Porta Westfalica

MT-Serie "A2 - hautnah": Auch Retter brauchen manchmal Hilfe

Christine Riechmann

Nach diesem Unfall Ende November 2018 befreite die Feuerwehr eine schwer verletzte Frau aus dem Autowrack.? - © Foto: Michael Horst/Feuerwehr Porta
Nach diesem Unfall Ende November 2018 befreite die Feuerwehr eine schwer verletzte Frau aus dem Autowrack.? (© Foto: Michael Horst/Feuerwehr Porta)

Porta Westfalica (mt). Qualm steigt auf, ein Auto liegt auf dem Dach, die Tür ist aufgerissen, die Scheiben zersprungen, die Front völlig eingedellt. Ein anderes Auto hängt, ebenfalls vollständig demoliert, in der Leitplanke: Was sich liest wie ein böser Alptraum, ist für Feuerwehrleute allzu oft schreckliche Realität ihres Berufsalltages. Wenn es auf der Autobahn kracht, dann meist richtig. „Der Anteil mit eingeklemmten Personen bei Unfällen ist dort aufgrund der erhöhten Geschwindigkeit deutlich höher als im normalen Straßenverkehr", sagt Detlef Bake, Leiter der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache und stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Porta.

Nicht jeder kleine Auffahrunfall auf der Autobahn ist ein Fall für die Feuerwehr, wenn aber eine Person eingeklemmt ist, macht sich der Rüstzug sofort auf den Weg. Dann sind ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) mit vier Mann Besatzung, ein Rüstwagen mit zwei Mann und ein Kommandowagen, in dem der Einsatzleiter sitzt, zur Stelle. Und nicht nur, um verletzte Personen zu bergen. „Mit einem größeren Fahrzeug sichern wir den Rettungswagen ab, damit niemand in die Unfallstelle rast", erklärt Bake.

Detlef Bake, Leiter der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache.
Detlef Bake, Leiter der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache.

Andere Einsätze für die Feuerwehr sind brennende Autos, Lkws oder Böschungen oder wenn gefährliche Stoffe – zum Beispiel Benzin oder Diesel – ausgelaufen sind. Auch wegen zu lang andauernder Staus, die durch Schneechaos oder andere außergewöhnliche Umstände entstehen können, macht sich die Feuerwehr auf den Weg. „Wir fahren die Strecke zur Kontrolle ab und verteilen in Zusammenarbeit mit dem DRK bei Bedarf Getränke und Decken", beschreibt Bake ein Szenario.

Dass die Autobahn für die Feuerwehr ein spezieller und oft schwieriger Einsatzort ist, liegt unter anderem daran, dass die Einsatzkräfte darauf angewiesen sind, dass die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. „Nur so kommen wir zum Ort des Geschehens", sagt Detlef Bake. „Wir können ja nicht einfach, wie auf anderen Straßen, über die Gegenfahrbahn fahren." Zwar sei die Rettungsgasse bei immer mehr Straßenverkehrsteilnehmern ins Bewusstsein gerückt. „Macht aber nur ein Autofahrer nicht mit, kommen wir nicht durch." Der Vorteil auf der A2 in Porta sei, dass die gesamte Strecke auf dem Abschnitt dreispurig ist. „Dadurch haben wir immer etwas Luft – aber trotzdem oft zu kämpfen."

Auch der laufende Verkehr erschwert die Arbeit der Feuerwehr und macht sie gefährlich. Bis die Fahrbahn gesichert oder abgesperrt ist, dauert es. Relativ lange Anfahrten zum Unfallort sind eine weitere Besonderheit. „Da es nur zwei Auffahrten und keinen direkten Weg zum Einsatzort gibt, können wir unser Schutzziel, in zehn Minuten vor Ort zu sein, selten einhalten."

Zu kämpfen hat die Feuerwehr mit ungenauen Ortsbeschreibungen. „Wir sind irgendwo zwischen Porta und Bad Oeynhausen", heißt es oft. „Damit können wir natürlich wenig anfangen", sagt Bake. Viel Zeit und Mühe gehe dann dabei drauf, die tatsächliche Stelle zu finden. Oft werde auch die verkehrte Richtung angegeben.

Ein anderes Problem ist die fehlende Löschwasserversorgung. Auf der Autobahn sind keine Hydranten. „Wir müssen also immer mit einem Tanklöschfahrzeug anrücken."

Auch der Druck der Polizei, die Fahrbahn möglichst schnell wieder freizugeben, um lange Rückstaus zu vermeiden, erschwere die Arbeit der Feuerwehr oft. „Das ist ein Interessenskonflikt", beschreibt Bake. „Uns geht es in erster Linie darum, sicher arbeiten zu können und weitere Unfälle zu vermeiden. Deswegen sperren wir die Straße ab, so lange es nötig ist."

A2 – hautnah

Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf rund 13 Kilometern Länge durchschneidet die A 2 auch Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der Weg zur Arbeit, für die anderen der Arbeitsplatz. Die MT-Serie „A2 – hautnah" erzählt von Menschen, in deren Leben die Autobahn eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun direkt an der Autobahn steht. Heute: die Feuerwehr.

