Hausberge

Borkenkäfer töten Fichten

Hans-Martin Polte

Bis an die Straßenkreuzung Faulensiek / Hans-Bernstein-Straße reichte der Fichtenwald vor der Abholzung. Jetzt wartet das zugeschnittene Holz auf den Abtransport zum Sägewerk. Im Hintergrund ist die Zentrale der Firma Bernstein zu sehen, bis Ende neunziger Jahre in dem Gebäude eine Rehaklinik.? Fotos: Polte
Bis an die Straßenkreuzung Faulensiek / Hans-Bernstein-Straße reichte der Fichtenwald vor der Abholzung. Jetzt wartet das zugeschnittene Holz auf den Abtransport zum Sägewerk. Im Hintergrund ist die Zentrale der Firma Bernstein zu sehen, bis Ende neunziger Jahre in dem Gebäude eine Rehaklinik.? Fotos: Polte

Porta Westfalica-Hausberge (pte). Spaziergänger und Autofahrer blicken an der oberen Hoppenstraße bereits seit Monaten auf eine große abgeholzte Waldfläche. Entlang der fußläufigen Verbindung Faulensiek bis hoch zur ehemaligen Kurklinik, der heutigen Geschäftszentrale der Firma Bernstein, ist ein größerer Nadelholzwald fast ganz verschwunden. Aus dem Boden ragende Baumstümpfe, vereinzelte Äste und einige noch nicht weggeräumte umgestürzte Bäume ergeben ein Bild, das beim Betrachter Befremden auslöst und Fragen aufwirft. Bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Borkenkäferplage hat auch Hausberge erreicht.

Spaziergänger kennen noch andere Waldbereiche, in denen gefällte und einheitlich zugeschnittene Fichten am Wegesrand gestapelt sind und auf den Abtransport warten wie etwa am Heerweg im Grenzbereich zu Holzhausen zwischen Badezentrum und der Seniorenresidenz Weserbergland. Auch hier gibt es Kahlschläge.

An der Innenseite der Rinde ist das intensive „Wirken“ der Borkenkäfer deutlich zu erkennen. - © Polte
An der Innenseite der Rinde ist das intensive „Wirken“ der Borkenkäfer deutlich zu erkennen. (© Polte)

Auf Nachfrage beim zuständigen Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe, erläutert Johannes Landwehrmann die Situation in Hausberge: „Bereits am 18. Januar 2018 hatte der Sturm Friederike am Faulensiek erste Fichten geworfen. Der anschließende Extremsommer 2018 führte zu einem Totalbefall der Fichte mit dem Borkenkäfer namens Buchdrucker. Das Verbraunen der Nadeln und die anschließende Verkahlung der Fichten war bis in den Herbst 2018 auch von jedermann zu erkennen.“

Landwehrmann berichtet, dass das zuständige Forstamt im Herbst eine eingehende Kontrolle vorgenommen hat und nach Markieren der vom Käfer befallenen Bäume einen 95-prozentigen Befall der Fichten am Faulensiek feststellte. Zwangsläufig mussten fast alle Bäume des vormals stattlichen Fichtenwaldes gefällt werden, um das Schadholz wenigstens noch in geringem Maße zu nutzen und um keine abgestorbenen Bäume in Straßennähe zu belassen. Für den Waldbesitzer ist das ein großer wirtschaftlicher Schaden, denn aufgrund der Waldschäden an vielen Orten in Deutschland kann man für Fichtenholz bei den überlasteten Sägewerken nur einen Preis erzielen, der gerade mal die Einschlagskosten deckt.

Auch zu der Frage, wie mit den abgeholzten Flächen weiter verfahren wird, nimmt der Forstfachmann Stellung: „Gesetzlich sind die kahlen Flächen immer noch Wald. Für sie besteht eine Verpflichtung zur Wiederaufforstung oder das Zulassen der flächendeckenden Entwicklung von Wald durch die natürliche Ansamung von Forstpflanzen, wie es im Paragraphen 44 des Landesforstgesetzes heißt.“

Im Fall der ehemaligen Waldfläche am Faulensiek ist nach Aussage Landwehrmanns mit dem Waldbesitzer eine Wiederaufforstung mit Laubbäumen abgesprochen, die gegen mögliche Trockenheit widerstandsfähiger seien.

