Porta Westfalica/Minden

Passt Lidl zum Kaiserhof? Architekt Jörg Albersmeier hält an Plänen für Areal fest

Dirk Haunhorst

In den Hang hingeschoben: Dieser Entwurf zeigt die eingeschossige Variante für den Einzelhandel, es gibt auch eine zweigeschossige mit Büroflächen. Zeichnung: Büro Albersmeier - © Jens
In den Hang hingeschoben: Dieser Entwurf zeigt die eingeschossige Variante für den Einzelhandel, es gibt auch eine zweigeschossige mit Büroflächen. Zeichnung: Büro Albersmeier (© Jens)

Porta Westfalica/Minden (mt). Die Visionen sind zu Papier gebracht, die Pläne gezeichnet. Jörg Albersmeier hat eindeutige Vorstellungen von der Zukunft des Kaiserhofes. Auch von seiner eigenen. Der Mindener Architekt möchte mit seinem Büro in die obere Etage des Gebäudes ziehen, direkt unter den Turm. Das heute offene Geschoss soll verglast werden und so den Blick auf die Porta freigeben. Und abends möchte Albersmeier im beschaulichen, von Arkaden gesäumten Innenhof sitzen. „Am liebsten bei einem Glas Rotwein", sagt er.

Frühlingserwachen? Zumindest gibt es Ideen für das Kaiserhof-Areal. MT-Fotos: Dirk Haunhorst
Frühlingserwachen? Zumindest gibt es Ideen für das Kaiserhof-Areal. MT-Fotos: Dirk Haunhorst

Der Architekt, der nach dem Brand des denkmalgeschützten Gebäudes Ende 2011 mit dem Wiederbaubau beauftragt worden war, ist inzwischen Eigentümer des früheren Hotels – gemeinsam mit Günter Schiffers, Geschäftsführer der West Immo Pro GmbH in Münster.

Information
Chronologie

1895/1896: Der Kaiserhof entsteht fast zeitlich mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das am 18. Oktober 1896 eingeweiht wird. Das große Festmahl findet im Kaiserhof statt, allerdings ohne Kaiser Wilhelm II., aber mit seiner Büste.

1944/45: Die Nazis beschlagnahmen das Gebäude und errichten dort das Außenlager des KZ-Neuengamme mit 1.500 Häftlingen.

1945 bis 1950: Die britische Militäradministration nutzt das Haus.

1950 bis 2011: Hotelbetrieb bis zur Insolvenz Anfang 2011. Am 7. Dezember werden große Teile des Hotels bei einem Großfeuer zerstört. Die Versicherung zahlt vier Millionen Euro. Mehrere Akteure,darunter Architekt Jörg Albersmeier, versprechen, den Kaiserhof wiederzuerrichten.

2012 bis 2015: Während der Aufbauphase melden sich Investoren, darunter auch dubiose Interessenten, die zum Beispiel ein Pflegeheim am Kaiserhof planen. Auch Hotelnutzung ist im Gespräch. Verwirklicht wird davon nichts.

2018: Architekt und Miteigentümer Albersmeier präsentiert neue Pläne, die unter anderem einen Einkaufsmarkt beinhalten.

Neulich wurde der Kaiserhof im Internet angeboten, Kostenpunkt 900.000 Euro. Wenn Preis und Konzept stimmen, sei ein Verkauf zwar nicht ausgeschlossen, sagt Albersmeier. Aber lieber wäre ihm, das Areal gleichermaßen wirtschaftlich und denkmalgerecht zu entwickeln. „Ich habs mit den alten Steinen", sagt Albersmeier und zeigt in seinem Büro auf Bilder von ähnlichen Projekten wie der Alten Försterei und der Jugendstilvilla im sächsischen Leubsdorf, die er inzwischen sein Eigen nennt. Um Vergleichbares in Barkhausen zu schaffen, „braucht man ein Konzept, mit dem man zur Bank gehen kann", sagt er.