Einsätze 2018

Im Jahr 2018 musste die Feuerwehr Porta zu insgesamt 48 Einsätzen auf der A2 ausrücken:

8 Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Menschen

22 Mal rückt der Rettungswagen aus

11 Fahrzeugbrände

3 sonstige Hilfeleistungen

3 Mal wird eine Ölspur beseitigt

1 Böschungsbrand (cs)

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Porta WestfalicaMT-Serie "A2 - hautnah": Auch Retter brauchen manchmal HilfeChristine RiechmannPorta Westfalica (mt). Qualm steigt auf, ein Auto liegt auf dem Dach, die Tür ist aufgerissen, die Scheiben zersprungen, die Front völlig eingedellt. Ein anderes Auto hängt, ebenfalls vollständig demoliert, in der Leitplanke: Was sich liest wie ein böser Alptraum, ist für Feuerwehrleute allzu oft schreckliche Realität ihres Berufsalltages. Wenn es auf der Autobahn kracht, dann meist richtig. „Der Anteil mit eingeklemmten Personen bei Unfällen ist dort aufgrund der erhöhten Geschwindigkeit deutlich höher als im normalen Straßenverkehr", sagt Detlef Bake, Leiter der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache und stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Porta. Nicht jeder kleine Auffahrunfall auf der Autobahn ist ein Fall für die Feuerwehr, wenn aber eine Person eingeklemmt ist, macht sich der Rüstzug sofort auf den Weg. Dann sind ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) mit vier Mann Besatzung, ein Rüstwagen mit zwei Mann und ein Kommandowagen, in dem der Einsatzleiter sitzt, zur Stelle. Und nicht nur, um verletzte Personen zu bergen. „Mit einem größeren Fahrzeug sichern wir den Rettungswagen ab, damit niemand in die Unfallstelle rast", erklärt Bake. Andere Einsätze für die Feuerwehr sind brennende Autos, Lkws oder Böschungen oder wenn gefährliche Stoffe – zum Beispiel Benzin oder Diesel – ausgelaufen sind. Auch wegen zu lang andauernder Staus, die durch Schneechaos oder andere außergewöhnliche Umstände entstehen können, macht sich die Feuerwehr auf den Weg. „Wir fahren die Strecke zur Kontrolle ab und verteilen in Zusammenarbeit mit dem DRK bei Bedarf Getränke und Decken", beschreibt Bake ein Szenario. Dass die Autobahn für die Feuerwehr ein spezieller und oft schwieriger Einsatzort ist, liegt unter anderem daran, dass die Einsatzkräfte darauf angewiesen sind, dass die Autofahrer eine Rettungsgasse bilden. „Nur so kommen wir zum Ort des Geschehens", sagt Detlef Bake. „Wir können ja nicht einfach, wie auf anderen Straßen, über die Gegenfahrbahn fahren." Zwar sei die Rettungsgasse bei immer mehr Straßenverkehrsteilnehmern ins Bewusstsein gerückt. „Macht aber nur ein Autofahrer nicht mit, kommen wir nicht durch." Der Vorteil auf der A2 in Porta sei, dass die gesamte Strecke auf dem Abschnitt dreispurig ist. „Dadurch haben wir immer etwas Luft – aber trotzdem oft zu kämpfen." Auch der laufende Verkehr erschwert die Arbeit der Feuerwehr und macht sie gefährlich. Bis die Fahrbahn gesichert oder abgesperrt ist, dauert es. Relativ lange Anfahrten zum Unfallort sind eine weitere Besonderheit. „Da es nur zwei Auffahrten und keinen direkten Weg zum Einsatzort gibt, können wir unser Schutzziel, in zehn Minuten vor Ort zu sein, selten einhalten." Zu kämpfen hat die Feuerwehr mit ungenauen Ortsbeschreibungen. „Wir sind irgendwo zwischen Porta und Bad Oeynhausen", heißt es oft. „Damit können wir natürlich wenig anfangen", sagt Bake. Viel Zeit und Mühe gehe dann dabei drauf, die tatsächliche Stelle zu finden. Oft werde auch die verkehrte Richtung angegeben. Ein anderes Problem ist die fehlende Löschwasserversorgung. Auf der Autobahn sind keine Hydranten. „Wir müssen also immer mit einem Tanklöschfahrzeug anrücken." Auch der Druck der Polizei, die Fahrbahn möglichst schnell wieder freizugeben, um lange Rückstaus zu vermeiden, erschwere die Arbeit der Feuerwehr oft. „Das ist ein Interessenskonflikt", beschreibt Bake. „Uns geht es in erster Linie darum, sicher arbeiten zu können und weitere Unfälle zu vermeiden. Deswegen sperren wir die Straße ab, so lange es nötig ist." A2 – hautnah Sie ist die wichtigste Ost-West-Verbindung Richtung Paris oder Warschau – und gilt als eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands: Auf rund 13 Kilometern Länge durchschneidet die A 2 auch Porta Westfalica. Rund 300.000 Fahrzeuge passieren den Bereich täglich. Für die einen ist sie der Weg zur Arbeit, für die anderen der Arbeitsplatz. Die MT-Serie „A2 – hautnah" erzählt von Menschen, in deren Leben die Autobahn eine große Rolle spielt: egal, ob Lebensretter, Straßenbauer oder jene, deren Gartenzaun direkt an der Autobahn steht. Heute: die Feuerwehr. Einsätze 2018 Im Jahr 2018 musste die Feuerwehr Porta zu insgesamt 48 Einsätzen auf der A2 ausrücken: 8 Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Menschen 22 Mal rückt der Rettungswagen aus 11 Fahrzeugbrände 3 sonstige Hilfeleistungen 3 Mal wird eine Ölspur beseitigt 1 Böschungsbrand (cs)