Tönsmeier zu Gelben Säcken: „Wollen uns den Auftrag zurückholen“

Sebastian Radermacher

Ein Mitarbeiter der Tönsmeier-Gruppe beim Einsammeln von Gelben Säcken – das Unternehmen aus Porta ist nur noch bis Ende des Jahres mit dieser Aufgabe betraut. - © Foto: Tönsmeier
Ein Mitarbeiter der Tönsmeier-Gruppe beim Einsammeln von Gelben Säcken – das Unternehmen aus Porta ist nur noch bis Ende des Jahres mit dieser Aufgabe betraut. (© Foto: Tönsmeier)

Porta Westfalica (mt). Boris Ziegler macht keinen Hehl daraus, dass es für die Firma Tönsmeier ein Schock war, den Auftrag für das Einsammeln der Gelben Säcke im Kreis Minden-Lübbecke zu verlieren. Immerhin hatte das Familienunternehmen aus Porta diese Aufgabe 27 Jahre inne – ab dem 1. Januar 2019 trägt das Unternehmen RMG aus Hessen für die nächsten drei Jahre die Verantwortung. „Wir waren alle enttäuscht und bedauern sehr, dass wir bei der Ausschreibung nicht zum Zug gekommen ist“, gibt der Unternehmenssprecher im MT-Gespräch zu.

Man habe in der europaweiten Ausschreibung ein Angebot abgegeben, dass ambitioniert gerechnet gewesen sei. „ Wir hatten das klare Ziel, den Auftrag zu behalten“, sagt Ziegler. Doch letztlich erhielt der Mitbewerber den Zuschlag. „Der Bestbieter scheint es so zu können. Jetzt muss er die Erfassung der Gelben Säcke im Kreisgebiet regeln“, sagt Ziegler. Auf Unterstützung durch Tönsmeier kann er dabei nicht zurückgreifen. „Eine Tätigkeit als Subunternehmer kommt für uns nicht infrage. Damit würden wir uns unglaubwürdig machen“, stellt Henning Schreiber, Leiter Kommunalvertrieb bei Tönsmeier, klar. Welchen finanziellen Auswirkungen der Verlust des Auftrags für Tönsmeier hat, dazu macht das Unternehmen keine Angaben. „Zu wettbewerbsrelevanten Zahlen kann ich keine Auskunft geben.“, sagt Ziegler.

Was fest steht: Tönsmeier werde bis zum 31. Dezember all seinen Verpflichtungen nachkommen. Das Unternehmen setzt im gesamten Kreisgebiet für die Erfassung der Gelben Säcke etwa 20 Mitarbeiter ein, die auf zehn Fahrzeugen unterwegs sind. Was Ziegler und Schreiber wichtig ist: „Der Verlust des Auftrages gefährdet keine Arbeitsplätze.“ Die betroffenen Mitarbeiter würden künftig in anderen Bereichen der Unternehmensgruppe eingesetzt. Und womöglich könnten sie irgendwann wieder für das Erfassen der Gelben Säcke benötigt werden. Denn eine Sache sei klar, betont Ziegler: „Wir wollen den Auftrag bei der nächsten Ausschreibung zurückgewinnen. Das muss unser Anspruch sein.“

Von daher sei es wichtig, nach der Zeit der Enttäuschung nun den Blick nach vorne zu richten. „Diese Niederlage ist auch Ansporn, uns zu verbessern, Dinge und Abläufe zu optimieren und unser Potenzial besser auszuschöpfen“, sagt der Sprecher. Dies sei ein fortlaufender Prozess, um im Wettbewerb zu bestehen. „Bei der nächsten Ausschreibung werden wir vorbereitet sein“, kündigt Ziegler an. Nachtreten gegen den Bestbieter werde man auf keinen Fall. „Wir müssen uns damit abfinden“, so Schreiber.

Ein Zusammenhang zwischen dem Verlust der Gelben Säcke und der wenige Monate zuvor beschlossenen Übernahme der Tönsmeier-Gruppe durch Green Cycle (Schwarz-Gruppe) bestehe nicht, stellt Schreiber klar. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“ Im Gegenteil: „Die Schwarz-Gruppe will Tönsmeier weiterentwickeln und wachsen lassen.“?Seite 5

Betriebsrat hofft auf mehr Verständnis

- Die Mitarbeitervertretung von Tönsmeier bedauert den Wegfall des Auftrags zum Einsammeln der Gelben Säcke zutiefst. Die RMG Rohstoffmanagement GmbH aus Hessen, die im Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten hat, habe sich inzwischen im Kreis positioniert, sagt Jürgen Stockmann, Betriebsratsvorsitzender bei Tönsmeier.