So könnte der Innenhof aussehen: Architekt Jörg Albersmeier zeigt einen Entwurf.
So könnte der Innenhof aussehen: Architekt Jörg Albersmeier zeigt einen Entwurf.

An dieser Stelle kommt ein Einkaufsmarkt ins Spiel, konkret Lidl. Das Discounterunternehmer sucht intensiv nach einem Standort in der Porta. Auf der Hausberger Weserseite ist das Berghotel im Gespräch, aber auch Barkhausen wäre eine Option, wie Lidl dem MT bestätigt: „Wir prüfen nach wie vor verschiedene Standort-Möglichkeiten in Porta Westfalica, unter anderem auch ein Angebot auf dem Gelände des früheren Hotels Kaiserhof."

Der Supermarkt und eventuell weiterer Einzelhandel könnten an der Stelle des heutigen Laubengangs errichtet werden, sagt Albersmeier, Die Einkaufsflächen würden in den Hang hineingeschoben und damit nicht dominant wirken.

Hinter dem Kaiserhof wäre Platz für Wohnungen (Studios), etwa für Singles oder Klinikumsmitarbeiter, die nach einer Interimslösung suchen, bevor sie möglicherweise die Familie nachholen. Auch Büros, zum Beispiel über dem Supermarktgebäude, seien denkbar.

Dass in das frühere Hotel wieder großflächig Gastronomie einzieht, hält der Architekt indes für unrealistisch. Das scheitere an der geringen Pacht, die solche Betriebe zu zahlen imstande seien.

Der 200 Quadratmeter große Versammlungsraum sei für örtliche Vereine geeignet, zum Beispiel die Freilichtbühne. Zwischenzeitlich sei eine Werbeagentur am Einzug in den Kaiserhof interessiert gewesen, doch dann wieder abgesprungen.

Der Kaiserhof soll Albersmeier zufolge auch wieder Gauben erhalten. Die alten waren nach dem Brand in der Phase des Wiedererrichtung auf dem Gelände der Firma Tönsmeier gelagert worden. „Die Gauben wurden inzwischen mit Zustimmung des Denkmalschutzes entsorgt", berichtet Albersmeier. Ihre Lichtöffnungen seien ohnehin viel zu klein gewesen. Es werde neue, lichtdurchlässigere geben.

Damit aus den Skizzen konkrete Projekte werden, muss sich die Politik bewegen. Jörg Albersmeier hatte voriges Jahr bereits im Barkhauser Bezirksausschuss seine Pläne vorgestellt. Vor allem die Supermarkt-Idee stieß auf Kritik. Seither hat sich wenig bewegt. Der Architekt hofft weiter auf ein politisches Statement, das in einen Bebauungsplan mündet. „Ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept ist vorhanden."

Lesen Sie zu diesem Thema auch "Heikle Kombination: Mehrere Politiker halten Discounter am Kaiserhof für deplatziert"

