Möllbergen

Fahranfänger auf der A2: Unterwegs mit der Fahrschule Säger

Thomas Lieske

Mick Kannenberg steuert den Fahrschul-SUV sicher über die A2. Doch der Regen zwingt ihn vom Gaspedal. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Mick Kannenberg steuert den Fahrschul-SUV sicher über die A2. Doch der Regen zwingt ihn vom Gaspedal. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Möllbergen (mt). Dritter Gang, Hände fest am Lenkrad. Blinker setzen, ein kurzer Blick nach links – Vollgas. Der Motor heult auf, Mick Kannenberg hat nur wenige Sekunden Zeit. Jetzt muss der 18-Jährige durch den Rückspiegel die passende Lücke finden. Geschafft. Er ist auf der Autobahn. Zeit für den vierten Gang.

Der Fahrschüler bleibt gelassen. Mit Fahrlehrer Sebastian Säger aus Möllbergen an seiner Seite fühlt er sich schon ziemlich sicher auf der A2. „Es geht eigentlich ganz gut", sagt der Fahrschüler. Dann setzt er zum Überholen an. Zwischen der Anschlussstelle Porta Westfalica und dem Kreuz Bad Oeynhausen hakt es oft ein wenig im Verkehr. Aus der schnelleren Fahrt wird heute aus anderen Gründen nichts: Es schüttet wie aus Eimern. Der starke Regen zwingt Kannenberg vom Gaspedal. Selbst Richtgeschwindigkeit, 130 km/h, ist kaum drin.

Fahrlehrer Sebastian Säger. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Fahrlehrer Sebastian Säger. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

„Fahr so, dass du noch gut reagieren kannst", sagt Sebastian Säger. Er gibt wertvolle Tipps. Damit die Fahrt auf der vielbefahrenen A2, die zudem auf diesem Streckenabschnitt besonders unfallträchtig ist, so leicht wie möglich wird. Konzentriert lenkt Kannenberg den Fahrschul-SUV über die dreispurige Piste. „Eigentlich ist Autobahn viel entspannter", sagt er. „Weil man dort das Stop-and-Go aus der Stadt nicht hat, sondern oft in eins durchfahren kann." 165 hatte er mal kurzzeitig auf dem Tacho. „Aber dann musst du dich unwahrscheinlich konzentrieren, alles geht so schnell. Das ist anstrengend", findet der 18-Jährige. Dann lieber mit Tempo 130 und dafür flüssig über die Autobahn 2.

Es sei denn, es staut sich mal wieder rund um Porta Westfalica. „Oder wenn irgendwelche Idioten nicht mitdenken und direkt vor einem rausziehen", schränkt der Fahrschüler, der kurz vor der praktischen Prüfung steht, ein. Solche Situationen habe er auch schon erlebt. Und solche Situationen kennt auch Fahrlehrer Sebastian Säger. „Schau genau auf den Bus. Der ist jetzt schon sehr nah am vorausfahrenden Lkw dran", erklärt er mit ruhiger Stimme. Er gibt Kannenberg den Tipp, sich schon mal umzusehen, ob er die Spur wechseln kann. Und siehe da: Der Fahrschüler ist gerade auf Höhe des Busses, da schert dieser aus. Ohne Blinker. Säger versucht, seine Schülerinnen und Schüler genau für solche Situationen zu trainieren. „Es geht auf der Autobahn vor allem darum, vorausschauend zu fahren", betont er immer wieder. „Dazu ist es ungeheuer wichtig, alle anderen Verkehrsteilnehmer im Blick zu haben, sie lesen zu lernen." Wie im Fall des Busses.

Vorausschauend fahren, das heiße auch, seine Geschwindigkeit den äußeren Verhältnissen anzupassen. Mick Kannenberg ist mit gut 100 Kilometern pro Stunde Richtung Porta Westfalica unterwegs. Der Regen macht es ihm und den anderen Verkehrsteilnehmern schwer. Nicht selten sind widrige Witterungen wie diese Auslöser für schwere Unfälle auf der A 2 bei Porta gewesen. Etwa am 24. Oktober 2018, als ein polnischer Wagen bei Regen auf der Gefällestrecke zwischen der Talbrücke Kleinenbremen und der Anschlussstelle Veltheim ins Schleudern kam und sich überschlug. Wie durch ein Wunder wurde niemand der Insassen des total zerstörten Fahrzeugs verletzt. Auch am 1. Juni 2016 krachte es. Ein VW kam nach starkem Regen ins Schleudern und fuhr in die Mittelleitplanke. Ein nachfolgender Fahrer konnte nicht rechtzeitig bremsen und fuhr auf das Unfallauto auf – zwei Verletzte, Totalschäden.

