Grundschulstreit: FDP befürchtet Spaltung Portas

Dirk Haunhorst

Was wird aus der Grundschule Veltheim? MT- - © Foto: Haunhorst
Was wird aus der Grundschule Veltheim? MT- (© Foto: Haunhorst)

Porta Westfalica (mt). Von Sommerpause keine Spur, der Streit um Grundschulstandorte und Bürgerbegehren geht weiter. Die FDP-Fraktion befürchtet, dass die zunehmend hitzige Auseinandersetzung um die Schulsanierung die Stadt Porta Westfalica spaltet. Gegenüber dem MT plädieren die Liberalen dafür, nach der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren neu zu beraten. Die Ratsfraktionen sollten sich nach der Sommerpause mit der Bürgerinitiative (BI) zusammensetzen und nach einem Kompromiss suchen. Gelänge dies, könnten ein Bürgerentscheid, die damit verbundenen Kosten sowie dauerhafte Zerwürfnisse vermieden werden.

So könnte die Eisberger Grundschule samt neuer Sporthalle aussehen, wenn die Ausbaupläne der Ratsmehrheit umgesetzt werden. Skizze: pr
So könnte die Eisberger Grundschule samt neuer Sporthalle aussehen, wenn die Ausbaupläne der Ratsmehrheit umgesetzt werden. Skizze: pr

„Es ist bitter, wie hart inzwischen gestritten wird. Das habe ich in den vergangenen 20 Jahren nicht erlebt“, sagt FDP-Fraktionschefin Cornelia Müller-Dieker. Ihre Ratskollegin Susanne Engelking beklagt, dass normale Gespräche über das Thema zwischen den Parteien kaum noch möglich seien.

Stattdessen wird mithilfe anderer Kanäle heftig über das Bürgerbegehren gestritten – auch unter Mitwirkung der FDP. Ein Schauplatz ist die Facebookseite „Veltheim an der Weser“, auf der insbesondere der FDP-Politiker und Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling seit Monaten vehement für den Erhalt der örtlichen Grundschule wirbt.

Am 20. Juli geriet auf der Seite ein Informationsblatt von SPD und Grünen, das sich gegen das Bürgerbegehren richtet, ins Visier der Kommentatoren. Der rot-grüne Flyer war offenbar noch nicht für eine Veröffentlichung freigegeben, konnte aber bereits aus dem Netz heruntergeladen werden. Analog zur BI (schulerhalt-porta.de) haben auch SPD und Grüne inzwischen eine Internetseite eingerichtet, um für ihr Grundschulsanierungspaket zu werben (www.gute-schulen-porta.de).

In dem rot-grünen Flyerentwurf wird FDP und BI unter anderem die Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen. Müller-Dieker wehrt sich gegen den Eindruck, FDP- und BI-Position wären in der Grundschulfrage inhaltlich deckungsgleich. Die Liberalen finden aber gut, dass die BI das Bürgerbegehren angestoßen hat. Auf diese Weise seien wichtige Zahlen zu den Baukosten ermittelt worden.

Allerdings sei auf den Listen, mit der die BI zurzeit Unterschriften sammelt, nur Platz für die allgemeinen Kosten. „Es wäre aber zum Beispiel wichtig zu wissen, welche Gewerke in den 1,3 Millionen Euro Sanierungskosten für Veltheim enthalten sind“, sagt Reinhold Kölling. Er bezweifelt, dass im Falle einer Sanierung aufgrund des Umfangs der Arbeiten ein vorübergehender Umzug der Schüler nach Eisbergen erforderlich ist. Das schlüge mit Kosten von mehr als 100.000 Euro zu Buche.

Um den Bürgern mehr Informationen zur Grundschulsanierung an die Hand zu geben, haben die Liberalen beantragt, dass sämtliche Daten zur Ermittlung der Kostenschätzung für das Bürgerbegehren auf die Homepage der Stadt gestellt werden. Die Bürger hätten das Recht zu erfahren, wie sich einzelne Positionen der im Bürgerbegehren genannten Zahlen zusammensetzen. Zumal es das Geld der Steuerzahler sei, über das entschieden werde.

