Zurück zum Wesentlichen: Warum Sarah Niesel nach Aufenthalten in Hamburg und Basel nun wieder auf dem Land wohnt Fabian Terwey Porta Westfalica-Neesen. Wenn sich die güldenen Felder sanft im Wind wiegen und auf dem Kirschbaum im Garten die Vögel zwitschern, dann fühlt sich Sarah Niesel in ihre Kindheit zurückversetzt. Aus ihrem Geburtsort Hüllhorst-Oberbauerschaft zog es die 35-Jährige nach Stationen in europäischen Metropolen zurück aufs Land – nach Neesen. In Hamburg und Basel legte sie sich das berufliche Rüstzeug für ihre jetzige Selbstständigkeit zu. Nun will die Systemische Beraterin mit ihrer kleinen Familie in einem alten Bauernhäuschen mit Gemüsegarten bewusster und nachhaltiger leben. Die Großstadt vermisst sie nur in ganz seltenen Momenten. „Der Umzug aufs Land hatte familiäre und wirtschaftliche Gründe“, erklärt Sarah Niesel: „In Hamburg hätten wir es uns nicht getraut, uns selbstständig zu machen. Allein schon wegen der extrem hohen Mietkosten.“ Der Name ihres Unternehmens zeugt dennoch von der Liebe zur Hansestadt: „Ankerkopf“ heißt die Personal- und Karriereberatung für IT-Fach- und Führungskräfte, die Sarah Niesel im Februar 2020 mit ihrem Mann gründete. „Die Selbstständigkeit habe ich vorgelebt bekommen. Mein Vater hat einen Betrieb für die Kennzeichnung von Etiketten. Um mit meinem Mann die Firma aufzubauen, habe ich meine Elternzeit genutzt“, berichtet sie. Ihr Sohn Mischa war ein Jahr vor der Gründung zur Welt gekommen: „Der Kleine hat uns dazu motiviert. Denn trotz der Familie wollte beruflich keiner von uns beiden zurückstecken.“ Nun unterstützt Sarah Niesel IT-ler dabei, den nächsten Karriereschritt zu machen, und vermittelt sie mithilfe ihres Netzwerks an Unternehmen. Ehemann und Mitgründer Daniel Chrobot ist ebenfalls „gelernter“ Psychologe und war in Hamburg zuvor im Recruiting tätig. „Mein Mann ist im Gegensatz zu mir ein Großstadtkind und in Hamburg und Bangkok aufgewachsen. Für ihn war es ein Kulturschock auf dem Land“, sagt Sarah Niesel mit einem Lächeln: „Die Familienfeste bei mir in der Heimat haben ihn zumindest ein wenig darauf vorbereitet.“ Die 35-Jährige hatte ihr Abitur in Espelkamp absolviert: „Gewohnt habe ich mit meiner Schwester und meinen Eltern aber in Oberbauerschaft. Damals gab es dort 2.000 Einwohner, einen Kindergarten, eine Kirche und eine Schule.“ In ihrer Traumstadt Hamburg erhielt sie nach der Schule einen Studienplatz, machte neben dem Vordiplom in Psychologie einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik. Ihren Mann lernte sie beim Handballspielen im Auslandssemester in Basel kennen. In der Schweiz hatte sie damals ein Praktikum im Kunstmuseum gemacht, später schätzte sie Kunst in einem Hamburger Auktionshaus und war in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Heute lebt sie ihre Kreativität auch im Garten aus. Denn neben dem Internetauftritt ihrer Firma gestaltet die Systemische Beraterin auch diesen selbst: „Wir versuchen, uns irgendwann vollständig selbst zu versorgen. Im Gemüsegarten wachsen bereits Kürbisse, Erdbeeren und Kartoffeln.“ Nach dem bezugsfertigen Bauernhäuschen mit Blick auf die Weser hat Sarah Niesel mit ihrem Mann drei Jahre lang gesucht: „Vorher haben wir in einer Altbauwohnung mitten in der Stadt gewohnt. Das war auch schön, aber nur ohne Kind und unseren Hund Emma möglich.“ Eine Wohnung in der Stadt komme für sie nicht mehr in Frage. „Was ich am Leben auf dem Land so liebe, ist das bewusste Wahrnehmen von Jahreszeiten. Im Winter echte Dunkelheit zu erleben, ist ein Erlebnis, das man in der Stadt so nicht hat“, sagt Sarah Niesel. Sie könne sich deshalb zukünftig auch vorstellen, genau das mittels Nachtführungen von Performance-Künstlern erlebbar zu machen: „Es würde ins Bewusstsein rufen, wie schön es hier ist. Ich kann mich auf dem Land jedenfalls auf das Wesentliche besinnen, abseits vom Konsum.“ Dazu gehört für sie auch bewusste Ernährung: „Vor der Geburt meines Sohnes waren mein Mann und ich Veganer, jetzt sind wir Vegetarier. Denn mein Sohn darf schon Käse und Eier essen. Das, was noch da ist auf unserem Planeten, sollten wir gut schützen.“ Auch deshalb lebe sie mit ihrer kleinen Familie plastikarm. Zur Arbeit fährt Sarah Niesel mit dem Fahrrad. 15 Minuten brauche sie, um im Büro im Simeonscarré zu sein: „Aus ökologischen Gründen haben wir nur ein Auto.“ Der Sonntag gehört für Sarah Niesel allein der Familie: „Wir gehen dann meist zum Bäcker nebenan, um Brötchen zu holen. Denn sonst backt mein Mann das Brot gerne selbst. Zu Hause genießen wir dann ein gemütliches Frühstück und machen anschließend einen Ausflug.“ Dann geht es zu den Nammer Klippen oder nach Oberbauerschaft: „Dort besuchen wir mit Mischa Oma und Opa. Und auch meine Schwester wohnt noch dort im Ort.“ „Quality time“ nennt Sarah Niesel diese wertvolle Zeit mit ihrer Familie und setzt deshalb dabei auf „Digital Detox“ – heißt für sie: Finger weg vom Smartphone: „Das Handy ist entweder aus oder auf lautlos gestellt. Ich denke, das hat als Selbstständige auch etwas mit Selbstvertrauen zu tun. Mir fällt das nicht schwer, meinem Mann schon eher.“ Sie habe bereits als Kind als komisch empfunden, wenn bei anderen überall der Fernseher lief: „Wenn ich das Handy beruflich nicht bräuchte, hätte ich es nicht. Ich könnte gut darauf verzichten.“ Eine Sache aus der Großstadt ist für Sarah Niesel dagegen unentbehrlich: „In Hamburg gibt es richtig gute Thai-Restaurants mit veganer Küche. Und damit meine ich nicht den China-Schnellimbiss.“ Ein Trip in die Metropole ist damit für sie auch immer mit einem Besuch einer solchen asiatischen Restaurants verbunden: „Ansonsten vermisse ich hier auf dem Land nichts – außer, dass die Leute ruhig genauso stolz auf ihre Heimat sein könnten, wie es die Hamburger sind.“