Mick Kannenberg fühlt sich nach vier Übungsstunden auf der Autobahn gut gerüstet. Unfälle wie solche hofft er mit seinem Wissen und seiner Gelassenheit vermeiden zu können. Gelassenheit, sie ist dem Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz wichtig. Besonders, wenn seine Fahrschüler künftig auf der A2 unterwegs sind.

Fahrlehrer Sebastian Säger im Interview: "Autobahn ist nichts Schlimmes"

Beinahe täglich ist Sebastian Säger auf der Autobahn 2 unterwegs. In der Regel sitzt er auf dem Beifahrersitz. Das Steuer hat dann ein Fahrschüler in der Hand. Für den 36-Jährigen, der seit zwölf Jahren Fahrlehrer ist, ist die A2 mittlerweile Routine. Während der Fahrausbildung tut er alles, um den Schülern die Angst vor der Piste zu nehmen. Im MT-Interview erklärt er, wie er das genau macht.

MT: Herr Säger, Sie sind fast jeden Tag mit Fahrschülern auf der A2 unterwegs. Wovor haben die Schüler am meisten Angst?

Sebastian Säger: Am meisten Angst haben sie erst einmal vor der hohen Geschwindigkeit, vor der Fülle auf der Autobahn und ganz besonders vor den Lkw. Aufgrund der Masse und der Größe lösen die am meisten Respekt bei den Schülern aus. Daran müssen sie sich erstmal gewöhnen.

Wie nehmen Sie als Fahrlehrer den Schülern die Angst davor?

Es ist wichtig, den Schülern vorher alles genau zu erklären. Sie müssen wissen, worauf sie auf der Autobahn achten müssen. Ich weise sie auf die Gefahren hin, aber auch darauf, dass es trotzdem gut machbar ist. Und dann klappt das in der Regel gut.

Da ist ja sicherlich jeder Fahrschüler anders gestrickt. Wie machen Sie das?

Ich schaue mir jeden genau an, kann sie zum Zeitpunkt der Autobahnfahrt auch schon gut einschätzen. Dann bleiben wir zu Anfang eher auf der rechten Spur und üben das Auf- und Abfahren. Dadurch gewöhnen sich die Schüler schnell an diese neue Situation. Eine goldene Regel, wie ich vorgehe, gibt es da nicht. Ich würde die Fahrschüler nur nicht von Anfang an super schnell fahren lassen.

Aber es gibt sicherlich für den Fahrschüler ein paar goldene Regeln auf der Autobahn.

Ja, das vorausschauende Fahren ist das Wichtigste auf der Autobahn. Man sollte lernen einzuschätzen, wann jemand ausschert, was andere Verkehrsteilnehmer tun. Lkw-Fahrern wird häufig unterstellt, dass sie planlos ausscheren würden, aber man kann so etwas erkennen, wenn man auf gewisse Kleinigkeiten achtet – auch wenn derjenige eben nicht blinkt.

Die Autobahn 2 ist für Sie berufsbedingt seit Jahren bereits Alltagsgeschäft. Ist die als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands betitelte Piste für Sie eine Straße wie jede andere?

Nein, die Autobahn 2 ist schon etwas besonderes. Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten sind die Auswirkungen, wenn man unkonzentriert fährt, viel heftiger. Trotzdem ist es für Schüler ein weiterer Schritt, den sie lernen müssen. Und weil sie das in Stufen lernen, kommen sie irgendwann an den Punkt, an dem es für sie nichts Schlimmes mehr sein muss. In der Regel gewöhnen sie sich schnell an die Geschwindigkeit auf der Autobahn und setzen vieles schnell um. Wenn denn die Vorbereitung gut genug war.

