Wohnen am Gänsemarkt: Wird das neue Haus ein Riesenklotz? Dirk Haunhorst Porta Westfalica (mt). Eine Anwohnerin ist erschrocken und spricht von einem „Riesenklotz“. Rainer Traue (CDU) hingegen findet die Dimension angemessen und kann sich ohne Abstriche damit anfreunden. Diese beiden Positionen markierten die Pole einer kontroversen Diskussion über ein Bauprojekt im Herzen Holzhausen. Die Politiker fassten am Montag im Planungsausschuss einstimmig den Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Wohnen am Gänsemarkt“. Damit startet offiziell das Verfahren, in desen Verlauf Bürger ihre Bedenken und Anregungen schriftlich vortragen können. Mündlich geschah dies bereits im Planungsausschuss. Ein Nachbarin, die ein denkmalgeschütztes Haus nebenan bewohnt, hält das Projekt für überdimensioniert. Zwar freue sie sich, dass auf dem Grundstück etwas passieren soll, doch die Bebauung von 900 Quadratmetern Grundfläche mit drei Geschossen sei zu viel. Außerdem befürchtet die Holzhauserin, dass nach der Versiegelung der Fläche nebenan das Regenwasser von dort auf ihr vier Meter tiefer gelegenes Grundstück laufe. Eine weitere Nachbarin beklagte, dass es bei solchen Bauprojekten immer nur ums Finanzielle gehe und andere Werte in den Hintergrund treten müssten. Das Mehrfamilienhaus soll auf einem 3500 Quadratmeter großen Grundstück, das der evangelischen Kirchengemeinde gehört, entstehen. Vorgehen sind drei Geschosse, wobei das oberste als Staffelgeschoss die Fläche nicht voll ausfüllt. Zwölf der insgesamt 20 barrierefreien Wohnungen sollen zwei Zimmer haben und zwischen 55 und 85 Quadratmeter groß sein, weitere acht Wohnungen verfügen über jeweils drei Zimmer und eine Größe von 86 bis 110 Quadratmetern. Die meisten Autos parken in einer Tiefgarage, die komplett unter dem Haus liegt. Ein Streitpunkt ist das Dach. Bislang ist eine flache Version vorgesehen, mehrere Politiker hätten aus optischen Gründen lieber ein geneigtes Dach. Allerdings würde dieses bei gleicher Wohnungszahl die Gebäudehöhe über jene zehn Meter hinausreichen lassen, die der Denkmalschutz als Maximum vorgibt. Mit Flachdach sind es laut Planung 9,35 Meter. Die Politiker verlangen zumindest, dass ein Flachdach kein Muss ist. Das ILB Planungsbüro Rinteln, dessen Ingenieurin Christiane Paulmann das Projekt vorstellte, wird sich ohnehin noch einmal an die Arbeit machen müssen, weil das Dach nach dem Willen der Politik entweder Photovoltaik oder eine Begrünung erhalten soll. Außerdem werden Grund- und Geschossflächenzahl (0,6 und 1,2) festgezurrt, damit eine spätere Überschreitung unmöglich ist. Und für die Bebauung des hinteren Grundstückbereichs, auf dem ein Einfamilien- und ein Doppelhaus entstehen sollen, wünschen sich die Politiker keine Flachdächer, sondern Schrägen mit Winkeln zwischen 21 und 40 Grad. Sichtlich getroffen von Kritik und Änderungswünschen zeigte sich Pfarrer Joachim Schierbaum im Planungsausschuss. Er schilderte, dass die Kirchengemeinde dass Grundstück, auf dem zuvor „Bruchbuden“ gestanden hätten, vor zwei Jahren mit bester Absicht gekauft habe. Man wolle dem Wunsch vieler Menschen nachkommen und altersgerechten Wohnraum schaffen, sagte Schierbaum. Auch für jüngere Leute sei in dem Mehrfamilienhaus Platz. „Es gibt auf dem Grundstück einen Brunnen, der als Treffpunkt für Jung und Alt vorgesehen ist.“ Schierbaum teilt nicht die Befürchtung einiger Politiker und Anwohner, dass Baufahrzeuge die Straßen kaputtgefahren könnten und wies auf die benachbarte Firma hin, die regelmäßig von großen Lastwagen angesteuert werde. Hätte er gewusst, welche Diskussionen das Projekt hervorrufe, wäre es von der Kirchengemeinde womöglich nicht angestoßen worden, sagte der Pfarrer. Reinhard Geffert (SPD) entgegnete, dass es der Politik nicht darum gehe, die Bebauung des Areals zu verhindern. Allerdings mache man sich Gedanken darüber, was man an den Plänen verbessern könne. Darüber hatte in der vorigen Woche bereits der Bezirksausschuss unter Gefferts Leitung diskutiert. Der Ortsrat für Hausberge und Holzhausen betrachtete insbesondere die Gebäudegröße kritisch und regte einstimmig an, „das Bauvorhaben stärker an der vorhandenen Wohnumgebung zu orientieren“. Der Autor ist erreichbarunter (0571) 882 164 oderDirk.Haunhorst@MT.de

Wohnen am Gänsemarkt: Wird das neue Haus ein Riesenklotz?