Die Stadtverwaltung signalisierte gestern gegenüber dem MT, dass sie den kompletten Datensatz zur Kostenschätzung veröffentlichen will. Dies geschehe voraussichtlich kommende Woche, teilt Ulrike Luthe mit. Aufgrund des komplexen Sachverhaltes sollen die einzelnen Unterlagen nicht einfach auf eine Seite gestellt werden. Ziel sei vielmehr, dass die Daten „durch einfache Verlinkung gezielt und objektbezogen aufgerufen werden können“.

Ein öffentliches Diskussionsforum, das die FDP ebenfalls wünscht, wird die Verwaltung nicht anbieten. Dies wäre zu personalintensiv, so Luthe. Außerdem müsse sich die Stadt beim Bürgerbegehren neutral verhalten. Es sei nicht auszuschließen, dass Kommentare Dritter der Verwaltung zugerechnet und städtische Antworten auf Bürgerfragen als tendenziös eingestuft würden.?Kommentar

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 164 oder unterDirk.Haunhorst@MT.de

Die Sanierung sämtlicher Portaner Grundschulen, wie sie die Bürgerinitiative (BI) fordert, kostet schätzungsweise 21,8 Millionen Euro. Diese Summe entspricht fast haargenau jenen Kosten für die Umgestaltung der Grundschullandschaft (21,6 Mio. Euro), die der Stadtrat mehrheitlich 2017 beschlossen hat.

Unstrittig zwischen Stadt und BI sind die Investitionen an den Grundschulen in Barkhausen (6,3 Millionen Euro), Hausberge (2,4 Millionen) und Holzhausen (1,2 Millionen). Der Streit dreht sich um die Schulstandorte Neesen/Lerbeck, sowie Eisbergen/Veltheim und Kleinenbremen.

Der politische Mehrheitsbeschluss sieht den Umzug von Neesen nach Lerbeck, den Ausbau der Eisberger Schule und die Schließung der Veltheimer vor. Kleinenbremen soll ohne Sanierung am Netz bleibe. Das BI möchte mit dem Begehren den Verbleib und die Sanierung aller Grundschulen an ihren jetzigen Standorten erreichen.

Kommentar zum Thema "Grundschuldebatte in Porta": Heißes Begehren

An diesen heißen Tagen fällt es schwer, kühlen Kopf zu bewahren. Erst recht in Porta Westfalica, wo die hitzige Debatte über die Grundschulsanierung zusätzliche Thermik produziert. Da wirkt die FDP-Forderung nach ein wenig Abkühlung vernünftig. Die Liberalen möchten, dass nach der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren erst einmal durchgeatmet wird und Bürgerinitiative und Politik nach einem Kompromiss suchen – anstatt stur auf einen Bürgerentscheid mit ungewissem Ausgang zuzusteuern.

Die BI, die für Erhalt und Sanierung sämtlicher Grundschulen wirbt, benötigt in einem ersten Schritt rund 2.100 gültige Unterschriften für ihr Begehren. Kaum jemand bezweifelt, dass die BI diese Marke übertreffen wird. Je höher die Zahl der Unterschriften, desto mehr dürfte die rot-grüne Ratsmehrheit ins Schwitzen kommen und sich fragen, ob es richtig ist, an ihrem bisherigen Beschluss festzuhalten. Der könnte nämlich im folgenden Bürgerentscheid kassiert werden.

Aber auch die BI hat nach der Sommerpause Grund zum Innehalten. Die Ja-oder-Nein-Fragestellung im Begehren lässt keinen Raum zur Differenzierung. Wer aufgrund der Kostenschätzung zum Beispiel den Umzug der Grundschule Neesen nach Lerbeck möchte und zugleich den Erhalt der Veltheimer Schule, hätte in einem Bürgerentscheid zwei Möglichkeiten: entweder nicht abzustimmen oder mit Nein zu votieren. Beides wäre eine kalte Dusche für die BI.

