Porta Westfalica-Holtrup

Dietmar Löseke ist der Herr des Autohofs an der A2

Thomas Lieske

200 Stellplätze bietet der Autohof in Porta Westfalica für Lkw. Die füllen sich oft erst am späten Nachmittag. MT- - © Foto: Thomas Lieske
200 Stellplätze bietet der Autohof in Porta Westfalica für Lkw. Die füllen sich oft erst am späten Nachmittag. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Porta Westfalica-Holtrup (mt). Er ist der Herr über eine Tankstelle mit Restaurant, Shop und Sanitärbereich, zwei Kinderspielplätze, 35 Angestellte und 200 Lkw-Stellplätze – und das alles verteilt auf 80.000 Quadratmetern. Obwohl der Autohof in Porta Westfalica neben der Autobahn 2 einer von vieren ist, hat Dietmar Löseke immer alles im Blick, kennt jeden Winkel der Rastanlage. Löseke ist Profi im Autohof-Geschäft. Dabei kam er völlig unverhofft zu seinem ersten Rasthof, als Quereinsteiger. Das war vor 25 Jahren. Mittlerweile besitzt er entlang der A2 vier Autohöfe mit insgesamt 100 Angestellten. Die Zeichen stehen sogar noch auf Wachstum.

Seit zehn Jahren ist der Autohof in Porta Anlaufstelle für täglich rund 800 Gäste, sagt der gelernte Kaufmann. „Die Klientel hat sich verändert", weiß der 69-Jährige. Das hängt auch mit einer großen Investition zusammen. Im vergangenen Jahr nahm Löseke eine mittlere sechsstellige Summe in die Hand, um den Lkw-Parkplatz umzurüsten. „Wir haben die Parklinien neu angeordnet. Nun stehen die Lkw so, dass es fast nicht mehr möglich ist, zu schmuggeln, illegale Geschäfte auf dem Parkplatz zu betreiben oder etwas aus den Aufliegern zu stehlen", erklärt der Autohofbesitzer stolz. Seit etwas mehr als einem Jahr parken die Transporter nun so, dass es keine großen Leerräume mehr zwischen den Aufliegern gibt. Die Lkw, die am Rand parken, stehen mit ihren Anhängern vor einem Graben.

Dietmar Löseke ist Profi, wenn es um Autohöfe geht. Der in Porta ist bereits sein vierter. MT- - © Foto: Nadine Schwan
Dietmar Löseke ist Profi, wenn es um Autohöfe geht. Der in Porta ist bereits sein vierter. MT- (© Foto: Nadine Schwan)

„Früher hatten wir pro Woche drei illegale Aktivitäten auf unserem Stellplatz. Das ist überall entlang der A 2 so", weiß Löseke. Seit der Umgestaltung habe es nicht einen Fall mehr gegeben. Dazu tragen aus seiner Sicht auch die zahlreichen Kameras bei, die er installieren ließ: 64 insgesamt. Sie haben jeden Winkel im Blick. Das Licht sei nun heller. „Seitdem ist die Kundschaft angenehmer", sagt der Autohofbesitzer. Aus seiner Sicht hat sich die sechsstellige Summe gelohnt.

Wenn Dietmar Löseke mal nicht da ist, hat Küchenchef und Betriebsleiter Jürgen Berendes (links) den Überblick. MT- - © Foto: Alex Lehn
Wenn Dietmar Löseke mal nicht da ist, hat Küchenchef und Betriebsleiter Jürgen Berendes (links) den Überblick. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Doch der Autohof ist mehr als der Lkw-Stellplatz, auf dem es übrigens oft schon am späten Nachmittag schwer sei, noch einen Platz zu ergattern. Wer auf den Autohof fährt, kann tanken, Pause machen, essen, auf den eingezäunten Spielplätzen toben oder sogar Familienfeste feiern. Familienfeiern auf einem Autohof? Für Dietmar Löseke ist das mittlerweile normales Geschäft. Was im ersten Moment merkwürdig klingt, beschert dem Geschäftsmann regelmäßig einen vollen Saal. „Man kann sich eben nicht nur auf Tankstelle und Stellplatz konzentrieren", sagt der 69-Jährige. Am Wochenende müsse man auch andere Dinge bieten, um ausgelastet zu sein. Manche Clubs kämen sogar regelmäßig zum Frühstücksbüfett.