Die Zeichnung vermittelt einen ersten Eindruck von dem Mehrfamilienhaus. Die Planer wollen den Entwurf überarbeiten, etwa im Hinblick auf die Dachgestaltung. Repro: MT/Quelle: Ingenieurbüro Arnd Steinleger

Porta Westfalica (mt). Eine Anwohnerin ist erschrocken und spricht von einem „Riesenklotz“. Rainer Traue (CDU) hingegen findet die Dimension angemessen und kann sich ohne Abstriche damit anfreunden. Diese beiden Positionen markierten die Pole einer kontroversen Diskussion über ein Bauprojekt im Herzen Holzhausen.

Die Politiker fassten am Montag im Planungsausschuss einstimmig den Aufstellungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Wohnen am Gänsemarkt“. Damit startet offiziell das Verfahren, in desen Verlauf Bürger ihre Bedenken und Anregungen schriftlich vortragen können.

Mündlich geschah dies bereits im Planungsausschuss. Ein Nachbarin, die ein denkmalgeschütztes Haus nebenan bewohnt, hält das Projekt für überdimensioniert. Zwar freue sie sich, dass auf dem Grundstück etwas passieren soll, doch die Bebauung von 900 Quadratmetern Grundfläche mit drei Geschossen sei zu viel.

Außerdem befürchtet die Holzhauserin, dass nach der Versiegelung der Fläche nebenan das Regenwasser von dort auf ihr vier Meter tiefer gelegenes Grundstück laufe. Eine weitere Nachbarin beklagte, dass es bei solchen Bauprojekten immer nur ums Finanzielle gehe und andere Werte in den Hintergrund treten müssten.

Das Mehrfamilienhaus soll auf einem 3500 Quadratmeter großen Grundstück, das der evangelischen Kirchengemeinde gehört, entstehen. Vorgehen sind drei Geschosse, wobei das oberste als Staffelgeschoss die Fläche nicht voll ausfüllt. Zwölf der insgesamt 20 barrierefreien Wohnungen sollen zwei Zimmer haben und zwischen 55 und 85 Quadratmeter groß sein, weitere acht Wohnungen verfügen über jeweils drei Zimmer und eine Größe von 86 bis 110 Quadratmetern. Die meisten Autos parken in einer Tiefgarage, die komplett unter dem Haus liegt.

Ein Streitpunkt ist das Dach. Bislang ist eine flache Version vorgesehen, mehrere Politiker hätten aus optischen Gründen lieber ein geneigtes Dach. Allerdings würde dieses bei gleicher Wohnungszahl die Gebäudehöhe über jene zehn Meter hinausreichen lassen, die der Denkmalschutz als Maximum vorgibt. Mit Flachdach sind es laut Planung 9,35 Meter.

Die Politiker verlangen zumindest, dass ein Flachdach kein Muss ist. Das ILB Planungsbüro Rinteln, dessen Ingenieurin Christiane Paulmann das Projekt vorstellte, wird sich ohnehin noch einmal an die Arbeit machen müssen, weil das Dach nach dem Willen der Politik entweder Photovoltaik oder eine Begrünung erhalten soll. Außerdem werden Grund- und Geschossflächenzahl (0,6 und 1,2) festgezurrt, damit eine spätere Überschreitung unmöglich ist. Und für die Bebauung des hinteren Grundstückbereichs, auf dem ein Einfamilien- und ein Doppelhaus entstehen sollen, wünschen sich die Politiker keine Flachdächer, sondern Schrägen mit Winkeln zwischen 21 und 40 Grad.

Sichtlich getroffen von Kritik und Änderungswünschen zeigte sich Pfarrer Joachim Schierbaum im Planungsausschuss. Er schilderte, dass die Kirchengemeinde dass Grundstück, auf dem zuvor „Bruchbuden“ gestanden hätten, vor zwei Jahren mit bester Absicht gekauft habe. Man wolle dem Wunsch vieler Menschen nachkommen und altersgerechten Wohnraum schaffen, sagte Schierbaum. Auch für jüngere Leute sei in dem Mehrfamilienhaus Platz. „Es gibt auf dem Grundstück einen Brunnen, der als Treffpunkt für Jung und Alt vorgesehen ist.“ Schierbaum teilt nicht die Befürchtung einiger Politiker und Anwohner, dass Baufahrzeuge die Straßen kaputtgefahren könnten und wies auf die benachbarte Firma hin, die regelmäßig von großen Lastwagen angesteuert werde. Hätte er gewusst, welche Diskussionen das Projekt hervorrufe, wäre es von der Kirchengemeinde womöglich nicht angestoßen worden, sagte der Pfarrer.

Reinhard Geffert (SPD) entgegnete, dass es der Politik nicht darum gehe, die Bebauung des Areals zu verhindern. Allerdings mache man sich Gedanken darüber, was man an den Plänen verbessern könne. Darüber hatte in der vorigen Woche bereits der Bezirksausschuss unter Gefferts Leitung diskutiert. Der Ortsrat für Hausberge und Holzhausen betrachtete insbesondere die Gebäudegröße kritisch und regte einstimmig an, „das Bauvorhaben stärker an der vorhandenen Wohnumgebung zu orientieren“.

Der Autor ist erreichbarunter (0571) 882 164 oderDirk.Haunhorst@MT.de

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