Dr. Sonja Gerlach (CDU) gewinnt klar die Stichwahl in Porta Thomas Lieske Porta Westfalica. Sie hat den Fuß noch nicht ganz in den Versammlungsraum des Bürgerhauses gesetzt, da bricht bereits Applaus los. Bürgermeisterkandidatin Dr. Sonja Gerlach (CDU) ist sichtlich bemüht, den Beifall zu bremsen – schließlich sind zu diesem Zeitpunkt gerade erst etwas mehr als die Hälfte der Wahllokale in Porta ausgezählt. Doch gegen die Glückwünsche kommt sie einfach nicht an – zurecht, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Denn das vorläufige Endergebnis ist so klar wie in keiner anderen Stichwahlkommune im Mühlenkreis: Mit 68,79 Prozent macht Gerlach das Rennen vor dem SPD-Kandidaten Jörg Achilles. Er kann in der Stichwahl am Sonntag gerade einmal 31,21 Prozent holen. Damit zieht noch in diesem Herbst die erste Frau in das Portaner Bürgermeisterbüro. Der Trend zum Ergebnis steht an diesem Abend schnell fest. Dass es aber so klar wird, damit hätten selbst einige CDU- und FDP-Mitglieder nicht gerechnet. Immer wieder stehen sie vor der großen Leinwand, auf der die Zwischenergebnisse präsentiert werden, und fotografieren die Zahlen und Diagramme. Einige schütteln ungläubig den Kopf, andere stoßen nach nur einer halben Stunde vor der Tür mit einem Bier an. Eine „grandiose Teamleistung" nennt Gerlach den Wahlerfolg. 100 Wahlkampftermine in Unternehmen, Vereinen und anderen Institutionen gehörten dazu, an mehr als 30 Tagen Haustürwahlkampf. Das sei eine „intensive Zeit" gewesen. Nun wolle sie den „reisigen Vertrauenvorschuss" der Wählerinnen und Wähler nutzen: „Jetzt kann es an die Arbeit gehen." Das heißt für die Arbeit im neuen Rat: Es wird deutlich schwerer als bisher, politische Mehrheiten zu finden. In etwas mehr als einem Monat wird sie den Dienst im Portaner Rathaus antreten. Ab dann ruht ihr Beamtenstatus. Denn die 48-Jährige aus Bad Oeynhausen ist derzeit Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Eine Kündigung ist für das Amt der Bürgermeisterin nicht nötig. Den Wahlsieg von Gerlach muss der unterlegene Jörg Achilles neidlos anerkennen. Dennoch: Die Stimmenverteilung nagt an den Nerven. „Das Ergebnis ist eindeutig", sagt er knapp. Er schreibt die Niederlage nicht nur der spezifischen Entwicklung in Porta Westfalica zu. Auch das Ergebnis bei der Landratswahl zeige, dass die Mehrheit der Wähler „auf breiter Ebene" etwas anderes wolle, als die SPD im Kreis und in Porta angeboten habe. Das müsse er akzeptieren. „Dafür wünsche ich der neuen Bürgermeisterin viel Erfolg und alles Gute." Die meisten SPD-Mitglieder, die an diesem Abend ins Bürgerhaus gekommen sind, nehmen die deutliche Niederlage insgesamt eher sportlich. Fraktionsvorsitzender Dirk Rahnenführer gratuliert Sonja Gerlach und wünscht sich eine „gute Zusammenarbeit". Der wolle sie nicht im Wege stehen, sagt sie. Die nächsten fünf Jahre werden eine Zeit der wechselnden Mehrheiten in Porta Westfalica. Viele hoffen auf einen Neuanfang nach einigen Jahren der rot-grünen Mehrheit, die zuweilen „frustrierend" gewesen sei, wie an diesem Abend immer wieder durchklingt. Die Chance auf einen Neuanfang wollen aber offenbar alle Seiten nutzen. Von Zusammenarbeit, Kooperation, gar gemeinsamen Anträgen ist am Bürgerhaus noch vor Wahlausgang die Rede. Bei aller Freude über das eindeutige Ergebnis: Bei vielen ist der Enttäuschung über die niedrige Wahlbeteiligung groß. 37,33 Prozent der Wahlberechtigten setzten am Sonntag bei der Stichwahl ihr Kreuz – das waren 11.165 Stimmen. Bei der ersten Wahl vor zwei Wochen waren es noch mehr als 51 Prozent. Dr. Sonja Gerlach erhielt 7.563 dieser Stimmen, Jörg Achilles 3.431. Sein stärkstes Ergebnis fuhr er im Wahlbezirk Nammen ein, in dem er für den Rat kandidierte: 45,25 Prozent. Gerlachs bestes Ergebnis wurde in Veltheim erzielt. Dort holte die gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP 79,54 Prozent. In allen Bezirken lag sie vor Achilles. Das erwartete Erdbeben Kommentar von Thomas Lieske Das Ergebnis der Stichwahl ist zwar ein politisches Erdbeben für Porta Westfalica. Es war aber zu erwarten. Jetzt wird die viel besagte Wechselstimmung in Zahlen greifbar. Dieser spürbare Wunsch nach Veränderungen ist für die meisten Portaner offensichtlich mit der SPD nicht machbar. Und noch etwas zeigt das Ergebnis: Die Unterstützungs-Kampagne der Grünen hat nicht gezogen. Klar, für Dr. Sonja Gerlach war es in mehrfacher Hinsicht einfacher, die Wechselstimmung für den Wahlkampf zu nutzen: Sie hat bisher in Porta (politisch) noch nichts verbockt. Sie gehört weder der SPD, noch den Grünen an. Und sie ist eine Frau. Insgesamt klingt es glaubwürdiger, wenn sie von Veränderungen spricht. Klar ist aber auch, dass die CDU-Kandidatin im Wahlkampf deutlich mehr Gas gegeben hat, als ihr SPD-Kontrahent. Der setzte auf Bekanntheitsgrad und Verwaltungserfahrung, wirkte zuweilen müde, hielt nur tapfer durch. „Jetzt gilt's", lautete der Werbeslogan der CDU zur Stichwahl. Tatsächlich: Jetzt gilt's, dem starken Wählervotum gerecht zu werden. Das wird keine leichte Aufgabe.

