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„Zusammen geht eben mehr als allein“: Porta schreibt Kirchengeschichte mit neuer Großgemeinde Porta Westfalica. Mit einem Festgottesdienst in Möllbergen feierten die evangelisch-lutherischen Gemeindeglieder im Süden von Porta Westfalicas Hochzeit und Geburtstag zugleich: die zum Jahreswechsel vollzogene Vereinigung der vier Altgemeinden und die Geburt der neuen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd. Motiv für Gottesdienst wie den Vereinigungsprozess insgesamt war dabei das Lied „Vertraut den neuen Wegen“ von Klaus-Peter Hertzsch. Dort heißt es: Weil Leben heißt, sich regen, weil Leben wandern heißt. Die ehemaligen Gemeinden werden zu vier Seelsorgebezirken Die Kirchengemeinden in Porta Westfalica leben und regen sich schon seit über einem Jahrtausend. Stadt und Dorf sind um sie gewachsen, und über die Jahrhunderte war Veränderung die einzige Konstante: Hausberge, manchmal mit, manchmal ohne Lohfeld. Eisbergen, seit genau 750 Jahren als Pfarrei belegt, aber vorher wahrscheinlich zum jetzt schaumburgischen Exten gehörig. Holtrup, im Mittelalter von Holzhausen abgepfarrt, in der Neuzeit wieder mit dem alten Nachbarn vereint. Veltheim, der Hildburg-Legende nach schon vor der ersten Jahrtausendwende gegründet, oder Möllbergen, erst seit einem Menschenleben mit eigener Kirche. Gemeinden und ihre Grenzen wanderten und wandelten sich. Manche Kirche verschwand gänzlich, manche kleine Kapelle wurde dorfbildprägendes Herz einer Gemeinde. Die Kirchen bleiben, die ehemaligen Gemeinden werden nun zu vier Seelsorgebezirken in der gemeinsamen Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd. Mit dem ungewohnten Namen – „wie eine Autobahnausfahrt“, scherzte Superintendentin Dorothea Goudefroy in ihrer Predigt – taten sich manche Besucher ebenso schwer wie mit der Vereinigung selbst. Doch beim Festgottesdienst blieb kein Gedanke an die Scheu, Liebgewonnenes abzugeben, oder an zukünftige Unsicherheiten. Ungefähr 100 Besucher gingen in dem Gottesdienst auf eine emotionale Reise in die gemeinsame Zukunft. Für die Gestaltung des Gottesdienstes zeichnete das gesamte Portaner Pfarrteam verantwortlich: Joachim Schierbaum, Rainer Schulz, Torsten Willimczik und Katharina Kenter-Töns; außerdem die Lektorin Heike Oberste-Vorth, Kirchenmusiker Jonathan Dräger und die Superintendentin. Kirche neu entdecken - mit Gottvertrauen und Kreativität Dorothea Goudefroy sagte in ihrer Predigt, dass mit Gottvertrauen, ein wenig wilder Kreativität und mit den vielen ehrenamtlich Engagierten nun Kirche in Porta Westfalica neu entdeckt und gelebt werden könne. „Zusammen geht eben mehr als allein“, sagte Goudefroy und fügte hinzu: „Die Kirchengemeinde muss sich immer bewusst sein, dass sie nicht für sich selber da sei, sondern als Kirche mit einer frohen Botschaft für die Menschen und für die Welt. Der Entschluss, eine neue, gemeinsame Gemeinde zu bilden, ist in den vier Presbyterien der Altgemeinden entstanden, begleitet von Pfarrer Wolfgang Edler, Assessor des Kirchenkreises. Er bedankte sich für die konstruktiven und ergebnisoffenen Beratungen, in denen auch die Vorbehalte zur Sprache kamen. Im Ergebnis wollen die Gemeinden nicht nur Mangel verwalten oder einen Flickenteppich aus Teil- und Kurzfristlösungen schaffen, sondern gleich den großen Wurf wagen. Alle Altgemeinden sollen in die neugebildete Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd einmünden, um das Heft des Handels in der Hand zu behalten und Kirche aktiv zu gestalten. Jeweils neun Männer und Frauen im Bevollmächtigten-Ausschuss Im Festgottesdienst wurde auch der Bevollmächtigten-Ausschuss eingeführt, dessen 18 Mitglieder bis zur Kirchenwahl 2024 die Geschicke der neuen Gemeinde leiten werden. Paritätisch aus den bisherigen Gemeinden berufen, werden die neun Frauen und neun Männer, darunter auch das Pfarrteam, sich mit den großen und kleinen Fragen des Gemeindealltags befassen. Das betrifft Themen, für die bereits in den Vorgängerpresbyterien wichtige Richtungsentscheidungen getroffen wurden. Beispielsweise zum Gebäudebestand, der im Verhältnis zu den Gemeindegliederzahlen überdimensioniert ist. Wenig wird sich anfänglich in der Alltagspraxis ändern: Gottesdienste werden weiterhin, jetzt mit neuen Anfangszeiten um 9.30 Uhr oder 11 Uhr, im Wechsel an den gewohnten Orten gefeiert. Auch die Jugendarbeit findet bereits zu großen Teilen gemeinsam statt. Wie Superintendentin Goudefroy betonte, fragen Jugendliche nicht nach den genauen Gemeindegrenzen. „Stattdessen fragen sie: Wo ist etwas los? Wo kann man etwas machen? Und vielleicht kommt am Ende dabei Kirche raus.“ Veränderungen zeigen sich bereits in den Chören Was das in der Praxis bedeuten mag, konnten die zahlreichen Besucher bereits beim Auftakt-Gottesdienst live erleben: Der nicht mehr nur mit Bläsern aus seinem Pfarrbezirk besetzte Holzhauser Posaunenchor und das Chorprojekt Porta Westfalica-Süd unter der Leitung von Jonathan Dräger begleiteten den Festgottesdienst mit echten Bravourstücken. Der Posaunenchor stimmte virtuos die erste Strophe von „Vertraut den Wegen“ an, als würde gleich eine Streetband aus New Orleans um die Ecke kommen. Und der Chor sang „Es ist ein Ros’ entsprungen“ als überraschend komplexen Kanon. Die Chöre zeigten damit, wie viel mehr möglich wird, wenn Gaben und Ideen der Menschen über alle alten Grenzen hinweg zusammengebracht werden.
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„Zusammen geht eben mehr als allein“: Porta schreibt Kirchengeschichte mit neuer Großgemeinde

