Wetterballon startet am Sonntag in Nammen - Kamera sendet Live-Bilder

Carsten Korfesmeyer

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Porta Westfalica-Nammen (mt). Fliegt der Wetterballon kurz vor dem Weltall in Fetzen, stürzt die an ihm befestigte Styroporbox aus mehr als 35 Kilometern Höhe auf die Erde. Rasant geht das und erst kurz vor dem Aufprall bremst ein Fallschirm das Tempo soweit ab, dass die Box unbeschadet landen kann. Wo das ist, weiß noch keiner. Laut aktueller Wetterlage könnte es in einem Umkreis von 50 Kilometern passieren. Fest stehen allerdings die Daten für den Start. Um 10 Uhr hebt der Ballon am kommenden Sonntag samt Anhang im Nammer Berg 5 ab – und wird während der ganzen Mission Bilder senden. Das sogar live im Internet unter http://ssdv.habhub.org/.

Die 800 Gramm starke „Besatzung“ der Styroporbox besteht aus drei Kameras, einem Mini-Computer, Messsensoren und einer Funkantenne.
Die 800 Gramm starke „Besatzung“ der Styroporbox besteht aus drei Kameras, einem Mini-Computer, Messsensoren und einer Funkantenne.

Ausrichter ist eine Gruppe um die Portaner Achim Brinkmann und Frank Siemonsmeier, die von den Mindener Funkamateuren unterstützt wird. Ihr Ziel ist es, schöne Fotos aus der Stratosphäre zu bekommen, auf denen idealerweise die Erdkrümmung zu sehen ist. Läuft alles wie geplant, könnte die Kamera sogar Bilder von der Nordsee schießen. Ziel der Aktion ist allerdings auch zu zeigen, wie einfach es ist, einen Wetterballon steigen zu lassen. Jeder Normalbürger kann das machen, sagt Brinkmann. „Die Vorbereitungen sind allerdings schon umfangreicher.“

Genehmigungen der Deutschen Flugsicherung und der Bezirksregierung sind einzuholen, außerdem müssen umliegende Flughäfen informiert werden. Im Fall der Nammer Mission sind das Porta, Bückeburg, Rinteln und Achum. „Wir haben auch Versicherungen abgeschlossen“, sagt Siemonsmeier, obwohl das Risiko, dass einem die 800 Gramm leichte Box samt Fallschirm auf den Kopf falle, vernichtend gering sei. „Und falls doch, kann nicht viel passieren.“

Etwa 3600 Liter Helium pumpen die Projektler in den speziell für Wetterexpeditionen gefertigten Ballon, der laut Brinkmann 170 Euro kostet. Fünf Meter pro Sekunde steigt er – und mit zunehmender Höhe wird es immer kühler. „Dadurch dehnt sich das Helium aus und irgendwann platzt er dann“, sagt Siemonsmeier. Bei vergleichbaren Missionen hat der Kleinenbremer sogar Bilder gesehen, wie die Fetzen umherflogen. Beeindruckend sei das, erzählt der 46-Jährige.

Neben den drei Kameras stecken noch ein Mini-Computer, Messsensoren und eine Funkantenne in der Box. Alle Programme sind eingegeben und die eingehenden Daten werden gespeichert. Mit den gewonnenen Erkenntnissen will die Gruppe in die Öffentlichkeit gehen. Ein Film soll beispielsweise entstehen, den man dann bei Youtube im Internet sehen kann. Brinkmann und Siemonsmeier wollen das Material auch Schulen zur Verfügung stellen.

Die beiden IT'ler bezeichnen sich als technikbegeistert. Es ist ihnen anzumerken, dass sie dem kommenden Sonntag mit freudiger Anspannung entgegenblicken. Spannend bleibt es die ganze Zeit. Schon beim Befüllen des Ballons ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, damit er nicht am Boden platzt. „Sonst war alles für die Katz“, sagt Brinkmann. Nervös sei er auf jeden Fall, werde aber trotzdem gut frühstücken. Zehn Minuten vor dem Start wird die Sonde befestigt und ein letztes Mal die Technik überprüft.

„Erwartet wird Westwind“, sagt Siemonsmeier. Der Bergungstrupp wird sich per GPS-Signal orientieren und die Box am Nachmittag irgendwo abholen. Alle hoffen, dass sie irgendwo auf einem Feld landet – und nicht dort, wie bei einem früheren Versuch vor zwei Jahren. Da steckte sie in 30 Metern Höhe in einer Pappel fest und musste mit einer Drohne befreit werden. Die Box blieb unbeschädigt. Es ist übrigens dieselbe, die am Sonntag startet.