- Sein Frust richtet sich vor allem gegen die Systembetreiber, die Abholung und Verwertung von Verpackungsabfall organisieren. „Der Gesetzgeber hat mit der Einführung der Dualen Systeme zu einer Entwicklung geführt, dass im Rahmen der Ausschreibung, die alle drei Jahre durchgeführt wird, zum einen immer der Günstigste den Zuschlag bekommt, zum anderen der Profit des Dualen Systems gesteigert wird.“

- Immerhin: „Die Mitarbeiter bei Tönsmeier, die seit Anfang der 90er Jahre mit dem Einsammeln der Gelben Säcke beschäftigt waren und von dem Verlust des Auftrags betroffen sind, können zum Glück mit anderen Aufgaben beschäftigt werden.“

- Die häufigste Frage der Bürger an die Tönsmeier-Fahrer sei zurzeit, wo man denn ab Januar seine Gelben Säcke herbekäme. Stockmann: „Wir würden uns von den Bürgern hier mehr Verständnis, Feingefühl und auch Mitgefühl wünschen.“

- Bis Jahresende sind Gelbe Säcke in Porta an folgenden Stellen erhältlich: Bürgeramt, Hauptstraße 14, Baubetriebshof, Möllberger Straße 63-67, Wertstoffhof Tönsmeier, An der Pforte 2.

- Ab 2019 sind folgende Ausgabestellen vorgesehen – Eisbergen: Schreibwaren Nolting, Stephanstraße 8; Hausberge: Bürgeramt im Rathaus II, Hauptstraße 14; Holzhausen: Bäckerei Camen im NP-Markt, Vlothoer Straße 117, Baubetriebshof, Möllberger Straße 63-67; Kleinenbremen: Ivonne Nolting, Bückeburger Straße 5; Veltheim: Bäckerei Camen, Ravensberger Straße 178. Eine Ausgabe am Fahrzeug soll laut RMG künftig nicht mehr erfolgen, berichtet Birgit Aumann vom Baubetriebshof.