MT-Serie: A2 - hautnah

Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen in Deutschland: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 den Raum Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen der Arbeitsplatz. Die MT-Serie „A2 – hautnah" erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun direkt an der Autobahn steht. Heute: unterwegs mit der Fahrschule Säger.

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MöllbergenFahranfänger auf der A2: Unterwegs mit der Fahrschule SägerThomas LieskePorta Westfalica-Möllbergen (mt). Dritter Gang, Hände fest am Lenkrad. Blinker setzen, ein kurzer Blick nach links – Vollgas. Der Motor heult auf, Mick Kannenberg hat nur wenige Sekunden Zeit. Jetzt muss der 18-Jährige durch den Rückspiegel die passende Lücke finden. Geschafft. Er ist auf der Autobahn. Zeit für den vierten Gang. Der Fahrschüler bleibt gelassen. Mit Fahrlehrer Sebastian Säger aus Möllbergen an seiner Seite fühlt er sich schon ziemlich sicher auf der A2. „Es geht eigentlich ganz gut", sagt der Fahrschüler. Dann setzt er zum Überholen an. Zwischen der Anschlussstelle Porta Westfalica und dem Kreuz Bad Oeynhausen hakt es oft ein wenig im Verkehr. Aus der schnelleren Fahrt wird heute aus anderen Gründen nichts: Es schüttet wie aus Eimern. Der starke Regen zwingt Kannenberg vom Gaspedal. Selbst Richtgeschwindigkeit, 130 km/h, ist kaum drin. „Fahr so, dass du noch gut reagieren kannst", sagt Sebastian Säger. Er gibt wertvolle Tipps. Damit die Fahrt auf der vielbefahrenen A2, die zudem auf diesem Streckenabschnitt besonders unfallträchtig ist, so leicht wie möglich wird. Konzentriert lenkt Kannenberg den Fahrschul-SUV über die dreispurige Piste. „Eigentlich ist Autobahn viel entspannter", sagt er. „Weil man dort das Stop-and-Go aus der Stadt nicht hat, sondern oft in eins durchfahren kann." 165 hatte er mal kurzzeitig auf dem Tacho. „Aber dann musst du dich unwahrscheinlich konzentrieren, alles geht so schnell. Das ist anstrengend", findet der 18-Jährige. Dann lieber mit Tempo 130 und dafür flüssig über die Autobahn 2. Es sei denn, es staut sich mal wieder rund um Porta Westfalica. „Oder wenn irgendwelche Idioten nicht mitdenken und direkt vor einem rausziehen", schränkt der Fahrschüler, der kurz vor der praktischen Prüfung steht, ein. Solche Situationen habe er auch schon erlebt. Und solche Situationen kennt auch Fahrlehrer Sebastian Säger. „Schau genau auf den Bus. Der ist jetzt schon sehr nah am vorausfahrenden Lkw dran", erklärt er mit ruhiger Stimme. Er gibt Kannenberg den Tipp, sich schon mal umzusehen, ob er die Spur wechseln kann. Und siehe da: Der Fahrschüler ist gerade auf Höhe des Busses, da schert dieser aus. Ohne Blinker. Säger versucht, seine Schülerinnen und Schüler genau für solche Situationen zu trainieren. „Es geht auf der Autobahn vor allem darum, vorausschauend zu fahren", betont er immer wieder. „Dazu ist es ungeheuer wichtig, alle anderen Verkehrsteilnehmer im Blick zu haben, sie lesen zu lernen." Wie im Fall des Busses. Vorausschauend fahren, das heiße auch, seine Geschwindigkeit den äußeren Verhältnissen anzupassen. Mick Kannenberg ist mit gut 100 Kilometern pro Stunde Richtung Porta Westfalica unterwegs. Der Regen macht es ihm und den anderen Verkehrsteilnehmern schwer. Nicht selten sind widrige Witterungen wie diese Auslöser für schwere Unfälle auf der A 2 bei Porta gewesen. Etwa am 24. Oktober 2018, als ein polnischer Wagen bei Regen auf der Gefällestrecke zwischen der Talbrücke Kleinenbremen und der Anschlussstelle Veltheim ins Schleudern kam und sich überschlug. Wie durch ein Wunder wurde niemand der Insassen des total zerstörten Fahrzeugs verletzt. Auch am 1. Juni 2016 krachte es. Ein VW kam nach starkem Regen ins Schleudern