Trockener Sommer sorgt für gute Honig-Qualität

Michael Grundmeier

Den Bienen hat der trockene Sommer nichts ausgemacht. Im Gegenteil: Die Qualität des Honigs ist in diesem Jahr außergewöhnlich. 
Foto: Sven Hoppe/dpa - © (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Den Bienen hat der trockene Sommer nichts ausgemacht. Im Gegenteil: Die Qualität des Honigs ist in diesem Jahr außergewöhnlich.
Foto: Sven Hoppe/dpa (© (c) Copyright 2018, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten)

Porta Westfalica (mig). War die Dürre für die meisten Lebewesen ein echtes Problem, hat die Biene kaum unter dem langen und heißen Sommer gelitten. Im Gegenteil: „Der Honig ist in diesem Jahr überdurchschnittlich gut geworden“, sagte Silke Gallo vom Kreis-Imkerverein Minden bei der Honigbewertung. Dazu habe unter anderem beigetragen, dass es wenig geregnet habe. Die Biene hätten fliegen können, ohne durch die Tropfen gestört zu werden.

Und noch etwas ist in diesem Jahr anders: der Geschmack des Honigs. Weil viele andere Quellen durch die Dürre ausfielen, hielten sich die Bienen an die Blattläuse, die den sogenannten Blatthonig produzieren. „Weil es kaum geregnet hat, waren viele Blattläuse auf den Blättern – die haben die Bienen abgeerntet“, so Gallo. Der Honig habe einen signifikant anderen Geschmack als der Lindenhonig, der sonst in dieser Region verbreitet ist. „Das ist eben der Unterschied zu anderen Produkten. Honig ist ein Naturprodukt und schmeckt von Jahr zu Jahr ein bisschen anders“.

Vom Honig aus dem Discounter hält Silke Gallo übrigens nur wenig. Teilweise würden verschiedene Honige zusammengerührt, um einen feststehenden Geschmack zu erzeugen. Das werde dem Produkt nicht gerecht. „Oft sind diese Honige nicht einmal aus EU-Ländern“, meint Gallo kopfschüttelnd. Der Honig der heimischen Imker sei ein Produkt der Region und komme direkt aus der Natur. Dafür seien fünf bis sechs Euro nicht zu viel Geld, denn: „Wir kochen schließlich keine Marmelade“. Bevor ein Imker Honig herstellen könne, brauche er viele Gerätschaften und viel Wissen, zum Beispiel in Sachen Hygiene. Als ein Lebensmittel unterliege Honig vielen Regularien.

Außerdem müssen Imker viel Zeit investieren, um ihre Bienen gesund zu erhalten. Von der Zufütterung bis zur Milbenbekämpfung gibt es jeden Tag viel zu tun, Gallo rechnet mit ungefähr sieben Stunden pro Woche. Ein Problem ist das Insektensterben, das Gallo unter anderem auf eine „verarmte Landschaft“ zurückführt. „Ich würde mir wünschen, dass Gartenbesitzer bienenfreundliche Pflanzen achten“, sagt Gallo.

Im Grunde steht die Imkerei aber sehr gut da. Immer mehr Leute wollen Bienen halten, der Frauenanteil ist in kurzer Zeit gestiegen. „Als ich vor fünf Jahren angefangen habe, war ich so ziemlich alleine, heute haben wir ein Drittel Frauenanteil“, rechnet Gallo vor. Der Kreis-Imkerverein Minden habe viel getan, um Nachwuchs anzusprechen. Aktuell sind rund 300 Imker im Verein zusammengeschlossen, die Zuwächse seien enorm, sagt Gallo, „gerade auch bei jungen Menschen und in der Stadt“. Schon jetzt gibt es in Minden zahlreiche Völker: Die Standorte reichen von Schulen bis hin zu Kleingärten. „Wichtig ist, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen und sie über Bienen aufzuklären“.