Der krankheitsbedingt nicht ganz vollständige Bevollmächtigtenausschuss nimmt mit Segen und Dank von Superintendentin Dorothea Goudefroy (rechts) und Assessor Wolfgang Edler (2. von rechts) seine Arbeit auf. Foto: Kirchenkreis Vlotho © privat

Porta Westfalica. Mit einem Festgottesdienst in Möllbergen feierten die evangelisch-lutherischen Gemeindeglieder im Süden von Porta Westfalicas Hochzeit und Geburtstag zugleich: die zum Jahreswechsel vollzogene Vereinigung der vier Altgemeinden und die Geburt der neuen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd. Motiv für Gottesdienst wie den Vereinigungsprozess insgesamt war dabei das Lied „Vertraut den neuen Wegen“ von Klaus-Peter Hertzsch. Dort heißt es: Weil Leben heißt, sich regen, weil Leben wandern heißt.

Die ehemaligen Gemeinden werden zu vier Seelsorgebezirken

Die Kirchengemeinden in Porta Westfalica leben und regen sich schon seit über einem Jahrtausend. Stadt und Dorf sind um sie gewachsen, und über die Jahrhunderte war Veränderung die einzige Konstante: Hausberge, manchmal mit, manchmal ohne Lohfeld. Eisbergen, seit genau 750 Jahren als Pfarrei belegt, aber vorher wahrscheinlich zum jetzt schaumburgischen Exten gehörig. Holtrup, im Mittelalter von Holzhausen abgepfarrt, in der Neuzeit wieder mit dem alten Nachbarn vereint. Veltheim, der Hildburg-Legende nach schon vor der ersten Jahrtausendwende gegründet, oder Möllbergen, erst seit einem Menschenleben mit eigener Kirche. Gemeinden und ihre Grenzen wanderten und wandelten sich. Manche Kirche verschwand gänzlich, manche kleine Kapelle wurde dorfbildprägendes Herz einer Gemeinde.