Dr. Sonja Gerlach (CDU) gewinnt klar die Stichwahl in Porta

Applaus für die Wahlsiegerin: Dr. Sonja Gerlach gewann mit großem Vorsprung die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Porta Westfalica. MT- © Fotos: Thomas Lieske

Porta Westfalica. Sie hat den Fuß noch nicht ganz in den Versammlungsraum des Bürgerhauses gesetzt, da bricht bereits Applaus los. Bürgermeisterkandidatin Dr. Sonja Gerlach (CDU) ist sichtlich bemüht, den Beifall zu bremsen – schließlich sind zu diesem Zeitpunkt gerade erst etwas mehr als die Hälfte der Wahllokale in Porta ausgezählt. Doch gegen die Glückwünsche kommt sie einfach nicht an – zurecht, wie sich kurze Zeit später herausstellt. Denn das vorläufige Endergebnis ist so klar wie in keiner anderen Stichwahlkommune im Mühlenkreis: Mit 68,79 Prozent macht Gerlach das Rennen vor dem SPD-Kandidaten Jörg Achilles. Er kann in der Stichwahl am Sonntag gerade einmal 31,21 Prozent holen. Damit zieht noch in diesem Herbst die erste Frau in das Portaner Bürgermeisterbüro.

Der Trend zum Ergebnis steht an diesem Abend schnell fest. Dass es aber so klar wird, damit hätten selbst einige CDU- und FDP-Mitglieder nicht gerechnet. Immer wieder stehen sie vor der großen Leinwand, auf der die Zwischenergebnisse präsentiert werden, und fotografieren die Zahlen und Diagramme. Einige schütteln ungläubig den Kopf, andere stoßen nach nur einer halben Stunde vor der Tür mit einem Bier an.

Eine „grandiose Teamleistung" nennt Gerlach den Wahlerfolg. 100 Wahlkampftermine in Unternehmen, Vereinen und anderen Institutionen gehörten dazu, an mehr als 30 Tagen Haustürwahlkampf. Das sei eine „intensive Zeit" gewesen. Nun wolle sie den „reisigen Vertrauenvorschuss" der Wählerinnen und Wähler nutzen: „Jetzt kann es an die Arbeit gehen." Das heißt für die Arbeit im neuen Rat: Es wird deutlich schwerer als bisher, politische Mehrheiten zu finden.

Zwischenzeitlich kratzte Gerlach an der 70-Prozent-Marke. Immer wieder fotografierten Neugierige ungläubig das Säulendiagramm. - © MT-Foto: Thomas Lieske
Zwischenzeitlich kratzte Gerlach an der 70-Prozent-Marke. Immer wieder fotografierten Neugierige ungläubig das Säulendiagramm. - © MT-Foto: Thomas Lieske

In etwas mehr als einem Monat wird sie den Dienst im Portaner Rathaus antreten. Ab dann ruht ihr Beamtenstatus. Denn die 48-Jährige aus Bad Oeynhausen ist derzeit Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Eine Kündigung ist für das Amt der Bürgermeisterin nicht nötig.