Für Johannes Landwehrmann sind die derzeitigen Extremschäden in den Fichtenwäldern, zu denen auch der Extremsommer 2018 beigetragen habe, „ein sehr deutliches Zeichen des Klimawandels“.

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HausbergeBorkenkäfer töten FichtenHans-Martin PoltePorta Westfalica-Hausberge (pte). Spaziergänger und Autofahrer blicken an der oberen Hoppenstraße bereits seit Monaten auf eine große abgeholzte Waldfläche. Entlang der fußläufigen Verbindung Faulensiek bis hoch zur ehemaligen Kurklinik, der heutigen Geschäftszentrale der Firma Bernstein, ist ein größerer Nadelholzwald fast ganz verschwunden. Aus dem Boden ragende Baumstümpfe, vereinzelte Äste und einige noch nicht weggeräumte umgestürzte Bäume ergeben ein Bild, das beim Betrachter Befremden auslöst und Fragen aufwirft. Bei genauerem Hinsehen wird klar: Die Borkenkäferplage hat auch Hausberge erreicht. Spaziergänger kennen noch andere Waldbereiche, in denen gefällte und einheitlich zugeschnittene Fichten am Wegesrand gestapelt sind und auf den Abtransport warten wie etwa am Heerweg im Grenzbereich zu Holzhausen zwischen Badezentrum und der Seniorenresidenz Weserbergland. Auch hier gibt es Kahlschläge. Auf Nachfrage beim zuständigen Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe, erläutert Johannes Landwehrmann die Situation in Hausberge: „Bereits am 18. Januar 2018 hatte der Sturm Friederike am Faulensiek erste Fichten geworfen. Der anschließende Extremsommer 2018 führte zu einem Totalbefall der Fichte mit dem Borkenkäfer namens Buchdrucker. Das Verbraunen der Nadeln und die anschließende Verkahlung der Fichten war bis in den Herbst 2018 auch von jedermann zu erkennen.“ Landwehrmann berichtet, dass das zuständige Forstamt im Herbst eine eingehende Kontrolle vorgenommen hat und nach Markieren der vom Käfer befallenen Bäume einen 95-prozentigen Befall der Fichten am Faulensiek feststellte. Zwangsläufig mussten fast alle Bäume des vormals stattlichen Fichtenwaldes gefällt werden, um das Schadholz wenigstens noch in geringem Maße zu nutzen und um keine abgestorbenen Bäume in Straßennähe zu belassen. Für den Waldbesitzer ist das ein großer wirtschaftlicher Schaden, denn aufgrund der Waldschäden an vielen Orten in Deutschland kann man für Fichtenholz bei den überlasteten Sägewerken nur einen Preis erzielen, der gerade mal die Einschlagskosten deckt. Auch zu der Frage, wie mit den abgeholzten Flächen weiter verfahren wird, nimmt der Forstfachmann Stellung: „Gesetzlich sind die kahlen Flächen immer noch Wald. Für sie besteht eine Verpflichtung zur Wiederaufforstung oder das Zulassen der flächendeckenden Entwicklung von Wald durch die natürliche Ansamung von Forstpflanzen, wie es im Paragraphen 44 des Landesforstgesetzes heißt.“ Im Fall der ehemaligen Waldfläche am Faulensiek ist nach Aussage Landwehrmanns mit dem Waldbesitzer eine Wiederaufforstung mit Laubbäumen abgesprochen, die gegen mögliche Trockenheit widerstandsfähiger seien. Für Johannes Landwehrmann sind die derzeitigen Extremschäden in den Fichtenwäldern, zu denen auch der Extremsommer 2018 beigetragen habe, „ein sehr deutliches Zeichen des Klimawandels“.