Neesen

Müllerin aus Südafrika mit Bestnote bei der Porta Mühle

Stefan Lyrath

Auch im Labor kennt sich die frischgebackene Gesellin Christine Grillitsch (links) bestens aus, lobt Müllermeisterin Doris Vahrenhorst-Schaefer. - © Stefan Lyrath
Auch im Labor kennt sich die frischgebackene Gesellin Christine Grillitsch (links) bestens aus, lobt Müllermeisterin Doris Vahrenhorst-Schaefer. (© Stefan Lyrath)

Porta Westfalica-Neesen (Ly). Eigentlich will Christine Grillitsch (26) nur die Sprache lernen und ihre deutschen Wurzeln erkunden, als sie vor gut vier Jahren in Deutschland ankommt. Feste Pläne hat sie nicht, geplant ist ein eher kurzer Aufenthalt. Doch dann kommt alles anders.

Die Südafrikanerin absolviert eine Lehre bei der Porta Mühle in Neesen, die sie mit Bestnoten beendet, und mietet mit anderen jungen Leuten einen Bauernhof in Westenfeld im Landkreis Nienburg. Zurzeit lernt sie Plattdeutsch. „Es ist dem Afrikaans sehr ähnlich, und außerdem reden auf dem Lande alle Platt“, erklärt Christine Grillitsch. „Das Zusammenleben im Dorf gefällt mir richtig gut.“ Natürlich feiert die frischgebackene Gesellin auch beim Ovenstädter Karneval mit, selbstverständlich in Verkleidung. Sie geht locker als Einheimische durch.

Christine Grillitsch hat es nie bereut, Südafrika verlassen zu haben. „Ich habe in Deutschland mein Glück gefunden und würde gern hier bleiben“, sagt sie. Die Weichen sind gestellt: Die Frau vom Kap ist neue NRW-Landessiegerin im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks bei den Müllern. Beste im Bezirk der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld ist die 26-Jährige ebenfalls geworden.

„Die hervorragende Ausbildung in der Porta Mühle hat die Grundlage für den Doppelsieg gelegt“, betont Dirk Kucharewa, Ausbildungsberater der Handwerkskammer. Ihre Gesellenprüfung hat Christine Grillitsch mit einem Notendurchschnitt von 1,3 abgelegt. Auch das ist spitze.

Deutsch spricht die junge Frau mittlerweile fließend, aber das nur am Rande. Auf der Berufsschule hatte sie in diesem Fach eine Eins. Ein Zungenbrecher ist die Berufsbezeichnung: Was früherer Müllerin hieß, nennt sich heute Verfahrenstechnologin in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft.

„Das ist kein reiner Männerberuf“, beugt Müllermeisterin Doris Vahrenhorst-Schaefer von der Porta Mühle Missverständnissen vor. „Getreide erfassen, die Backfähigkeit erkennen, Einlagerung, Weiterverarbeitung zu Mehl, Mischen des Mehls nach dem Qualitätsanspruch der Bäcker – Frauen können das genau so gut wie Männer.“ Ihr Mann Karl-Christian Vahrenhorst fügt hinzu: „Alles ist heute automatisiert und PC-gesteuert.“ Und wenn doch mal ein 25-Kilo-Sack geschleppt werden muss, kriegt Christine Grillitsch das problemlos hin, auch wenn es ihr meistens die Männer abnehmen.

Die Müllerin kommt aus einer Gegend in der Region Johannesburg, „wo das Leben für eine junge Frau schwierig und gefährlich ist“, wie sie erklärt. „Abends verlässt man das Haus besser nicht mehr allein. Deutschland ist von der Kriminalität und auch wirtschaftlich sicherer. Man zahlt für Rente, Kranken- und Pflegeversicherung – eine solche Struktur haben wir in Südafrika nicht.“

Wie kommt eine Südafrikanerin nach Neesen? Ihre Eltern kennen das Müller-Ehepaar Vahrenhorst. Doris Vahrenhorst-Schaefer (51), eine gebürtige Rheinländerin, war früher Reiseleiterin und hat fünf Jahre lang in Südafrika gearbeitet, wo Christines Onkel ihr Chef war und die Oma Sekretärin.

Zudem hat Christine deutsche Wurzeln, die sie kennenlernen will: Ihre Mutter und Oma kommen beide aus Stuttgart. Bei allen Unternehmungen soll das Ehepaar Vahrenhorst die Basis sein.

Nach einem Dreivierteljahr in Deutschland, im Sommer 2015, bietet der Müllermeister ihr eine Ausbildung an. Was sie kann, hat Christine in der Firma bereits bewiesen. Ein Beispiel: „Innerhalb einer Woche hat sie unser Labor geschmissen“, erinnert sich Doris Vahrenhorst-Schaefer.

Die Porta Mühle in Neesen (15 Beschäftigte, darunter sieben Fahrer) verarbeitet Roggen zu Roggenmahlprodukten für Bäckereien und Backmittelhersteller, pro Jahr rund 50.000 Tonnen. Hinzu kommt eine Wassermühle (Weizen) in Schlitz bei Fulda, wo Karl-Christian Vahrenhorst geschäftsführender Gesellschafter ist.