Die Kirchen bleiben, die ehemaligen Gemeinden werden nun zu vier Seelsorgebezirken in der gemeinsamen Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd. Mit dem ungewohnten Namen – „wie eine Autobahnausfahrt“, scherzte Superintendentin Dorothea Goudefroy in ihrer Predigt – taten sich manche Besucher ebenso schwer wie mit der Vereinigung selbst. Doch beim Festgottesdienst blieb kein Gedanke an die Scheu, Liebgewonnenes abzugeben, oder an zukünftige Unsicherheiten. Ungefähr 100 Besucher gingen in dem Gottesdienst auf eine emotionale Reise in die gemeinsame Zukunft. Für die Gestaltung des Gottesdienstes zeichnete das gesamte Portaner Pfarrteam verantwortlich: Joachim Schierbaum, Rainer Schulz, Torsten Willimczik und Katharina Kenter-Töns; außerdem die Lektorin Heike Oberste-Vorth, Kirchenmusiker Jonathan Dräger und die Superintendentin.

Benjamin Piel

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Jeden Donnerstag von unserem Chefredakteur Benjamin Piel

Kirche neu entdecken - mit Gottvertrauen und Kreativität

Dorothea Goudefroy sagte in ihrer Predigt, dass mit Gottvertrauen, ein wenig wilder Kreativität und mit den vielen ehrenamtlich Engagierten nun Kirche in Porta Westfalica neu entdeckt und gelebt werden könne. „Zusammen geht eben mehr als allein“, sagte Goudefroy und fügte hinzu: „Die Kirchengemeinde muss sich immer bewusst sein, dass sie nicht für sich selber da sei, sondern als Kirche mit einer frohen Botschaft für die Menschen und für die Welt.

Der Entschluss, eine neue, gemeinsame Gemeinde zu bilden, ist in den vier Presbyterien der Altgemeinden entstanden, begleitet von Pfarrer Wolfgang Edler, Assessor des Kirchenkreises. Er bedankte sich für die konstruktiven und ergebnisoffenen Beratungen, in denen auch die Vorbehalte zur Sprache kamen. Im Ergebnis wollen die Gemeinden nicht nur Mangel verwalten oder einen Flickenteppich aus Teil- und Kurzfristlösungen schaffen, sondern gleich den großen Wurf wagen. Alle Altgemeinden sollen in die neugebildete Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Porta Westfalica-Süd einmünden, um das Heft des Handels in der Hand zu behalten und Kirche aktiv zu gestalten.

Jeweils neun Männer und Frauen im Bevollmächtigten-Ausschuss

Im Festgottesdienst wurde auch der Bevollmächtigten-Ausschuss eingeführt, dessen 18 Mitglieder bis zur Kirchenwahl 2024 die Geschicke der neuen Gemeinde leiten werden. Paritätisch aus den bisherigen Gemeinden berufen, werden die neun Frauen und neun Männer, darunter auch das Pfarrteam, sich mit den großen und kleinen Fragen des Gemeindealltags befassen. Das betrifft Themen, für die bereits in den Vorgängerpresbyterien wichtige Richtungsentscheidungen getroffen wurden. Beispielsweise zum Gebäudebestand, der im Verhältnis zu den Gemeindegliederzahlen überdimensioniert ist. Wenig wird sich anfänglich in der Alltagspraxis ändern: Gottesdienste werden weiterhin, jetzt mit neuen Anfangszeiten um 9.30 Uhr oder 11 Uhr, im Wechsel an den gewohnten Orten gefeiert. Auch die Jugendarbeit findet bereits zu großen Teilen gemeinsam statt. Wie Superintendentin Goudefroy betonte, fragen Jugendliche nicht nach den genauen Gemeindegrenzen. „Stattdessen fragen sie: Wo ist etwas los? Wo kann man etwas machen? Und vielleicht kommt am Ende dabei Kirche raus.“

Veränderungen zeigen sich bereits in den Chören

Was das in der Praxis bedeuten mag, konnten die zahlreichen Besucher bereits beim Auftakt-Gottesdienst live erleben: Der nicht mehr nur mit Bläsern aus seinem Pfarrbezirk besetzte Holzhauser Posaunenchor und das Chorprojekt Porta Westfalica-Süd unter der Leitung von Jonathan Dräger begleiteten den Festgottesdienst mit echten Bravourstücken. Der Posaunenchor stimmte virtuos die erste Strophe von „Vertraut den Wegen“ an, als würde gleich eine Streetband aus New Orleans um die Ecke kommen. Und der Chor sang „Es ist ein Ros’ entsprungen“ als überraschend komplexen Kanon. Die Chöre zeigten damit, wie viel mehr möglich wird, wenn Gaben und Ideen der Menschen über alle alten Grenzen hinweg zusammengebracht werden.

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