Preisgekrönte Briefmarkensammlung beleuchtet Geschichte der Bundesrepublik Lebenszeichen eines aussterbenden Hobbys Dirk Haunhorst Porta Westfalica (mt). Eine Briefmarkenausstellung? Solch ein Termin wird von vielen umgehend als langweilig abgestempelt. Dabei macht manch alte Marke Geschichte erst lebendig. Rätselhaft sind die schwarzen Flecken, die auf einigen Briefumschlägen die Marken verdecken. „Das ist leicht zu erklären“, sagt Heiner Kühr. Die Marken thematisieren das Flüchtlingsproblem, und das blendete die DDR-Führung aus naheliegenden Gründen aus. Deshalb wurden im Arbeiter- und Bauernstaat politisch prekäre Marken geschwärzt.„Geschichte der BRD – von der Teilung bis zur Einheit“ hat Heiner Kühr seine Ausstellung genannt, die mit Preisen bedacht wurde. Ein Teil ist bis zum 7. August im zweiten Obergeschoss des Rathauses (Kempstraße) zu sehen. Unmittelbar vor dem Eingang zum Ratssaal hängen hinter Glas außergewöhnliche Stempel und Marken, versehen mit Erläuterungen.Als Laie wundert man sich über die Briefmarke aus Ghana, die mit einem Feuerwerk über der Quadriga die deutsche Einheit verbildlicht. Kührs Erklärung leuchtet ein: Manche Briefmarken wurden nämlich nicht zum Versenden, sondern ausschließlich für Sammler produziert. Motive zur Wiedervereinigung waren begehrt, auch aus Afrika.Heiner Kühr ist Mitglied des Briefmarkensammler-Vereins (BSV) Minden, der 65 Mitglieder hat. Einst waren es deutlich über 100. Und früher erschienen Marken in einer Auflage von 20 bis 30 Millionen Stück, heute ist es nur ein Zehntel. Wer schreibt noch Briefe?„Briefmarkensammeln ist ein aussterbendes Hobby“, sagt Kühr nüchtern. Nachwuchs ist faktisch nicht vorhanden, der jüngste Mindener Vereinsphilatelist ist stellvertretender Vorsitzender Bernd Hagemeister, 44 Jahre.Kinder interessierten sich im Alter etwa zwischen sieben und zehn durchaus für Briefmarken, aber danach liefen Computerspiele den bunten Marken deutlich den Rang ab, sagt Kühr. Er ist Geschichtslehrer in Bad Oeynhausen. „Teile der Ausstellung zeige ich im Unterricht.“ Motive auf den Briefmarken können lehrreich Geschichte vermitteln. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis die Briefmarke selbst Geschichte ist.

Preisgekrönte Briefmarkensammlung beleuchtet Geschichte der Bundesrepublik

Heiner Kühr zeigt außergewöhnliche Briefmarken und Stempel vor dem Eingang zum Ratssaal. Die Ausstellung ist bis zum 7. August zu sehen. © MT-Foto: Dirk Haunhorst

Porta Westfalica (mt). Eine Briefmarkenausstellung? Solch ein Termin wird von vielen umgehend als langweilig abgestempelt. Dabei macht manch alte Marke Geschichte erst lebendig.

Rätselhaft sind die schwarzen Flecken, die auf einigen Briefumschlägen die Marken verdecken. „Das ist leicht zu erklären“, sagt Heiner Kühr. Die Marken thematisieren das Flüchtlingsproblem, und das blendete die DDR-Führung aus naheliegenden Gründen aus. Deshalb wurden im Arbeiter- und Bauernstaat politisch prekäre Marken geschwärzt.

„Geschichte der BRD – von der Teilung bis zur Einheit“ hat Heiner Kühr seine Ausstellung genannt, die mit Preisen bedacht wurde. Ein Teil ist bis zum 7. August im zweiten Obergeschoss des Rathauses (Kempstraße) zu sehen. Unmittelbar vor dem Eingang zum Ratssaal hängen hinter Glas außergewöhnliche Stempel und Marken, versehen mit Erläuterungen.

Als Laie wundert man sich über die Briefmarke aus Ghana, die mit einem Feuerwerk über der Quadriga die deutsche Einheit verbildlicht. Kührs Erklärung leuchtet ein: Manche Briefmarken wurden nämlich nicht zum Versenden, sondern ausschließlich für Sammler produziert. Motive zur Wiedervereinigung waren begehrt, auch aus Afrika.

Heiner Kühr ist Mitglied des Briefmarkensammler-Vereins (BSV) Minden, der 65 Mitglieder hat. Einst waren es deutlich über 100. Und früher erschienen Marken in einer Auflage von 20 bis 30 Millionen Stück, heute ist es nur ein Zehntel. Wer schreibt noch Briefe?

„Briefmarkensammeln ist ein aussterbendes Hobby“, sagt Kühr nüchtern. Nachwuchs ist faktisch nicht vorhanden, der jüngste Mindener Vereinsphilatelist ist stellvertretender Vorsitzender Bernd Hagemeister, 44 Jahre.

Kinder interessierten sich im Alter etwa zwischen sieben und zehn durchaus für Briefmarken, aber danach liefen Computerspiele den bunten Marken deutlich den Rang ab, sagt Kühr. Er ist Geschichtslehrer in Bad Oeynhausen. „Teile der Ausstellung zeige ich im Unterricht.“ Motive auf den Briefmarken können lehrreich Geschichte vermitteln. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis die Briefmarke selbst Geschichte ist.

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