Die Honigbewertung sieht Gallo als wichtiges Instrument, die Qualität immer weiter zu steigern. „Bei uns wird die Imkerei ja vor allem als Hobby betrieben, deshalb sind diese Tests und Rückmeldungen wichtig für die Imker“, meint Honigobfrau Heidemarie Niedernolte. Bei der Bewertung werde unter anderem darauf geachtet, ob Fremdkörper im Glas sind und wie cremig er ist. „Je feiner desto besser“, bringt es Niedernolte auf den Punkt.

Ein anderes Qualitätsmerkmal ist der Wassergehalt im Honig. Denn Wasser kann die Haltbarkeit beeinträchtigen, wie Silke Gallo ausführt. „Das wird vom Landesverband auch geprüft – wenn wenig Wasser im Honig ist, ist das ein Qualitätsmerkmal“. Ein weiteres Kriterium, das geprüft wird, ist die sogenannte „Inventarse“, ein Enzym. „Wenn der Honig zu warm gestanden hat, der Honig also einen Lagerschaden hat, nimmt die Inventarse ab“. Mit den Ergebnissen der Bewertung ist sie sehr zufrieden: „Das zeigt, dass wir im Kreis-Imkerverein sehr gut dastehen“.

Bei der Honigbewertung ausgezeichnete Imker

Imkerverein Petershagen: Silvia Klug (Gold, Silber), Heinrich Schmidt (zweimal Gold), Sabine Hoppmann (Gold), Björn Lipka (Gold), Anton Gaszo (Gold), Dieter Kläfker (Gold, Silber), Fred Dietz (Gold, Silber), Mark Timmermann (Gold, Silber).

Imkerverein Todtenhausen:Regina Block (Gold), Manfred Penningroth (zweimal Silber),Andrej Fischer (zweimal Gold,Silber), Ferdinand Müller (Gold),Dr. Hans-Dieter Mosel (Silber), Klaus Kasper (Gold, Silber), Reinhard Jäger (Gold, Silber).

Imkerverein Rothenuffeln: Joachim Köppen (dreimal Gold), Dimitrij Pauls (2 Gold, 1 Silber), Peter Bendin (1 Bronze).

Imkerverein Hille: Heidemarie Niedernolte (1 Silber), Wilhelm Schumacher (1 Silber), Siegfried Brammeyer (2 Gold).

Imkerverein Minden-Porta Westfalica: Kerstin Huck (2 Gold).

