Gut Oheimb für 500 Euro verkauft - Portaner will Herrenhaus sanieren

Dirk Haunhorst

Stillstand: Das unbewohnte Gebäude verfällt zusehends. Der neue Eigentümer möchte zunächst die Fassade sanieren. - © haunhorst
Stillstand: Das unbewohnte Gebäude verfällt zusehends. Der neue Eigentümer möchte zunächst die Fassade sanieren. (© haunhorst)

Porta Westfalica-Holzhausen (mt). Auf diese Nachricht haben viele Holzhauser seit Jahren gewartet: Das Herrenhaus von Gut Oheimb hat einen neuen Eigentümer, der das halb verfallene Gebäude sanieren möchte.

Der Portaner Markus Weiß will rund 1,5 Millionen Euro in das marode Herrenhaus stecken. Er habe das Gebäude privat erworben, sagte Weiß gestern dem MT. Der Immobilienentwickler ist zugleich Geschäftsführer der HVM-Verwaltungs GmbH, die das frühere NP-Markt-Gelände und die Gaststätte Lücking in unmittelbarer Nähe von Gut Oheimb gekauft hat. Sämtliche Investitionen sollen dem Wohnungsbau gelten. „Es gibt ja erhöhten Bedarf“, sagt Weiß.

Nebensache: Das neue Pflegezentrum an der Costedter Straße, das im Herbst öffnet, verstellt beinahe den Blick auf das Herrenhaus von Gut Oheimb (auf dem Foto ganz links). MT-Fotos: Dirk Haunhorst - © haunhorst
Nebensache: Das neue Pflegezentrum an der Costedter Straße, das im Herbst öffnet, verstellt beinahe den Blick auf das Herrenhaus von Gut Oheimb (auf dem Foto ganz links). MT-Fotos: Dirk Haunhorst (© haunhorst)

Das Herrenhaus gehörte bislang der Habitat Seniorenwohnheime GmbH in Bad Sassendorf. (Kreis Soest). Deren Geschäftsführer Dieter Balke und Franz-Wilhelm Heckmann versuchten viele Jahren vergeblich, die Immobilie zu vermarkten. Die laufende Unterhaltung kostet die Habitat zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Jahr.

Bestrebungen des Unternehmens, das Gebäude aus dem Denkmalschutz herauszuklagen, scheiterten vor Gericht und somit auch Pläne, für eine Kernsanierung lediglich die Außenwände stehen zu lassen. „Innen müssen immerhin 1000 Quadratmeter durchsaniert werden“, sagt Heckmann mit Blick auf die bevorstehenden Aufgaben des neuen Eigentümers.

Die Habitat bestätigt MT-Informationen, wonach das 3200 Quadratmeter große Grundstück samt Gebäude für den eher symbolischen Preis von 500 Euro an Markus Weiß verkauft wurde. Zugleich bekräftigt Heckmann, dass die Gesellschaft eine Bürgschaft in Höhe von 200.000 Euro von der Stadt zurückfordert. Das Geld stammt aus dem Erlös des Grundstücksverkaufs für das Pflegeheimprojekt und sollte zweckgebunden in die Sanierung des Herrenhauses fließen. Nach dem Verkauf entfalle die Grundlage für die Bürgschaft, meint Heckmann. „Wir verkaufen ja nicht für 500 Euro und legen dann 200.000 Euro drauf.“

Für die Stadtverwaltung ist hingegen noch nicht entschieden, ob das Geld zurückfließt. „Wir werden das prüfen“, teilt Beigeordneter Stefan Mohme mit. Er begrüßt die neue Entwicklung am Gut Oheimb, weist aber zugleicht auf die Auflagen hin, die mit Investitionen verbunden sind. „Der neue Eigentümer hat ein Denkmal erworben.“

Darüber scheint sich Markus Weiß im Klaren zu sein. Er will eng mit den Denkmalbehörden zusammenarbeiten und das Gebäude „ordnungsgemäß“ herrichten. „Was die mir sagen, wird gemacht.“

In den nächsten Wochen will sich Weiß mit Vertretern der Bauverwaltung auf dem Gelände umsehen und die nächsten Schritte besprechen. Sein Ziel ist, im Laufe des kommenden Jahres zunächst die Fassade herzurichten, damit das Herrenhaus, das langfristig in Familienbesitz bleiben soll, wieder ein Hingucker wird. Das Projekt liege ihm am Herzen, sagt Weiß .

Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Wille und der Vorsitzende des politischen Bezirksausschusses Reinhard Geffert freuen sich, dass mit dem Verkauf des Herrenhauses wieder Bewegung in eine festgefahrene Situation kommt. „Darauf warten wir seit 20 Jahren“, sagt Geffert. Er wünscht sich, dass „dort Wohnungen entstehen, die für den Durchschnittsbürger bezahlbar sind“.

Trotz Verkaufs des Pflegeheim-Grundstücks und des Herrenhauses besitzt die Habitat mit 36.000 Quadratmetern weiterhin einen Großteil des Gutsareals. Heckmann möchte demnächst mit der Stadt Gespräche über die südwestlich des Herrenhauses gelegene Fläche führen. Auch dafür kommen womöglich Wohngebäude infrage.

Das marode Haupthaus mit Anbau erinnert nur entfernt an das ursprüngliche Herrenhaus mit Zwiebelturm aus dem Jahr 1690. Gut Oheimb, auch Gut Holzhausen genannt, wurde bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Später hatte die Adelsfamilie von Oheimb hier ihren Sitz. Der Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals geht auf die Initiative des Reichstagsabgeordneten und Landrats Alexander von Oheimb zurück.

Das Hauptgebäude, das bereits als Kriegslazarett, Privatklinik Mütterkurheim und Asylheim diente, steht seit einem Vierteljahrhundert leer und ist immer wieder Ziel ungebetener Besucher. Diese laufen Gefahr, in dem mehrgeschossigen Gebäude zu stürzen, weil zum Beispiel das Treppenhaus marode ist.

Vor zwei Jahre machte ein Feuerwehreinsatz Schlagzeilen: Jugendliche hatten im Gebäude eine Matratze in Brand gesetzt und aus dem Fenster geworfen, bevor die Flammen großes Unheil anrichten konnten.

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882 164 oder Dirk .Haunhorst@MT.de