Damit seine Gäste auch etwas geboten bekommen, setzt der Geschäftsmann auf Jürgen Berendes. Der Chefkoch und Betriebsleiter hat bereits Erfahrungen in „Sterne-Restaurants", auch in der Schweiz, gesammelt. Der Autohof bietet zwar keine „Sterneküche", dafür aber moderne Technik. Zum Beispiel ein großes Display, auf dem das Personal genau sieht, wie lange die Bestellung schon wartet. „Nach zehn Minuten soll das Essen raus." Eine klare Vorgabe. Aber wie meistert der Chefkoch eines großen Autohofes eigentlich die logistische Herausforderung, für viele Gäste Nahrungsmittel vorzuhalten? „Wir haben immer so viel im Haus, dass wir bis zum übernächsten Tag kommen. Wir bestellen frisch. Es wäre auch kein Problem, wenn mal drei Busse hintereinander hier ankommen", betont Berendes. Dann könnte es höchstens etwas hektisch werden. Das beliebteste Gericht sei übrigens nicht Currywurst mit Pommes, bekräftigt Löseke. „Wir haben einen großen Anteil osteuropäischer Lkw-Fahrer. Die mögen lieber Eisbein", sagt er. Eisbein auf dem Autohof? „Man muss sich eben an seinen Kunden orientieren."

Wenn Dietmar Löseke mit seiner Frau auf den Portaner Autohof kommt, bleiben sie meist mehrere Tage. Zu Hause ist der Profi dort nicht. Dennoch fühle er sich mit der Region verbunden. Und so sei es mittlerweile auch mit dem Autohof und dem Stadtteil. „Zu Anfang hatte es Protest gegen den Autohof gegeben", erinnert sich der Kaufmann. Am Ende kämpfte die Stadt Porta dafür, dass dort eine Rastanlage möglich wird. Mit Erfolg. Doch dann seien die Anwohner gekommen, die Angst vor möglicherweise kriminellem Klientel gehabt hätten. Unter anderem deshalb entstand ein großer Wall zum Wohngebiet. „Aber nicht ganz so hoch, wie er sein müsste", schmunzelt der Betreiber. „Denn würde man das Denkmal nicht sehen."

Mittlerweile gehört der Autohof fest zum Erscheinungsbild dazu. Doch nicht nur er. Nebenan lockt auch ein Schnellrestaurant. Ist das große Konkurrenz für Löseke? „Nein. Wir haben unterschiedliche Kundschaft." Eher sei es so, dass man voneinander profitiere. „Ich würde sogar sagen, dass ich dadurch mehr Umsatz habe. Denn die Leute tanken dann gleich noch."

Mit den Jahren hätte sich sogar eine Stamm-Kundschaft entwickelt, freut sich Löseke. Auch Prominenz sei mal mehr, mal weniger regelmäßig zu Besuch. Dazu zählen Alt-Kanzler Gerhard Schröder und die Comedians Mirja Boes und Bastian Pastewka. Letzterer habe mit seiner komischen Art das Personal fast zur Verzweiflung gebracht. „Er kam rein und wollte wissen, wie man tankt. Dann stand er auch noch falsch herum an der Zapfsäule. Wir wissen bis heute nicht, ob er das ernst meinte", erinnert sich Löseke. Die kurioseste Begegnung habe das Personal aber mit einem nackten Lkw-Fahrer gehabt. „Der lief hier plötzlich ohne Klamotten durch den Laden, weil er sein Shampoo in der Dusche vergessen hatte." Das habe für kurze Verwunderung, dann aber für viele Lacher gesorgt. „Das Gute war, dass wir einfach überwiegend männliche Gäste haben." Einen Überfall habe es dagegen noch nicht gegeben. Der Autohof sei gut gerüstet.