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Trockener Sommer sorgt für gute Honig-QualitätMichael GrundmeierPorta Westfalica (mig). War die Dürre für die meisten Lebewesen ein echtes Problem, hat die Biene kaum unter dem langen und heißen Sommer gelitten. Im Gegenteil: „Der Honig ist in diesem Jahr überdurchschnittlich gut geworden“, sagte Silke Gallo vom Kreis-Imkerverein Minden bei der Honigbewertung. Dazu habe unter anderem beigetragen, dass es wenig geregnet habe. Die Biene hätten fliegen können, ohne durch die Tropfen gestört zu werden. Und noch etwas ist in diesem Jahr anders: der Geschmack des Honigs. Weil viele andere Quellen durch die Dürre ausfielen, hielten sich die Bienen an die Blattläuse, die den sogenannten Blatthonig produzieren. „Weil es kaum geregnet hat, waren viele Blattläuse auf den Blättern – die haben die Bienen abgeerntet“, so Gallo. Der Honig habe einen signifikant anderen Geschmack als der Lindenhonig, der sonst in dieser Region verbreitet ist. „Das ist eben der Unterschied zu anderen Produkten. Honig ist ein Naturprodukt und schmeckt von Jahr zu Jahr ein bisschen anders“. Vom Honig aus dem Discounter hält Silke Gallo übrigens nur wenig. Teilweise würden verschiedene Honige zusammengerührt, um einen feststehenden Geschmack zu erzeugen. Das werde dem Produkt nicht gerecht. „Oft sind diese Honige nicht einmal aus EU-Ländern“, meint Gallo kopfschüttelnd. Der Honig der heimischen Imker sei ein Produkt der Region und komme direkt aus der Natur. Dafür seien fünf bis sechs Euro nicht zu viel Geld, denn: „Wir kochen schließlich keine Marmelade“. Bevor ein Imker Honig herstellen könne, brauche er viele Gerätschaften und viel Wissen, zum Beispiel in Sachen Hygiene. Als ein Lebensmittel unterliege Honig vielen Regularien. Außerdem müssen Imker viel Zeit investieren, um ihre Bienen gesund zu erhalten. Von der Zufütterung bis zur Milbenbekämpfung gibt es jeden Tag viel zu tun, Gallo rechnet mit ungefähr sieben Stunden pro Woche. Ein Problem ist das Insektensterben, das Gallo unter anderem auf eine „verarmte Landschaft“ zurückführt. „Ich würde mir wünschen, dass Gartenbesitzer bienenfreundliche Pflanzen achten“, sagt Gallo. Im Grunde steht die Imkerei aber sehr gut da. Immer mehr Leute wollen Bienen halten, der Frauenanteil ist in kurzer Zeit gestiegen. „Als ich vor fünf Jahren angefangen habe, war ich so ziemlich alleine, heute haben wir ein Drittel Frauenanteil“, rechnet Gallo vor. Der Kreis-Imkerverein Minden habe viel getan, um Nachwuchs anzusprechen. Aktuell sind rund 300 Imker im Verein zusammengeschlossen, die Zuwächse seien enorm, sagt Gallo, „gerade auch bei jungen Menschen und in der Stadt“. Schon jetzt gibt es in Minden zahlreiche Völker: Die Standorte reichen von Schulen bis hin zu Kleingärten. „Wichtig ist, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen und sie über Bienen aufzuklären“. Die Honigbewertung sieht Gallo als wichtiges Instrument, die Qualität immer weiter zu steigern. „Bei uns wird die Imkerei ja vor allem als Hobby betrieben, deshalb sind diese Tests und Rückmeldungen wichtig für die Imker“, meint Honigobfrau Heidemarie Niedernolte. Bei der Bewertung werde unter anderem darauf geachtet, ob Fremdkörper im Glas sind und wie cremig er ist. „Je feiner desto besser“, bringt es Niedernolte auf den Punkt. Ein anderes Qualitätsmerkmal ist der Wassergehalt im Honig. Denn Wasser kann die Haltbarkeit beeinträchtigen, wie Silke Gallo ausführt. „Das wird vom Landesverband auch geprüft – wenn wenig Wasser im Honig ist, ist das ein Qualitätsmerkmal“. Ein weiteres Kriterium, das geprüft wird, ist die sogenannte „Inventarse“, ein Enzym. „Wenn der Honig zu warm gestanden hat, der Honig also einen Lagerschaden hat, nimmt die Inventarse ab“. Mit den Ergebnissen der Bewertung ist sie sehr zufrieden: „Das zeigt, dass wir im Kreis-Imkerverein sehr gut dastehen“. Bei der Honigbewertung ausgezeichnete Imker Imkerverein Petershagen: Silvia Klug (Gold, Silber), Heinrich Schmidt (zweimal Gold), Sabine Hoppmann (Gold), Björn Lipka (Gold), Anton Gaszo (Gold), Dieter Kläfker (Gold, Silber), Fred Dietz (Gold, Silber), Mark Timmermann (Gold, Silber). Imkerverein Todtenhausen:Regina Block (Gold), Manfred Penningroth (zweimal Silber),Andrej Fischer (zweimal Gold,Silber), Ferdinand Müller (Gold),Dr. Hans-Dieter Mosel (Silber), Klaus Kasper (Gold, Silber), Reinhard Jäger (Gold, Silber). Imkerverein Rothenuffeln: Joachim Köppen (dreimal Gold), Dimitrij Pauls (2 Gold, 1 Silber), Peter Bendin (1 Bronze). Imkerverein Hille: Heidemarie Niedernolte (1 Silber), Wilhelm Schumacher (1 Silber), Siegfried Brammeyer (2 Gold). Imkerverein Minden-Porta Westfalica: Kerstin Huck (2 Gold).