinter der Leitplanke, „ist das schon ein komisches Gefühl“, sagt Lisa Edler. „Dass er dort steht, gehört einfach dazu“, ergänzt ihr Freund.

Einen Namen haben die beiden dem Tier, das sie in diesem Jahr zum ersten Mal an dieser Stelle beobachten konnten, noch nicht gegeben. „In der Familie ist der Damhirsch aber oft Gesprächsthema“, erzählt Lisa Edler lachend. Warum das Wildtier aber oft so dicht an der Straße steht, können sie sich auch nicht erklären.

Eine Frage für den Landesjagdverband: Ist es normal, dass ein Damhirsch so dicht an einer Autobahn gemütlich grast, ohne sich von den Autos stören zu lassen? „Grundsätzlich ist das Verhalten des Damhirsches nicht abnormal“, betont Pressesprecher Andreas Schneider. Das Damwild gehöre zu den Wildtierarten, die zwar nicht die höchste Verkehrsunfallquote aufweisen. „Aber die Quote an Unfällen, in die ein Damwild verwickelt ist, ist immer noch recht beachtlich“, erklärt Schneider. An der Verkehrsunfallquote lasse sich recht gut ablesen, wie scheu ein Wildtier ist. Das Reh etwa sei am meisten an Wildunfällen auf deutschen Straßen beteiligt.

Derzeit sei besonders viel Wild an den Straßen unterwegs. „In dieser Jahreszeit haben die Wildtiere besonders viel Hunger. Auf der Suche nach Futter queren sie viele Straßen“, warnt Schneider. Deshalb gebe es in dieser Jahreszeit auch die meisten Verkehrsunfälle mit Wild. Daher rät der Jagd-Experte dazu, die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. „Besonders in den Morgen- und Abendstunden sind die Tiere unterwegs. Das fällt leider oft mit dem Berufsverkehr zusammen“, weiß Schneider.

Viele Wildunfälle lassen sich aus seiner Sicht vermeiden oder zumindest die Unfallschäden minimieren, glaubt er. „Und man darf nicht vergessen, dass es deutschlandweit jährlich mindestens 30 Verkehrsunfälle mit Wild gibt, bei denen ein Autofahrer stirbt.“ Besonders gefährlich seien die Unfälle dann auf Autobahnen wie der A2. Da sind die Geschwindigkeiten anders als auf einer Landstraße.

Dass der Damhirsch in diesem Fall so lange an dieser Stelle ausharrt, könnte schon ungewöhnlich sein. „Der Jagdverband Nordrhein-Westfalen nimmt das sehr ernst und hat Projekte ins Leben gerufen, um das Wild von der Straße wegzulocken“, erklärt der Jagdexperte. Dazu zählen Wildwiesen fernab von vielbefahrenen Straßen, auf denen die Tiere Futter finden. Verharrt ein Tier zu lange und zu dicht an einer vielbefahrenen Straße wie der A2, rät Schneider dazu, die Polizei oder andere Ordnungsbehörden zu alarmieren. „Dann geht es auch um Unfallvorbeugung“, sagt er. Polizisten, Jäger oder andere Befugte könnten die Tiere dann von der Straße vertreiben. Das rät Andreas Schneider auch für das Tier in Veltheim.

Doch bisher ist im Fall des Veltheimer Damhirsches offenbar alles gut gegangen. Er schert sich eben nicht um den Verkehr, der vor seiner Nase vorbeirauscht. Gelassen bleibt er hinter der Leitplanke. Er grast weiter hautnah an der A2.

MT-Serie: A2 - hautnah

Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen in Deutschland: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 den Raum Porta. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen der Arbeitsplatz. „A2 – hautnah“ erzählt von Menschen (und heute Tieren), in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun direkt an der Autobahn steht. Heute: der Promi-Damhirsch von Veltheim.

Hier gibt es die weiteren Serienteile

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