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Grundschulstreit: FDP befürchtet Spaltung PortasDirk HaunhorstPorta Westfalica (mt). Von Sommerpause keine Spur, der Streit um Grundschulstandorte und Bürgerbegehren geht weiter. Die FDP-Fraktion befürchtet, dass die zunehmend hitzige Auseinandersetzung um die Schulsanierung die Stadt Porta Westfalica spaltet. Gegenüber dem MT plädieren die Liberalen dafür, nach der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren neu zu beraten. Die Ratsfraktionen sollten sich nach der Sommerpause mit der Bürgerinitiative (BI) zusammensetzen und nach einem Kompromiss suchen. Gelänge dies, könnten ein Bürgerentscheid, die damit verbundenen Kosten sowie dauerhafte Zerwürfnisse vermieden werden. „Es ist bitter, wie hart inzwischen gestritten wird. Das habe ich in den vergangenen 20 Jahren nicht erlebt“, sagt FDP-Fraktionschefin Cornelia Müller-Dieker. Ihre Ratskollegin Susanne Engelking beklagt, dass normale Gespräche über das Thema zwischen den Parteien kaum noch möglich seien. Stattdessen wird mithilfe anderer Kanäle heftig über das Bürgerbegehren gestritten – auch unter Mitwirkung der FDP. Ein Schauplatz ist die Facebookseite „Veltheim an der Weser“, auf der insbesondere der FDP-Politiker und Ortsheimatpfleger Reinhold Kölling seit Monaten vehement für den Erhalt der örtlichen Grundschule wirbt. Am 20. Juli geriet auf der Seite ein Informationsblatt von SPD und Grünen, das sich gegen das Bürgerbegehren richtet, ins Visier der Kommentatoren. Der rot-grüne Flyer war offenbar noch nicht für eine Veröffentlichung freigegeben, konnte aber bereits aus dem Netz heruntergeladen werden. Analog zur BI (schulerhalt-porta.de) haben auch SPD und Grüne inzwischen eine Internetseite eingerichtet, um für ihr Grundschulsanierungspaket zu werben (www.gute-schulen-porta.de). In dem rot-grünen Flyerentwurf wird FDP und BI unter anderem die Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen. Müller-Dieker wehrt sich gegen den Eindruck, FDP- und BI-Position wären in der Grundschulfrage inhaltlich deckungsgleich. Die Liberalen finden aber gut, dass die BI das Bürgerbegehren angestoßen hat. Auf diese Weise seien wichtige Zahlen zu den Baukosten ermittelt worden. Allerdings sei auf den Listen, mit der die BI zurzeit Unterschriften sammelt, nur Platz für die allgemeinen Kosten. „Es wäre aber zum Beispiel wichtig zu wissen, welche Gewerke in den 1,3 Millionen Euro Sanierungskosten für Veltheim enthalten sind“, sagt Reinhold Kölling. Er bezweifelt, dass im Falle einer Sanierung aufgrund des Umfangs der Arbeiten ein vorübergehender Umzug der Schüler nach Eisbergen erforderlich ist. Das schlüge mit Kosten von mehr als 100.000 Euro zu Buche. Um den Bürgern mehr Informationen zur Grundschulsanierung an die Hand zu geben, haben die Liberalen beantragt, dass sämtliche Daten zur Ermittlung der Kostenschätzung für das Bürgerbegehren auf die Homepage der Stadt gestellt werden. Die Bürger hätten das Recht zu erfahren, wie sich einzelne Positionen der im Bürgerbegehren genannten Zahlen zusammensetzen. Zumal es das Geld der Steuerzahler sei, über das entschieden werde. Die Stadtverwaltung signalisierte gestern gegenüber dem MT, dass sie