Ungewollte Küsse und Berührungen: Portaner wegen sexueller Belästigung vor Gericht

Ulf Hanke

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 22-jährigen Portaner am Dienstag wegen sexueller Belästigung angeklagt. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa - © Peter Steffen
Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 22-jährigen Portaner am Dienstag wegen sexueller Belästigung angeklagt. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa (© Peter Steffen)

Porta Westfalica/Bad Oeynhausen (nw). Der erste Kuss kam überraschend und er war der jungen Frau unangenehm. Sie setzte sich weg – aufs Bett. Das verstand der junge Mann aus Porta Westfalica offenbar falsch, er setzte nach und ging der Frau an die Wäsche, küsste ihr in den Halsausschnitt des Shirts. Sie wehrte ihn ab, drehte sich zur Seite und rief mehrmals lautstark: „Nein, lass das!“ Erst als ein Mitbewohner ans Fenster klopfte, ließ der Mann von der Frau.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 22-jährigen Portaner am Dienstag wegen sexueller Belästigung angeklagt. Der Fall ereignete sich Ostern 2017 und die Anklage stützt sich bisher allein auf die Sichtweise der 20-jährigen Frau. Sie lebt in einer Wohngruppe in Bad Oeynhausen und wird in einigen Belangen von einem gesetzlichen Betreuer vertreten. Eine Rechtsanwältin vertritt die Nebenklage.

Sexuelle Belästigung ist seit zwei Jahren eine Straftat. Das Gesetz wurde im Eindruck der Silvesternacht 2015 mit zahlreichen Übergriffen von Migranten an Bahnhöfen und in deutschen Innenstädten verschärft. Der Angeklagte selbst verweigerte bislang die Aussage und schwieg auch am Dienstag vor dem Strafrichter im Amtsgericht Bad Oeynhausen. Mit gefalteten Händen verfolgte er auf der Anklagebank die Schilderungen der jungen Frau über Drogen- und Alkoholkonsum in der Wohngruppe.

Demnach hatte ein Mitbewohner den jungen Mann mitgebracht. Zu dritt wollten sie bei einem Osterfeuer feiern, die Männer hatten bereits ordentlich vorgeglüht und offenbar auch ein weißes Pulver geschnupft, dass der Angeklagte besorgt haben soll. Die junge Frau nannte es „Pep“, das auch als „Speed“ oder Amphetamin bekannt ist. Sie selbst trank nur zwei Schluck Bier. Offenbar ist die junge Frau vorsichtig mit Alkohol. Ihre Mutter hatte in der Schwangerschaft getrunken, was ein Grund dafür ist, warum sie derzeit in einigen Belangen von einem gesetzlichen Betreuer vertreten wird.

Die drei jungen Leute machten sich zum Osterfeuer auf, kamen aber später in gemischten Gruppen zurück. Der Mann und die Frau saßen eine Weile im Zimmer des Mitbewohners allein, erzählte die Frau, „als er auf einmal aufstand und mich küssen wollte“. Der Bewohner des Zimmers war offenbar noch mit einer Bekannten unterwegs. Während der Belästigungen auf dem Bett klopfte der Mitbewohner dann überraschend ans Fenster. Der Mann ließ von ihr ab, der Mitbewohner kam herein, war aber offenbar schwer alkoholisiert und musste sich im Bad übergeben.