Die Gesellin Christine Grillitsch bleibt dem Unternehmen treu. Im August beginnt sie eine zweite Ausbildung, diesmal als Kauffrau für Büroorganisation.

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NeesenMüllerin aus Südafrika mit Bestnote bei der Porta MühleStefan LyrathPorta Westfalica-Neesen (Ly). Eigentlich will Christine Grillitsch (26) nur die Sprache lernen und ihre deutschen Wurzeln erkunden, als sie vor gut vier Jahren in Deutschland ankommt. Feste Pläne hat sie nicht, geplant ist ein eher kurzer Aufenthalt. Doch dann kommt alles anders. Die Südafrikanerin absolviert eine Lehre bei der Porta Mühle in Neesen, die sie mit Bestnoten beendet, und mietet mit anderen jungen Leuten einen Bauernhof in Westenfeld im Landkreis Nienburg. Zurzeit lernt sie Plattdeutsch. „Es ist dem Afrikaans sehr ähnlich, und außerdem reden auf dem Lande alle Platt“, erklärt Christine Grillitsch. „Das Zusammenleben im Dorf gefällt mir richtig gut.“ Natürlich feiert die frischgebackene Gesellin auch beim Ovenstädter Karneval mit, selbstverständlich in Verkleidung. Sie geht locker als Einheimische durch. Christine Grillitsch hat es nie bereut, Südafrika verlassen zu haben. „Ich habe in Deutschland mein Glück gefunden und würde gern hier bleiben“, sagt sie. Die Weichen sind gestellt: Die Frau vom Kap ist neue NRW-Landessiegerin im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks bei den Müllern. Beste im Bezirk der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld ist die 26-Jährige ebenfalls geworden. „Die hervorragende Ausbildung in der Porta Mühle hat die Grundlage für den Doppelsieg gelegt“, betont Dirk Kucharewa, Ausbildungsberater der Handwerkskammer. Ihre Gesellenprüfung hat Christine Grillitsch mit einem Notendurchschnitt von 1,3 abgelegt. Auch das ist spitze. Deutsch spricht die junge Frau mittlerweile fließend, aber das nur am Rande. Auf der Berufsschule hatte sie in diesem Fach eine Eins. Ein Zungenbrecher ist die Berufsbezeichnung: Was früherer Müllerin hieß, nennt sich heute Verfahrenstechnologin in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft. „Das ist kein reiner Männerberuf“, beugt Müllermeisterin Doris Vahrenhorst-Schaefer von der Porta Mühle Missverständnissen vor. „Getreide erfassen, die Backfähigkeit erkennen, Einlagerung, Weiterverarbeitung zu Mehl, Mischen des Mehls nach dem Qualitätsanspruch der Bäcker – Frauen können das genau so gut wie Männer.“ Ihr Mann Karl-Christian Vahrenhorst fügt hinzu: „Alles ist heute automatisiert und PC-gesteuert.“ Und wenn doch mal ein 25-Kilo-Sack geschleppt werden muss, kriegt Christine Grillitsch das problemlos hin, auch wenn es ihr meistens die Männer abnehmen. Die Müllerin kommt aus einer Gegend in der Region Johannesburg, „wo das Leben für eine junge Frau schwierig und gefährlich ist“, wie sie erklärt. „Abends verlässt man das Haus besser nicht mehr allein. Deutschland ist von der Kriminalität und auch wirtschaftlich sicherer. Man zahlt für Rente, Kranken- und Pflegeversicherung – eine solche Struktur haben wir in Südafrika nicht.“ Wie kommt eine Südafrikanerin nach Neesen? Ihre Eltern kennen das Müller-Ehepaar Vahrenhorst. Doris Vahrenhorst-Schaefer (51), eine gebürtige Rheinländerin, war früher Reiseleiterin und hat fünf Jahre lang in Südafrika gearbeitet, wo Christines Onkel ihr Chef war und die Oma Sekretärin. Zudem hat Christine deutsche Wurzeln, die sie kennenlernen will: Ihre Mutter und Oma kommen beide aus Stuttgart. Bei allen Unternehmungen soll das Ehepaar Vahrenhorst die Basis sein. Nach einem Dreivierteljahr in Deutschland, im Sommer 2015, bietet der Müllermeister ihr eine Ausbildung an. Was sie kann, hat Christine in der Firma bereits bewiesen. Ein Beispiel: „Innerhalb einer Woche hat sie unser Labor geschmissen“, erinnert sich Doris Vahrenhorst-Schaefer. Die Porta Mühle in Neesen (15 Beschäftigte, darunter sieben Fahrer) verarbeitet Roggen zu Roggenmahlprodukten für Bäckereien und Backmittelhersteller, pro Jahr rund 50.000 Tonnen. Hinzu kommt eine Wassermühle (Weizen) in Schlitz bei Fulda, wo Karl-Christian Vahrenhorst geschäftsführender Gesellschafter ist. Die Gesellin Christine Grillitsch bleibt dem Unternehmen treu. Im August beginnt sie eine zweite Ausbildung, diesmal als Kauffrau für Büroorganisation.