Kommentar zur Zukunft des Kaiserhofs: Mehr Realismus

 Kommentar von Dirk Haunhorst

Die gute Nachricht: Der Kaiserhof steht noch. Die schlechte: Mehr als sieben Jahr nach dem Brand weiß niemand, ob und und wie die traditionsreiche Immobilie wieder mit Leben gefüllt wird. „Kaiserhof" klingt wie Hohn angesichts des langsam verfallenden Areals. Bettlerbude wäre passender.
Kann es sich eine Stadt leisten, dass ein denkmalgeschützter Laubengang der wirtschaftlichen Nutzung des Geländes entgegensteht? Zugegeben, es gibt fantasievollere Ideen, als ausgerechnet einen Discounter auf historisches Areal zu setzen. Aber realisierbare Alternativen waren in den vergangenen Jahren nicht in Sicht. Wer an einen Hotelbetrieb glaubt, sollte sich erinnern, dass die Geschäfte im Hotel Kaiserhof schon Jahre vor seiner Pleite nicht mehr richtig liefen. Das mag seinerzeit auch dem erheblichen Sanierungsstau geschuldet gewesen sein. Doch Gastronomie bleibt ein gleichermaßen schwieriges wie riskantes Geschäft, erst recht in Zeiten eines dramatischen Mangels an Servicekräften. Und gäbe es überhaupt genügend Nachfrage? Hielte der Porta-Tourist tatsächlich am Fuße des Berges an, um seinen Kaffee oder Wein zu trinken, wenn doch oben am Denkmal das Restaurant mit Außenterrasse und Panoramablick lockt?
Solche Fragen und kundige Antworten darauf wären in einer Informationsveranstaltung gut aufgehoben. Der Vorschlag aus der Politik, eine ergebnisoffene Diskussion unter Beteiligung der (Barkhauser) Bürgerschaft zu führen, klingt vernünftig. Ein Lidl-Markt muss nicht das letzte Wort sein, zumal Parkplatz- und Verkehrsprobleme eine hohe Hürde wären. Zumindest aber hat der Architekt eine Idee, über die zu streiten lohnt. Es ist höchste Zeit für mehr Realismus und weniger Wunschdenken in der Kaiserhof-Debatte. Die alte Zeit kommt nicht wieder. Eher kommt der Osterhase.