Der Autor ist erreichbar unter(05 71) 882 683 oder carsten.korfesmeyer@mt.de

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Wetterballon startet am Sonntag in Nammen - Kamera sendet Live-BilderCarsten KorfesmeyerPorta Westfalica-Nammen (mt). Fliegt der Wetterballon kurz vor dem Weltall in Fetzen, stürzt die an ihm befestigte Styroporbox aus mehr als 35 Kilometern Höhe auf die Erde. Rasant geht das und erst kurz vor dem Aufprall bremst ein Fallschirm das Tempo soweit ab, dass die Box unbeschadet landen kann. Wo das ist, weiß noch keiner. Laut aktueller Wetterlage könnte es in einem Umkreis von 50 Kilometern passieren. Fest stehen allerdings die Daten für den Start. Um 10 Uhr hebt der Ballon am kommenden Sonntag samt Anhang im Nammer Berg 5 ab – und wird während der ganzen Mission Bilder senden. Das sogar live im Internet unter http://ssdv.habhub.org/. Ausrichter ist eine Gruppe um die Portaner Achim Brinkmann und Frank Siemonsmeier, die von den Mindener Funkamateuren unterstützt wird. Ihr Ziel ist es, schöne Fotos aus der Stratosphäre zu bekommen, auf denen idealerweise die Erdkrümmung zu sehen ist. Läuft alles wie geplant, könnte die Kamera sogar Bilder von der Nordsee schießen. Ziel der Aktion ist allerdings auch zu zeigen, wie einfach es ist, einen Wetterballon steigen zu lassen. Jeder Normalbürger kann das machen, sagt Brinkmann. „Die Vorbereitungen sind allerdings schon umfangreicher.“ Genehmigungen der Deutschen Flugsicherung und der Bezirksregierung sind einzuholen, außerdem müssen umliegende Flughäfen informiert werden. Im Fall der Nammer Mission sind das Porta, Bückeburg, Rinteln und Achum. „Wir haben auch Versicherungen abgeschlossen“, sagt Siemonsmeier, obwohl das Risiko, dass einem die 800 Gramm leichte Box samt Fallschirm auf den Kopf falle, vernichtend gering sei. „Und falls doch, kann nicht viel passieren.“ Etwa 3600 Liter Helium pumpen die Projektler in den speziell für Wetterexpeditionen gefertigten Ballon, der laut Brinkmann 170 Euro kostet. Fünf Meter pro Sekunde steigt er – und mit zunehmender Höhe wird es immer kühler. „Dadurch dehnt sich das Helium aus und irgendwann platzt er dann“, sagt Siemonsmeier. Bei vergleichbaren Missionen hat der Kleinenbremer sogar Bilder gesehen, wie die Fetzen umherflogen. Beeindruckend sei das, erzählt der 46-Jährige. Neben den drei Kameras stecken noch ein Mini-Computer, Messsensoren und eine Funkantenne in der Box. Alle Programme sind eingegeben und die eingehenden Daten werden gespeichert. Mit den gewonnenen Erkenntnissen will die Gruppe in die Öffentlichkeit gehen. Ein Film soll beispielsweise entstehen, den man dann bei Youtube im Internet sehen kann. Brinkmann und Siemonsmeier wollen das Material auch Schulen zur Verfügung stellen. Die beiden IT'ler bezeichnen sich als technikbegeistert. Es ist ihnen anzumerken, dass sie dem kommenden Sonntag mit freudiger Anspannung entgegenblicken. Spannend bleibt es die ganze Zeit. Schon beim Befüllen des Ballons ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt, damit er nicht am Boden platzt. „Sonst war alles für die Katz“, sagt Brinkmann. Nervös sei er auf jeden Fall, werde aber trotzdem gut frühstücken. Zehn Minuten vor dem Start wird die Sonde befestigt und ein letztes Mal die Technik überprüft. „Erwartet wird Westwind“, sagt Siemonsmeier. Der Bergungstrupp wird sich per GPS-Signal orientieren und die Box am Nachmittag irgendwo abholen. Alle hoffen, dass sie irgendwo auf einem Feld landet – und nicht dort, wie bei einem früheren Versuch vor zwei Jahren. Da steckte sie in 30 Metern Höhe in einer Pappel fest und musste mit einer Drohne befreit werden. Die Box blieb unbeschädigt. Es ist übrigens dieselbe, die am Sonntag startet. Der Autor ist erreichbar unter(05 71) 882 683 oder carsten.korfesmeyer@mt.de