und fuhr in die Mittelleitplanke. Ein nachfolgender Fahrer konnte nicht rechtzeitig bremsen und fuhr auf das Unfallauto auf – zwei Verletzte, Totalschäden. Mick Kannenberg fühlt sich nach vier Übungsstunden auf der Autobahn gut gerüstet. Unfälle wie solche hofft er mit seinem Wissen und seiner Gelassenheit vermeiden zu können. Gelassenheit, sie ist dem Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz wichtig. Besonders, wenn seine Fahrschüler künftig auf der A2 unterwegs sind. Fahrlehrer Sebastian Säger im Interview: "Autobahn ist nichts Schlimmes" Beinahe täglich ist Sebastian Säger auf der Autobahn 2 unterwegs. In der Regel sitzt er auf dem Beifahrersitz. Das Steuer hat dann ein Fahrschüler in der Hand. Für den 36-Jährigen, der seit zwölf Jahren Fahrlehrer ist, ist die A2 mittlerweile Routine. Während der Fahrausbildung tut er alles, um den Schülern die Angst vor der Piste zu nehmen. Im MT-Interview erklärt er, wie er das genau macht. MT: Herr Säger, Sie sind fast jeden Tag mit Fahrschülern auf der A2 unterwegs. Wovor haben die Schüler am meisten Angst? Sebastian Säger: Am meisten Angst haben sie erst einmal vor der hohen Geschwindigkeit, vor der Fülle auf der Autobahn und ganz besonders vor den Lkw. Aufgrund der Masse und der Größe lösen die am meisten Respekt bei den Schülern aus. Daran müssen sie sich erstmal gewöhnen. Wie nehmen Sie als Fahrlehrer den Schülern die Angst davor? Es ist wichtig, den Schülern vorher alles genau zu erklären. Sie müssen wissen, worauf sie auf der Autobahn achten müssen. Ich weise sie auf die Gefahren hin, aber auch darauf, dass es trotzdem gut machbar ist. Und dann klappt das in der Regel gut. Da ist ja sicherlich jeder Fahrschüler anders gestrickt. Wie machen Sie das? Ich schaue mir jeden genau an, kann sie zum Zeitpunkt der Autobahnfahrt auch schon gut einschätzen. Dann bleiben wir zu Anfang eher auf der rechten Spur und üben das Auf- und Abfahren. Dadurch gewöhnen sich die Schüler schnell an diese neue Situation. Eine goldene Regel, wie ich vorgehe, gibt es da nicht. Ich würde die Fahrschüler nur nicht von Anfang an super schnell fahren lassen. Aber es gibt sicherlich für den Fahrschüler ein paar goldene Regeln auf der Autobahn. Ja, das vorausschauende Fahren ist das Wichtigste auf der Autobahn. Man sollte lernen einzuschätzen, wann jemand ausschert, was andere Verkehrsteilnehmer tun. Lkw-Fahrern wird häufig unterstellt, dass sie planlos ausscheren würden, aber man kann so etwas erkennen, wenn man auf gewisse Kleinigkeiten achtet – auch wenn derjenige eben nicht blinkt. Die Autobahn 2 ist für Sie berufsbedingt seit Jahren bereits Alltagsgeschäft. Ist die als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands betitelte Piste für Sie eine Straße wie jede andere? Nein, die Autobahn 2 ist schon etwas besonderes. Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten sind die Auswirkungen, wenn man unkonzentriert fährt, viel heftiger. Trotzdem ist es für Schüler ein weiterer Schritt, den sie lernen müssen. Und weil sie das in Stufen lernen, kommen sie irgendwann an den Punkt, an dem es für sie nichts Schlimmes mehr sein muss. In der Regel gewöhnen sie sich schnell an die Geschwindigkeit auf der Autobahn und setzen vieles schnell um. Wenn denn die Vorbereitung gut genug war. MT-Serie: A2 - hautnah Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen in Deutschland: Auf 13 Kilometern Länge durchschneidet die A2 den Raum Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der tägliche Weg zur Arbeit, für die anderen der Arbeitsplatz. Die MT-Serie „A2 – hautnah" erzählt von Menschen, in deren Leben die A2 eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun direkt an der Autobahn steht. Heute: unterwegs mit der Fahrschule Säger.