Apropos rüsten: Dietmar Löseke hat schon neue Pläne, wie er den Autohof komfortabler gestalten kann. Er will noch einiges schaffen. An Rente denkt der Geschäftsmann nur selten. Dafür liegt ihm der Autohof viel zu sehr am Herzen.

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Porta Westfalica-HoltrupDietmar Löseke ist der Herr des Autohofs an der A2Thomas LieskePorta Westfalica-Holtrup (mt). Er ist der Herr über eine Tankstelle mit Restaurant, Shop und Sanitärbereich, zwei Kinderspielplätze, 35 Angestellte und 200 Lkw-Stellplätze – und das alles verteilt auf 80.000 Quadratmetern. Obwohl der Autohof in Porta Westfalica neben der Autobahn 2 einer von vieren ist, hat Dietmar Löseke immer alles im Blick, kennt jeden Winkel der Rastanlage. Löseke ist Profi im Autohof-Geschäft. Dabei kam er völlig unverhofft zu seinem ersten Rasthof, als Quereinsteiger. Das war vor 25 Jahren. Mittlerweile besitzt er entlang der A2 vier Autohöfe mit insgesamt 100 Angestellten. Die Zeichen stehen sogar noch auf Wachstum. Seit zehn Jahren ist der Autohof in Porta Anlaufstelle für täglich rund 800 Gäste, sagt der gelernte Kaufmann. „Die Klientel hat sich verändert", weiß der 69-Jährige. Das hängt auch mit einer großen Investition zusammen. Im vergangenen Jahr nahm Löseke eine mittlere sechsstellige Summe in die Hand, um den Lkw-Parkplatz umzurüsten. „Wir haben die Parklinien neu angeordnet. Nun stehen die Lkw so, dass es fast nicht mehr möglich ist, zu schmuggeln, illegale Geschäfte auf dem Parkplatz zu betreiben oder etwas aus den Aufliegern zu stehlen", erklärt der Autohofbesitzer stolz. Seit etwas mehr als einem Jahr parken die Transporter nun so, dass es keine großen Leerräume mehr zwischen den Aufliegern gibt. Die Lkw, die am Rand parken, stehen mit ihren Anhängern vor einem Graben. „Früher hatten wir pro Woche drei illegale Aktivitäten auf unserem Stellplatz. Das ist überall entlang der A 2 so", weiß Löseke. Seit der Umgestaltung habe es nicht einen Fall mehr gegeben. Dazu tragen aus seiner Sicht auch die zahlreichen Kameras bei, die er installieren ließ: 64 insgesamt. Sie haben jeden Winkel im Blick. Das Licht sei nun heller. „Seitdem ist die Kundschaft angenehmer", sagt der Autohofbesitzer. Aus seiner Sicht hat sich die sechsstellige Summe gelohnt. Doch der Autohof ist mehr als der Lkw-Stellplatz, auf dem es übrigens oft schon am späten Nachmittag schwer sei, noch einen Platz zu ergattern. Wer auf den Autohof fährt, kann tanken, Pause machen, essen, auf den eingezäunten Spielplätzen toben oder sogar Familienfeste feiern. Familienfeiern auf einem Autohof? Für Dietmar Löseke ist das mittlerweile normales Geschäft. Was im ersten Moment merkwürdig klingt, beschert dem Geschäftsmann regelmäßig einen vollen Saal. „Man kann sich eben nicht nur auf Tankstelle und Stellplatz konzentrieren", sagt der 69-Jährige. Am Wochenende müsse man auch andere Dinge bieten, um ausgelastet zu sein. Manche Clubs kämen sogar regelmäßig zum Frühstücksbüfett. Damit seine Gäste auch etwas geboten bekommen, setzt der Geschäftsmann auf Jürgen Berendes. Der Chefkoch und Betriebsleiter hat bereits Erfahrungen in „Sterne-Restaurants", auch in der Schweiz, gesammelt. Der Autohof bietet zwar keine „Sterneküche", dafür aber moderne Technik. Zum Beispiel ein großes Display, auf dem das Personal genau sieht, wie lange die Bestellung schon wartet. „Nach zehn Minuten soll das Essen raus." Eine klare Vorgabe. Aber wie meistert der Chefkoch eines großen Autohofes eigentlich die logistische Herausforderung, für viele Gäste Nahrungsmittel vorzuhalten? „Wir haben immer so viel im Haus, dass wir bis zum übernächsten Tag kommen. Wir bestellen frisch. Es wäre auch kein Problem, wenn mal drei Busse hintereinander hier ankommen", betont Berendes. Dann könnte es höchstens etwas hektisch werden. Das beliebteste Gericht sei übrigens nicht Currywurst mit Pommes, bekräftigt Löseke. „Wir haben einen großen Anteil osteuropäischer Lkw-Fahrer. Die mögen lieber Eisbein", sagt er. Eisbein auf dem Autohof? „Man muss sich eben an seinen Kunden orientieren." Wenn Dietmar Löseke mit seiner Frau auf den Portaner Autohof kommt, bleiben sie meist mehrere Tage. Zu Hause ist der Profi dort nicht. Dennoch fühle er sich mit der Region verbunden. Und so sei es mittlerweile auch mit dem Autohof und dem Stadtteil. „Zu Anfang hatte es Protest gegen den Autohof gegeben", erinnert sich der Kaufmann. Am Ende kämpfte die Stadt Porta dafür, dass dort eine Rastanlage möglich wird. Mit Erfolg. Doch dann seien die Anwohner gekommen, die Angst vor möglicherweise kriminellem Klientel gehabt hätten. Unter anderem deshalb entstand ein großer Wall zum Wohngebiet. „Aber nicht ganz so hoch, wie er sein müsste", schmunzelt der Betreiber. „Denn würde man das Denkmal nicht sehen." Mittlerweile gehört der Autohof fest zum Erscheinungsbild dazu. Doch nicht nur er. Nebenan lockt auch ein Schnellrestaurant. Ist das große Konkurrenz für Löseke? „Nein. Wir haben unterschiedliche Kundschaft." Eher sei es so, dass man voneinander profitiere. „Ich würde sogar sagen, dass ich dadurch mehr Umsatz habe. Denn die Leute tanken dann gleich noch." Mit den Jahren hätte sich sogar eine Stamm-Kundschaft entwickelt, freut sich Löseke. Auch Prominenz sei mal mehr, mal weniger regelmäßig zu Besuch. Dazu zählen Alt-Kanzler Gerhard Schröder und die Comedians Mirja Boes und Bastian Pastewka. Letzterer habe mit seiner komischen Art das Personal fast zur Verzweiflung gebracht. „Er kam rein und wollte wissen, wie man tankt. Dann stand er auch noch falsch herum an der Zapfsäule. Wir wissen bis heute nicht, ob er das ernst meinte", erinnert sich Löseke. Die kurioseste Begegnung habe das Personal aber mit einem nackten Lkw-Fahrer gehabt. „Der lief hier plötzlich ohne Klamotten durch den Laden, weil er sein Shampoo in der Dusche vergessen hatte." Das habe für kurze Verwunderung, dann aber für viele Lacher gesorgt. „Das Gute war, dass wir einfach überwiegend männliche Gäste haben." Einen Überfall habe es dagegen noch nicht gegeben. Der Autohof sei gut gerüstet. Apropos rüsten: Dietmar Löseke hat schon neue Pläne, wie er den Autohof komfortabler gestalten kann. Er will noch einiges schaffen. An Rente denkt der Geschäftsmann nur selten. Dafür liegt ihm der Autohof viel zu sehr am Herzen.