Zurück zum Wesentlichen: Warum Sarah Niesel nach Aufenthalten in Hamburg und Basel nun wieder auf dem Land wohnt

Sarah Niesel und Hündin Emma genießen die Spaziergänge in den Hanglagen von Nammen oder Kleinenbremen. Fotos: Kai Senf

Porta Westfalica-Neesen. Wenn sich die güldenen Felder sanft im Wind wiegen und auf dem Kirschbaum im Garten die Vögel zwitschern, dann fühlt sich Sarah Niesel in ihre Kindheit zurückversetzt. Aus ihrem Geburtsort Hüllhorst-Oberbauerschaft zog es die 35-Jährige nach Stationen in europäischen Metropolen zurück aufs Land – nach Neesen. In Hamburg und Basel legte sie sich das berufliche Rüstzeug für ihre jetzige Selbstständigkeit zu. Nun will die Systemische Beraterin mit ihrer kleinen Familie in einem alten Bauernhäuschen mit Gemüsegarten bewusster und nachhaltiger leben. Die Großstadt vermisst sie nur in ganz seltenen Momenten.

„Der Umzug aufs Land hatte familiäre und wirtschaftliche Gründe“, erklärt Sarah Niesel: „In Hamburg hätten wir es uns nicht getraut, uns selbstständig zu machen. Allein schon wegen der extrem hohen Mietkosten.“ Der Name ihres Unternehmens zeugt dennoch von der Liebe zur Hansestadt: „Ankerkopf“ heißt die Personal- und Karriereberatung für IT-Fach- und Führungskräfte, die Sarah Niesel im Februar 2020 mit ihrem Mann gründete. „Die Selbstständigkeit habe ich vorgelebt bekommen. Mein Vater hat einen Betrieb für die Kennzeichnung von Etiketten. Um mit meinem Mann die Firma aufzubauen, habe ich meine Elternzeit genutzt“, berichtet sie. Ihr Sohn Mischa war ein Jahr vor der Gründung zur Welt gekommen: „Der Kleine hat uns dazu motiviert. Denn trotz der Familie wollte beruflich keiner von uns beiden zurückstecken.“ Nun unterstützt Sarah Niesel IT-ler dabei, den nächsten Karriereschritt zu machen, und vermittelt sie mithilfe ihres Netzwerks an Unternehmen. Ehemann und Mitgründer Daniel Chrobot ist ebenfalls „gelernter“ Psychologe und war in Hamburg zuvor im Recruiting tätig.