Den Wahlsieg von Gerlach muss der unterlegene Jörg Achilles neidlos anerkennen. Dennoch: Die Stimmenverteilung nagt an den Nerven. „Das Ergebnis ist eindeutig", sagt er knapp. Er schreibt die Niederlage nicht nur der spezifischen Entwicklung in Porta Westfalica zu. Auch das Ergebnis bei der Landratswahl zeige, dass die Mehrheit der Wähler „auf breiter Ebene" etwas anderes wolle, als die SPD im Kreis und in Porta angeboten habe. Das müsse er akzeptieren. „Dafür wünsche ich der neuen Bürgermeisterin viel Erfolg und alles Gute."

Locker im Gespräch: Dr. Sonja Gerlach und Jörg Achilles kurz nach Wahlschluss im Garten des Bürgerhauses. - © MT-Foto: Thomas Lieske
Locker im Gespräch: Dr. Sonja Gerlach und Jörg Achilles kurz nach Wahlschluss im Garten des Bürgerhauses. - © MT-Foto: Thomas Lieske

Die meisten SPD-Mitglieder, die an diesem Abend ins Bürgerhaus gekommen sind, nehmen die deutliche Niederlage insgesamt eher sportlich. Fraktionsvorsitzender Dirk Rahnenführer gratuliert Sonja Gerlach und wünscht sich eine „gute Zusammenarbeit". Der wolle sie nicht im Wege stehen, sagt sie.

Die nächsten fünf Jahre werden eine Zeit der wechselnden Mehrheiten in Porta Westfalica. Viele hoffen auf einen Neuanfang nach einigen Jahren der rot-grünen Mehrheit, die zuweilen „frustrierend" gewesen sei, wie an diesem Abend immer wieder durchklingt. Die Chance auf einen Neuanfang wollen aber offenbar alle Seiten nutzen. Von Zusammenarbeit, Kooperation, gar gemeinsamen Anträgen ist am Bürgerhaus noch vor Wahlausgang die Rede.

Bei aller Freude über das eindeutige Ergebnis: Bei vielen ist der Enttäuschung über die niedrige Wahlbeteiligung groß. 37,33 Prozent der Wahlberechtigten setzten am Sonntag bei der Stichwahl ihr Kreuz – das waren 11.165 Stimmen. Bei der ersten Wahl vor zwei Wochen waren es noch mehr als 51 Prozent.

Dr. Sonja Gerlach erhielt 7.563 dieser Stimmen, Jörg Achilles 3.431. Sein stärkstes Ergebnis fuhr er im Wahlbezirk Nammen ein, in dem er für den Rat kandidierte: 45,25 Prozent. Gerlachs bestes Ergebnis wurde in Veltheim erzielt. Dort holte die gemeinsame Kandidatin von CDU und FDP 79,54 Prozent. In allen Bezirken lag sie vor Achilles.

Das erwartete Erdbeben

Kommentar von Thomas Lieske

Das Ergebnis der Stichwahl ist zwar ein politisches Erdbeben für Porta Westfalica. Es war aber zu erwarten. Jetzt wird die viel besagte Wechselstimmung in Zahlen greifbar. Dieser spürbare Wunsch nach Veränderungen ist für die meisten Portaner offensichtlich mit der SPD nicht machbar. Und noch etwas zeigt das Ergebnis: Die Unterstützungs-Kampagne der Grünen hat nicht gezogen.

Klar, für Dr. Sonja Gerlach war es in mehrfacher Hinsicht einfacher, die Wechselstimmung für den Wahlkampf zu nutzen: Sie hat bisher in Porta (politisch) noch nichts verbockt. Sie gehört weder der SPD, noch den Grünen an. Und sie ist eine Frau. Insgesamt klingt es glaubwürdiger, wenn sie von Veränderungen spricht. Klar ist aber auch, dass die CDU-Kandidatin im Wahlkampf deutlich mehr Gas gegeben hat, als ihr SPD-Kontrahent. Der setzte auf Bekanntheitsgrad und Verwaltungserfahrung, wirkte zuweilen müde, hielt nur tapfer durch.

„Jetzt gilt's", lautete der Werbeslogan der CDU zur Stichwahl. Tatsächlich: Jetzt gilt's, dem starken Wählervotum gerecht zu werden. Das wird keine leichte Aufgabe.

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