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Porta Westfalica/MindenPasst Lidl zum Kaiserhof? Architekt Jörg Albersmeier hält an Plänen für Areal festDirk HaunhorstPorta Westfalica/Minden (mt). Die Visionen sind zu Papier gebracht, die Pläne gezeichnet. Jörg Albersmeier hat eindeutige Vorstellungen von der Zukunft des Kaiserhofes. Auch von seiner eigenen. Der Mindener Architekt möchte mit seinem Büro in die obere Etage des Gebäudes ziehen, direkt unter den Turm. Das heute offene Geschoss soll verglast werden und so den Blick auf die Porta freigeben. Und abends möchte Albersmeier im beschaulichen, von Arkaden gesäumten Innenhof sitzen. „Am liebsten bei einem Glas Rotwein", sagt er. Der Architekt, der nach dem Brand des denkmalgeschützten Gebäudes Ende 2011 mit dem Wiederbaubau beauftragt worden war, ist inzwischen Eigentümer des früheren Hotels – gemeinsam mit Günter Schiffers, Geschäftsführer der West Immo Pro GmbH in Münster. Neulich wurde der Kaiserhof im Internet angeboten, Kostenpunkt 900.000 Euro. Wenn Preis und Konzept stimmen, sei ein Verkauf zwar nicht ausgeschlossen, sagt Albersmeier. Aber lieber wäre ihm, das Areal gleichermaßen wirtschaftlich und denkmalgerecht zu entwickeln. „Ich hab’s mit den alten Steinen", sagt Albersmeier und zeigt in seinem Büro auf Bilder von ähnlichen Projekten wie der Alten Försterei und der Jugendstilvilla im sächsischen Leubsdorf, die er inzwischen sein Eigen nennt. Um Vergleichbares in Barkhausen zu schaffen, „braucht man ein Konzept, mit dem man zur Bank gehen kann", sagt er. An dieser Stelle kommt ein Einkaufsmarkt ins Spiel, konkret Lidl. Das Discounterunternehmer sucht intensiv nach einem Standort in der Porta. Auf der Hausberger Weserseite ist das Berghotel im Gespräch, aber auch Barkhausen wäre eine Option, wie Lidl dem MT bestätigt: „Wir prüfen nach wie vor verschiedene Standort-Möglichkeiten in Porta Westfalica, unter anderem auch ein Angebot auf dem Gelände des früheren Hotels Kaiserhof." Der Supermarkt und eventuell weiterer Einzelhandel könnten an der Stelle des heutigen Laubengangs errichtet werden, sagt Albersmeier, Die Einkaufsflächen würden in den Hang hineingeschoben und damit nicht dominant wirken. Hinter dem Kaiserhof wäre Platz für Wohnungen (Studios), etwa für Singles oder Klinikumsmitarbeiter, die nach einer Interimslösung suchen, bevor sie möglicherweise die Familie nachholen. Auch Büros, zum Beispiel über dem Supermarktgebäude, seien denkbar. Dass in das frühere Hotel wieder großflächig Gastronomie einzieht, hält der Architekt indes für unrealistisch. Das scheitere an der geringen Pacht, die solche Betriebe zu zahlen imstande seien. Der 200 Quadratmeter große Versammlungsraum sei für örtliche Vereine geeignet, zum Beispiel die Freilichtbühne. Zwischenzeitlich sei eine Werbeagentur am Einzug in den Kaiserhof interessiert gewesen, doch dann wieder abgesprungen. Der Kaiserhof soll Albersmeier zufolge auch wieder Gauben erhalten. Die alten waren nach dem Brand in der Phase des Wiedererrichtung auf dem Gelände der Firma Tönsmeier gelagert worden. „Die Gauben wurden inzwischen mit Zustimmung des Denkmalschutzes entsorgt", berichtet Albersmeier. Ihre Lichtöffnungen seien ohnehin viel zu klein gewesen. Es werde neue, lichtdurchlässigere geben. Damit aus den Skizzen konkrete Projekte werden, muss sich die Politik bewegen. Jörg Albersmeier hatte voriges Jahr bereits im Barkhauser Bezirksausschuss seine Pläne vorgestellt. Vor allem die Supermarkt-Idee stieß auf Kritik. Seither hat sich wenig bewegt. Der Architekt hofft weiter auf ein politisches Statement, das in einen Bebauungsplan mündet. „Ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept ist vorhanden." Lesen Sie zu diesem Thema auch "Heikle Kombination: Mehrere Politiker halten Discounter am Kaiserhof für deplatziert" Kommentar zur Zukunft des Kaiserhofs: Mehr Realismus  Kommentar von Dirk Haunhorst Die gute Nachricht: Der Kaiserhof steht noch. Die schlechte: Mehr als sieben Jahr nach dem Brand weiß niemand, ob und und wie die traditionsreiche Immobilie wieder mit Leben gefüllt wird. „Kaiserhof" klingt wie Hohn angesichts des langsam verfallenden Areals. Bettlerbude wäre passender.Kann es sich eine Stadt leisten, dass ein denkmalgeschützter Laubengang der wirtschaftlichen Nutzung des Geländes entgegensteht? Zugegeben, es gibt fantasievollere Ideen, als ausgerechnet einen Discounter auf historisches Areal zu setzen. Aber realisierbare Alternativen waren in den vergangenen Jahren nicht in Sicht. Wer an einen Hotelbetrieb glaubt, sollte sich erinnern, dass die Geschäfte im Hotel Kaiserhof schon Jahre vor seiner Pleite nicht mehr richtig liefen. Das mag seinerzeit auch dem erheblichen Sanierungsstau geschuldet gewesen sein. Doch Gastronomie bleibt ein gleichermaßen schwieriges wie riskantes Geschäft, erst recht in Zeiten eines dramatischen Mangels an Servicekräften. Und gäbe es überhaupt genügend Nachfrage? Hielte der Porta-Tourist tatsächlich am Fuße des Berges an, um seinen Kaffee oder Wein zu trinken, wenn doch oben am Denkmal das Restaurant mit Außenterrasse und Panoramablick lockt?Solche Fragen und kundige Antworten darauf wären in einer Informationsveranstaltung gut aufgehoben. Der Vorschlag aus der Politik, eine ergebnisoffene Diskussion unter Beteiligung der (Barkhauser) Bürgerschaft zu führen, klingt vernünftig. Ein Lidl-Markt muss nicht das letzte Wort sein, zumal Parkplatz- und Verkehrsprobleme eine hohe Hürde wären. Zumindest aber hat der Architekt eine Idee, über die zu streiten lohnt. Es ist höchste Zeit für mehr Realismus und weniger Wunschdenken in der Kaiserhof-Debatte. Die alte Zeit kommt nicht wieder. Eher kommt der Osterhase.