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Gut Oheimb für 500 Euro verkauft - Portaner will Herrenhaus sanierenDirk HaunhorstPorta Westfalica-Holzhausen (mt). Auf diese Nachricht haben viele Holzhauser seit Jahren gewartet: Das Herrenhaus von Gut Oheimb hat einen neuen Eigentümer, der das halb verfallene Gebäude sanieren möchte. Der Portaner Markus Weiß will rund 1,5 Millionen Euro in das marode Herrenhaus stecken. Er habe das Gebäude privat erworben, sagte Weiß gestern dem MT. Der Immobilienentwickler ist zugleich Geschäftsführer der HVM-Verwaltungs GmbH, die das frühere NP-Markt-Gelände und die Gaststätte Lücking in unmittelbarer Nähe von Gut Oheimb gekauft hat. Sämtliche Investitionen sollen dem Wohnungsbau gelten. „Es gibt ja erhöhten Bedarf“, sagt Weiß. Das Herrenhaus gehörte bislang der Habitat Seniorenwohnheime GmbH in Bad Sassendorf. (Kreis Soest). Deren Geschäftsführer Dieter Balke und Franz-Wilhelm Heckmann versuchten viele Jahren vergeblich, die Immobilie zu vermarkten. Die laufende Unterhaltung kostet die Habitat zwischen 20.000 und 30.000 Euro pro Jahr. Bestrebungen des Unternehmens, das Gebäude aus dem Denkmalschutz herauszuklagen, scheiterten vor Gericht und somit auch Pläne, für eine Kernsanierung lediglich die Außenwände stehen zu lassen. „Innen müssen immerhin 1000 Quadratmeter durchsaniert werden“, sagt Heckmann mit Blick auf die bevorstehenden Aufgaben des neuen Eigentümers. Die Habitat bestätigt MT-Informationen, wonach das 3200 Quadratmeter große Grundstück samt Gebäude für den eher symbolischen Preis von 500 Euro an Markus Weiß verkauft wurde. Zugleich bekräftigt Heckmann, dass die Gesellschaft eine Bürgschaft in Höhe von 200.000 Euro von der Stadt zurückfordert. Das Geld stammt aus dem Erlös des Grundstücksverkaufs für das Pflegeheimprojekt und sollte zweckgebunden in die Sanierung des Herrenhauses fließen. Nach dem Verkauf entfalle die Grundlage für die Bürgschaft, meint Heckmann. „Wir verkaufen ja nicht für 500 Euro und legen dann 200.000 Euro drauf.“ Für die Stadtverwaltung ist hingegen noch nicht entschieden, ob das Geld zurückfließt. „Wir werden das prüfen“, teilt Beigeordneter Stefan Mohme mit. Er begrüßt die neue Entwicklung am Gut Oheimb, weist aber zugleicht auf die Auflagen hin, die mit Investitionen verbunden sind. „Der neue Eigentümer hat ein Denkmal erworben.“ Darüber scheint sich Markus Weiß im Klaren zu sein. Er will eng mit den Denkmalbehörden zusammenarbeiten und das Gebäude „ordnungsgemäß“ herrichten. „Was die mir sagen, wird gemacht.“ In den nächsten Wochen will sich Weiß mit Vertretern der Bauverwaltung auf dem Gelände umsehen und die nächsten Schritte besprechen. Sein Ziel ist, im Laufe des kommenden Jahres zunächst die Fassade herzurichten, damit das Herrenhaus, das langfristig in Familienbesitz bleiben soll, wieder ein Hingucker wird. Das Projekt liege ihm am Herzen, sagt Weiß . Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Wille und der Vorsitzende des politischen Bezirksausschusses Reinhard Geffert freuen sich, dass mit dem Verkauf des Herrenhauses wieder Bewegung in eine festgefahrene Situation kommt. „Darauf warten wir seit 20 Jahren“, sagt Geffert. Er wünscht sich, dass „dort Wohnungen entstehen, die für den Durchschnittsbürger bezahlbar sind“. Trotz Verkaufs des Pflegeheim-Grundstücks und des Herrenhauses besitzt die Habitat mit 36.000 Quadratmetern weiterhin einen Großteil des Gutsareals. Heckmann möchte demnächst mit der Stadt Gespräche über die südwestlich des Herrenhauses gelegene Fläche führen. Auch dafür kommen womöglich Wohngebäude infrage. Das marode Haupthaus mit Anbau erinnert nur entfernt an das ursprüngliche Herrenhaus mit Zwiebelturm aus dem Jahr 1690. Gut Oheimb, auch Gut Holzhausen genannt, wurde bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Später hatte die Adelsfamilie von Oheimb hier ihren Sitz. Der Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals geht auf die Initiative des Reichstagsabgeordneten und Landrats Alexander von Oheimb zurück. Das Hauptgebäude, das bereits als Kriegslazarett, Privatklinik Mütterkurheim und Asylheim diente, steht seit einem Vierteljahrhundert leer und ist immer wieder Ziel ungebetener Besucher. Diese laufen Gefahr, in dem mehrgeschossigen Gebäude zu stürzen, weil zum Beispiel das Treppenhaus marode ist. Vor zwei Jahre machte ein Feuerwehreinsatz Schlagzeilen: Jugendliche hatten im Gebäude eine Matratze in Brand gesetzt und aus dem Fenster geworfen, bevor die Flammen großes Unheil anrichten konnten. Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882 164 oder Dirk .Haunhorst@MT.de