den kompletten Datensatz zur Kostenschätzung veröffentlichen will. Dies geschehe voraussichtlich kommende Woche, teilt Ulrike Luthe mit. Aufgrund des komplexen Sachverhaltes sollen die einzelnen Unterlagen nicht einfach auf eine Seite gestellt werden. Ziel sei vielmehr, dass die Daten „durch einfache Verlinkung gezielt und objektbezogen aufgerufen werden können“. Ein öffentliches Diskussionsforum, das die FDP ebenfalls wünscht, wird die Verwaltung nicht anbieten. Dies wäre zu personalintensiv, so Luthe. Außerdem müsse sich die Stadt beim Bürgerbegehren neutral verhalten. Es sei nicht auszuschließen, dass Kommentare Dritter der Verwaltung zugerechnet und städtische Antworten auf Bürgerfragen als tendenziös eingestuft würden.?Kommentar Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 164 oder unterDirk.Haunhorst@MT.de Die Sanierung sämtlicher Portaner Grundschulen, wie sie die Bürgerinitiative (BI) fordert, kostet schätzungsweise 21,8 Millionen Euro. Diese Summe entspricht fast haargenau jenen Kosten für die Umgestaltung der Grundschullandschaft (21,6 Mio. Euro), die der Stadtrat mehrheitlich 2017 beschlossen hat. Unstrittig zwischen Stadt und BI sind die Investitionen an den Grundschulen in Barkhausen (6,3 Millionen Euro), Hausberge (2,4 Millionen) und Holzhausen (1,2 Millionen). Der Streit dreht sich um die Schulstandorte Neesen/Lerbeck, sowie Eisbergen/Veltheim und Kleinenbremen. Der politische Mehrheitsbeschluss sieht den Umzug von Neesen nach Lerbeck, den Ausbau der Eisberger Schule und die Schließung der Veltheimer vor. Kleinenbremen soll ohne Sanierung am Netz bleibe. Das BI möchte mit dem Begehren den Verbleib und die Sanierung aller Grundschulen an ihren jetzigen Standorten erreichen. Kommentar zum Thema "Grundschuldebatte in Porta": Heißes Begehren An diesen heißen Tagen fällt es schwer, kühlen Kopf zu bewahren. Erst recht in Porta Westfalica, wo die hitzige Debatte über die Grundschulsanierung zusätzliche Thermik produziert. Da wirkt die FDP-Forderung nach ein wenig Abkühlung vernünftig. Die Liberalen möchten, dass nach der Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren erst einmal durchgeatmet wird und Bürgerinitiative und Politik nach einem Kompromiss suchen – anstatt stur auf einen Bürgerentscheid mit ungewissem Ausgang zuzusteuern. Die BI, die für Erhalt und Sanierung sämtlicher Grundschulen wirbt, benötigt in einem ersten Schritt rund 2.100 gültige Unterschriften für ihr Begehren. Kaum jemand bezweifelt, dass die BI diese Marke übertreffen wird. Je höher die Zahl der Unterschriften, desto mehr dürfte die rot-grüne Ratsmehrheit ins Schwitzen kommen und sich fragen, ob es richtig ist, an ihrem bisherigen Beschluss festzuhalten. Der könnte nämlich im folgenden Bürgerentscheid kassiert werden. Aber auch die BI hat nach der Sommerpause Grund zum Innehalten. Die Ja-oder-Nein-Fragestellung im Begehren lässt keinen Raum zur Differenzierung. Wer aufgrund der Kostenschätzung zum Beispiel den Umzug der Grundschule Neesen nach Lerbeck möchte und zugleich den Erhalt der Veltheimer Schule, hätte in einem Bürgerentscheid zwei Möglichkeiten: entweder nicht abzustimmen oder mit Nein zu votieren. Beides wäre eine kalte Dusche für die BI.