„Mein Mann ist im Gegensatz zu mir ein Großstadtkind und in Hamburg und Bangkok aufgewachsen. Für ihn war es ein Kulturschock auf dem Land“, sagt Sarah Niesel mit einem Lächeln: „Die Familienfeste bei mir in der Heimat haben ihn zumindest ein wenig darauf vorbereitet.“ Die 35-Jährige hatte ihr Abitur in Espelkamp absolviert: „Gewohnt habe ich mit meiner Schwester und meinen Eltern aber in Oberbauerschaft. Damals gab es dort 2.000 Einwohner, einen Kindergarten, eine Kirche und eine Schule.“

Malina Reckordt

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In ihrer Traumstadt Hamburg erhielt sie nach der Schule einen Studienplatz, machte neben dem Vordiplom in Psychologie einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik. Ihren Mann lernte sie beim Handballspielen im Auslandssemester in Basel kennen. In der Schweiz hatte sie damals ein Praktikum im Kunstmuseum gemacht, später schätzte sie Kunst in einem Hamburger Auktionshaus und war in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Sarah Niesel liebt auch die Arbeit im eigenen Garten. - © kai Senf
Sarah Niesel liebt auch die Arbeit im eigenen Garten. - © kai Senf

Heute lebt sie ihre Kreativität auch im Garten aus. Denn neben dem Internetauftritt ihrer Firma gestaltet die Systemische Beraterin auch diesen selbst: „Wir versuchen, uns irgendwann vollständig selbst zu versorgen. Im Gemüsegarten wachsen bereits Kürbisse, Erdbeeren und Kartoffeln.“ Nach dem bezugsfertigen Bauernhäuschen mit Blick auf die Weser hat Sarah Niesel mit ihrem Mann drei Jahre lang gesucht: „Vorher haben wir in einer Altbauwohnung mitten in der Stadt gewohnt. Das war auch schön, aber nur ohne Kind und unseren Hund Emma möglich.“ Eine Wohnung in der Stadt komme für sie nicht mehr in Frage.

„Was ich am Leben auf dem Land so liebe, ist das bewusste Wahrnehmen von Jahreszeiten. Im Winter echte Dunkelheit zu erleben, ist ein Erlebnis, das man in der Stadt so nicht hat“, sagt Sarah Niesel. Sie könne sich deshalb zukünftig auch vorstellen, genau das mittels Nachtführungen von Performance-Künstlern erlebbar zu machen: „Es würde ins Bewusstsein rufen, wie schön es hier ist. Ich kann mich auf dem Land jedenfalls auf das Wesentliche besinnen, abseits vom Konsum.“ Dazu gehört für sie auch bewusste Ernährung: „Vor der Geburt meines Sohnes waren mein Mann und ich Veganer, jetzt sind wir Vegetarier. Denn mein Sohn darf schon Käse und Eier essen. Das, was noch da ist auf unserem Planeten, sollten wir gut schützen.“ Auch deshalb lebe sie mit ihrer kleinen Familie plastikarm. Zur Arbeit fährt Sarah Niesel mit dem Fahrrad. 15 Minuten brauche sie, um im Büro im Simeonscarré zu sein: „Aus ökologischen Gründen haben wir nur ein Auto.“

Der Sonntag gehört für Sarah Niesel allein der Familie: „Wir gehen dann meist zum Bäcker nebenan, um Brötchen zu holen. Denn sonst backt mein Mann das Brot gerne selbst. Zu Hause genießen wir dann ein gemütliches Frühstück und machen anschließend einen Ausflug.“ Dann geht es zu den Nammer Klippen oder nach Oberbauerschaft: „Dort besuchen wir mit Mischa Oma und Opa. Und auch meine Schwester wohnt noch dort im Ort.“

„Quality time“ nennt Sarah Niesel diese wertvolle Zeit mit ihrer Familie und setzt deshalb dabei auf „Digital Detox“ – heißt für sie: Finger weg vom Smartphone: „Das Handy ist entweder aus oder auf lautlos gestellt. Ich denke, das hat als Selbstständige auch etwas mit Selbstvertrauen zu tun. Mir fällt das nicht schwer, meinem Mann schon eher.“ Sie habe bereits als Kind als komisch empfunden, wenn bei anderen überall der Fernseher lief: „Wenn ich das Handy beruflich nicht bräuchte, hätte ich es nicht. Ich könnte gut darauf verzichten.“

Eine Sache aus der Großstadt ist für Sarah Niesel dagegen unentbehrlich: „In Hamburg gibt es richtig gute Thai-Restaurants mit veganer Küche. Und damit meine ich nicht den China-Schnellimbiss.“ Ein Trip in die Metropole ist damit für sie auch immer mit einem Besuch einer solchen asiatischen Restaurants verbunden: „Ansonsten vermisse ich hier auf dem Land nichts – außer, dass die Leute ruhig genauso stolz auf ihre Heimat sein könnten, wie es die Hamburger sind.“

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