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Tönsmeier zu Gelben Säcken: „Wollen uns den Auftrag zurückholen“Sebastian RadermacherPorta Westfalica (mt). Boris Ziegler macht keinen Hehl daraus, dass es für die Firma Tönsmeier ein Schock war, den Auftrag für das Einsammeln der Gelben Säcke im Kreis Minden-Lübbecke zu verlieren. Immerhin hatte das Familienunternehmen aus Porta diese Aufgabe 27 Jahre inne – ab dem 1. Januar 2019 trägt das Unternehmen RMG aus Hessen für die nächsten drei Jahre die Verantwortung. „Wir waren alle enttäuscht und bedauern sehr, dass wir bei der Ausschreibung nicht zum Zug gekommen ist“, gibt der Unternehmenssprecher im MT-Gespräch zu. Man habe in der europaweiten Ausschreibung ein Angebot abgegeben, dass ambitioniert gerechnet gewesen sei. „ Wir hatten das klare Ziel, den Auftrag zu behalten“, sagt Ziegler. Doch letztlich erhielt der Mitbewerber den Zuschlag. „Der Bestbieter scheint es so zu können. Jetzt muss er die Erfassung der Gelben Säcke im Kreisgebiet regeln“, sagt Ziegler. Auf Unterstützung durch Tönsmeier kann er dabei nicht zurückgreifen. „Eine Tätigkeit als Subunternehmer kommt für uns nicht infrage. Damit würden wir uns unglaubwürdig machen“, stellt Henning Schreiber, Leiter Kommunalvertrieb bei Tönsmeier, klar. Welchen finanziellen Auswirkungen der Verlust des Auftrags für Tönsmeier hat, dazu macht das Unternehmen keine Angaben. „Zu wettbewerbsrelevanten Zahlen kann ich keine Auskunft geben.“, sagt Ziegler. Was fest steht: Tönsmeier werde bis zum 31. Dezember all seinen Verpflichtungen nachkommen. Das Unternehmen setzt im gesamten Kreisgebiet für die Erfassung der Gelben Säcke etwa 20 Mitarbeiter ein, die auf zehn Fahrzeugen unterwegs sind. Was Ziegler und Schreiber wichtig ist: „Der Verlust des Auftrages gefährdet keine Arbeitsplätze.“ Die betroffenen Mitarbeiter würden künftig in anderen Bereichen der Unternehmensgruppe eingesetzt. Und womöglich könnten sie irgendwann wieder für das Erfassen der Gelben Säcke benötigt werden. Denn eine Sache sei klar, betont Ziegler: „Wir wollen den Auftrag bei der nächsten Ausschreibung zurückgewinnen. Das muss unser Anspruch sein.“ Von daher sei es wichtig, nach der Zeit der Enttäuschung nun den Blick nach vorne zu richten. „Diese Niederlage ist auch Ansporn, uns zu verbessern, Dinge und Abläufe zu optimieren und unser Potenzial besser auszuschöpfen“, sagt der Sprecher. Dies sei ein fortlaufender Prozess, um im Wettbewerb zu bestehen. „Bei der nächsten Ausschreibung werden wir vorbereitet sein“, kündigt Ziegler an. Nachtreten gegen den Bestbieter werde man auf keinen Fall. „Wir müssen uns damit abfinden“, so Schreiber. Ein Zusammenhang zwischen dem Verlust der Gelben Säcke und der wenige Monate zuvor beschlossenen Übernahme der Tönsmeier-Gruppe durch Green Cycle (Schwarz-Gruppe) bestehe nicht, stellt Schreiber klar. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“ Im Gegenteil: „Die Schwarz-Gruppe will Tönsmeier weiterentwickeln und wachsen lassen.“?Seite 5 Betriebsrat hofft auf mehr Verständnis - Die Mitarbeitervertretung von Tönsmeier bedauert den Wegfall des Auftrags zum Einsammeln der Gelben Säcke zutiefst. Die RMG Rohstoffmanagement GmbH aus Hessen, die im Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten hat, habe sich inzwischen im Kreis positioniert, sagt Jürgen Stockmann, Betriebsratsvorsitzender bei Tönsmeier. - Sein Frust richtet sich vor allem gegen die Systembetreiber, die Abholung und Verwertung von Verpackungsabfall organisieren. „Der Gesetzgeber hat mit der Einführung der Dualen Systeme zu einer Entwicklung geführt, dass im Rahmen der Ausschreibung, die alle drei Jahre durchgeführt wird, zum einen immer der Günstigste den Zuschlag bekommt, zum anderen der Profit des Dualen Systems gesteigert wird.“ - Immerhin: „Die Mitarbeiter bei Tönsmeier, die seit Anfang der 90er Jahre mit dem Einsammeln der Gelben Säcke beschäftigt waren und von dem Verlust des Auftrags betroffen sind, können zum Glück mit anderen Aufgaben beschäftigt werden.“ - Die häufigste Frage der Bürger an die Tönsmeier-Fahrer sei zurzeit, wo man denn ab Januar seine Gelben Säcke herbekäme. Stockmann: „Wir würden uns von den Bürgern hier mehr Verständnis, Feingefühl und auch Mitgefühl wünschen.“ - Bis Jahresende sind Gelbe Säcke in Porta an folgenden Stellen erhältlich: Bürgeramt, Hauptstraße 14, Baubetriebshof, Möllberger Straße 63-67, Wertstoffhof Tönsmeier, An der Pforte 2. - Ab 2019 sind folgende Ausgabestellen vorgesehen – Eisbergen: Schreibwaren Nolting, Stephanstraße 8; Hausberge: Bürgeramt im Rathaus II, Hauptstraße 14; Holzhausen: Bäckerei Camen im NP-Markt, Vlothoer Straße 117, Baubetriebshof, Möllberger Straße 63-67; Kleinenbremen: Ivonne Nolting, Bückeburger Straße 5; Veltheim: Bäckerei Camen, Ravensberger Straße 178. Eine Ausgabe am Fahrzeug soll laut RMG künftig nicht mehr erfolgen, berichtet Birgit Aumann vom Baubetriebshof.