Dann stellte er seinen Freund zur Rede. Kurze Zeit später beschlossen die beiden Männer offenbar, noch zum Schnellrestaurant McDonald’s in Gohfeld zu gehen und die junge Frau schloss sich ihnen an. Dieses Verhalten war aus Sicht des Verteidigers höchst rätselhaft. Sie habe mehrere Gelegenheiten ausgelassen, Hilfe zu holen. Die junge Frau begründete das aber so: „Ich wollte meinen Mitbewohner nicht alleine lassen.“ Der sei schließlich über die Straße getorkelt. Und in der Wohngruppe habe sie zwar an der Tür der Diensthabenden geklopft, es habe aber niemand aufgemacht. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

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Ungewollte Küsse und Berührungen: Portaner wegen sexueller Belästigung vor GerichtUlf HankePorta Westfalica/Bad Oeynhausen (nw). Der erste Kuss kam überraschend und er war der jungen Frau unangenehm. Sie setzte sich weg – aufs Bett. Das verstand der junge Mann aus Porta Westfalica offenbar falsch, er setzte nach und ging der Frau an die Wäsche, küsste ihr in den Halsausschnitt des Shirts. Sie wehrte ihn ab, drehte sich zur Seite und rief mehrmals lautstark: „Nein, lass das!“ Erst als ein Mitbewohner ans Fenster klopfte, ließ der Mann von der Frau. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat den 22-jährigen Portaner am Dienstag wegen sexueller Belästigung angeklagt. Der Fall ereignete sich Ostern 2017 und die Anklage stützt sich bisher allein auf die Sichtweise der 20-jährigen Frau. Sie lebt in einer Wohngruppe in Bad Oeynhausen und wird in einigen Belangen von einem gesetzlichen Betreuer vertreten. Eine Rechtsanwältin vertritt die Nebenklage. Sexuelle Belästigung ist seit zwei Jahren eine Straftat. Das Gesetz wurde im Eindruck der Silvesternacht 2015 mit zahlreichen Übergriffen von Migranten an Bahnhöfen und in deutschen Innenstädten verschärft. Der Angeklagte selbst verweigerte bislang die Aussage und schwieg auch am Dienstag vor dem Strafrichter im Amtsgericht Bad Oeynhausen. Mit gefalteten Händen verfolgte er auf der Anklagebank die Schilderungen der jungen Frau über Drogen- und Alkoholkonsum in der Wohngruppe. Demnach hatte ein Mitbewohner den jungen Mann mitgebracht. Zu dritt wollten sie bei einem Osterfeuer feiern, die Männer hatten bereits ordentlich vorgeglüht und offenbar auch ein weißes Pulver geschnupft, dass der Angeklagte besorgt haben soll. Die junge Frau nannte es „Pep“, das auch als „Speed“ oder Amphetamin bekannt ist. Sie selbst trank nur zwei Schluck Bier. Offenbar ist die junge Frau vorsichtig mit Alkohol. Ihre Mutter hatte in der Schwangerschaft getrunken, was ein Grund dafür ist, warum sie derzeit in einigen Belangen von einem gesetzlichen Betreuer vertreten wird. Die drei jungen Leute machten sich zum Osterfeuer auf, kamen aber später in gemischten Gruppen zurück. Der Mann und die Frau saßen eine Weile im Zimmer des Mitbewohners allein, erzählte die Frau, „als er auf einmal aufstand und mich küssen wollte“. Der Bewohner des Zimmers war offenbar noch mit einer Bekannten unterwegs. Während der Belästigungen auf dem Bett klopfte der Mitbewohner dann überraschend ans Fenster. Der Mann ließ von ihr ab, der Mitbewohner kam herein, war aber offenbar schwer alkoholisiert und musste sich im Bad übergeben. Dann stellte er seinen Freund zur Rede. Kurze Zeit später beschlossen die beiden Männer offenbar, noch zum Schnellrestaurant McDonald’s in Gohfeld zu gehen und die junge Frau schloss sich ihnen an. Dieses Verhalten war aus Sicht des Verteidigers höchst rätselhaft. Sie habe mehrere Gelegenheiten ausgelassen, Hilfe zu holen. Die junge Frau begründete das aber so: „Ich wollte meinen Mitbewohner nicht alleine lassen.“ Der sei schließlich über die Straße getorkelt. Und in der Wohngruppe habe sie zwar an der Tür der Diensthabenden geklopft, es habe aber niemand aufgemacht. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.